Sind schlechte Bücher die guten Bücher?

Das bringt mich auf einen Punkt, der bislang noch gar nicht zur Sprache kam:
Autor & Werk - klar. Kriterien & no-go`s diskutierbar.
Aber auch ich als Leser bin Teil der Bewertungsskala.

Kennt Ihr das nicht? Ihr lest ein Buch, dass Ihr früher genial fandet und … es ist heute furchtbar? Oder umgekehrt?
Was macht das plötzlich mit dem Grundproblem der Bewertung gut/schlecht?
Immer wieder der Satz: Öffne ein Buch und ein Buch öffnet Dich.

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Ganz oft passiert das sogar…dann denke ich??? Was dachte ich damals? ,auch ein toller Satz.“ :sweat_smile:

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„Ich denkte, also war ich.“

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Boah, Rechtschreibung ist für mich besonders schlimm, weil ich selbst eine leichte t/d und k/g Schwäche habe. Intuitiv mache ich kaum Rechtschreibfehler, aber wehe mir, wenn ich anfange, darüber nachzudenken, wie man etwas schreibt oder wenn ich gar einen Text korrigieren soll. Da sehen die einfachsten Wörter für mich plötzlich seltsam aus und umso länger ich überlege, umso falscher lesen sie sich. Gebt mir fünf Minuten und ich bin so verwirrt, dass ich darüber nachdenke, ob das eine oder andere Wort überhaupt existiert :smile:

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Dafür gibt es tatsächlich einen Begriff: „semantische Sättigung“.

Dabei handelt es sich um ein psychologisches Phänomen, bei dem ein Wort durch häufiges Wiederholen oder intensives Fokussieren vorübergehend seine Bedeutung „verliert“. Es fühlt sich dann fremd, seltsam oder sogar falsch an, obwohl man genau weiß, dass es korrekt ist

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Ach, dann geht das also auch anderen so? - Irgendwie beruhigend, auch wenn es mir für die Betroffenen leidtut.

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Es ist keine Krankheit und somit gibt es keine „Betroffenen“. Es ist eine normale Funktion des Gehirns, quasi jeder ist davon betroffen.

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Das ist etwas ganz Normales. Wer glaubt, ein Problem damit zu haben, bei dem ist es einfach nur ausgeprägter, als bei allen anderen.

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Schlechte Bücher können auf jeden Fall auch ermutigen.

Wahrscheinlich kennen wir alle dieses nagende Gefühl, dass der eigene Roman nichts taugt. Sicherlich nicht immer zu Unrecht, aber manchmal kann Selbstzweifel zu ausgewachsenen Krisen führen.
Für solche Momente habe ich mir ganz bewusst ein grottenschlechtes Buch ins Regal gestellt. Und immer, wenn ich überlegt habe, das Schreiben ganz sein zu lassen und meinen Roman abzubrechen, habe ich mir dieses Buch angeschaut und mir gesagt: „Komm schon, auf dem Level bekommst du das auch hin …“

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Hmm, dann dürfte das Grund sein, aus dem ich vor Wochen die Arbeit an meinem Neunten (dem sechsten mit den Epples) vorübergehend auf Eis gelegt habe. Zu viele (unnütze) Ideen, worum es darin gehen könnte. Bisher wusste ich immer schon während der Arbeit an einem Epple, womit sich die beiden Protas im Nächsten befassen würden. Dieses Mal nicht wirklich. Aber irgendwas müssen die beiden tun, es geht nicht, dass sie sich auf die faule Haut legen.

Witzig…Ich habe eine erfolgreiche Autorin, an die ich dann denke…also nicht nur ein Buch, sondern mehrere.

