Sind schlechte Bücher die guten Bücher?

Mir geht es genauso. Und wenn dann noch, wie schon einmal erwähnt, der Text „organische Rosinen“ für mich bereithält, brauche ich keinen Blick in das englischsprachige Original, um Zweifel an der Qualität der Übersetzung zu haben.

Meine Töchter, die lieber Originale lesen als Übersetzungen, stört so etwas schon weniger bis gar nicht.

Ich darf an der Stelle daran erinnern, dass tons of something eine Redewendung des Englischen ist? Damit kann man im Englischen alles Mögliche (auch Dinge, die man nicht wiegen kann) bezeichnen, solang es nur sehr viel ist. Im Deutschen geht das nicht, da bezeichnet Tonnen von irgendwas immer eine Menge, die sich theoretisch auch wiegen lässt. Du siehst, das, was du bemängelst, ist gar nicht immer ganz leicht zu erkennen oder zu vermeiden.

Eine falsche Redewendung einzusetzen ist weder ein Rechtschreib- noch ein Grammatikfehler.

Die Tonne ist ein Gewicht, keine Menge🤔
Aber Schwarm drüber. Rechtschreibfehler können auch ein gutes Anzeichen für Handarbeit sein. Und ich bin geneigt, über flüchtige, gar fast unsichtbare Hoppala’s den Mantel des Schweigens zu decken.
So in der Art: siehste, der tippt »auch Mal« daneben und verhunzt die Vergangenheitsform. Ja einige Schreibprogramms korregieren automatisch ins Präsenz wenn man nicht aufpasst.
Und mir lieber als Prompt Anweisungen mitten im Text.
Das Augenmerk sollte aber auch hier auf das »auch Mal« liegen.

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Es ist schon eine Weile her, dass @Klonschaf (wo steckst du eigentlich?), diesen Thread mit der Frage eröffnete, ob schlechte Bücher die guten Bücher sind?

Warum rennt ein Fußballspieler 90 Minuten über den Platz und quält sich? Vielleicht für die eine Sekunde Glückshormone, in der er das Tor trifft?
Warum müht sich ein Bergsteiger einen halben Tag lang durch steile und unwegsame Pfade? Vielleicht für die halbe Stunde unter dem Gipfelkreuz, wo er bei grandioser Aussicht die absolute Freiheit inhaliert?
Warum ackert sich @Suse bis zum bitteren Ende durch Dan Brown? Diese Frage wird nur sie uns beantworten können.
Und warum lese ich stapelweise schlechte Bücher? Weil ich mich eben freue, einen in meinen Augen perfekten Satz zu finden.
Was der Fußballer, Bergsteiger und ambitionierte Leser aber gemeinsam haben, ist die LEIDENSCHAFT, die sie antreibt, Dinge zu tun, die andere vielleicht auf den ersten Blick nicht verstehen.

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Absolut. Deshalb schreibe ich. Was aus meinem Geschreibsel wird, wird man sehen, oer auch nicht. In meinem Bekanntenkreis versteht kaum jemand, wie man sich fast jeden Tag hinsetzen kann stundenlang mitunter, um abends festzustellen, dass das Blatt Papier außer ein paar Tintenflecken nichts aufweist. Oder dass im Gegenzug aus dem einen Blatt ein ganzer Stapel geworden ist.Es ist - in beiden Fällen - ein Gefühl.

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So schaut’s aus, dafür leben wir! Und deshalb fang ich jetzt mit der Ziach an!!! In meinem Alter mag das anderen auch Crazy erscheinen…

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Das war nicht böse gemein @Carlo-Valentino, nur eine deiner vielen merkwürdigen Angewohnheiten, etwas überspitzt dargestellt, die ich erst langsam zu verstehen - und zu lieben lerne!

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Hab ich nie so aufgefasst … :blush:

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Keineswegs, ich war 59 als ich mit der Ziach begonne haben.

„Paris – ein Fest fürs Leben“ ist das erste von vielen Büchern, die postum von Ernest Hemingways Erben aus nachgelassenen Manuskripten herausgefiltert worden sind. Der Roman führt zurück in die Zeit Hemingways schriftstellerischer Anfänge und zeigt den Künstler als jungen Mann.

„Es war wunderbar die vielen Treppen in dem Bewusstsein hinunterzusteigen, dass ich mit der Arbeit gut vorangekommen war. Ich arbeitete immer, bis ich etwas geschafft hatte, und hörte immer auf, wenn ich wusste, wie es weitergehen würde. Auf diese Weise konnte ich sicher sein, am nächsten Tag weiterzukommen. Aber manchmal, wenn ich eine neue Geschichte anfing und nicht in Schwung kam, saß ich vor dem Kamin und quetschte die Schalen der kleinen Orangen über der Flamme aus und sah ihrem blauen Funkenstieben zu. Oder ich stand auf und schaute über die Dächer von Paris und dachte: ‚Keine Sorge. Du hast immer geschrieben und wirst auch jetzt schreiben. Du brauchst nur einen einzigen wahren Satz zu schreiben. Schreib den wahrsten Satz, den du kennst.‘

(Quelle: Michael Schmitt, 2011, Archiv www.deutschlandfunk.de)

Auch wenn Hemingways das in Bezug auf seine eigene Arbeitsdisziplin oder Motivation zum Schreiben aussagte, aber vielleicht suchst du ja auch in jedem Buch nach einem solchen Satz?!

