Überleben
Es ist dunkel. Vorsicht ist geboten. Ich sehe mich um, bevor ich die Straße überquere. Diese Metallmonster mit den glühenden Augen machen mir Angst, aber ich habe keine Zeit. Das Fressen wird knapper. Heute konnte ich einige Mäuse und Insekten erbeuten, aber das reicht nicht. Ich muss weiter. Eigentlich darf ich das Gebiet nicht betreten. Wenn sie mich entdecken, werden sie mich jagen. Das darf nicht passieren. Ich hebe die Nase dem Wind entgegen. Ab jetzt wird es gefährlich. Der Mond scheint hell und beleuchtet meinen Weg. Durch die Gassen schleichend, verlasse ich mich auf meinen Geruchssinn, bis ich den großen Behälter erreiche. Plötzlich öffnet sich eine große Tür und ich verstecke mich hinter einigen Kartons. Der Mensch steht einfach da und macht ein kleines Feuer um sich einen stinkenden Glimmstängel anzuzünden. Es juckt mir in der Nase. Ein schnaufen entweicht mir. Plötzlich brüllt der Mensch und stampft, während er wild mit den Armen rudert. Seine Augen durchbohren mich. Ich habe Angst und laufe davon, jedoch nur so weit, dass er mich nicht mehr sieht. Nach wenigen Minuten verschwindet er wieder und ich klettere an einer Regenrinne hinauf. Ich weiß nie ob ich es auch aus den großen Behältern wieder herausschaffe, aber ich habe keine Wahl und lasse mich fallen. Als erstes fresse ich so viel ich kann. Dann klaube ich das was die Menschen verschmähen zusammen und werfe es über den Rand. Das Glück ist auf meiner Seite. Ich schaffe es hinaus. Hoffentlich haben mir die Ratten nichts davon gestohlen. Die Biester können richtig groß werden und ihre Bisse schmerzen. Ich sammele meine Schätze zusammen und sprinte zurück zum Versteck. Ich drücke mich durch ein enges Loch. Meine Kinder warten schon. Sie hören mich und wuseln aufgeregt um mich herum, weil auch sie den Duft meiner Beute in der Nase haben. Meine Milch reicht ihnen nicht mehr, aber zum Jagen ist es noch zu früh. Über uns höre ich die Schritte der Menschen. Was ich mitgebracht habe, reicht nicht. Ich weiß, dass ich noch einmal raus muss, denn ich habe keine Wahl. Bald wird es leichter, dann können meine Kinder mit auf Beutezug. Vielleicht überstehen wir den Winter, bis die Menschen uns bemerken. Sie mögen uns nicht und verjagen uns, hetzen ihre Hunde auf uns oder verteilen stinkende Köder und Fallen, im uns fernzuhalten. Sie wollen uns nicht. Wenn ich könnte würde ich meine Kinder in einem holen Baumstumpf sicher wissen, doch hier gibt es keine richtigen Wälder mehr. Sie wurden verdrängt von den Menschen mit Ihren Häusern aus tristem grauem Stein. Ich schärfe meinen Kleinen noch einmal eindringlich ein, sich ruhig zu verhalten, während ich unterwegs bin. Dann zwänge ich meinen Körper mit dem dichten grauschwarzen Fell durch den Eingang. Die Nacht ist noch nicht vorüber. Ich gebe nicht auf.