Offene Enden Teil 4: Schreib Teil 5 – Finale

»Richard, tun Sie es nicht!« Christians Herz raste. Adrenalin rauschte durch seine Adern.
Er musste etwas unternehmen. Berger durfte sich nicht auch noch das Leben nehmen und diesem Mistkerl einen weiteren Sieg bescheren. Irgendwie musste er den Täter überwältigen, ihn zwingen, Marlenes Standort preiszugeben.

Im nächsten Moment sprang er und landete auf dem Unbekannten. Der Mann fiel wie ein Sack zu Boden.
»Richten Sie die Pistole auf den Mann, Richard!«, brüllte er aufgelöst.
Berger rührte sich nicht.
»Nun, machen Sie schon!«
»Wow, Christian, das war toll, geradezu heroisch.« Richard klatschte. »Ich applaudiere Ihnen für diese Nummer. Doch der Spaß ist jetzt vorbei.«

Berger richtete seine Waffe auf ihn.
»Sind Sie verrückt? Was soll das?«
»Oh, es hat so einen Spaß gemacht.« Richard lachte verächtlich. »Olaf, steh auf. Danke für deine Hilfe. Das Geld überweise ich dir, sobald ich es habe«, sagte er zu dem Mann, der noch auf dem Boden lag.

Langsam stolzierte Berger zur Kamera und schaltete sie ab. »Wir werden das schneiden – bis zu dem Punkt, an dem Pfeiffer dich anspringt. Und vergiss nicht, dein Gesicht unkenntlich zu machen.«
Olaf nickte grinsend. »Keine Sorge, das mache ich als Erstes.«
»Was ist hier los, verdammt noch mal!« Pfeiffer war blass, seine Unterlippe zitterte, und fast konnte man denken, er würde in Tränen ausbrechen. Für einen kurzen Moment hegte Richard fast ein wenig Mitleid.
»Nun, wo fange ich an: Erinnern Sie sich an den Bericht, den Sie vor vielen Jahren über die Reisebranche verfasst haben? Wahrscheinlich nicht. Euch Pressefuzzis ist doch alles egal, Hauptsache, ihr habt eine Story.« Berger pausierte für eine Sekunde, ehe er weitersprach: »Jedenfalls haben Sie mein Reisebüro verrissen. Sie haben meinen Laden als Schundgrube bezeichnet, die nur mit billigen, unseriösen Veranstaltern zusammenarbeitet. Seitdem konnte ich kaum noch überleben und war gezwungen, wirklich krumme Geschäfte zu machen.«

Pfeiffer starrte ihn mit großen Augen an. »Glücksreisen gehörte Ihnen?«
»Richtig, mein Lieber. Wie dem auch sei. Ich dachte mir: Heutzutage machen doch alle irgendetwas, um berühmt zu werden und viel Geld über Schroutube oder Linstergram zu generieren. Was lieben die Menschen besonders? Natürlich einen tragischen Helden.«
»Sie sind vollkommen irre!« Christian versuchte, Berger abzulenken. Er musste hier raus.
»Irre oder nicht. Wir hatten 20 Millionen Views. Das lohnt sich. Olaf war so lieb die Rolle des Bösewichtes einzunehmen.«
»Und der Mann, der sich erschossen hat?«
»Der hatte Krebs im Endstadium. Hatte einen Antrag auf Sterbehilfe gestellt, der ihm verweigert wurde. Der hat sich gerne für den guten Zweck geopfert«, antwortete Olaf selbstgefällig.
»Sie haben Maria erschossen, Sie Schwein!«
»Man muss Opfer bringen, Christian, und mutig sein, wenn man etwas erreichen will«, erwiderte Richard ernst.
»Und Marlene?« Pfeiffer glaubte, durchzudrehen.
»Marlene geht es hervorragend. Komm heraus, Schwesterlein. Zeig dich.«

Marlene Romero betrat lächelnd den Raum. Sie sah gut aus – frisch, strahlend und unverletzt.
»Sie sind eine Frau Gottes. Wie können Sie sich auf so etwas einlassen?«
»Aber genau das ist es ja, Christian. Maria ist jetzt bei ihm. Ihr geht es gut in seinen liebevollen Armen. Sie können sie nicht mehr terrorisieren, betrügen oder schlagen. Sie ist jetzt glücklich und in Sicherheit.« Marlenes Blick verursachte bei Pfeiffer eine Gänsehaut, die bis zu seinen Zehenspitzen reichte. Es war der typische Blick einer Psychopathin: kalt, leer und fixierend wie eine Klapperschlange.
»Was haben Sie jetzt vor?«
»Na, was wohl? Ich erschieße Sie, danach schieße ich mir selbst in den Arm. Der Täter flieht. Und ich habe Marlene gerettet«, antwortete Berger wie selbstverständlich. »Ein Held ist geboren. Und Sie sind auch einer. Ein Toter, aber ein Held. Im Kampf gestorben für die gute Sache.«

»Sie werden Maria wiedersehen und können Ihre Sünden aufarbeiten. Also ein glückliches Ende für alle Beteiligten«, ergänzte Marlene lächelnd.
»Damit werden Sie nicht durchkommen!«, schrie Pfeiffer.
»Aber das bin ich doch schon.«
Berger schoss. Das Letzte, was Christian sah, waren Marlenes unheimliche Augen.