Triggerwarnungen

Danke für den Hinweis, jetzt habe ich wieder etwas Neues gelernt.
Im Wikipedia-Artikel gibt es auch einen Abschnitt „Papagenoeffekt“, der u. a. folgendes vorschlägt:

  • Beschreibungen von konstruktivem Krisenmanagement
  • Keine Heroisierung oder Romantisierung
  • individuelle Problematik erklären, Lösungsansätze und professionelle Hilfsangebote aufzeigen

Den Punkt „keine Heroisierung oder Romantisierung“ finde ich für Romanautoren noch wichtiger als die Telefonnummer zur Telefonseelsorge, weil die Art, wie man die Geschichte erzählt, die Gefühlswelt und Emotionen der Leser unmittelbar anspricht, eine abgedruckte Telefonnummer hingegen nicht.

2 „Gefällt mir“

Das geht in meinen Augen zu weit. Wie stellst du dir das vor? Soll ich einen Roman einer Frau vorlegen (sexistisch)? Zwei Homosexuellen (schwul und lesbisch)? Wie vielen Behinderten denn (gehörlos, blind, querschnittsgelähmt, etc.)? Wie vielen Schattierungen der Hautfarben, reichen da fünf? Letztlich fordern Leute wie du, immer kleinteiliger zu werden, und mit immer größeren Lupen nach immer belangloseren Verfehlungen zu suchen. Du willst vielleicht die weißeste Weste von allen haben, sollst du. Aber dir wird es nicht gelingen. Es gibt irgendwo auf der Welt immer noch einen, der weißer denkt als du. Dein Bemühen ehrt dich nach meiner Meinung auch nicht.

Zum Thema männliche Homosexualität: Was ist der Unterschied zwischen einer Schwuchtel und einer Tunte? Eins ist eine Beleidigung, das andere eine Feststellung. Das Wort Schwuchtel beleidigt einen normalen Mann und wertet Homosexuelle ab. Das Wort Tunte hingegen beschreibt einen ganz bestimmten Typus von Schwulen. Die existieren und sind nur mit diesem Wort zu beschreiben, weil es kein anderes gibt. Tunten sind innerhalb der schwulen Community nicht gerade beliebt, denn sie bringen die anderen Schwulen in Verruf. Wer als auktorialer Erzähler »Schwuchtel« schreibt, ist ein Arsch. Wenn jedoch die Schwuchtel in der Gedankenwelt einer Figur auftaucht oder im Dialog fällt, ist sie legitim. Jedenfalls so lange es Leute gibt, die Schwuchtel sagen. Die Tunte aber darf jeder schreiben, denn sie dient zur Beschreibung einer Tunte. Falls sie verboten ist/wird, wie sagt man dann zu einer Tunte? Und komm mir nicht mit schwuler Mann. Denn Tunte und schwuler Mann sind keine Synonyme, weiß Gott nicht. Ich habe schon mit vielen Männern geschlafen, aber eine Tunte war bisher nicht dabei.

2 „Gefällt mir“

Mit allem, was Euch zur Verfügung steht!

1 „Gefällt mir“

Ich habe den Begriff immer abwertend verstanden und habe deswegen mal Wikipedia bemüht:

Tunte bezeichnet einen homosexuellen Mann mit affektiertem und effeminiertem Verhalten.[1][2] Oft wird dieser Ausdruck sowohl in heterosexuellen als auch homosexuellen Kreisen abwertend im Sinne von „Weichei“ und „Mann in Frauenkleidern“ verwendet.[3] Seit den 1970er Jahren bekam er unter Schwulen als Selbstbezeichnung eine zunehmend positive, emanzipatorische und politische Bedeutung.[4]“ (…)

Dass wir uns beim Schreiben selbst auf die Finger (und in den Kopf) schauen sollten, ist selbstverständlich, aber, und da gebe ich dir recht, übertreiben darf und sollte man es nicht – das wäre weder authentisch noch aus dem Leben. Die Sprache folgt der inneren Haltung, nur selten umgekehrt. Um zu diskrimieren oder zu beleidigen, kann letztlich jedes alte Wort, sowie jedes neu geschaffene Kunst-Wort entsprechend eine neue, andere Bedeutung gewinnen.

1 „Gefällt mir“

Geht auch Popcorn? Konfetti? Rosenblätter? Bitte bitte!

1 „Gefällt mir“

Zu diesem Thema wurde ich folgendes sagen.

1.) Wer jemanden diskriminieren will, schreibt einen diskriminierenden Roman, auch ohne politisch inkorrekte Wörter und umgekehrt. Da vertraue ich dem durchschnittlichen Leser das er das merkt. Nur eine kleine laute Minderheit wird sich an einzelnen Wörtern hängen.
2.) Man sollte den Leser nicht bevormunden und ihm sagen, was er denken soll. Man muss ihn schon mit der Geschichte in die gewünschte Richtung schubsen. Ein negatives Beispiel ist „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten (Wayfarer 1)“ von Becky Chambers. Eigentlich ein guter Roman, der aber in seitenlangen Vorschriften ergeht, welche Pronomen man verwenden und warum es Speziesismus (böse, böse) ist einen Reptiloiden eine Eidechse zu nennen.
3.) Man muss unterscheiden zwischen Romanfiguren und Autor. Wenn man zum Beispiel einen Neonazi als Figur hat, wird dieser kaum gendern. Die Menschen haben sich nun einmal nicht alle lieb (außer bei Becky Chambers)
4.) Was ich auch ablehne, ist eine Figur nur reinzunehmen, um eine Quotenabdeckung zu haben. Entweder ist hat es eine Bedeutung für die Handlung oder der Roman wäre unglaubwürdig ohne sie. Eine rein weiße Besetzung in einem Roman mitten in Afrika oder wie bei mir in Hamburg-Harburg wäre lächerlich.

