Versuch

Köstlich.

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Stefan schleppte Taschen und Tüten hinter Bocuse her. Es war keine anstrengende Aufgabe. Nur etwas unangemessen für einen Helden in Ausbildung. Immerhin verkürzte sich das Schlangestehen dank seiner Bestie erheblich. Man ließ sie gerne vor. Natürlich gab es immer mal wieder eine ältere Dame mit violetten Haaren, die sich durch das gesamte Käseangebot fragte und schließlich mit 50 Gramm Gouda abzog. Meistens sah diese Dame extrem schlecht und hielt die Bestie für ein kleines braves Mädchen. Im Prinzip keine Fehleinschätzung.

„Chef! Diese Trüffeln sind alt-alt-alt! Wo hast du die frische Ware?“

Missmutig beugte sich der Verkäufer hinab und zog eine Schale frischer Trüffel hervor.

„Ah!“

Bocuse behandelte die Trüffel wie Schnupftabak. Er inhalierte sie regelrecht. Der Verkäufer konnte nicht einmal hinsehen.

„Siehst du Stefan. Das ist gute Ware.“

Er hielt Stefan einen Trüffel hin. Stefan hielt das Ganze für überflüssigen Aufwand. Die ganzen Tüten und Taschen mit Spezialitäten und Delikatessen. Ihm würde eine ordentliche Mammutkeule reichen. Andererseits stieg ihm gerade ein spezieller Duft in die Nase und verband sich mit seinen Erinnerungen an vergangene Mahlzeiten. Vielleicht würde eine kleine Sauce eine ganz passable Ergänzung ergeben. Interessiert musterte er das Objekt in Bocuses Hand.

„Chef! Wir nehmen alle.“

Eine kleine Tüte wechselte den Besitzer.

„Und jetzt eine Currywurst.“

Bocuse eilte zu einer Wurstbude und bestellte erst zwei, dann nach einem kurzen Blick auf die Bestie eine weitere Portion.

„Das, Stefan, ist das Beste, was du je gegessen hast.“

Dampfende Wurst wurde in einer Pappschale über den Tresen gereicht.

„Diese Aromen.“

Bocuse schloss die Augen und sog den aufsteigenden Dampf mit orgiastischer Wonne ein. Mit atemberaubender Geschwindigkeit verschwanden die Wurststückchen in seinem Mund.

„Magst Du nicht?“

Bocuse sah Stefan hoffnungsvoll an. Stefan kaute vorsichtig herum. Gar nicht übel. Das konnte durchaus mit Mammutkeule konkurrieren.

„Gell, Bestie, wir holen uns noch eine Portion?“

Bocuse tätschelte die Bestie und bedeutete dem Wurstverkäufer*, dass er Nachschub brauchte.

*Es handelt sich um einen weit entfernten Cousin von Treibe-mich-selbst-in-den-Ruin Schnapper. Das schwarze Schaf in der Familie, das unerschütterlich an Qualität glaubt.

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Geschichte einmal ganz anders

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Hera beugte sich zu ihrem Gatten.

„Nun, worüber denkst du nach?“

„Du weißt schon, das Fest. Habe ich an alles gedacht? Musik - die Musen. Essen – Bocuse. Dekoration – die Putti. Habe ich was vergessen?“

„Getränke?“

„Das macht doch Hebe.“

„Vielleicht solltest du sie trotzdem fragen. Nur so aus Höflichkeit.“

„Hmja. Mache ich.“

Zeus beobachtete die Tannenbäume. Sie gefielen ihm gut. Brachte so eine grüne Note herein. Und sie bewegten sich wie elegante Schlittschuhläufer. Es ließ sich nicht vorhersagen, wann und wo – aber jeder von ihnen schien einen bestimmten Platz zu suchen, um dort Wurzeln zu schlagen. Eine Kleinigkeit störte Zeus.

„Was machen die Bäume hier?“

Die Putti kamen eifrig angeflattert.

„Das ist unsere Dekoration. Wir sind noch nicht fertig.“

„Wir hängen noch Sterne dran.“

„Und Kerzen.“

„Und Krokant.“

„Wieso Krokant? Wer hat gesagt, dass wir Krokant dran hängen?“

Die Putti ergingen sich in einem Disput über den korrekten Baumbehang. Zeus räusperte sich. Nicht so ein entschuldigendes Darf-ich-auch-mal-was-sagen oder ein Ich-bin-hier-der-Boss. Sondern ein durch und durch göttliches Räuspern, das jedes Gespräch verstummen ließ. Die Putti erhöhten nervös die Flügelschlagfrequenz.