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Nein, ich suche ja nicht, sondern freue mich, wenn ich finde. Genauso wenig gehe ich in die Buchhandlung und frage nach den fünf schlechtesten Büchern. Aber mich hält es auch nicht vom Kauf ab, wenn der Klappentext nicht überzeugt, ich den Autor nicht kenne, die Rezensionen nicht besonders sind und mein Bauchgefühl schon ankündigt, dass es mir nicht gefallen könnte. Ich habe so schon Werke gefunden, die haben mich trotzdem von der ersten bis zur letzten Seite begeistert, andere hatten mal einen wirklich unvorhersehbaren Twist und erst im letzten Drittel an Fahrt aufgenommen, dann gibt es welche, die überzeugen insgesamt nicht, aber in der Exposition wird eine Figur extrem stark eingeführt … und wenn es nur ein einziger genialer Satz oder ein Wort (Quantität-Label) ist. Darüber freue ich mich eben und dafür lese ich. Ohne vorab nach irgendetwas gesucht zu haben. Und ob ein Buch gut oder weniger gut gefallen hat, das kannst du ohnehin erst sagen wenn du es gelesen hast.
Der Thread hier wurde ja eröffnet, um zu diskutieren, ob man von „schlechten Büchern“ lernt, wie man es nicht macht. Auch das kann ein befriedigendes Ergebnis sein, wenn man ein „schlechtes“ Buch gelesen hat. Deshalb habe ich meine Antwort auf die Frage, warum liest jemand schlechte Bücher (was ist überhaupt ein schlechtes Buch?), hier platziert.

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Weil meine Eltern immer gesagt haben: „Was man anfängt, muss man auch zu Ende bringen.“ (Erziehung)
Weil ich bis zum letzten Satz hoffe, dass es besser wird. (positives Denken)
Weil ich für mich herausfiltern kann, wie man es nicht macht. (Lernen)

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Ich bin jetzt in einem Alter angekommen (ü 60), da wird einem so langsam klar, dass das Leben endlich ist und man nicht mehr die Zeit hat, wirklich alles zu lesen, was man möchte. Also habe ich für mich beschlossen: Das Leben ist zu kurz, um es mit Büchern zu verbringen, die einem nicht gefallen.
Die Zeit, dass ich mich bis zum bitteren Ende durch ein Buch gequält habe, das mir hinten und vorne nicht gefällt, ist für mich definitiv vorbei.

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Das habe ich noch nie getan - wenn mich ein Text nicht nach 40, max. 50 Seiten abgeholt hat, war es das.

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Ich teile Suses Einstellung und habe bis auf zwei oder drei Bücher alle durchgelesen respektive durchlitten. Da fühle ich mich dem Schöpfer dieses Werks verpflichtet. Der musste ja auch da durch …
Selbst Günter Grass’ „DasTreffen in Telgte“ habe ich am Ende überlebt. Kapituliert hingegen habe ich bei Italo Calvinos " Wenn ein Reisender in einer Winternacht". Mehrere Anläufe, dann hat das Werk seinen Weg ins Antiquariat gefunden. (Das Buch war übrigens ein Geschenk meiner Jugendliebe. Wie grausam kann man nur sein? :wink: )
Bevor ich aber kompostiere, wartet noch „Ulysses“ auf mich. Gibt es da ggf. eine gekürzte Ausgabe von Reader’s Digest?

Tatsächlich kann ich das nachvollziehen - ich lese schlechte Bücher ebenfalls häufig bis zum bitteren Ende, weil ich hoffe, irgendwo, auf irgendeiner Seite, etwas zu entdecken, eine Formulierung, einen Gedanken, der mich für die Qual entschädigt.
Allerdings ist das nicht der Antrieb für mich, schlechte Bücher zu lesen - die versuche ich mir durchaus vom Leib zu halten. Eine andere Frage ist natürlich, was ein „schlechtes“ Buch ist - es gibt zuhauf Bücher, die uninteressante Geschichten langweilig erzählen und dabei mit zwei linken Händen geschrieben sind, da kann man vermutlich von „schlecht“ sprechen, aber auch diese Bücher haben offenbar ihre Leser, über die ich keinesfalls den Stab brechen würde - das Geheimnis ist es ja, beim Leser etwas zum Klingen zu bringen - und da sind die Möglichkeiten sicher ebenso unendlich, wie die Menschen unterschiedlich sind.

Umgekehrt: bin ich ein „schlechter“ Leser, wenn mich ein Buch (oder anderes Kunstwerk), das weithin, also von vielen Menschen/Experten als große Kunst/Literatur angesehen ist, in keiner Weise anspricht? Mich zu Tode langweilt? Mir nichts mitteilt? Ich hab mich schon als Kind und Jugendlicher durch viele solcher Werke gekämpft … immer auf der Suche nach etwas, das mich für meine Mühe entschädigt. Und wenn es nur die gute Note vom Deutschlehrer im Hausaufsatz war …

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… von Reader’s Digest (gibt’s die noch??) glaube ich nicht, aber von Phlox:
Ein Mann geht durch Dublin, denkt über das Leben nach, trifft Leute, denkt weiter nach – und daraus wird eines der berühmtesten Bücher des 20. Jahrhunderts.

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Oh wie schön - danke für diesen Satz, zumal er in meinen Augen den Leser etwas aus der Erwartungshaltung lockt. Er muss den Klang der Worte des Autors ja auch zulassen.

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Ergänzung: … wenn er das will. Und damit wären wir wieder bei der Frage, was sind gute und was sind schlechte Bücher …