Sind schlechte Bücher die guten Bücher?

Ich denke nicht, das irgendwer eine Passage im Buch liest und das in sein tun einfließen lässt, es sei denn es ist ein Zugewinn.

Ich denke hingegen, dass es ist wie mit der Anweisung: „Die Geschworenen werden diese Bemerkung nicht beachten!“ In meinen Augen ist das unmöglich. Wir werden von vielen Dingen beeinflusst, was wir gar nicht steuern können und - ich kann natürlich nur für mich sprechen - vermeide ähnliche Formulierungen in meinen Büchern, wie ich sie in einer in meinen Augen schlechten Szene gelesen habe.
Als Bespiele: „Sie gluckste.“ (bei einem erwachsenen Menschen, für ein Kind finde ich es angemessen) oder „Ihre Augen wanderten durch die Höhlen.“ Ich fand das ganz furchtbar und werde das nie in meinen Büchern verwenden. Es sei denn, ich schreibe mal einen Horrorroman, bei dem sich die Augen vom „Inhaber“ trennen.
Um in dieser Diskussion für mich zum Abschluss zu kommen: Ich bin mal einfach so frech und erlaube mir, selbst zu entscheiden, aus welchen Dingen ich etwas lerne, ganz ohne absichtliche Vermessenheit.
Wir drehen uns sonst nur wieder im Kreis, wie schon bei so manch anderer Diskussion.
Interessant ist das Thema allemal.

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Das bringt mich auf einen Punkt, der bislang noch gar nicht zur Sprache kam:
Autor & Werk - klar. Kriterien & no-go`s diskutierbar.
Aber auch ich als Leser bin Teil der Bewertungsskala.

Kennt Ihr das nicht? Ihr lest ein Buch, dass Ihr früher genial fandet und … es ist heute furchtbar? Oder umgekehrt?
Was macht das plötzlich mit dem Grundproblem der Bewertung gut/schlecht?
Immer wieder der Satz: Öffne ein Buch und ein Buch öffnet Dich.

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Ganz oft passiert das sogar…dann denke ich??? Was dachte ich damals? ,auch ein toller Satz.“ :sweat_smile:

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„Ich denkte, also war ich.“

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Boah, Rechtschreibung ist für mich besonders schlimm, weil ich selbst eine leichte t/d und k/g Schwäche habe. Intuitiv mache ich kaum Rechtschreibfehler, aber wehe mir, wenn ich anfange, darüber nachzudenken, wie man etwas schreibt oder wenn ich gar einen Text korrigieren soll. Da sehen die einfachsten Wörter für mich plötzlich seltsam aus und umso länger ich überlege, umso falscher lesen sie sich. Gebt mir fünf Minuten und ich bin so verwirrt, dass ich darüber nachdenke, ob das eine oder andere Wort überhaupt existiert :smile:

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Dafür gibt es tatsächlich einen Begriff: „semantische Sättigung“.

Dabei handelt es sich um ein psychologisches Phänomen, bei dem ein Wort durch häufiges Wiederholen oder intensives Fokussieren vorübergehend seine Bedeutung „verliert“. Es fühlt sich dann fremd, seltsam oder sogar falsch an, obwohl man genau weiß, dass es korrekt ist

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Ach, dann geht das also auch anderen so? - Irgendwie beruhigend, auch wenn es mir für die Betroffenen leidtut.

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Es ist keine Krankheit und somit gibt es keine „Betroffenen“. Es ist eine normale Funktion des Gehirns, quasi jeder ist davon betroffen.

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Das ist etwas ganz Normales. Wer glaubt, ein Problem damit zu haben, bei dem ist es einfach nur ausgeprägter, als bei allen anderen.

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Schlechte Bücher können auf jeden Fall auch ermutigen.

