Versuch

Ich will niemand bedrängen.
Ich halte jetzt mal die Klappe und freue mich auf jede neue Geschichte. Nahezu schweigend. Nahezu.

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Schon wieder beim Gelage der Götter.

Hebe und Athene waren gemeinsam beim obligatorischen Gelage aufgetaucht. Hebe hatte sich voller Elan an die Bar begeben und fast nicht über den Alkoholkonsum der Götter gestöhnt. Seit Terro sie bei der kindlichen Sozialisation unterstützte, war sie deutlich entspannter. Athene freute sich, dass ihre These von Arbeitsbelastung und Freizeitmangel Bestätigung fand. Außerdem war sie froh, dass es ihrer Freundin besser ging.

Während Hebe hingebungsvoll Cocktails mit Schirmchen dekorierte und den Göttern ihre neueste Kreation aufdrängte - wer hätte gedacht, dass Whiskey und Rhabarber wunderbar harmonieren? - streifte Athene ihre Sandalen aus zartem Bestienleder von den Füßen und platzierte sich auf der Liege. Sie warf einen Blick auf ihre wahrhaft göttlichen Füße. Bei aller Strenge hatte Athene eine weiche Seite, die sie auf OnlyFans auslebte. Ihre Fußfetischprofile KissYourGoddessFeet und ThrowYourselfAtYourGoddessFeet waren überaus erfolgreich.

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Hera gesellte sich zu Athene.

„Wie läuft es mit den Kindern?“

„Ganz gut, glaube ich. Neulich waren wir bei Äskulap, weil Evi immer so müde ist. Er meinte sie hat Narkolepsie. Jetzt warten wir mal ab wie sie sich entwickelt.“

„Jaja, sehr interessant. Und was ist mit OnlyFans? Ich habe gehört, dass du da aktiv bist.“

Es war Athene etwas unangenehm, über diese im Reich der Sterblichen angesiedelten Aktivitäten zu sprechen. Es galt als rückschrittlich, sich mit ihnen abzugeben.

„Ach, ich mache nichts Besonderes. Nur so Fotos von Füßen. Die stehen da irgendwie drauf.“

„Aber man bekommt Pluspunkte bei der Revision, oder?“

Die Revision ist eine der wenigen Organisationen, die von den Göttern gefürchtet wird. Hier werden die Gläubigen gezählt. Die Währung der Götter. Athene hatte ein ziemlich gutes Ranking.

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Ich hoffe du hast schon entsprechende Instabereiche geschützt? Geile Idee!!!:thumbsup::bowing_man: :bowing_man:

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Terro hielt es für angebracht, den Kindern die Bekämpfung von Bestien nahezubringen. Zu diesem Zweck hatte er nicht nur eine vollständige Heldenausrüstung mitgebracht, sondern auch eine altersgemäße Bestie. Sie hieß Hasi und sah auch so aus. Hasi verdrängte beim Erstkontakt die Einhörner von Platz 1 der Beliebtheitsskala. Denn Hasi war flauschig und man konnte ihn mit gesunder Brotzeit füttern.

Terros Lektion war von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Dafür hatte er weitere Sympathiepunkt bei den kleinen Göttern gesammelt. Hebe setzte sich zu ihm.

„Terro, vielleicht ist das mit den Bestien zu kompliziert. Willst du nicht lieber mit ein paar Grundlagen anfangen?“

„Also als Held hat man mit Eisenverhüttung keine Erfahrung. Man nimmt den Besiegten die Schwerter weg. Oder man kauft eins bei Eisen-Berti.“

„Ich meinte nicht so grundlegend. Wie wäre es mit Sport. Was ein Held eben braucht.“

„Oh, du meinst Hanteltraining, damit der Gegner Angst vor den Muskeln bekommt?“

„Eher das Davonrennen. Sowas ist für das Überleben sicher hilfreich.“

Terro schwieg, während er nachdachte. Er rekapitulierte die zahlreichen aber dennoch zählbaren Ereignisse, in denen er gezwungen war davon zu rennen. Natürlich nur, um anschließend einen konzertierten Überraschungsangriff zu starten. Der im übrigen meistens zum Erfolg geführt hatte. Ziemlich oft.

