Beim Glöckner kommen ja noch mehr Figuren vor als bei Anna Karenina. Das so etwas geht, hätte ich nie für möglich gehalten. Da wird einem ja ganz schwindelig.
Echt jetzt? Wenn du damit durch bist, liebe Suse, dann nimm dir mal Doderers „Strudlhofstiege“ vor. Oder Musils „Mann ohne Eigenschaften“. Die Personenliste ist 1:1 dem Wiener Telefonbuch von 1930 entnommen.
EMMA, von Jean Reno. Den ich als Schauspieler sehr schätze.
Emma führt ein ruhiges Leben an der bretonischen Küste. Nach einem tragischen Ereignis in ihrer Vergangenheit widmet sie all ihre Kraft ihrer Arbeit in einem namhaften Zentrum für Meerestherapie. Bis sie die Chance erhält, im Oman das Team eines neuen Wellness-Resorts zu schulen. An der Spitze der luxuriösen Einrichtung steht Tariq, der Sohn eines mächtigen Ministers. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen, als ein heikler Auftrag Emma zu einer folgenschweren Entscheidung zwingt. Inmitten eines weitreichenden Machtspiels voller Intrigen kann sie bald niemandem mehr trauen und gerät in tödliche Gefahr. Doch Emma weiß, wie man überlebt …
Das Buch beginnt seicht, ich musste da mehrfach Disziplin aufbringen, um weiterzulesen. Aber es gewinnt an Tiefe und entschädigt mit einer interessanten Story.
Hänsel & Gretel. Nacherzählt von Stephen King mit Bildern von Maurice Sendak („Wo die wilden Kerle wohnen“). Kurz und … anders als man King kennt. Auch als Vorlesebuch geeignet.
S.A. Barnes „Cold Eternity“.
Ist der dritte Roman der Autorin. Der erste („Dead Silence“) war so unfassbar gruselig, der zweite („Ghost Station“) eigentlich auch, hatte nur eine nervtötende Protagonistin, der dritte - eben „Cold Eternity“ - wieder großes Gruselkino, wenn auch nicht so gruselig wie „Dead Silence“.
Bin auf jeden Fall auch bei Roman Nr 4 wieder dabei.
Nein, die Plots sind nicht neu und aus Bekanntem zusammengestückelt. Alien, Event Horizon, Ghost Ship … Schön finde ich, dass es Protagonistinnen sind; dass die Themen immer tiefer gehen, als es scheint; dass es keine ablenkende Romance gibt; dass Mrs Barnes bei mir mehr Gänsehaut erzeugt als Stephen King.
Letztlich ist es immer derselbe Grundriss: absolute Abgeschiedenheit, wohin die Protagonistin vor inneren und äußeren Verfolgern flieht, doch leider ist der Ort von etwas Bösem heimgesucht.
„Ghost Station“ ist sicher das schwächste Buch, weil die Protagonistin völlig daneben ist. Sie geht zwar als Psychologin mit auf die Reise (ich nehme an, dass Dich das interessiert? ), ist selbst aber so therapiebedürftig, dass jeder in der Crew merken müsste, wie inkompetent sie ist und sie nach Hause schicken müsste. Oder einsperren. Der Leser merkt es jedenfalls, und sie kommt einem dadurch nicht näher (= sie nervt kolossal bis zur Unglaubwürdigkeit).
Damit kann ich gut umgehen, wenn es gut gemacht ist. Gerade Event Horizon ist da ein Stichwort, dass mich aufhorchen lässt. Genreperle! Ich leg mir Barnes mal auf die Wunschliste. Gerade guter SciFi und Horror/Thriller/Mystery bedienen da zwei ganz eigene Hirnareale bei mir…
Ich halte beide Genre überhaupt für recht anspruchsvoll, weil es in einem fremden Setting um -eigentlich immer- tief menschliche Konflikte in einem literarisch abstahierten Umfeld geht.
Ewald Arenz: Alte Sorten.
Das ist grosse deutsche Literatur: In nur zehn Seiten eine so dichte Stimmung herstellen, wie andere in hundert nicht. Unmöglich, aufzuhören weiter zu lesen.
Und dann noch solche Sätze wie: „Weg ist keine Richtung.“ - Da muss ich ein Monat hirntschechern, bevor mir sowas einfällt.
ja, Arenz ist super.
Und kann auch total abgedreht. „Herr Müller, die Katze und Gott“ kann ich empfehlen … habe zwei Tage über seine Auslassungen zu Schwarzem Block und Polizei gelacht.
Hat sich ehrlich gesagt nicht gelohnt. Zum einen, weil es doch ein sehr akademischer Text ist, der auf auf den ersten 100 Seiten lediglich die bisherige historische Entwicklung des Lesens in der beginnenden digitalen Welt darstellt. Zum anderen, weil die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen nicht wirklich neu sind, allerdings in einen sehr großen Kontext gestellt werden, was dann durchaus einen Erkenntnisgewinn bringt. Darüber hinaus immerhin habe ich ein paar mir noch nicht bekannte medientheoretische Fachbegriffe gelernt. LOL …