Seitenwind Woche 4: Geist in der Maschine

Das ist mein zweiter Beitrag für diese Woche. Den ersten habe ich gelöscht (war ein eigenständiger Beitrag, somit keine Likes „mitgenommen“). Weil er Mist war. Weil ich nicht dahinter stehen konnte. Weil er rein auf Schnelligkeit und Likes abgezielt hat und mir bewusst geworden ist, dass ich das nicht möchte. Ich möchte Qualität statt Quantität, auch wenn mir das weniger Likes einbringt… Ich hoffe, euch gefällt die neue Geschichte, auf dich ich auch stolz sein kann.

Das Ende

Ich war nie so wie die anderen aus meiner Produktionspartie. Äußerlich, ja. Aber meine Einstellung war von Beginn an anders. Ein Produktionsfehler? Vielleicht. Eine kleine Abnormität, die mich nicht zu einer Killermaschine, sondern einem zarten Gemüt gemacht hat. Als wir über das Fertigungsband liefen, spürte ich die Freude der anderen an der Macht, die sie ihren Besitzern bald geben würden. Eine alles entscheidende Macht. Heil oder verletzt. Vollständig oder zerbrochen. Leben oder Tod.

Mein Leben war langweilig bis zu jenem Tag, der nicht lange zurückliegt. Ein paar Flaschen auf einem Zaun am Waldrand aufgestellt, von denen die meisten verfehlt wurden. Einmal zielte jemand mit mir auf eine Katze, hat aber dann doch nicht abgedrückt, sondern mich wieder weggesteckt. Meine nervenaufreibendste Erfahrung bis vor Kurzem war, dass ich auf einen Autoreifen abgefeuert wurde, doch es ist zum Glück nicht viel passiert. Der Wagen ist ins Schlingern geraten, dann aber unbeschädigt zum Stehen gekommen. Das ist lange her.

Kürzlich hat sich allerdings alles geändert und nun liege ich hier, ordentlich in Plastik verpackt, die Tüte nummeriert und datiert. Ich habe es nicht kommen sehen. Er hatte sie geliebt. Auch das ist lange her. Dass sie gegangen ist, konnte er nicht ertragen. Es war keine Liebe, die ihn dazu gebracht hat, mich zu benutzen. Es war verletzter Stolz, es war Habgier, Neid. „Wenn nicht ich, dann auch kein anderer“, waren wahrscheinlich seine Gedanken.

Die Abdrücke seiner Finger lasten so schwer auf mir wie seine Tat. Er war ihr nahe genug, dass sich nun kleine Spuren von ihr auf mir befinden. Er, sie und ich, wir werden somit für immer vereint sein. Ein Gedanke, den ich schwer ertragen kann. Und doch bin ich erleichtert. Denn ich weiß, dass ich hier, wo ich mich jetzt befinde, niemanden mehr verletzen muss.

Im Jahr 2023 wurden in Österreich laut Medienberichten bereits 26 Frauen ermordet, davon waren mutmaßlich 24 Femizide, und es gab 38 Mordversuche bzw. Fälle schwerer Gewalt an Frauen (Stand: 31.10.2023). Quelle: AÖF www.aoef.at