Wahrscheinlich kennen wir alle dieses nagende Gefühl, dass der eigene Roman nichts taugt. Sicherlich nicht immer zu Unrecht, aber manchmal kann Selbstzweifel zu ausgewachsenen Krisen führen.
Für solche Momente habe ich mir ganz bewusst ein grottenschlechtes Buch ins Regal gestellt. Und immer, wenn ich überlegt habe, das Schreiben ganz sein zu lassen und meinen Roman abzubrechen, habe ich mir dieses Buch angeschaut und mir gesagt: „Komm schon, auf dem Level bekommst du das auch hin …“

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Hmm, dann dürfte das Grund sein, aus dem ich vor Wochen die Arbeit an meinem Neunten (dem sechsten mit den Epples) vorübergehend auf Eis gelegt habe. Zu viele (unnütze) Ideen, worum es darin gehen könnte. Bisher wusste ich immer schon während der Arbeit an einem Epple, womit sich die beiden Protas im Nächsten befassen würden. Dieses Mal nicht wirklich. Aber irgendwas müssen die beiden tun, es geht nicht, dass sie sich auf die faule Haut legen.

Witzig…Ich habe eine erfolgreiche Autorin, an die ich dann denke…also nicht nur ein Buch, sondern mehrere.

Das ist eine Eigenschaft, die gute Lektoren auszeichnet. Sie suchen keine Fehler, sondern die Fehler springen ihnen ins Auge. Das funktioniert so ähnlich wie das absolute Gehör einiger Musikschaffender. Ein, zwei falsche Halbtöne reichen, um das ganze Stück zu verderben. Abgesehen davon tun sie den Ohren weh. :sunglasses:

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Ich finde den Schreibstil einer bestimmten Autorin fantastisch. Perfekt, geschliffen. Trotzdem habe ich nur zwei Bücher von ihr gelesen. Weil sie Figuren nicht zum Leben erweckt. Die haben ihre Szenen, erledigen die und … wandern dann für mich in den Fundus. Ich trau denen kein Off-Page-Leben zu. Daher … eigentlich tadellos, nur tot. Für mich.

Hi,
Das finde ich sehr interessant. Kannst du konkreter werden?

Klar. Die Sprache von Juli Zeh finde ich wunderbar. Aber die Figuren … In einem Interview (oder in „Treideln“? Oder im Nachwort?) habe ich gelesen, dass sie die männliche Hauptfigur kurz vor Drucklegung umbenannt hat. So in Richtung „Konstantin“ statt „Sebastian“, ich erinnere mich nicht mehr genau. Völlig banane eigentlich. Aber ich habe in der Sekunde gedacht: Ja, das merkt man. Es ist ihr egal, wie die Figur heißt. Die ganze Zeit schreibt sie „Sebastian“, aber für den Leser wird es mit einem Achselzucken einfach so ein „Konstantin“. Die Figur ist beliebig. :sweat_smile:

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Mit Zeh geht’s mir ganz ähnlich. Aber können ihr die Namen wirklich „egal“ sein, wenn sie bis in letzter Sekunde offenbar ein Störgefühl hat und Änderungen vornimmt? Außerdem sagt doch der Name selbst nur wenig über den Charakter aus?

Allerdings … Ich überlege gerade … vielleicht hieß Hannibal Lecter ja bis knapp vor Schluss in Wirklichkeit … Joachim Huldenstrutt? Und könnte es womöglich sein, dass der Ich-Erzähler in „Moby Dick“ aus lauter Frust darüber, dass Melville ihn „Kunibert“ getauft hat, im ersten Satz des Buches vehement fordert: „Nennt mich Ismael!“?

Fragen über Fragen. :sunglasses:

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Ein göttlicher Name!!!

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Namensfindung - das wäre eigentlich fast einen eigenen Strang wert - oder gab es den schon mal?

Ich überlege gerade: Jerry Cotton - Jeremias Baumwolle? Gerade ist mir klar geworden, warum amerikanische Krimihelden so viel cooler sind … :sweat_smile:

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