Wie deine Geschichte im Kopf entsteht

Bei WEBASTO hat ein einem Meeting eine Frau vier oder fünf Männer mit Corona infiziert. Mehr habe ich nicht gebraucht, um fünf Romane mit jeweils mehr als dreihundert Seiten zu schreiben. Aber zum Glück haben die Bücher so gut wie nichts mit Corona zu tun.

Weder noch und völlig anders. Sie sind erst einmal da, als Skizze. Im Lauf der Geschichte erwachsen sie und emanzipieren sich. Wenn das Buch fertig geschrieben (oder gelesen) ist, sind die Figuren plastisch, doch nicht fertig. Ich beschreibe meine Figuren so gut wie nie, das können die Leser selbst tun. Sie denken, reden und handeln, das muss meist reichen, Beschreibungen sind in meinen Augen nur Krücken für Leser, die so etwas brauchen. Da ich mit wenig Handlung arbeite, spielt das Innenleben der Personen eine viel größere Rolle als in vielen anderen Büchern. Die halbe Zeit mindestens verbringe ich im Kopf meiner Figuren. Handlung und Gedanken sind bei mir fließend, oft nicht leicht auseinanderzuhalten. Hat sie das jetzt gedacht? Gesagt? Gemacht? Das wird nicht immer auf den ersten Blick klar, erst beim Weiterlesen erschließt es sich. Hat sich aber noch keiner beschwert, im Gegenteil.

Ich fange mit dem Geschlecht und dem Alter an. Wobei das Alter, je nach Geschichte, durchaus noch angepasst werden kann. Dann kommt die Person meinetwegen an eine Schranke, Waldweg. Was macht sie? Hält sie inne? Oder geht sie schnurstracks daran vorbei? Springt sie darüber, bückt sie sich drunter durch, oder geht sie außen vorbei, obschon es dort matschig ist? Danach weiß ich, wie klein/groß die Person ist, wie sportlich und einiges mehr. Mit jeder Handlung, die sie vollführt oder es lässt, charakterisiere Ich sie mehr. Am Ende steht dann jemand, mit dem man gerne befreundet wäre, jemanden, den man nicht mag oder jemand, der einem egal ist.

Wichtig und unverzichtbar sind Ecken und Kanten. Wenn deine Figuren nicht wenigstens von einem Leser gehasst werden, hast du etwas falsch gemacht, dann ist die Figur zu blass (das ist bei den meisten Autoren so). Für meinen Geschmack muss eine Roman(haupt)figur polarisieren. Wenn es keine Leser gibt, die sie Scheiße finden, ist sie offenbar zu glatt, zu angepasst und konturlos. Klar klingt das paradox, doch je stärker die Gefühle in der einen Richtung sind, die die Figur auslöst, desto stärker sind sie auch in der anderen. Und ich will keine Hauptfigur entwerfen, erfinden, erleben, die lauwarm ist, everybody’s Darling. Das liegt mir nicht.

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Es gibt noch Trekkies unter uns? :open_mouth: Freude!

DS9, aber auch TNG, waren für mich prägend. Vor allem die Story um Sektion 31, die stets mit moralischen Dilemmata aufwartete. Rechtfertigt der Schutz der Föderation einen Völkermord? Im intergalaktischen Kontext noch viel verzwickter, als es „Völkermord“ auf der Erde wäre, wo lediglich eine Gruppe von Menschen eine andere Gruppe von Menschen vernichtet, die Menschheit als Ganzes jedoch überlebt.

Ebenso die philosophischen Episoden von TNG, wo Q mit Picard seine Spielchen trieb. Da haben die Drehbuchautoren ganze Arbeit geleistet. Heutige Serien erreichen nicht mal annähernd diesen Tiefgang.

Selbst mal einen Roman zu schreiben, bei dem der Leser nach dem Lesen das Buch aus der Hand legt und erstmal innehalten muss, um das Gelesene zu verarbeiten, das würde ich gerne schaffen.

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Miese Bildqualität und slightly off-topic, aber dies ist mein Lieblingsmeme aus der letzten Pandemie:

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Ich wette, der Herr Klabauterkrach hat sich Sisko in der Form zum Vorbild genommen. :smiley:

Aber diese Episode, „In fahlem Mondlicht“, gehört zu den besten in DS9.

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Wie hat es mit dem aktuellen Projekt angefangen?
Nun, als ich glaubte, ich sei mit dem Schreiben durch, ich veröffentlicht hatte, kamen nachts Impulse. Die Gedanken schrieb ich erst einmal nur nieder.
Inzwischen glaube ich, dass es etwas mit Loslassen und Zulassen zu tun haben könnte. Vor etwa zwei Jahren habe ich mal einen Bericht über eine isrealische Bestsellerautorin gesehen. Sie hätte das Gefühl gehabt, das Buch wollte von ihr geschrieben werden. Den Gedanken finde ich faszinierend - nicht grübeln, sondern im Fluss sein - wunderbar! Mehr geht doch gar nicht…
Ich muss dazu sagen, dass mir schon vor vielen Jahren eine Freundin prophezeite, ich würde mal ein Buch schreiben. Mein zwischenmenschliches und gesellschaftliches Interesse (und entsprechende Äußerungen meinerseits) haben sie zu dieser Vermutung bewogen.

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Richtig, nach Beendigung des letzten Projekts häuften sich die Überlegungen, dass die Geschichte noch nicht zu Ende sein kann. Meine Figuren haben mich geradezu dazu genötigt, weiterzuschreiben, die Geschichte wirklich zu beenden. Das mache ich im Moment - es war eine positive Nötigung. Meine Figuren hatten recht.
Beim ersten Projekt waren es eigene Überlegungen. Warum sollte ein eingespieltes Duo nicht weitere Dinge erleben, die geschrieben werden sollten? Angefangen ja, aber noch nicht sehr weit, ich warte noch immer darauf, dass mich diese Figuren auch zu etwas nötigen.