„Hebe, ich sage dir: Nichts ist so langweilig wie Lauftraining. Das haben alle in meinem Ausbildungsjahrgang gehasst.“

„Was machen wir dann?“

„Vielleicht probiere ich es mit einem kleinen Drachen. Nichts gefährliches.“

„Klingt gut.“ Hebe schluckte. Sie wollte Terro nicht demotivieren.

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Seine Schritte führten Loki weiter durch die Stadt. In der großen Aula der Universität tagte die Gesellschaft zur Rettung aussterbender Sprachen. Gemeinhin war man sprachlich auf der konservativen Seite angesiedelt. Als Loki vorbeischritt, vergaß der Festredner seine Aufzeichnungen und hielt zu seiner Überraschung und der des Auditoriums eine Brandrede für gendergerechte Sprache. Fassungslose Blicke mutierten zu tosendem Beifall und gellenden Pfiffen. Nie gab es eine aufregendere Auftaktveranstaltung.

Der Teer auf der Straße warf Blasen, die beim nächsten Windhauch - oder dem Flügelschlag Amors - aufplatzten.

Er schritt über Brücken, die sich in Sanierungsfälle verwandelten.

Welche Konsequenzen der Kontakt seines Fußes mit einem Bahngleis hatte, bedarf keiner Erläuterung.

Weiter lief Loki, Dämme brachen und verursachten lokale Hochwasser. Loki war keiner der großen Götter. Sein destruktiver Einfluss war auf die nächste Umgebung begrenzt. Der Trick besteht darin, die richtigen Multiplikatoren zu finden. Manchmal handelt es sich um den richtig platzierten Schlag eines Schmetterlingsflügels.

Der Weg führte ihn aus der Stadt, durch Wiesen und Wälder. Seine schlechte Stimmung brachte die Lemminge dazu, vor der Felskante zu stoppen und umzukehren. So vernichtete Loki die Ambitionen eines Tierfilmers auf ein unvergleichliches Spektakel. Die Lemminge erkannten den Sinn von Schildern und entwickelten das international anerkannte Stop-Schild. Es ist derart in die DNA der Lebewesen eingesunken, dass es als frühestes Symbol der Menschheit angesehen wird, obwohl es erst wenige Jahre alt ist. Was ein brillantes Beispiel für das Phänomen des Déjà-vu in den Erstsemestervorlesungen der Neurowissenschaftler wäre, wenn sie diesem Phänomen nicht selber aufsitzen würden.

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Obwohl Hera es nicht gerne sah, begab sich Zeus hin und weder zu seinen jüngsten Sprösslingen. Hebe begrüßte die Teilhabe von Vätern an der Erziehung. Aus eigener Erfahrung kannte sie die Bedeutung von Vätern für die Entwicklung einer gesunden Psyche. Vor allen Dingen erlaubte ihr das Babysitting von Zeus einen unerlaubten Ausflug.

„Hallo Zeus. Nett, dass du vorbeikommt. Ich bin mal kurz weg.“

Zeus begab sich zu Evi und Abby auf den Boden. Die beiden glucksten begeistert und tobten auf ihrem Göttervater herum, schaukelten auf seinen Knien, bohrten ihre Finger in seine Nase. Kleinkinder! Haben einfach keine Vorstellung von ekligem Zeug. Während Abby Zeus als bewegliches Klettergerüst nutzte, verkroch Evi sich schlummernd in seine Arme. Wieder die Narkolepsie, dachte Zeus. Hätten sie mal ein EEG gemacht. Evi war alles andere als träge. Ihr Gehirn raste dahin. So schnell, dass andere Aktivitäten eingestellt werden mussten, weil sie mit der Geschwindigkeit der aufeinanderfolgenden Gammawellen niemals Schritt hätten halten können. Anders formuliert, Evi war höchst aktiv, hätten sich ihre Beine im gleichen Tempo bewegt, würde sie ständig ungebremst an die Wand klatschen. Momentan beschäftigte sie sich mit der Carzinisierung. Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Carzinisierung nicht nur bei Krabben vorkommt. Die einen sehen darin das Wirken der Evolution, die anderen den Beweis für Intelligent Design. Tatsächlich haben beide Seiten Recht, würden aber vehement bestreiten, dass die Evolution ein göttliches Kleinkind ist.

