Sind schlechte Bücher die guten Bücher?

Der Name ist letztlich egal, wenn die Figur damit lebt, quasi aus dem Papier aufsteht. Bei Hannibal Lecter oder Joachim Huldenstrutt a.D. habe ich das Gefühl, dass er sich auch abseits der lesbaren Seiten zu beschäftigen weiß. Das Gefühl erzeugen Zehs Figuren bei mir nicht.
Bezüglich des Namenswechsels schrieb sie übrigens, dass er nicht ihre Idee war und sie die Figur in Gedanken weiterhin (Sebastian oder ähnlich) genannt hat.

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das ist interessant - hätte nicht gedacht, dass eine Erfolgs-Autorin wie Juli Zeh sich Namensänderungen gefallen lässt. Womöglich gab es Probleme wegen Ähnlichkeiten mit lebenden Personen?
Würde ich einen Horrorroman schreiben, in dem der als Clown kostümierte kannibalistische Serienkiller vom anderen Stern Karl Lauterbach hieße, müsste ich ihn auf Druck des Lektors vermutlich am Ende auch in Hans-Joachim umtaufen … um Ärger zu vermeiden :wink:

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Einen eigenen Strang zur Findung hatten wir noch nicht, aber schon oft in anderen Zusammenhängen diskutiert. Ich hatte da mal ausführlich etwas zu geschrieben. Ist aber schon länger her.
Vielleicht hat ja jemand Lust, zu suchen. Dann können wir das Thema wieder aufleben lassen und vermeiden einen Doppel-/Mehrfachstrang.

Zum Stöbern für zwischendurch: Ich habe auf meiner Homepage Namen zusammengetragen, die in meinen bisher veröffentlichen Geschichten vorkommen: Figurenverzeichnis - Eine Auflistung
Bitte nicht erneut verwenden, denn es sind meine Erfindungen.

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Jeder - zumindest etwas ältere Semester - kennt die Namen Winnetou und Old Shatterhand. Wenn es ein Autor, hier Karl May, schafft, dass sehr viele Menschen mit diesen Namen bestimmte Figuren im Kopf haben, dann hat er alles richtig gemacht. Oder? Nun, Literaturwissenschaftler sagen, dass Winnetou keineswegs für „brennendes Wasser“ stehe, dies sei nur eine literarische Erfindung von Karl May; und Old Shatterhand ist der symbolische Spitzname des Jungen („Old“) Schmetterhand, der starke (weiße) junge Mann.

Trotzdem (da dies kaum jemanden je interessiert) hat Karl May mit diesen Namen Geschichte geschrieben.

Wenn ich den Namen Karl May heute höre, dann zaubert er gleich ein Grinsen in mein Gesicht (nicht, weil ich ihn als Junge auch gelesen habe), erinnert er mich an einen Ausspruch eines Kollegen, der immer dann, wenn jemand etwas seiner Ansicht nach wenig Durchdachtes geschrieben hat, meinte:
„Das ist das Dümmste, was ich seit Karl May gelesen habe!“

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Witzig. Ich denke bei Karl May leider immer an Ralf Wolter, den ich als Kind schon doof fand. Also in den Winnetou-Filmen. Ansonsten kann ich mich zu diesem Herrn nicht äußern.

Ich musste einmal den Spitznamen einer Figur ändern. Vorauseilend gehorsam. Als würde jemand aus USA meine Story lesen ( war nichts Disney-Assoziiertes … Da würde ich nicht einmal dran denken).
Und wie gesagt, der Name einer Figur per se ist mir total egal. Er gehört zur Ausstattung. Hauptsache, die Figur „lebt“. Und das bekommt Zeh imA nicht hin.

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Obwohl eine achtkarätige Vornamenkette mit mindestens einem Maria bei männlicher Vorherrschaft und auch noch gemischt moderne englisch- alte deutsche da glaube ich wäre ich raus.