Das ist eine Eigenschaft, die gute Lektoren auszeichnet. Sie suchen keine Fehler, sondern die Fehler springen ihnen ins Auge. Das funktioniert so ähnlich wie das absolute Gehör einiger Musikschaffender. Ein, zwei falsche Halbtöne reichen, um das ganze Stück zu verderben. Abgesehen davon tun sie den Ohren weh. :sunglasses:

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Ich finde den Schreibstil einer bestimmten Autorin fantastisch. Perfekt, geschliffen. Trotzdem habe ich nur zwei Bücher von ihr gelesen. Weil sie Figuren nicht zum Leben erweckt. Die haben ihre Szenen, erledigen die und … wandern dann für mich in den Fundus. Ich trau denen kein Off-Page-Leben zu. Daher … eigentlich tadellos, nur tot. Für mich.

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Hi,
Das finde ich sehr interessant. Kannst du konkreter werden?

Klar. Die Sprache von Juli Zeh finde ich wunderbar. Aber die Figuren … In einem Interview (oder in „Treideln“? Oder im Nachwort?) habe ich gelesen, dass sie die männliche Hauptfigur kurz vor Drucklegung umbenannt hat. So in Richtung „Konstantin“ statt „Sebastian“, ich erinnere mich nicht mehr genau. Völlig banane eigentlich. Aber ich habe in der Sekunde gedacht: Ja, das merkt man. Es ist ihr egal, wie die Figur heißt. Die ganze Zeit schreibt sie „Sebastian“, aber für den Leser wird es mit einem Achselzucken einfach so ein „Konstantin“. Die Figur ist beliebig. :sweat_smile:

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Ein göttlicher Name!!!

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Der Name ist letztlich egal, wenn die Figur damit lebt, quasi aus dem Papier aufsteht. Bei Hannibal Lecter oder Joachim Huldenstrutt a.D. habe ich das Gefühl, dass er sich auch abseits der lesbaren Seiten zu beschäftigen weiß. Das Gefühl erzeugen Zehs Figuren bei mir nicht.
Bezüglich des Namenswechsels schrieb sie übrigens, dass er nicht ihre Idee war und sie die Figur in Gedanken weiterhin (Sebastian oder ähnlich) genannt hat.

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Einen eigenen Strang zur Findung hatten wir noch nicht, aber schon oft in anderen Zusammenhängen diskutiert. Ich hatte da mal ausführlich etwas zu geschrieben. Ist aber schon länger her.
Vielleicht hat ja jemand Lust, zu suchen. Dann können wir das Thema wieder aufleben lassen und vermeiden einen Doppel-/Mehrfachstrang.

Zum Stöbern für zwischendurch: Ich habe auf meiner Homepage Namen zusammengetragen, die in meinen bisher veröffentlichen Geschichten vorkommen: Figurenverzeichnis - Eine Auflistung
Bitte nicht erneut verwenden, denn es sind meine Erfindungen.

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Jeder - zumindest etwas ältere Semester - kennt die Namen Winnetou und Old Shatterhand. Wenn es ein Autor, hier Karl May, schafft, dass sehr viele Menschen mit diesen Namen bestimmte Figuren im Kopf haben, dann hat er alles richtig gemacht. Oder? Nun, Literaturwissenschaftler sagen, dass Winnetou keineswegs für „brennendes Wasser“ stehe, dies sei nur eine literarische Erfindung von Karl May; und Old Shatterhand ist der symbolische Spitzname des Jungen („Old“) Schmetterhand, der starke (weiße) junge Mann.

Trotzdem (da dies kaum jemanden je interessiert) hat Karl May mit diesen Namen Geschichte geschrieben.

Wenn ich den Namen Karl May heute höre, dann zaubert er gleich ein Grinsen in mein Gesicht (nicht, weil ich ihn als Junge auch gelesen habe), erinnert er mich an einen Ausspruch eines Kollegen, der immer dann, wenn jemand etwas seiner Ansicht nach wenig Durchdachtes geschrieben hat, meinte:
„Das ist das Dümmste, was ich seit Karl May gelesen habe!“

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Witzig. Ich denke bei Karl May leider immer an Ralf Wolter, den ich als Kind schon doof fand. Also in den Winnetou-Filmen. Ansonsten kann ich mich zu diesem Herrn nicht äußern.