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Das Gelage. Diesmal obligatorisch.

Zeus hatte alle Götter geladen und es gab keine Option das Kreuz in dem Kästchen bei “Ich komme nicht“ zu setzen. Also war auch Xyle erschienen. Erinnern Sie sich? Sie wurde eingangs erwähnt, Göttin der liegengebliebenen Aufgaben, Mutter von Gotta, treue Ehefrau von Terro.

„Liebe Göttinnen, Götter, Helden…“

Man sah es Zeus nach, wen er die eine oder andere Berufsgruppe vergaß, sich über männlich und weibliche Formen keine Gedanken machte - die Anrede Göttinnen war allein seiner Gattin Hera geschuldet - und alles, was divers war, unter den Tisch fallen ließ, obwohl Diversität im Olymp eine gelebte Normalität war. Ein paar Hermaphroditen wollten murren, aber der Blick Heras ließ sie verstummen.

“… und somit ist der Anlass für unsere heutige Zusammenkunft der Reorganisation göttlicher Zuständigkeiten gewidmet.“

Xyles Gedanken nahmen sich eine Auszeit.

„Mein Dank geht an die Große Kommission für ihre intensive Beschäftigung mit überflüssigen Zuständigkeiten.“

Der Kommissionspräsident ergriff das Wort. Er erläuterte die besondere Herausforderung seiner Aufgabe, die umfangreichen Recherchearbeiten und die immense Bedeutung für die Zukunft. Der Anschluss an die Moderne. Solche Sachen. Er zählte die Bereiche auf, von denen er annahm, dass sie aktuell nicht mehr gebraucht würden, zum Beispiel Amphorentöpfer, Tempelarchitekten und Marathonläufer.

Xyle nippte desinteressiert an ihrem Cocktail. Es steckte ein Schirmchen darin. Sah nach Chinaware aus. Sie überlegte sich, ob sie daheim ein chinesisches Zimmer bräuchte.

Tosender Applaus brach aus und Xyle hatte das ungute Gefühl, dass er ihr galt. Aber irgendwie hatte sie nicht mitbekommen warum. Hera drückte ihr einen Kranz aus Grünzeug aufs Haupt. Xyle würde später nachsehen, um welche Pflanze es sich handelte. Die Pflanzensorte galt als informeller Hinweis auf die Bedeutung, die Zeus einer neuen Rolle zuwies.

„Und daher ernennen wir Xyle zur Göttin der Informatik!“

Man widerspricht Zeus nicht. Vielleich agiert man nicht immer in seinem Sinne, aber man widerspricht ihm nicht, vor allem wenn man gerade auf dem falschen Fuß erwischt wurde.

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Ein Biergarten am späten Nachmittag unten auf der Erde. Die Sonne scheint durch das Kastanienlaub. An einem Tisch haben sich Informatiker getroffen. Sie wissen nicht, wie sie hergekommen sind. Sie wissen auch nicht, warum sie das dringende Bedürfnis zu feiern verspüren. Ein fremdartiges Gefühl. Sie möchten jemanden auf die Schultern heben und im Triumph durch die Stadt tragen. Laut grölend Lieder singen, wild tanzen, Leute abknutschen. Etwas irritiert sehen sie sich an, senken die Augen und nippen von ihrem Bier.

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Das Gelage - Haben die denn nichts anderes zu tun?