Ich weiß nicht, ob meine Figuren für andere leben, glaube es aber. Sie haben nicht allzu viele, aber dafür nicht alltägliche Eigenschhaften, die jede einzelne unverwechselbar macht.

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… naja … gehen wir mal davon aus, der Kollege hat Karl May nie gelesen. Oder er bezog sich auf einen Namensvetter?

Die Namens-Diskussion hat sich, glaube ich, doch daran entzündet, dass Juli Zeh den Namen einer Hauptfigur nach Beendigung des Manuskriptes abgeändert hat? Der Name als solcher hat für mich nichts mit der „Lebensfähigkeit“ einer Figur zu tun - und es kann viele Gründe geben, sich bei der Namenswahl umzuentscheiden (Ähnlichkeit mit anderen Namen im Buch, mit lebenden Pesonen, plötzliches Störgefühl aus vielen Ursachen …)

PS: Karl May hat mich durch meine Kindheit gerettet. Und ich bewundere neben vielem anderen seine Fähigkeit, mit dem handschriftlichen Rohmanuskript praktisch die druckfähigen Buchseiten vorzulegen (natürlich hat er Korrekturen vorgenommen - aber bemerkenswert wenige bei einem Seiten-Ausstoß von teils mehreren tausend pro Jahr).

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Der Kollege meinte Karl Marx und war so enttäuscht, dass im „Das Kapital“ so wenige Indianer vorkommen. Verständlich. :wink:

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… Marx war seiner Zeit weit voraus und hat den Begriff „Indianer“ politisch korrekt konsequent vermieden! Vermutlich der Hauptgrund, weshalb der Marxismus in Nordamerika nie Fuß gefasst hat …

Und wieder ein historisches Welträtsel gelöst, ganz nebenbei, an einem Sonntagvormittag auf Papyrus :sunglasses:

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Ich bin mir nicht mehr sicher, ob das nicht in einem der Matrix-Filme war, aber da blitzten oben links diese Zeichen auf, wie es sie früher im Kino gab als Zeichen für den Film"wärter", dass die Rolle gleich gewechselt werden musste. (Ja, so alt bin ich - außerdem kam das in einer Folge von Columbo). Ich konnte da nicht dran vorbeisehen und es ist mir jedes Mal aufgefallen.

Bei Fehlern in Büchern kommt es drauf an, wie sehr ich in der Geschichte versinke - und darauf in welcher Sprache ich lese und wie viel ich an dem Tag sonst schon in der Sprache kommuniziert habe, sei es gesprochen oder geschrieben. Je mehr, desto eher fallen mir Fehler auf.

Ansonsten kann ich für mich sagen, dass ich durchaus auch aus Fehlern von anderen lerne. Lese ich ein Buch, in dem ich die Umsetzung einer Szene oder eines Handlungsstrangs nicht ideal finde, dann kann ich für mich die Idee mitnehmen, wie ich es besser fände und vielleicht so für mich nutzen. Genauso, wenn die Umsetzung gut ist.

Als „schlecht“ empfinde ich Bücher, die zu viele Fragen offen lassen, die essentiell für die Geschichte sind. Ich habe kein Problem damit, wenn in einem Nebenplot etwas unbeantwortet bleibt, wenn es nur einen nebensächlichen Einfluss auf den Hauptstrang hat. Aber der Hauptplot darf bittedanke alle Fragen beantworten. (Und dabei ist mir vollends egal, wo und wie die Bücher auf den Markt gekommen sind.) Daran kann und sollte jeder arbeiten, der veröffentlicht - lass keine Fragen offen, außer du planst einen Mehrteiler. Dann aber bittedanke direkt darauf hinweisen, dass es ein Mehrteiler wird.

