Ich komme oft nicht weiter, weil ich nie WIRKLICH zufrieden bin.
Ich schreibe ein Kapitel, lese es. Die Stimmung kommt nicht rüber.
Ich korrigiere es. Dann fehlt mir die Information, die ich rüberbringen wollte oder für später brauche.
Nächste Korrektur. Zu lang. Zu langatmig. Ich will den Leser ja nicht einschläfern.
Also kürze ich. Wieder zu Punkt 1 oder 2
Am ende schmeiss ich alles weg. Fange von vorne an.
oder lass es liegen und lese es ein, zwei Wochen später.
Dann bin ich wieder bei Punkt eins. Oder zwei. Oder drei. Oder einer Kombi von allen.
Sind für euch Kapitel/Szenen jemals WIRKLICH fertig?
Oder kommt der Punkt, wo ihr sagt: „Besser bekomm ich es nicht hin!“
Lass es am besten liegen, bevor du es wegschmeißt.
Ja, genau das. Und zwar nach dem Liegenlassen.
Ich schreibe eine Szene, lese sie, überarbeite sie und hake sie dann im Navigator ab. Sie bekommt eine gelbe Farbe. Nach einer Weile lese ich wieder und wenn ich dann noch zufrieden bin, bekommt sie eine grüne Farbe - allerdings mit dem Status „Entwurf“. Und immer so weiter.
Am Ende ist bei mir alle grün. Dann wird das Kapitel als fertig markiert.
Manchmal ist eine Szene auch rot. Dann warte ich noch auf Feedback oder bin unzufrieden und lasse sie „links liegen“. Sie ist dann rot, damit ich nicht vergesse, dass da noch Handlungsbedarf ist.
In diesem Fall bekommt das komplette Kapitel ein Gelb.
Insgesamt lese ich mein eigenes Buch etwa 10 bis 14 mal bevor es die Testleser bekommen und dann noch 2 oder 3 Mal, je nach Feedback. Ganz am Ende vergleiche ich E-Book und Print.
Zu Beginn habe ich auch viel gegrübelt, verändert (verschlimmbessert) und wurde immer unzufriedener.
Das habe ich mir angewöhnt. Ich schreibe jetzt erst das komplette Buch fertig. Dann überarbeite ich es erst.
Vorher macht es wenig Sinn für mich, da bei mir meist das Ende bis zum Schluss offen ist.
Kommt immer ein bisschen auf die Stimmung an bei mir, auf die Idee und den Schreibdrang.
Wenn mich Idee und Schreibdrang in den Hyperfokus gehen lassen, überarbeite ich fast nichts im Schreibprozess. Außer mir fällt bei Schreibpausen etwas ein, dass geändert werden muss, weil es nicht passt oder was fehlt oder keinen Sinn ergibt.
Dann gibt es Überarbeitung erst am Ende oder nach einer längeren Pause, um wieder in den Text zu kommen.
Dümpelt das Schreiben aber eher so vor sich hin, weil ich irgendwo feststecke, überarbeite ich nicht nur, sondern schreibe um. Das kann nur ein Absatz, ein Kapitel oder schlimmstenfalls das schon fertige Manuskript sein. Alles schon dabei gewesen.
Deine erste Textprobe war unglaublich gut. Bleib bei dem Stil. Erzähle weiter. Die Geschichte ist der Weg, der Stil die Kosmetik. Du reibst Dich sonst auf.
Wenn Du fertig bist überarbeite den Stil, der Dich stört (am Besten mit Hilfe). Kapitel für Kapitel. Kürzen, umformulieren, redigieren.
Plot vor Stil.
Ich merke aber, dass es sehr stimmungsabhängig ist. Manchmal lese ich ein Kapitel und denke: „Ja, ok, kann man so lassen.“
Dann lese ich es ein paar Tage später nochmal und denke: „Oh Gott, oh Gott, das braucht aber noch sehr viel Überarbeitung.“
Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
Ich selber arbeite gerad an meinem ersten Projekt und Anfangs wollte ich die Kapitel perfekt schreiben. Dann bin ich beim Schreiben auf neue Ideen gekommen, weshalb ich die vorherigen Kapitel aus der Handlung „Streichen“ (Sind in einem Extra Ordner gelandet) und neu schreiben musst.