Zeus lag in sonniger Selbstzufriedenheit auf seiner Liege. Mit Wohlgefallen betrachtete er die Nymphen, die seine Gäste bedienten. Sie trugen neuerdings kleine weiße Schürzchen und auf dem Kopf passende Häubchen. Ganz allerliebst, fand Zeus. Die Satyrn störten das Gesamtbild etwas, vielleicht lag es an den Hörnern rechts und links vom Häubchen. Dennoch war Zeus mit seinem aktuellen Einfall sehr zufrieden. Heras Blick und seiner trafen sich.

„Die Schürzchen kommen weg!“

„Aber liebste Gemahlin…“

„Und die Häubchen auch.“

„Meine Königin…“

„Nein.“

Hera war in sexueller Hinsicht nicht so aktiv wie Zeus, aber die eindeutige Konnotation war ihr nicht entgangen. Hätte nur noch ein Staubwedel gefehlt. Zeus seufzte. Die Schürzchen und Häubchen verschwanden. Unter der Liege verwandelten sich seine Sandalen in Pantoffeln.

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Man hält es nicht geheim, hängt es aber auch nicht an die große Glocke. Vor allem Kinder sollten nicht zu früh von der Welt der Sterblichen erfahren. Sie bekamen es natürlich trotzdem schnell mit.

„Es gibt eine fertige Welt.“ Terry verkündete mit der Mine des Wissenden seine neueste Erkenntnis. Die beiden anderen sahen ihn an.

„So mit allem? Dinosaurier und so?“

Douglas, Terry und Gott gingen in stillem Einvernehmen zur Garderobe. Sie zogen sich an und machten sich auf den Weg.

Unauffälligkeit funktioniert bekanntermaßen am besten durch demonstrative Lässigkeit. Wer rumschleicht, wird sofort entdeckt. Wer rumtrampelt und die Aura der Selbstverständlichkeit in dicken Tropfen versprüht, kommt in jede Disco. (Für unsere jüngeren Leser sei angemerkt, dass es sich um einen magischen Ort handelt, der vor ihrer Zeit existierte. Er war laut, überfüllt und voller Zigarettendunst. Weitere heute untolerierbare Aspekte werden hier unterschlagen, um nostalgische Gefühle in Grenzen zu halten.)
Die kleinen Götter konnten das Prinzip der Selbstverständlichkeit nicht in Worte fassen, aber waren hervorragend in der intuitiven Umsetzung. Teilweise waren die Theken, an denen sie Vorüberschritten, zu hoch, als dass die sitzenden Zollgötter sie hätten sehen können, teilweise waren die bezaubernden Hostessen (m/w/d) mit anderen interessanteren Dingen beschäftigt, die ausnahmslos ihre eigne Altersgruppe betrafen und sich in unmittelbarer Nähe eines Kaffeeautomaten abspielten. Unsere jungen Götter gerieten in eine Gruppe Putti auf Abschlussfahrt. Kurz gesagt, sie kamen problemlos unten an.

Der interessierte Leser fragt sich vermutlich, wie man auf die Welt der Sterblichen kommt. Nein, kein magischer Aufzug, keine vollgenetische Translokation. Man steigt in ein Auto und folgt den Anweisungen des Navis. Oder man nimmt den Bus.

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Wohin treibt es eine Gruppe vergnügungssüchtiger Bewohner aus dem Olymp? Natürlich in den weltgrößten Vergnügungspark.

Die Putti schleiften Gotta und seine Freunde durch die Fahrgeschäfte. Ihre göttlichen Fähigkeiten bewahrten sie vor dem Schlange stehen und so preschten sie wie die apokalyptischen Reiter mit sehr viel Gekreische durch Achterbahnen, rotierende Sitzgelegenheiten aller Art, brausten über Wildwasserbahnen, legten sich mit der Schwerkraft an und landeten schließlich ermattet vor einer Eisbude. Die Putti gaben ein Eis aus. Eis besteht bekanntlich aus sehr viel Zucker mit sehr viel Sahne und einer homoöpatischen Dosis an Vitaminen.

