Ich kann aus meinen eigenen Marketing-Erfahrungen im letzten Jahr berichten. Die E-Book-Version meines Buches („Everest-126") kam im Dezember 2024 bei Amazon KDP heraus, die Print-Version (BoD) im Januar 2025 und das Hörbuch im Juli 2025. Eine besondere Ausstattung wiesen alle Versionen nicht auf.
Werbung für die E-Book Version und die Print-Version hatte ich bis Mitte März nicht durchgeführt, dann habe ich eine Agentur beauftragt, bei Amazon KPD kostenpflichtige Ads bis Jahresende zu schalten. Hinzugekommen ist noch ein Book Trailer auf der Amazon-Produktseite.
Innerhalb von zwei Wochen erreichte das Buch den Amazon-Bestseller-Status in den Kategorien „Klettern“ und „Chemie“, im Oktober wurde im Rahmen des „All-Stars-Bonus ein dreistelliger Bonus ausgeschüttet.
Weitere Marketing-Maßnahmen waren Lesungen, Teilnahme an Messen (LBM, BuchBerlin), Pflege der Website, Instagram-Kanal, Buchblogger-Aktionen, Schaltung (teilweise kostenpflichtig) redaktioneller Beiträge in Anzeigenblättern, VHS-Broschüre (Berlin) und Flight-Magazine („Discover Germany, Austria and Switzerland, Nov. 2025), Teilnahme an „Autor sucht Couch.“
Sämtliche Aktivitäten wurden von mir unter dem Aspekt getestet, ob sie den Verkauf, den Bekanntheitsgrad von Buch und Autor fördern und letztendlich nach Steuern zu einem Gewinn führen. Das Prinzip war absichtlich so gewählt, dass das Budget zunächst eine sekundäre Rolle spielt.
Die Zahl der verkauften Exemplare lag zum Jahresende in einem vierstelligen Bereich.
Die Einnahmen (nicht Gewinn!) aus online-Verkäufen, Verkäufen auf Buchmessen und Lesungen beliefen sich zum Jahresende 2025 auf einen vierstelligen Betrag. Das Finanzamt hat mir meine kompletten Ausgaben, die sich auf meine schriftstellerischen Aktivitäten bezogen, für das Steuerjahr 2024 komplett (vorläufig!) anerkannt.
Wenn man das so liest, klingt das auf den ersten Blick gar nicht so schlecht.
ABER! Und das ist ein sehr bedeutsames ABER!
Die meisten Maßnahmen haben sich unter ökonomischen Gesichtspunkten weder als effektiv noch effizient erwiesen. Einen signifikanten Effekt auf die Buchverkäufe hatten die Veröffentlichung des E-Books auf Amazon KDP mit Schaltung von Ads, Lesungen sowie eingeschränkt die Teilnahme an Buchmessen. Das Hörbuch betrachte ich als luxuriöse Investitionsruine. Der Rest ist Staub und Schatten und hat nur Dienstleister bereichert.
Die Gesamtausgaben für meine Schriftstellerei übersteigen deutlich die Einnahmen, steuermäßig wurden nur Verluste generiert. Bei Fortführung ohne Gewinne droht die Einstufung meiner Schriftstellerei als „Liebhaberei ohne Gewinnerzielungsabsicht“ mit der Option, dass ich Steuern nachzahlen muss. (Wird nicht passieren.)
Fazit
Ja, man kann mit viel Geld sehr schnell Verkäufe, Bewertungen, Bekanntheitsgrad, etc. in relevante Höhe treiben, wenn man bereit ist, ein Marketingbudget im 4-5stelligen Bereich aufzustellen UND die richtigen Marketingmaßnahmen zu ergreifen. Dies dürfte fast jedes Buch schaffen, wenn es von guter inhaltlicher Qualität ist – wobei „gut“ sehr interpretationsfähig ist – ein Lektorat und Korrektorat durchlaufen hat und ein professionell gestaltetes Cover mit professionellem Klappentext aufweist.
Wie man schnell erkennt, ist das verfügbare Marketingbudget ein entscheidender Faktor und dieses ist bei uns Selfpublishern deutlich limitiert! Viele von uns leben von der Rente und die ist nicht gerade üppig. Da bleibt für das Schreiben nicht viel übrig.
Aus meiner Sicht ist aber der ganz entscheidende Faktor das primäre Ziel der Schriftstellerei:
- Schreibe ich, weil ich davon lebe(n muss)?
- Schreibe ich, weil es mir Spaß macht?
- Schreibe ich aus therapeutischen Gründen? (für mich, für andere)
- Schreibe ich, weil ich berühmt werden will, und einen Bekanntheitsgrad wie Fitzek, Schätzing et al. erreichen möchte?
- Schreibe ich, weil ich den Lesern eine Botschaft mitteilen möchte?
- Schreibe ich vielleicht aus mir noch ganz unbekannten Gründen?
Ich habe für mich eine Entscheidung getroffen, die auch hilft, eine klare Ausrichtung für das Marketing zu treffen:
Ich schreibe
a) weil es mir einfach Spaß macht, und eine sinnvolle Tätigkeit im chronisch voranschreitenden Senium ist.
Weiterhin möchte ich innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre steuertechnisch eine „schwarze Null“ schreiben. (Damit das Finanzamt nicht unruhig wird.)
Daher fällt mein Marketingbudget für 2026 deutlich kleiner aus und wird nicht mehr mit der Gießkanne verteilt. Hörbuch, bezahlte redaktionelle Beiträge, Schreibseminare u.a entfallen.
Ich bin gespannt, wie 2026 läuft und wünsche allen Papyristi hier im Forum neue Buchprojekte, steigende Verkäufe, tolle Lesungen, bewundernde Rezensionen und vor allem VIEL SPASS!
P.S.
Berühmt bin ich schon. Ich werde auf der Straße regelmäßig erkannt — von meinen Nachbarn. 