Seitenwind Woche 10: Parodie

Neulich, bei Burgunds

Die von und zu Xantens kamen mal wieder zu Besuch. Schon im Vorfeld gab es jede Menge Spaß.
Siegmund hatte die ganze Fahrt über gesoffen, während Sieglind sich die Galle aus dem Leib gekotzt hatte. Klein-Siegfried kämpfte mit imaginären Drachen und musste mindestens dreimal aus dem Rhein gezogen werden. Sein Vater nuschelte nur: »Was uns nicht tötet macht uns härter«, was seine Mutter von sich gab waren keine Worte.

Als die Burgunden das Schiff kommen sahen, brach Hektik aus.
Mutter Ute kreischte in den höchsten Tönen, dafür war ihr kein Anlass zu gering. Sie ließ die Kinder durchs Wasser ziehen, den guten Wein verstecken, den Vater suchen, der sich offenbar in ein Weinfass verwandeln und mitversteckt werden wollte. Na Prost. Blieb wieder alles an ihr hängen. Mit der neunschwänzigen Peitsche trieb sie das Gesinde durch die Burg, und die Kinder wurden eingesperrt. Die brauchte man ja sauber zum Vorzeigen.

Als die Xantener die Halle betraten sah alles aus wie sonntags aufm Sofa und Ute zeigte Zähne beim Grinsen.
»Ach nein, welch Überraschung«, säuselte sie. Die beiden Väter rülpsten sich mit rotgesoffenen Augen zu und begannen direkt, nach den Weinfässern zu suchen. Die beiden Frauen gruselten sich gemeinsam vorm nächsten Morgen. Die Kinder wurden angewiesen, schön brav zu spielen.
Kriemhild wurde die Jungfrau in Gefahr, Gunther sollte König sein, Hagen und Gernot seine Ritter. Und Klein-Siegfried? Naja, der besiegte den Drachen. Was sonst. Genau. Zu sonst was war er eh nie zu gebrauchen.
Zeter und Mordrio schreiend stürmte er durch die Halle, sprang aus vollem Lauf auf die gedeckte Tafel, glitschte in der guten Holundertunke aus und wurde urplötzlich abgebremst, als er Schwert zuvorderst an der Burgundenmutter stecken blieb.

Während alle noch verdutzt auf die Sterbende sahen, brummte Hagen von hinten: »Du hast dich als wahrer Drachentöter erwiesen.«