„Was ist das?“ Drei fragende Augenpaare musterten die Eiswaffeln.

Ein Putto erklärte das Prinzip von sinnlosen Kalorien. Die Kombination aus eiskalter Süße und cremig schmelzendem Fett war eine Offenbarung. Kein Wunder, dass man diesen Ort geheim hielt.

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Terro hatte ein komisches Gefühl. Er war sich sicher, keinen Mist gebaut zu haben, aber er hatte so etwas wie ein schlechtes Gewissen. Währenddessen zählte Hebe die Kinder.

„Da fehlen drei.“

Terro suchte nach seinem Sohn. Er wußte, dass er ihn nicht finden würde. Vielleicht konnte das intensive Leugnen dieses Wissens zu seinem Auftauchen führen. Hebe ging systematisch und etwas panisch vor. Sie hasste es, wenn Kinder verschwanden. Das gab immer Ärger. Sie hakte die anwesenden Kinder auf einer Liste ab. Terro sah, wie sich Häkchen unter Häkchen reihte und er spürte die drei offenen Namen mit körperlicher Pein.

„Drei fehlen. Wir müssen sie suchen.“

Terro nickte und schlug vor, erst einmal den Kindergarten abzusuchen. Manchmal sitzt die Brille ja auf der Nase. Diesmal nicht.

„Die Jacken fehlen.“ Hebe hob erstaunt die Augenbrauen. Erfahrungsgemäß standen Jacken nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste der Teilnehmer Primärerziehung Stufe I.

„Das ist ernst. Jacken sind wie Schwerter.“ Terro erntete einen erstaunten Blick von Hebe.

„Naja, ich habe ihnen beigebracht, dass ein Held immer sein Schwert mit nimmt. Und seine Jacke. Dann ziehen sie ihre Jacken freiwillig an.“

Hebe nickte. Das klang auf eine verwirrende Art plausibel.

„Wir müssen eine Suchaktion starten. Und Hebe? Es tut mir leid.“ Terro hatte ein schlechtes Gewissen, dass sein Sohn beteiligt war.

Niemand hätte damit gerechnet, dass sich Terro als genialer Stratege erwies. In einer konzertierten Aktion wurde der Olymp durchsucht. Da unsere kleinen Götter bei den Sterblichen weilten, kam nichts dabei heraus. Als sich dieses Ergebnis abzeichnete, wurde der Übergang zur Welt kontrolliert. Niemand hatte etwas gesehen oder bemerkt. Diejenigen, die ihre Versäumnisse kannten, weil sie an Kaffeeautomaten geschäkert hatten, betonten mit besonderem Ernst, dass ihrer unbedingten Aufmerksamkeit drei kleine Götter niemals entgangen wären. Es war völlig klar, dass Gotta, Terry und Douglas sich durchgemogelt hatten. Jetzt hatte Terro richtig was zu tun.

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Das Gelage - diesmal mit Sinn und Zweck

Die Liegen waren zusammengeschoben. Der Festsaal zur Zentrale erkoren. Scherzworte flogen zwischen den Göttern hin und her. Es gab Häppchen und alkoholfreie Cocktails. Terro hatte sich eine Liege geschwungen und beobachtete das Geschehen.

Eisen-Berti gab die Waffen aus. Es handelte sich um Schwerter.

„Und wozu brauche ich ein Schwert?“ Eine niederrangige Gottheit hielt das Schwert mit spitzen Fingern. Man hatte fast Angst vor schrecklichen Schnittverletzungen, wäre da nicht die legierte Metallintelligenz, die sehr wohl zwischen Ungeschicklichkeit und Attacke zu unterscheiden weiß.

