Bärtierchen
Was für eine Wohltat wäre es für unseren Planeten, wenn wir Menschen uns - vielleicht mal für ein Jahrzehnt - in Bärtierchen oder auch Wasserbären genannt verwandeln würden?
Bei Bedenken: es würde uns wahrscheinlich kaum etwas in dieser Zeit passieren, wer als Wasserbär gefroren wird, ist nach ca. 93 Tagen „tot“ und altert nicht, bis sein Körper zu neuem Leben erwacht.
Denn wenn man dem Forscher Rafael Alves Batista von der Oxford Universität glauben darf, sind „Bärtierchen die unzerstörbarsten Organismen, die wir auf der Erde haben.“
Die Tiere sind nur so groß wie 1/5 einer Schneeflocke, also nur zwischen 500 und 1.500 Mikrometer, und sehen, unter dem Mikroskop betrachtet, noch nicht einmal unattraktiv aus…falls da irgendwelche Bedenken bestehen sollten. Sie kommen als nur locker befüllte, in allen möglichen Brauntönen vorkommende, knautschige Nackenrollen daher, mit acht Stummelbeinchen unten dran. Vorn sind sie mit einer kleinen Rüsselnase ausgestattet, die an eine Staubsaugeröffnung mit kleinen Nadeln ringsherum, erinnert. Ja, sie haben, ihrem Namen gerecht werdend, entfernt mit Bären Ähnlichkeit. Zwar Bären, die erst noch in ihren Pelz wachsen müssen, aber deswegen sehen sie ja so schön knautschig-fluffig und überhaupt nicht zum Fürchten aus! Genau wie die uns bekannten Braunbären.
Auch ihre einziehbaren Krallen an den Pfoten und den langsamen, gemächlichen, ja oft tolpatschig wirkenden Gang, haben die Kleinen mit ihren großen Namensgebern gemein. Genau wie sie und wir, sind sie Allesfresser. Mit den Nadeln an der röhrenförmigen Mundöffnung spießen sie Pflanzenzellen, Fadenwürmer oder Rädertierchen auf. Sie saugen sie aus, wie mache unter uns mit Vorliebe Austern schlürfen oder lachend Spaghetti einsaugen.
Doch Bärtierchen, die weltweit in Feuchtgebieten wie Mooren, Süßgewässern, sogar der Tiefsee und der Antarktis beheimatet sind, sind aufgrund ihres sehr speziellen Erbgutes, im Gegensatz zu uns, einzigartige Anpassungskünstler und allen uns bekannten Spezies weit überlegen. Einige Arten leben im Moos oder im Waldboden, vielleicht direkt bei uns um die Ecke. Andere mittlerweile auf dem Mond.
Auch extreme Wetter-Schwankungen, Temperaturen von 100 bis -270 Grad Celsius, UV-Strahlung, radioaktive Strahlung, selbst das Vakuum des Weltalls können den wirbellosen Tieren kaum etwas anhaben. Im Laufe der Erdgeschichte überlebten die Winzlinge Asteroiden-Einschläge, Vulkan-Ausbrüche und andere Natur-Katastrophen.
Den neuen bevorstehenden Klimawandel werden sie dann ja wohl auch wieder schaffen.
Selbst wenn sie an Orten zu Hause sind, die die nächsten dreißig Jahre kein Wasser sehen sollten.
Laut National Geographic können diese kleinen Erdenbewohner nämlich „bis zu 30 Jahre lang ohne Wasser und Nahrung überleben“. Dies ermöglicht ihnen ihre geheime und wohl auf unserem Planeten größte Superkraft: die Kryptobiose - eine Art Schockstarre, bei der das Wasser im Inneren des Organismus zu Protein verwandelt wird. Das lässt die Tiere, die Kopf und Beine einziehen und dann einer kleinen Tonne ähneln, austrocknen und so lange in dem Zustand verweilen, bis die äußeren Umstände ein Weiterleben wieder zulassen. Das kann Jahrzehnte dauern.
Das Einzige, was diesen kleinen Wundertieren wirklich etwas anhaben könnte, wäre eine über zwei Jahre ununterbrochen andauernde Hitzewelle über 37 Grad Celsius gepaart mit komplettem Wasserentzug, das heißt ohne jegliche Abkühlung und Feuchtigkeit auch des Nachts.
Für uns Menschen nur schwer vorstellbar. Selbst die Wüste kühlt nachts ab.
Komplett ohne den kryptobiotischen Zustand hat ein Bärtierchen allerdings gerade mal eine maximale Lebensdauer von zwei Jahren. Nur durch den Wechsel aus todesähnlichem Schlaf und Wiederauferweckung kann sich ihr Leben bei optimalen Bedingungen fast bis ins Unendliche verlängern. Damit wird die Zeit für diese Häutungstiere relativ. Ein Leben zwischen Todzeiten. Ganz ohne dem Gleichgewicht unseres Planeten zu schaden. Einfach faszinierend!
Und falls es für den einen oder anderen von Interesse sein sollte, natürlich pflanzen sich diese kleinen Wesen auch fort. Mit oder ohne Männchen, mit oder ohne Eiablage, je nach Art.
Wirklich eine beeindruckende Spezies, die da fast unbemerkt neben uns existiert.
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