Boah, also das Video ist schon schwer zu verdauen. Dem fortgeschrittenen Schreiber mag es helfen, in der zweiten Hälfte sind auch ein paar ganz nette Tipps drin. Herr Gasser spricht gern, hört sich gern und wer das mag, der mag ihm zuhören. Diese Art des Vortrags hat bestimmt auch seine Zielgruppe.
Ich gehöre nicht zu dieser Fangruppe.
Etliche Aussagen kommen mir etwas absolutistisch rüber. „Das ist so. Das Buch wirkt so. Die Leser denken so.“ Kunst ist vielfältig und als Sachbuchautor (darf ich dann überhaupt bei „Literatur“ mitdiskutieren?
) würde ich im Zweifelsfall eher schreiben „Ich meine das ist so. Auf mich wirkt das Buch so. Ich glaube, dass es einige Leser geben könnte, die so denken.“. Kunst hat auch mit Geschmack zu tun und es ist nur normal, dass nicht jedem alles gefällt. Und das ist gut so. Insofern ist mir seine Gedankenwelt nicht vielfältig genug.
Das Übermaß fremdsprachiger Autoren in seinen Beispielen irritiert mich ungemein. In der ersten Hälfte kommen praktisch keine deutschsprachigen Autoren vor. Ich halte das an dieser Stelle für problematisch, weil jede Sprache ihre Satzbildung und ihren Reiz hat und wenn man deutsch schreibt, über deutsche Literatur spricht, dann gehören da nach meiner Meinung deutsche Autoren hin (oder man nennt statt des Autors den Übersetzer, der ja für die sprachliche Ausgestaltung fremdsprachlicher Werke zuständig ist. Mein aktuelles Buch wird gerade in die englische und die französische Sprache übersetzt und ich beschäftige mich daher derzeit recht intensiv mit dem Thema. Beim Sachbuch z.B. wird in der deutschen Version ein Vorher- und ein Nachher-Zustand benannt und welche Einstellungen es braucht, um von A nach B zu kommen. In der englischen Version werden viel mehr Vorgänge (der Prozess selbst) beschrieben. Es ist sprachlich anders, weil die Leser und ihre "Literatur-"Geschichte anders sind.
Was mir komplett fehlt ist die Zielgruppe, zuerst einmal die Zielgruppe für sein Video. Eine Geschichte ist ja nicht eine Geschichte an sich. Unterschiedlichen Zielgruppen wird man ein- und dieselbe Geschichte anders erzählen um die Spannung rüberzubringen und die Leser abzuholen. Und da ist es wichtig, mit der Zielgruppe zu reden oder mit Menschen wie Du und ich. Und da hat mir die Papyrus-Community wirklich richtig viel geholfen. Siehe Populäre Sprache für ein Sachbuch Ich weiß nicht, welche Zielgruppe er mit dem Video erreichen will. Hier scheint es eine Diskrepanz zwischen Thema (wie steige ich ins Buchschreiben ein=Anfänger) und dem professionellen Vortrag zu geben, der viel voraussetzt (=Fortgeschrittene). Ich weiss nicht ob Herr Gasser sich dessen bewusst ist. Vielleicht muss und will er es ja auch nicht, weil einem Künstler sein Werk erst einmal selbst gefallen muss.
Ich könnte hier noch tausend Sachen dazu schreiben.