„Ich bin für Nahrungsergänzungsmittel zuständig. Mit Gewalt habe ich nichts zu tun.“

Terro griff erklärend ein. „Hier geht es nicht um Gewalt. Die Schwerter sind unsere Kommunikationstools. Der Produktentwickler hat ein bewährtes Design gewählt.“

Dann, als die Götter ausgerüstet waren - bis auf die üblichen Schnarchnasen - klopfte er mit dem Schwertknauf auf seinen Schild.

„Hört, hört!“

Gemurmel verebbte, Blicke richteten sich auf Terro. Man war allgemein etwas irritiert, dass hier ein Held die Organisation übernommen hatte. Eigentlich die Domäne der Götter. Dass Organisationstalent nicht zu ihrer Grundausstattung gehört, lässt sich an diversen irdischen Fehlkonstruktionen bemerken. Allein schon die Zeitalter, ein einziger Niedergang vom goldenen Geschlecht zum eisernen. Muss das wirklich sein, dass alles immer schlechter wird?

„Also Leute. Erstmal vielen Dank, dass sich so viele an der Suchaktion beteiligen. Ist jeder versorgt? Habt ihr alle Lunchpaket und Schwert? Die Einsatzanweisung?“

Die Götter klapperten zustimmend mit ihren Schwertern. Bis auf die, die von ihren Lunchpaketen abgelenkt waren.

„Lunchpakete?“ Athene blickte Hebe in die Augen.

Hebe errötete. „Ist so eine typische Frauensache, oder?“

Athene nickte. Sie hätte niemals an so etwas wie das leibliche Wohl gedacht. Aber sie war gespannt, was es gab.

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Wie der Zufall es wollte, hatte Loki von all dem nichts mitbekommen. Es handelte sich tatsächlich um richtig echten Zufall, ohne jede Einflussnahme von Fortuna, als Loki seinen Fuß in den Vergnügungspark setzte. Eiswaffeln entglitten Kinderhänden und platschten auf den Boden, ein Klaustrophobiker landete versehentlich in der Geisterbahn und die Achterbahn mit den drei kleinen Göttern blieb am Scheitelpunkt stehen. Zufälligerweise lag der Vergnügungspark in Hebes Einsatzgebiet. Hebe war darüber nicht besonders glücklich. Sie hätte lieber ein paar sanfte Hügel durchstreift. Statt dessen war sie Menschenmassen, Lärm und einem Überangebot an absolut ungesunder Nahrung ausgesetzt. Sie fühlte, wie es sich die fett- und zuckergesättigten Aerosole auf ihrer Hüfte bequem machten. Was sie nicht wusste war, dass sie diese imaginären Polster in nächster Zeit höchst effektiv abarbeiten würde.

Götter können sich überraschenderweise völlig unauffällig benehmen. Wenn sie wollen. Normalerweise erwarten sie die kniefällige Aufmerksamkeit der Sterblichen. Diesmal war Diskretion angesagt. Nun, das mit den Kniefällen war in der letzten Zeit sowieso aus der Mode gekommen. Und was die Diskretion betraf, hätten zu viele gleichzeitige Göttersichtungen die Menschheit irritiert. Daher gilt die Maxime, dass es nur wenigen Erwählten erlaubt ist die Götter zu sehen. Die neigen dann leider zu auffälligem Verhalten, stellen sich ein eine Parkecke und halten Reden oder veröffentlichen Bücher mit abstrusen Thesen. Sie kennen Erich von Däniken, oder?

Ein runter gefallene Eiswaffel flüchtete vor den Füßen Lokis.

Da stand sie nun, Hebe. Hatte die Kassen im Rücken und fragte sich, wo sie anfangen sollte. Vorwurfsvoll streifte ihr Blick eine am Boden liegende Eiswaffel, das Eis war im wesentlichen geschmolzen, braune und rosa Soße flossen unansehnlich ineinander. Als sie den Blick hob, traf sie auf ein Augenpaar. Wie üblich steht in diesen Momenten die Zeit für den Bruchteil einer Ewigkeit still. Außerdem sei erwähnt, dass gigantische Eisplatten vom Schelfeis ins Wasser krachten, sich Kontinentalplatten gegeneinander schoben und nicht zuletzt knallten Skylla und Charybdis mal wieder aufeinander. Es handelte sich definitiv um Liebe auf den zweiten Blick. Loki ergriff Hebes Hände. Amor flog genervt davon.