Jetzt strebe ich:
eine Rohfassung in jedem Kapitel an, wo hier und da auch mal was in eckiger Klammer steht. Ziel ist es die Handlung zu Papier zu bringen.
Je nach Lust und Laune springe ich zu den „unreifen“ Kapiteln zurück und arbeite die Handlung aus. (Meistens um zu prokrastinieren )
Inhaltliche und technische Überprüfung: Passt die Atmosphäre? Habe ich die Charakterstimme getroffen? Verhältnis von Show und Tell? Passen meine Verben sinngemäß? … Selbst wenn die Handlung steht, finde ich hier immer wieder eine Stelle zum Überarbeiten.
Liegenlassen und später nochmal drüberlesen und dann jemandem zum Lesen geben.
eventuelle Hinweise einarbeiten.
Und selbst dann finde ich gefühlt wieder neue Stellen, die ich nochmal angehen müsste, dabei passt es schon soweit!
Aber meine persönliche Herausforderung ist es, die Rohfassung zu schreiben, denn ich strebe noch immer das „perfekte“ Kapitel beim ersten Anlauf an.
Dranbleiben Szene für Szene bis wirklich eine Geschichte fertig ist. Am Anfang neigt man häufig zum Polieren und starken Überarbeiten, aber gerät (wie offenbar selbst erlebt) in die Gefahr nie so recht zufrieden zu sein und fertig zu werden.
Aber man lernt viel mehr, wenn man eine Geschichte abschließt. Der eigene Schreibstil verbessert sich auch nicht über Nacht.
In Büchern ist es ein bisschen wie im echten Leben. Egal ob du dich für A oder B entscheidest. Beide Wege wären ok gewesen. Daher schreibe ich wie @Ho.Ro erst das komplette Buch als Rohschrift fertig.
(Ich benutze hierzu eine eigene Fokus Software)
Dann übertrage ich es in Papyrus.
Dann erfolgt ein erstes Durchlesen und ein Makieren von Szenen, die etwas Liebe brauchen. Z.b bessere Bilder, fehlende Sinneseindrücke. Ich nutze dafür Papyrus Notizzettel. Kleine Dinge behebe ich direkt.
In Run 2 hüpfe ich Szene für Szene zu den Problemstellen und behebe die Themen.
In Runde 3 gehe ich nur Dialoge durch. (Mit der Funktion nur Dialoge einblenden), denn Dialoge sind die Seele eines Textes. Ein schräger Dialog macht alles zunichte. Ein schöner Dialog täuscht über schwächelnden Szenen hinweg. Finde ich zumindest.
… und dann geht es schon an die Testleser.
Deren Feedback wird dann meist ein paar Monate später eingebaut (meine Helfer sind gründlich, aber langsam) und das Buch fertig gestellt. Bei Testlesern erfahre ich dann, ob die Handlung so wirkt, wie erwartet. Ob etwas fehlt. (Manchmal sogar ein Kapitel ) Die Überarbeitung bekommen sie dann nicht mehr. (Der Zauber des ersten Lesens ist verschwunden) Testleser erhalten aber ein fertiges Buch von mir.
Mir geht es nicht anders. Wirkliche, erlösende Zufriedenheit ist nur ein kurzer Moment des Glücks. Das hält nicht lange und schlägt wieder um. Den Anspruch an den eigenen Text hochzuhalten ist, finde ich, wichtig.
Ich schreibe auch vieles neu – manchmal auch aus einer anderen Perspektive, weil mir der Fokuswechsel hilft.
Mittlerweile arbeite ich mit einzelnen Dokumenten und schiebe alles, was mir nicht gefällt, an das Ende. Das können ganze Absätze oder nur einzelne Sätze sein. Wenn ich es später nochmal lese, ende ich bei den unglücklichen Formulierungen. Ein bisschen Funkeln finde ich dann doch in diesem Bodensatz.
Ich denke, es hängt viel davon ab, ob du mehr Plotter oder Pantser bist. Wenn deine Geschichte gut durchgeplant ist und du weißt, was ungefähr in welchem Kapitel passieren soll und du hast bereits einen stringenten Ablauf von Anfang bis zum Schluss im Kopf, dann würde ich eher dazu neigen, das ganze Buch (oder längere Abschnitte) als erste Rohfassung zu schreiben und erst dann zu überarbeiten. Beim Pantsen funktioniert das hingegen nicht und es braucht schon allein inhaltlich viel häufigere Überarbeitungen, damit die Handlung insgesamt aufgeht.