„Wer hat erlaubt, Bäume aufzustellen? Und keine Diskussionen über Krokant.“

„Aber Zeus, Liebling. Du hast die Putti doch mit der Dekoration beauftragt.“

Zeus schwieg betreten.

„Okay. Weitermachen.“

Und während sich die Putti eilig entfernten, hörte man:

„Sehr ihr! Krokant ist okay. Hat Zeus selbst gesagt.“

„Er hat gar nichts zu Krokant gesagt.“

„Seid still. Wir sind nur so gerade eben davon gekommen:“

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Das Fest

Die Götter erwarteten das Fest voller Vorfreude. Sie suchten die edelsten Gewänder heraus, Helden klopften ihre Felle aus, man überlegte sich Dankesreden und diskutierte, was Bocuse kreieren würde.
Einer nach dem anderen oder in kleinen Gruppen trudelten sie ein und diesmal war wirklich jeder eingeladen, schon um solche Sachen wie mit dem Apfel-Drama zu vermeiden.
Xyle zupfte ein paar Nullen aus dem Fell von Terro*, Terro hielt Gotta eisern an der Hand, Gotta hielt nach seinen Freunden Ausschau.
Festlicher Baumschmuck tauchte alles in eine besondere Atmosphäre. Die Götter ließen sich auf ihren Plätzen nieder. Erwartungsvoll starrten sie nach vorne. Endlich erschienen Zeus und Hera.

„Sieht doch sehr schön aus. Die Putti haben das hervorragend hinbekommen. Eine gute Entscheidung von dir, sie zu beauftragen.“

Zeus schwoll ein bisschen die Brust. Er bekam nicht häufig Lob von seiner Göttergattin. Würdevoll stand er vor seinem Thron. Das Gemurmel verstummte. Alle Aufmerksamkeit richtete sich auf Zeus. So mochte er es.

„Möge das Fest beginnen!“

Die Musen hatten geleitet von früheren Erfahrungen auf klassische Klagegesänge verzichtet und so ertönte Last Christmas, während die Putti über den Göttern schwebten und (haltbare) Schneeflocken verstreuten. Hebe stand startbereit an der Bar, hinter sich Loki, der gerade im bewundernden Anblick ihrer atemberaubenden Schultern versank. Einmal so von Zeus angesehen werden, dachte Hera (verwechseln Sie die beiden bloß nicht: Hera = Gattin von Zeus / Hebe = Tochter von Zeus und Hera), während sie ihre Blicke schweifen ließ. Zeus klatschte in die Hände und zwei Putti kamen mit dem traditionellen Wichtel-Sack angeflogen.

„Meine Liebe, erste unter den Göttinnen, dir gebührt der erste Griff in den Wichtelsack.“

Hera griff beherzt hinein. Sie zog ein verdammt schweres Geschenk hervor. Zeus beobachtete gespannt, wie sie das Papier aufriss. Chromglänzende Hanteln kamen zum Vorschein. Begeistert fiel sie Zeus um den Hals. Hanteln nutzen sich im Lauf der Jahrtausende ganz schön ab. Ein fettes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er hatte ins Schwarze getroffen. Zeus umarmte seine Frau.
Der Sack wurde von einem Gott zum nächsten gebracht und jeder erhielt sein Geschenk. Als der Sack bei Loki eintraf, blickten die Götter gespannt auf. Und hielten den Atem an, als Loki die Box der Pandora auspackte. Wer konnte nur auf eine so dermaßen idiotische Idee kommen! Lokis Augen glühten, als er die Box öffnete. Die Götter wichen zurück. Eine kleine Hand wurde sichtbar, griff nach dem Deckel und klappte ihn wieder zu.

„Eine Useless Box!“

Loki war entzückt. Die anderen Götter auch. Sie brauchten jetzt dringend (a) einen Drink und (b) was zu essen.

Bocuse wusste, wie man sich inszeniert. Während er die Gänge des Menüs verkündete, nahmen die dienstbaren Geister hinter ihm ihre Position ein. Fatalerweise kenne ich mich mit Festessen nur soweit aus, wie der Dreiklang von Braten-Blaukraut-Kloß reicht, hier jagte vermutlich ein Gang den nächsten, gefolgt von Zwischengängen, die entweder den Gaumen befeuerten oder ihn in süßem Schmelz vergehen ließ. Und natürlich Trüffel. Von Stefan höchstpersönlich über die Teller der Götter gehobelt. Unter und hinter den Weihnachtsbäumen traf sich die Primärerziehung Stufe II, die dem Krokant deutlich mehr abgewinnen konnte als den Gaumenfreuden des Bocuse.