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Ja herrlich :rofl:

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Der Vater fing das Eis gerade noch auf. Die Achterbahn lief wieder an. Ein Klaustrophobiker verließ die Geisterbahn geheilt. Der Nachteil war, dass ihn jetzt ein kleiner dicker Gott mit Flügeln und Flitzebogen verfolgte. Man kann nicht alles haben.

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Das Gelage - man ist wieder oben

Die Suche der Götter war erfolglos geblieben. Aufgeregt erzählten sie einander ihre Abenteuer. Entsorgten unauffällig die Reste ihrer Lunchpakete. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen, denn Hebe war nicht anwesend. Terro schwang sich wieder auf eine der Liegen. Sein Körper memorierte automatisch die instabile Polsterung und balancierte sie aus.

„Nachdem jetzt alle wieder da sind - herzlichen Dank an alle Beteiligten. Leider hatten wir keinen Erfolg.“

Athene sah sich suchend um.

„Wir haben die Erde systematisch durchkämmt…“

Gemurmel war zu vernehmen, langsam schwoll es an. Eine lauter werdende Frage fand ihren akustischen Raum.

„Wo ist Hebe?“

„Hebe?“

„Ja, Hebe. Hat jemand Hebe gesehen?“

Götter drehten und wendeten sich, stellten sich auf die Zehenspitzen. Wir wissen natürlich, wo Hebe war. Besser gesagt, wo wir sie zuletzt gesehen haben. Inzwischen hatten Loki und Hebe die Hochzeitssuite eines nicht näher benannten exklusiven Hotels aufgesucht. Was dazu führte, dass die drei kleinen Götter weiterhin unbeaufsichtigt mit den Putti durch die Gegend zogen. Zur Zeit machten sie die Bars von New Orleans unsicher. Als verantwortungsvolle Absolventen ihrer Zunft sorgten die Putti selbstredend für alkoholfreie Getränke. Alkohol wäre völlig verschwendet gewesen, denn die drei Götter entdeckten gerade die unermesslichen Tiefen des Toppings, Eis in flüssige Schokolade getaucht, mit Karamellsirup übergossen, mit bunten Zuckersternen betreut, alles zusammen, um nur eine Variante zu nennen. Wäre Hebe nicht andernorts beschäftigt gewesen, diese Erfahrung hätten die Götter niemals machen können.

Loki schnürte übrigens gerade die linke Sandale an Hebes Fuß auf, während er sich in ihren Augen verlor. (Keine weiteren Details wegen der Jugendfreigabe.)

Die Götter im Olymp schauten erwartungsvoll auf Terro. Elektrische Impulse rasten durch sein Gehirn. Als versierter Jäger wusste er, wenn die Bestie nicht da war, wo man gesucht hatte, musste sie dort sein, wo man nicht gesucht hatte. Und von dort aus konnte sie überall hin gelangt sein. In diesem Fall hatte die Bestie drei Namen: Douglas, Terry und Gotta. Und Hebe fehlte. Die Beweislage war unerschütterlich.

„Sie war im Vergnügungspark. Und die drei Kleinen auch. Athene und ich werden uns darum kümmern. Athene?“

Athene war etwas überrollt. Ihrer Erfahrung nach hatte sie das Kommando inne. Aber es ging um ihre Freundin. Und dann gab es das Problem mit den drei Ausreißern.