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Eines meiner Hobbys sind Rollenspiele am PC. Eintauchen in eine Welt voller Fantasie. Ein aktuelles Beispiel: Mein Avatar, der im frühen Mittelalter vom Krieg geflüchtet, in ein idyllisches Tal kommt, den Mord an seinem Onkel aufdecken, ein Dorf gründen und verwalten muss. So kommen Ideen, was mein Pixelfreund, unabhängig von der vorgegebenen Geschichte, noch alles erleben kann. Rollenspiele sind für mich Inspitration für meine Geschichten.

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Bei mir hat es Ende 2018 auf einer Ausstellung in unserem ortsansässigen Haus der Geschichte begonnen. In unserem Käseblättchen wurde die Ausstellung zwei Wochen zuvor angekündigt und als Prunkstuck der Präsentation war im Zeitungsartikel eine detailgetreue Nachbildung der Bundeslade deklariert.

Am Tag meines Besuches stand ich dann vor diesem großen Kasten, auf dem zwei Cherubim knieten und sich ihre Flügel jeweils zuwandten. Und plötzlich hatte ich diese eine Szene vor Augen, mit der mein Projekt beginnen sollte. Ich zückte mein Äpfelchen und tippte meine Gedanken in die Notizen-App.

Diese Notizen dienten dann schlussendlich als Ausgangspunkt und es bildeten sich immer mehr Gedanken und Ideen. Irgendwo, in einem Artikel oder in einem Buch, habe ich einmal gelesen, dass jede Idee, jeder Gedanken aufgeschrieben werden soll, egal wie phantasievoll und gar verrückt es klingen mag. Denn Ideen zu finden sei schwieriger als Ideen zu verwerfen.

Und irgendwann bin ich an dem Punkt gewesen, an dem ich dachte: so kann diese Geschichte funktionieren. Die Entwicklung der Figuren war dann gar nicht so schwierig, denn von einem auf den anderen Tag war ein Teil von ihnen plötzlich da. Und die wollten nicht mehr gehen. Mit so vielen unverhofften Untermietern unter einem Dach war es dann doch schon eine größere Herausforderung. Aber wer sagt denn schon, dass ein Roman zu schreiben einfach wäre :slight_smile:

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spannend zu lesen, woher andere ihre Inspiration erhalten :slight_smile:
Ich hatte tatsächlich nie das Bedürfnis zu schreiben oder Geschichten zum Leben zu erwecken. Ich bin eigentlich sehr schlecht darin Dinge zu erzählen und bewundere schon immer die spontane Kreativität von anderen.
Für mich gibt es nur eine einzige Geschichte welche ich erzählen möchte.
Seit meinem 13. Lebensjahr habe ich ein Hobby. Ich lege mich ins Bett, setz mir meine Kopfhörer auf und höre Musik. Laut. sehr sehr laut. Das ist wichtig, denn nur so kann ich voll und ganz in diese andere Welt eintauchen.
Zu den unterschiedlichsten Liedern bastel ich mir Szenen. Jeder Takt hat eine entsprechende Bewegung, und alles ist perfekt aufeinander abgestimmt.
So entsteht mit jedem Lied eine weitere Szene und ergibt nun, nach gut 20 Jahren ein Film in meinem Kopf.

Meine Protagonistin war damals, während der Pubertät (schwierige Zeit) eine bessere, stärkere, schönere Version von mir in einer Welt die mehr zu bieten hatte als die Realität.
Mit den Jahren bin ich gewachsen (nur geistig, körperlich bin ich gefühlt stehen geblieben :smiling_face_with_tear:) und mir mir wuchs auch meine Protagonsitin.
Irgendwann wurde aus meinem „anderen Ich“ eine eigenständige Person welche nichts mehr mit mir oder meinem eigenen Leben zu tun hatte.
Die anfänglichen Szenen veränderten sich, die Probleme wurden komplexer, die Welt dunkler.

Jetzt versuche ich das, was ich seit fast zwei Jahrzenten nie geschafft habe; die Szenen zusammenzuführen und aufzuschreiben. Meine Inspiration kommt also durch die Musik, vorrangig durch die Melodie und den Takt und danach durch den Text. In meiner Playlist finden sich viele Lieder, oftmals traditioneller Gesang, in Sprachen, die ich nicht verstehe. In meinem Kopf ergibt das aber alles Sinn und wird zu einer Szene.

Diese Art der Inspiration, in meinem Fall, hat aber deutliche Nachteile. Was in meinem Kopf so schön als Film funktioniert, lässt sich nicht so einfach aufs Papier bringen ohne zu sehr ins Beschreiben zu fallen.
Ach ja und ich bin die Königin der Prokrastination. Schreiben geht nur während einer Phase der Hyperfixierung und die liegt momentan auf etwas anderem.

Meine Inspration wird also vermutlich erst wieder kommen wenn ich ein neues Lied entdecke auf welches ich eine Szene weiter perfektionieren oder erschaffen kann :clown_face:

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Das geschieht bei mir auf unterschiedliche Art & Weisen, aber meistens über meine Träume :slight_smile: Zack, ist die Idee, eine Szene, oder eine abstrakte Figur in meinem Kopf :slight_smile:

Das ist doch nichts Schlimmes. Es darf nur nicht dröge werden. Das liegt meiner Ansicht nach aber nicht daran, DASS man etwas beschreibt, sondern WIE man es beschreibt. Das kann sehr fesselnd sein.

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