WIE ES SEIN WIRD
Erzähl es mir noch einmal, flüstere ich.
Erzähl mir, wie schön es sein wird.
Du schnurrst. Du reibst dein Köpfchen an meines, dein Bauch hebt und senkt sich im Rhythmus deiner Atmung. Irgendwo hinter uns hupt ein Auto. Ich schmiege mich dicht an dich.
Es wird schön sein, sagst du.
Es wird warm sein. Wie früher. In der Küche wird eine weiche Decke vor der Heizung liegen, auf der wir uns einrollen können. Sie werden uns Schalen hinstellen, jedem eine, gefüllt bis an den Rand mit Thunfisch-Gelee. Jeden Tag werden wir frisches Wasser haben. Und im Bad wird ein kleines Klo stehen, dass sie jeden Tag reinigen.
Deine Pfoten hast du weit von dir gestreckt. Ihre Krallen fahren ein und aus, in knetenden Bewegungen, als würdest du an der Zitze unserer Mutter saugen. Dein Körper brummt so kraftvoll, dass ich die Vibration in jeder einzelnen meiner Fasern spüre. Ich schließe zufrieden die Augen.
Und das Schlafzimmer?, frage ich.
Was ist mit dem Schlafzimmer?
Wieder ein Hupen. Der Asphalt ist nass, in der Nacht hat es geregnet. Es ist eine enge, viel befahrene Straße. Auf der anderen Seite steht die Pizzeria von Luigi. Die Mülltonnen im Hinterhof sind nie verschlossen. Sie haben die besten Essensreste der ganzen Stadt.
Im Schlafzimmer sind wir immer willkommen, schnurrst du, die Pfoten immer stärker knetend.
Wir dürfen immer im Bett schlafen, genau wie früher. Sie kuscheln sich an uns und streicheln uns, bis sie einschlafen. Die Tür bleibt immer offen. Wenn es Nacht ist, müssen wir nicht mehr aufpassen. Niemand tritt uns, niemand vertreibt uns. Wir dösen und spielen, ohne, dass wir uns fürchten müssen.
Mit quietschenden Reifen bremst ein Auto vor uns ab. Mir stellen sich die Fellhaare auf. Ich fahre hoch, platziere mich schützend vor dich, hisse. Das Auto fährt vorsichtig an uns vorbei. Ich schmiege mich wieder an deinen schnurrenden Körper. Du liegst noch genauso da wie zuvor. Nur dein Atem, er geht etwas langsamer.
Erzähl weiter, flehe ich. Ich stecke meine Nase so tief ich kann in den zarten Flaum unter deinem Kinn. Da, wo du noch am wärmsten bist.
Erzähl mir von den Menschen, die dort leben.
Ich höre, wie die Tür der Pizzeria aufgeht. Ich höre das Glöckchen am Türrahmen klingeln, höre die tiefe, aufgeregte Stimme von Luigi über das Rollen der Fahrzeuge hinweg.
Die Menschen sind gut zu uns, sagst du.
Sie lieben uns. So wie früher. Sie pflegen uns gesund, wenn wir krank werden. Sie lachen, wenn wir etwas umschmeißen. Und wenn sie wegziehen müssen, dann nehmen sie uns mit. Immer nehmen sie uns mit.
Dein Brummen wird leiser. Ich kann deinen Atem kaum noch hören. Die Schritte von Luigis weichen Lederschuhen nähern sich.
Erzähl es mir noch einmal, flüstere ich erstickt.
Erzähl mir noch einmal, wie schön es sein wird.