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Terro und Athene standen im Vergnügungspark. Inzwischen war es auf der Erde Nacht geworden. Die Betreiber des Parks hatten einen Unternehmensberater angeheuert, um den Gewinn zu maximieren und auch die unproduktiven Nachtstunden zu nutzen. Was hat man von einem Vergnügungspark, den man nur zur Hälfte des Tages betreibt. Das Ergebnis konnten Terro und Athene jetzt bestaunen. Soweit Staunen zum Mindset der Götter gehört. Vom Tagesmodus war auf den Nachtmodus umgeschaltet worden. Tiefes Rot war die vorherrschende Farbe und die vorbeimarschierende Parade war nicht jugendfrei. Noch nicht pornografisch oder pervers. Aber definitiv auf der Seite FSK 18. Die gemäßigten Phantasien von Beate-Uhse-Kunden wurden bedient. Ziemlich nackte Nymphen und diverse andere leicht bekleidete Personen waren im Olymp im alltäglichen Dasein angesiedelt. Allerdings trug man keine synthetische Spitzenunterwäsche und legte Wert auf weitreichende mathematische Kenntnisse. Hier standen den staunenden Sterblichen aus den Speckgürteln der Großstädte, um die Hüften herum mit ebensolchen ausgestattet, die Münder offen. Hände suchten und fanden den Weg auf die Ärsche (Verzeihung, es geht nicht anders.) Von Ehegattinnen. Korrekterweise waren es in der überwiegenden Zahl der Fälle die Hände der zugehörigen Ehemänner. Ist ja kein Swingerclub hier.

„Meinst du, dass sie hier sind? Das sieht doch alles recht konventionell aus.“

Athene konnte sich nicht vorstellen, dass die erotisch aufgeladene Stimmung das Interesse der kleinen Götter gefesselt haben könnte. Erst in ein paar Jahren.

Terro stand da und nahm Witterung auf. In den Fingerspitzen spürte er die Anwesenheit der Bestie. Die Spur war schwach. Sie hatten diesen Ort längst verlassen. Hypnotisch folgte er einer Spur, die nur er erkennen konnte. Athene trabte halb fasziniert, halb genervt hinter ihm her.

„Wir können uns aufteilen. Du suchst die Kinder und ich Hebe.“

„Pscht. Mit Hebe ist alles okay. Wir stören sie besser nicht. Komm!“

Im Geist zog Athene eine Augenbraue hoch. Erstens schonte sie mit der rein geistigen Tätigkeit die Ausgewogenheit ihrer Gesichtszüge. Ein Tipp von Aphrodite. Und zweitens - ach, zweitens habe ich vergessen. Es interessierte Terro sowieso nicht. Und was hatte diese Bemerkung über Hebe zu bedeuten.

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Eine verrauchte Bar in New Orleans. Die Putti hatten sie fast vollständig in Beschlag genommen. Es war eine sehr kleine Bar. Offiziell existierte sie gar nicht. Das ersparte den Betreibern Steuern und Behördenauflagen. Alte Blues Klassiker schwebten über den Gästen. Am Tresen standen die drei kleinen Götter im Bann eines Nussautomaten. Sie warfen Münzen ein, drehten und erhielten eine Handvoll braun-orange kandierter Erdnüsse mit abgelaufenem Verfallsdatum. Ein Wunderwerk primitiver Mechanik. Als nächstes würden sie den Flipper entdecken.

Die Welt der Sterblichen ist ein El Dorado für aufgeschlossene Götter. Wenn man den Sterblichen einmal eine Initialzündung verpasst, sind sie in der Lage alles Mögliche zu erfinden. Selbst Dinge, an die die Götter niemals gedacht hätten. Zum Beispiel das Feuer. Eine gute und nützliche Sache, um ein ordentliches Steak zu braten. Natürlich funktioniert es auch mit Gemüsespießchen. Aber haben Sie schon einmal einen Cactus Jack BBQ Smoker 24‘‘ Train Cactus-Express bedient? Und dann die Mikrowelle. Abstrahiertes Feuer. Hin und weder besuchte Prometheus die Sterblichen. Jedes Mal kam es ihm vor, als hätten sie die Zivilisation neu erfunden. Tatsächlich sind wir immer noch emotionale Steinzeitmenschen, das zeigt sich an der Vorliebe fürs Grillen.

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