Oder wenn endlose, langweilige Beschreibungen stattfinden, die nichts voranbringen. Wenn ein Lavendelfeld über zehn Seiten hinweg dezidiert beschrieben wird, dann will ich auch das Gefühl haben, dass ich wirklich gerade in diesem Feld stehe, den Wind in den Haaren spüre und wie die Halme und offenen Blüten über die Haut meiner Unterschenkel streichen und leicht kratzen, während der Geruch von Lavendel schwer in der Luft hängt. Bekomme ich das Gefühl nicht, dann kann die Textstelle gern auf eine halbe Seite runtergekürzt werden.

Oder Bücher, die aus so viel Dialog bestehen, dass man daraus besser ein Hörspiel gemacht hätte.

DAS sind für mich schlechte Bücher. Bücher, die mehr einer Daily-Soap ähneln, weil sie unnötig aufgebläht sind und Unterhaltungen runterschreiben, obwohl es anders geht.

Und ja, das ist eine meiner Schwächen. Ich versuche auch immer zu viel in Unterhaltungen zu packen, weil ich so glaube, Info-Dump intelligent an den Leser zu bringen. Nope, funktioniert so nicht, weiß ich. Korrigiere ich über Stunden hinweg.

Aber es wird besser - eben weil ich das bei anderen lese und es mich jedes Mal nervt. Hilft mir also selbst, besser zu werden.

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Ehrlich gesagt?
Nö.
Weshalb?
Weil’s mich zu Tode langweilt.
Oh, schon wieder ne Leiche.
Was, das bin ja ich?
Langeweile hat mir das Licht ausgeblasen.

Natürlich kann es spannend sein, wie die einzelne Autorin (Männer mitgemeint) einen Fall aufzieht und löst.
Aber mich lockt das derzeit nicht. Hm. :upside_down_face::sparkles:

… mich schon. Funktioniert immer - wenn gut gemordet, spannend aufgeklärt und der Kommissar nicht gegendert wird :sunglasses:

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… und wenn vor allem „achtsam“ gemordet wird. Nicht umsonst ein Bestseller. ( Achtsam morden: Roman (Achtsam morden-Reihe, Band 1) : Dusse, Karsten: Amazon.de: Bücher)

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… und ich finde, der Erste ist der Beste, wie so oft in einer Reihe.

:+1: Vor allem das Hörbuch mit M. Matschke!

Was sind schlechte Bücher/Romane?
Ich sehe es wie ein Puzzle an und die darin enthaltenen Aspekte. Der Griff zu einem Buch hängt bei mir von der derzeitigen Gemütslage ab. Bei all den grausamen Nachrichten von Krieg und Mord wird es nicht Tolstoi sein. Bei jedem Buch (Puzzleteil) finde ich heraus, welcher Lesestil zu mir passt. So stellte sich mein Interesse rasch auf diesen Roman ein und urteilt unterschwellig und egoistisch. Eben nach meinen Bedürfnissen und Vorstellungen. Daher wenn ich einen Roman in den Händen halte, freue ich mich, ihn zu lesen. Es ist wie ein Abenteuer. Da gibt es wie bei allen Höhen und Tiefen. So Masse ich mir nur in Gedanken an, darüber zu urteilen. Immer im Hinterstübchen meine eigenen Werke in Erinnerung zu rufen. Fazit in jedem Roman findet man die ganze Bandbreite der Schreibkunst. Ob mitreißend oder herzzerreißend. Ob Spannung oder Langeweile. Das gibt mir Hoffnung, mich selbst bald in diese Riege einreihen zu dürfen.

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Gibt es überhaupt schlechte Bücher´?
Wenn ich ein Buch anfange zu lesen, muss die Story mich hineinziehen.
Tut sie es nicht, lege ich das Buch weg.
Das heißt aber noch lange nicht, dass es schlecht ist - es trifft nur meinen Geschmack nicht.
(davon ausdrücklich ausgenommen sind miserable Übersetzungen oder Tonnen von Rechtschreib- Grammatikfehlern)

Und selbst das stört manche nicht, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann.

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