Wie oft geht ihr über ein Kapitel?

Ich habe nicht geschrieben, das es mir nicht gefällt. Es ist nur ewig schade, wenn mangelnde Sorgfalt ein Werk zerstört.
Schreibstil ist im Übrigen keine Geschmackssache, sondern folgt festen Regeln. Hierzu gehören: Vermeidung von Reflexivpronomen, vage Aussagen, Wiederholungen, Phrasen und Klischees, unnötige Füllwörter …
Mir blutet einfach das Herz, wenn schon in den ersten Zeilen eines Buches (siehe Prolog „Unter dem Grün“) so banale Fehler dermaßen geballt auftreten, obwohl sie mit ein bisschen Sorgfalt in der Überarbeitung definitiv vermeidbar wären …
Das Adjektiv „weißbehelmt“ ist dann wohl eher auch ein Element, das nur deinem Schreibstil exklusiv zuzuordnen ist … oder?

Interessant. Wo stehen diese Regeln? Das ist nicht provokativ gemeint, sondern mich interessiert wirklich, wo das steht und wer das festgelegt hat. Denn der allgemeine Schreibstil hat sich ja auch geändert.
Vergleiche tschik von Herrndorf mit Die Insel des vorigen Tages von Umberto Eco.
Zum weißbeheltem: Herrndorf redet andauernd in seinem tschick von endbescheuert. Das ist ja nun auch nicht gerade ein gebräuchliches Wort.

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Soweit ich mich erinnere, verwendet Herrendorf das Wort, um die jugendliche Sprache von Maik zu charakterisieren. Das ist stilistisch gesehen dann wohl ein völlig anderer Kontext, oder?
Und zu deiner Frage: zum Beispiel Schreibratgeber, etc … Du schreibst deutlich länger als ich und kennst die gängigen Quellen bestimmt.
Und ja, der allgemeine Schreibstil unterliegt einem stetigen Wandel, worauf in Zweifelsfällen auch der gute alte Duden Fragen zum Stil recht gut beantwortet.
Natürlich ist davon nichts zwingend bindend! Jede Regel darf gebrochen werden, wenn es dem persönlichen Stil dient, sofern einer vorhanden ist.
Ist dem nicht so, kann es der Leser nicht als bewussten „Stilbruch“ wahrnehmen und qualifiziert es unbarmherzig als Fehler.
Das ist der Grad auf dem jeder Autor wandelt. Vor Abstürzen bewahrt u.a. eine sorgfältige Überarbeitung …
Aber lies doch bitte selbst nur einmal den Prolog von „Unter dem Grün“. Du wirst sofort verstehen, was ich meine!
Abgesehen davon, glaube ich leider nicht, dass dieses Forum der richtige Ort für ernsthafte Textarbeit ist. Deshalb lassen wir es vielleicht besser. Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
Und guten Appetit, falls du die Eismaschine heute noch anwirfst :wink:

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Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, dass es kein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt, sondern das Ergebnis einfach zum Anspruch passen muss.

Als Beispiel mal ein anderes Hobby: es mag Golfspieler geben, denen es reicht, mit Freunden um den Kurs zu gehen, auf jeder Bahn zwei Schläge mehr zu brauchen, dafür aber hinterher in netter Runde im Vereinsheim zusammen zu sitzen. Da mag es eine Rangliste geben, aber die interessiert eigentlich keinen.

Auf der anderen Seite gibt es Golfer, die nicht zufrieden sind, wenn sie nicht versuchen, das Maximum aus ihren Fähigkeiten herauszuholen. Die buchen dann teuer Trainerstunden, kaufen richtig gute (und nicht billige) Ausrüstung und so weiter.

Beides ist aber ok für den jeweiligen Spieler. Es gibt da kein besser oder schlechter, obwohl unser lässiger Golfer mit hoher Wahrscheinlichkeit objektiv betrachtet schlechter spielen wird. Dennoch würde er in einem Umfeld, in dem alle maximal trainieren, wahrscheinlich unglücklich sein. Andersrum wäre unser anspruchsvoller Golfspieler in einem legeren Freundeskreis auch nicht zufrieden. Und das, obwohl ihm klar ist, dass auch er keine Chance hat, in die Weltspitze vorzustoßen.

Auch hier im Forum haben wir die unterschiedlichsten Ansprüche und auch hier ist wichtig, so zu schreiben, dass es zu den eigenen Intentionen passt. Nur wenn das nicht passt, wäre es falsch. Aber dann kann man sich hier ja Anregungen holen, wie es besser geht. :wink:

Ja, es ist völlig okay, wenn jeder sein Hobby gemäß des persönlichen Anspruchs betreibt.
Nur ab dem Moment, wo ich Bücher für Geld auf den Markt werfe, sollte ein Mindestmaß an Anspruch vorhanden sein. Das ist in meinen Augen den Käufern und dem Wettbewerb geschuldet!

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Nein. Ich habe noch nie einen Schreibratgeber gelesen. Du kannst mir also keine Quelle benennen?

Da sind wir beim kritischen Punkt. Ein Stil kann meiner Ansicht nach gar nicht den Status „nicht vorhanden“ haben. Ebenso, wie es nie gelingen wird, nicht zu kommunizieren.

Ich wünsche mir ein @nolimit - Buch zum Advent.

Danke, aber nee. Erst nächste Woche. Ich weiß aber noch nicht, welche Geschmacksrichtung ist ausprobieren werde.