2 „Gefällt mir“

Das ist Metaphorik, Ifrah.
Ich kann nicht für Phlox sprechen, aber für meinen Teil bevorzuge ich Kugelhagel.

1 „Gefällt mir“

Eben. Das ist ein sehr kluger Hinweis.
Und genauso für mein Empfinden: nur, weil in einem Roman z. B. keine tragende Frauenrolle vorkommt, ist er nicht automatisch frauenfeindlich. Analog verwendbar.

6 „Gefällt mir“

Stimmt, lieber Herr @michel .
Wobei wir, wenn ich jetzt frech sein möchte, beim Bechdel-Test wären. (Was natürlich nicht heißt, dass der zum Thema Frauenfeindlichkeit aussagekräftig aber dennoch recht interessant ist)

Ups! Gutes Beispiel für das, was @Annabell weiter oben beschrieben hat. Sensitiv Reading würde hier bedeuten, ich lese mir das, was ich schreibe noch mal durch und überlege, ob das nicht vielleicht etwas in meinem Adressaten auslöst, was ich so nicht wollte. Ich weiß ja nicht, woher Ihre Affinität für Kugelhagel kommt, liebster Styx, vielleicht haben Sie das ja schon mal erlebt (wie ich am Flughafen von Homs, als man unseren Bus beschoss - Gott sei dank kann ich mich nicht mehr so gut daran erinnern, weil ich noch ein Kleinkind war), aber ich hab sie eben nicht. Jedoch keine Angst: das löst keine Retraumatisierung aus bei mir. Und den Witz habe ich auch verstanden.

Trotzdem kann ich es gut nachempfinden, wenn anderen Ähnliches ziemlich nervt, etwa wenn der Mathelehrer Tina ins Gesicht sagt: „Ich sehe schwarz für dich“ oder Anna und Lene gefragt werden, wer denn bei ihnen beim Sex den Mann macht.

Und ich habe großen Respekt vor Leuten, die sich darüber Gedanken machen und sagen, ich möchte niemand mit meiner Rede oder Schreibe verletzen. (Ich glaube nicht, dass die alle das nur deswegen machen, weil sie „bessere Menschen“ sein wollen). Die, die damit missionieren gehen, sind mir allerdings suspekt. Was aber für @Annabell eben nicht zutrifft, weil sie dezidiert und mehrfach sagte, dass ihre Vorgehensweise nur für sie selbst gelte.

Ob man sowas mit „Triggerwarnungen“ relativieren kann, will ich allerdings dahingestellt lassen. Und wir „anderen“ nehmen das ja eh mittlerweile schon mit einem gerüttelt Maß (Galgen-)Humor.
Also Homies, chillt wirklich! Und seid barmherzig, vor allem mit euch selbst.

6 „Gefällt mir“

Hier ein ganz interessanter und ausführlich recherchierter Blogbeitrag darüber, dass Triggerwarnungen auch einen gegenteiligen Effekt haben können:

3 „Gefällt mir“

Ich hatte Deine Geschichte vergessen, Ifrah. Natürlich.
Entschuldige, das Wort war auf mich bezogen.
Das kann man nicht wieder gut machen.
Verzeih mir!

1 „Gefällt mir“

Kein Ding, Herr Styx. Dafür mag ich Sie zu sehr, als dass ich Ihnen das krumm nehmen würde!

1 „Gefällt mir“

Ich hatte die Brücke vergessen.
Die unbedeckten Füße im feuchten Gras.
Hatte vergessen, wo der Igel wohnt. Wie kann ich nur?
Ich bin entsetzt.

Wir nehmen das Popcorn, einverstanden.
Ich bin ein Idiot, Phlox!

1 „Gefällt mir“

Für Dich süß.
Für mich reicht salzig gar nicht.
Mir ist schlecht.

Ich weiß nicht, ob das noch ein Fettnäpfchen ist.

1 „Gefällt mir“

Was ist ein „Homie“, Phlox?

Okay, danke!
Aber überleg mal, sie nannte uns (mich auch)zum Schluss immer noch Homies.
Und nein, die Eskalation war nicht Deine, sie gehörte mir.
Und ich habe gedankenlos ein verheerendes Wort genommen.
Und diese „lockere“ Zunge, die muss ich mir verbieten!
Bei Dir ist sie doch das, was ich so an Dir liebe. Da bist Du unschlagbar!
Behalte sie bitte!

1 „Gefällt mir“

Das ist faszinierend, ich dachte, das geht nur mir so. Du empfindest gleich. Dieses Forum hier, mit Euch darin, ist unglaublich!

Das ist für mich das eigentlich Erstaunliche: Hast Du mal darauf geachtet, mit welch eigenem Blick sie die Dinge hier betrachtet? Sie unterscheidet vierzehn Vogelstimmen, erfreut sich am Namen des kleinen Hundes, zelebriert die Kirschernte in einer unvergesslichen Art.
Ich musste lange darüber nachdenken.
Wann bist Du das letzte Mal barfuß durch das Gras gegangen?
Wann hast Du Dir das letzte Mal die Pendler vorgestellt, die gerade im Frühzug zur Arbeit fahren?
Kennst Du all die Geschichten, die Dir Dein Haus erzählt?
Ich meine, muss erst Ifrah kommen und uns zeigen, welch Wunder uns umgeben?

1 „Gefällt mir“