Ich versuche gerade, den ersten Entwurf mit der Hand zu schreiben (vor allem, weil ich das gerne mach und weniger Ablenkung habe als am PC) und dann später kapitelweise abzutippen, dann läuft das erste Editing gleich mit.
Wie oft- das kann ich gar nicht sagen. Ich überarbeite ständig, bis ich das Gefühl habe, dass ich nichts mehr verbessern kann. Ich könnte nicht „weitergehen“, wenn die Szene nicht gut genug ist.
Dann suche ich mir Feedback und setze interessante Aspekte um.
Aber ja, ich erreiche einen gewissen Grad der Zufriedenheit (auch wenn sich zwischendrin schon mal Frust einstellt)
Ich schreibe meine Szene und gehe sie dann ein oder zwei Mal durch. Manchmal, okay, selten, aber es kommt vor, ist diese Szene einfach gelungen. Dann ändere ich nichts. Manchmal muss ich etwas nacharbeiten, dann tue ich das zumindest so lange, bis ich einigermaßen zufrieden bin. Da ich sehr perfektionistisch bin, ich aber leider nicht wirklich gut schreibe, bin ich nie richtig zufrieden. Das habe ich akzeptiert und sage mir, dass ich besser werden möchte und dafür eben üben muss.
Wenn ich merke, es geht mir so, wie von Dir beschrieben, markiere ich den Abschnitt und schreibe mir dazu, was mir nicht gefällt. Da steht dann oft: „irgendwie unfertig?“, „langatmig“, „schlecht formuliert“, „unnötiger Abschnitt?“, „unverständlich kompliziert“ und dergleichen. Dann schreibe ich einfach weiter. In meinem Romanprojekt gibt es viele solcher Abschnitte. Ein oder zwei Mal steht da sogar sowas wie: „Schlecht. Aber keine Ahnung warum.“, „Unglaubwürdig, brauche Alternative.“
Wenn ich dann an einem Tag merke, ich komme im Text nicht recht weiter, sehe ich mir diese Abschnitte an. Und wirklich: Oft löse ich dann das Problem viel leichter als ich beim Schreiben dachte.
Okay, das heißt es gibt kein Lektorat … klar, jetzt kommen natürlich sofort wieder die üblichen Einwände. Schreibe ja nur als Hobby, Lektorat? Viel zu teuer … Alles akzeptiert!
Aber dann überarbeitet doch in Herrgotts Namen wenigstens selbst euer Geschriebenes sorgfältig und gewissenhaft!!!
Das was du hier aufzählst, reicht hinten und vorne nicht!
Damit befeuerst du alle herrschenden Vorurteile im SP!
Was fehlt denn deiner Meinung nach noch (abgesehen von Lektorat und Korrektorat). Das, was @nolimit aufgezählt hat, würde ich jetzt nicht als wenig sorgfältig oder nicht gewissenhaft einschätzen.
Manch Einer schreibt die Rohfassung so, wie manch Anderer den Text nach fünf Überarbeitungen hat. Allein von einer Aufzählung auf die Qualität zu schließen ist ziemlich vermessen.
Gerne Suse,
Punkt 6. und Punkt 11. sind die einzigen Male, wo er sein MS überhaupt zusammenhängend „liest“ dazwischen liegt auch noch die Einarbeitung der Testleser Rückläufe.
Faktisch heißt das, einmal das Endprodukt durchgelesen, formatiert und veröffentlicht …
Sorry, das hat nichts mit einer halbwegs korrekten Überarbeitung zu tun.
Nur der stilistische und inhaltliche Aspekt würden alleine schon mindestens zwei Überarbeitungsgänge (nicht lesen) erfordern…
Weshalb sollte ich das Endprodukt zehnmal lesen? Ich lese jedes Kapitel mehrfach und bin durchaus in der Lage, Zusammenhänge zwischen den Kapitel herzustellen. Was bitte macht ein Lektor anders? Der liest einen Text auch nicht zigmal - sonst würde eine Seite 20 Euro kosten.