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Ich stelle jetzt mal eine Gegenfrage, Carlo, und nein, sie ist nicht gegen Verlagsautoren gerichtet:
Wie erklärst du dir dann die vielen „stil-losen Werke“ von Verlagen? Die ein Korrektorat und Lektorat durchlaufen haben… Ich bin auch für ein Korrektorat und Lektorat, wenn man es bezahlen kann. Es gibt aber auch genügend Lektoren, die dir dein eigenes Buch stilos kaputtformulieren … alles schon mehrfach vorgekommen. Oder dass trotz Korrektorat viele Fehler drin sind. Ich sehe es wie Suse: Es gibt keinen guten oder schlechten Stil…egal, wie viele Schreibratgeber man studiert. Der Leser ist König und wenn ihm mein stiloses Werk gefällt, ist es doch genau das, worauf es ankommt. So sehe ich die ganze Situation.

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Zu deiner ersten Frage: da kann ich dir nur Recht geben, lese selbst grad einen Krimi (namhafte Autorin, großer Publikumsverlag, Spiegelbestseller … falls dieses Buch je lektoriert wurde, dann gute Nacht!)
Warum das so ist? Keine Ahnung … ich befürchte mit entsprechenden Namen, darf man sich alles erlauben.
Zu zweitens, auch das stimmt! Augen auf, bei der Wahl des Lektorats!
Und drittens - deshalb befinden sich die Nuancen der Schreibstile (es gibt nicht DEN Schreibstil) in einem permanenten Wandel. Was heute noch als schlechter Stil gilt, kann morgen schon todschick sein … Aber die Basics sind stabil. Wer die kennt und berücksichtigt, wird selbst feststellen, damit besser zu schreiben. Und besser heißt in diesem Fall, es wird auch der Mehrzahl der Leser gefallen.

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Ich muss noch anmerken, dass ich nur dieses eine kenne. (habe mich mal wieder vom Cover verleiten lassen und das ist bei dem Buch genial.)
Aber es muss ja nicht repräsentativ für alle Bücher von nolimit sein.

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Stil ist natürlich „jedem seine eigene Sache“ - aber es gibt schon Hinweise, die einen Text „besser“ bzw. „interessanter“ lesbar machen.

Zum Beispiel gab es damals in der Schule des Schreibens die Eselsbrücke „Schreibe würde-los“ damit ist gemeint, seltsame Hilfsverbkonstruktionen zu überdenken.

Dann die üblichen „finde das passende Wort“ → dein Held kann natürlich überall „hingehen“ aber er könnte auch torkeln, schwanken, sich schleppen … etc.

Dann Metaphern: Es gibt die Standardmetaphern (Es war eine sternenklare Nacht … Oh, der Schock traf mich ins Mark! Die alte Frau schimpfte wie ein Rohrspatz! Die Polizei sucht fieberhaft (immer mit Schweiß auf der Stirn)) Oder man versucht sich eigene auszudenken.

Dann Fragen wie (kann man deinen Text „falsch lesen?“
„Er brach in der Ecke“ (zusammen? :wink: oder mit Stücken?)

Dann Dialoge. Hat der Dialog ein Ziel? Treibt er etwas vorwärts, oder vertieft er eine Bindung?

Das sind so „Elemente“, die der geneigte Schreiber überdenken kann und dann seinen Stil bessert. Gültige Regeln gibt es da nicht, eher Ideen, auf die jeder achten kann.

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Wie kommt es? Ein Statement und @nolimit steht am Pranger? Das ist ja schon fast Rufmord. Finde ich nicht gut.

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Ja, dass finde ich allerdings auch unpassend :roll_eyes:

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Das ist ein entscheidender Punkt. Professionalität ist kein Bonus, sondern eine Grundvoraussetzung, sobald ein Preisschild auf einem Buch klebt. Ich habe erst kürzlich wieder in einen Roman eines Forenmitglieds reingelesen und musste nach wenigen Kapiteln abbrechen. Wenn die Qualität so weit hinter dem Marktstandard zurückbleibt, stellt sich zwangsläufig die Frage der Berechtigung, dafür überhaupt Geld zu verlangen

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Wenn es dir nicht nicht gefällt (oder ist das auch ein Verstoß gegen die Stilregeln), ist doch alles gut.

Musst du nicht.

Aha, Und wer stellt diese Regeln auf. Es gibt Rechtschreibregeln und Grammatikregeln, das muss sein. Aber Stilregeln? Ich bitte dich. Es gibt ja auch keine Malregeln, sonst würde es nicht total unterschiedliche Gemälde geben.

Warum nicht weißbehelmt? Es gibt ja auch schwarzgefärbt

Nochmals aha. Stil folgt also doch keinem Regelwerk, sondern kann in verschiedenen Kontexten jeweils anders aussehen.

Im Übrigen ist das keine ernsthafte Textarbeit, die du hier verbreitest, sondern der Versuch (jedenfalls nach meinem Empfinden), andere zu deinen Regeln zu bekehren.

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Dafür gibt es doch Lesproben…Da kann ich doch sehen, wer wie schreibt und wie der Stil ist. Und nochmals: Es gibt auch Verlagsbücher, die unter aller Kanone sind. Mal abgesehen von Geschmack, Alter und Neigung. Es gibt ja auch Menschen, die einfach gerne kritisieren.

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Kritik nur um der Kritik willen - ja, das gibt es.

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Ja, zu Genüge Keine Ahnung, warum…

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Ich auch nicht - aber - so ganz am Rand - auch Kritik sollte diesen ominösen Stilregeln folgen, oder nicht? :rofl:

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Ja…es gibt auch Ratgeber wie „Kritisiere ich richtig“… :sweat_smile:

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Machen wir doch eine Anthologie daraus.

„Kritik ohne Sti(e)lbruch“.

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