Die Helden hatten sich um Stefan geschart. Sicherheitshalber hatten sie ein paar Wildschweinkeulen zur Selbstversorgung mitgebracht. Man wusste ja nie, was Bocuse kochte. Obwohl – seine Süßspeisen waren echt gut.

„Probiert mal diese Sauce! Wirklich! Es lohnt sich.“

Misstrauisch beäugten die Helden den Inhalt von Stefans Sauciere. Kleine braune Stückchen schwammen darin.

„Seht ihr. Einfach ein Stück von der Keule abzupfen und eintunken.“

Stefan gab sich die größte Mühe. Zögerlich dippte ein Held sein Fleischstückchen ein. Sein Fell rutschte von der Schulter, weil er sich so weit vorbeugen musste. Er hätte natürlich auch einen Schritt vortreten können. Aber das hätte seiner misstrauischen Haltung Abbruch getan.

„Wow. Das schmeckt irre. Was ist das?“

Mit aufgerissenen Augen starrte er die Sauce an. Die anderen Helden musterten ihn. Er wälzte sich nicht mit bestialischen Magenschmerzen am Boden. Vielleicht war das essbar.

„Darf ich nochmal?“

„Klar. Greif zu!“

Der Held, der sein Heldentum mit unvergleichlichem Mut unter Beweis gestellt hatte, dippte ein weiteres Stück Fleisch ein. Die anderen Helden rückten interessiert näher. Sie wollten in der Kategorie Heldenmut auf keinen Fall in die roten Zahlen rutschen. Die Revision praktiziert eine gnadenlose Buchhaltung.

Den letzten Löffel Sauce weggelöffelt, ein guter Tropfen zum Nachspülen. Die Götter streckten die Glieder auf ihren Liegen aus. In diesem Moment beschlossen die Musen, dass es Zeit für weniger besinnliche Musik sei. So zog es die eben noch trägen Götter auf die Tanzfläche, wo sie entfesselt zu den Rhythmen der Sterblichen tanzten. Es gibt immer jemanden, der völlig unmusikalisch ist, der an eine Wand gelehnt dasteht und sich fragt, wozu das dienen soll, also abgesehen von diesem Jemand strömten die Götter zur Tanzfläche, über der sich Diskokugeln drehten. Todesstern hatte die anderen Welten überredet und den perfekten Ort gefunden, um mitzufeiern. Niemand würde sie entdecken. Die meisten Welten hatten sich in glitzernde Spiegelkleider geworfen. Todesstern strahlte Schwarzlicht aus.

Zwischendurch ein Schmuselied. Hera schmiegte sich an Zeus.

„Liebling, das war das beste Geschenk, das ich jemals bekommen habe.“

Zeus küsste sie liebevoll auf die Stirn. So übel war sie als Ehefrau gar nicht. Vielleicht finden Sie es etwas peinlich, aber Zeus und Hera waren tatsächlich Geschwister. So wie bei den alten Ägyptern, die es im Übrigen nur von den Göttern abgeschaut hatten. Diese Geschwisterehe mag auch der Grund für die ständigen Affären von Zeus sein. Bei den Göttern spielt die Genetik allerdings keine problematische Rolle. Manchmal kommt es nur zu interessanten Kombinationen.

Athene tanzte mit Sisyphos und wie es aussah, würde sie ihn heute abschleppen.

Gotta, Terry und Douglas lagen erschöpft unter einem Baum. Um sie herum waren die Einwickelpapierchen von Krokant verstreut.

„Leute. IchfreuemichaufgesundeBrotzeit.“

„Ohja. Gemüse.“

„Und so.“

Loki stand an der Bar und klappte die Useless Box unermüdlich auf.

„So Loki! Das reicht für heute!“

Loki sah die Box erstaunt an.

„Redest du mit mir?“

„Mit wem sonst! Du hast genug gespielt. Kümmere dich um deine Freundin und lass mich in Ruhe.“

Der Deckel wurde mit Nachdruck zugezogen.
Verschreckt stellte Loki die Box unter der Bar ab. Hebe brauchte sicher Unterstützung. Er könnte ein paar Zitronen schneiden. Schirmchen aufspannen. Oder er übergab Dionysos die Verantwortung für die Bar. Der stand schon die ganze Zeit hier herum und nervte. Loki wählte die zweite Variante und verschwand mit Hebe auf der Tanzfläche.

Abby und Evi waren beide erschöpft in einer Ecke eingeschlafen. In den Armen hielt jede einen Teddy (von Zeus mit Billigung von Hera) und es war bezaubernd anzusehen, wie nichts um sie herum mutierte. Asklepios streifte sie mit einem Blick und nickte zufrieden. Kinder müssen auch mal Kinder sein dürfen.

Und damit endet die Geschichte. Ich bedanke mich herzlich bei allen Lesern. Euer Zuspruch hat das hier am Laufen gehalten. Und: Ein frohes Weihnachtsfest!

  • Haben Sie ein Haustier? Überall sind Haare (vorausgesetzt es handelt sich um einen Hund oder eine Katze {keine Nacktkatze}). Sie sind überall. Binärcode nullt furchtbar.
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@Huselkuv Vielen Dank für diese göttliche Komödie. Ich hoffe sehr, dass du uns nicht ganz ohne „Stoff“ hängenlässt.
Und ein Extradanke für den tierischen Schluss. Ich werde sicher eins der weihnachtlichen Gläser auf dich trinken :evergreen_tree: :cocktail: :champagne:

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Ende? Aus und vorbei? Das ist aber schade.

„Versuch“, Bruchstücke und Fragmente, haben sich zu zusammenhängenden Geschichten entwickelt.
Wirst du ein Buch daraus machen? Ich würde das fertige Buch kaufen. Ich mag deinen Erzählstil.

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ich habe fragwürdiger Weise mit einer AI Entwürfe für ein Titelbild generieren lassen. Mal abgesehen von der Fragwürdigkeit des Vorgehens, würde sowas passen? Und nein, die nehme ich nicht, sondern meine bevorzugte Grafikerin darf das mit sehr vielen Änderungen als Anregung verwenden.

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Ich finde, der Stil und die Motive passen.

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Liebe @Huselkuv … deine Geschichten sind viel besser als die Vorschläge der KI.

Es ist immer schwer, da einen Ratschlag zu geben. Vor allem, wenn man keine bessere Lösung kennt. Das Cover müsste aber ebenso einzigartig sein wie deine Texte. Vielleicht in der Art einer Karikatur oder eine sehr vereinfachte Darstellung deiner Figuren. Es wäre jedenfalls schade, wenn der Witz deiner Geschichte(n) seitens des Covers ignoriert würde.

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Ich denke, deine Buchkäufer werden sich das Cover vor allem im Internet als Vorschaubild ansehen, und da ist weniger mehr. Die vielen Details werden bei der digitalen Vorschau eher untergehen, so wie sie jetzt für mich am PC auf deinem Viererbild ziemlich untergehen.

Neris Idee von vereinfachter Darstellung und Karikatur gefällt mir.
Vielleicht in der Art dieser Vase:

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Vielen Dank an Euch. Das klingt, als müsste ich den Stil noch einmal überdenken. Ich dachte, dass etwas Farbe für ein Titelbild gut passt. Da geht es auch gar nicht darum, die Einzelheiten alle zu erfassen. Mein Favorit wäre ja Josh Kirby. Da gibt es nur das eine oder andere Problem mit der Kommunikation. Ich habe meinen ersten Band von Terry Pratchett überhaupt nur gekauft, weil mir das Titelbild so gut gefiel. Aber nicht jeder ist so visuell fixiert wie ich.

An Vasenbilder dachte ich auch schon. Aber in anderer Farbgebung.

Moin,

darf ich fragen welche AI du genutzt hast?

LG
Der Tobi

Das war midjouney über Discord. Man gibt Text ein und erhält vier Bilder. Es ist ganz erstaunlich, wie gut unsere Stereotypen erfüllt werden.

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Nächster Vorschlag. Von alten griechischen Pötten abgemalt.

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Ja, das hat was. Gefällt mir besser als die bunten AI-Entwürfe.
:+1:

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Ich würde es noch bunt machen. Das hat was Kitschiges und passt zu den Motiven selbst, finde ich. Dass die Geschichte nicht kitschig ist, merkt man dann ja am Klappentext.

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Hier der aktuelle Stand.

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Ich finde, nun ist es unübersichtlich geworden.

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