Seitenwind Woche 8: Verborgene Schätze

Von Werwölfen und Möhren

Sie glauben, Werwölfe gibt es nicht? Dann haben Sie noch nie mit einem Genetiker geredet. Sicher denken Sie nun an die haarigen Wesen halb Wolf, halb Mensch, doch da muss ich Sie leider enttäuschen. Der Werwolf, von denen ich rede, ist klein und grün, denn es handelt sich dabei um ein pflanzliches Gen. Ist dieses defekt, bildet die Pflanze derart viele Wurzelhaare, dass eine Möhre am Ende wohl eher einem explodierten Pudel gleicht. Nicht unbedingt der Werwolf, den wir aus Büchern oder Filmen gewohnt sind, wobei ich der Vorstellung irgendwie etwas abgewinnen kann, dass eine haarige Karotte zur Abwechslung mal die kreischenden Teenager durch die Nacht jagt.
Apropos Bücher und Filme, wussten Sie, dass die Literatur noch viel mehr Einfluss auf die Genetik genommen hat? So können wir uns heute neben Werwolf und Dracula auch über einen echten Yoda freuen (ein kleiner, grüner Zwerg mit Sprachfehler. Ja, manchmal ist es so offensichtlich!). Selbst der männlichste aller Männer, Superman, hat seinen Einzug in die Pflanzengenetik geschafft, genau wie sein Gegenspieler, das Kryptonit.

Zoppesmur

Nahe der Wupper gelegen, liegen verborgen auf einem Hügel, im Wald, die Überreste einer alten Motte. Nur noch kleine Mauern sind von ihr geblieben.
Einst sollte dort, der Herr von Leysiefen gelebt haben. Es heißt, er soll ein sehr grausamer Mensch gewesen sein. Seine Untergebenen hungerten und viele fielen wohl, dem Hunger und Krankheiten zum Opfer. Laut der Sage, legte der Herrscher sich eines Tages mit den Nymphen der Wupper an. Diese blendeten ihn darauf hin und der Edle war fortan blind.
Das machte ihn wütend und alle, die ihm nahe standen, ergriffen die Flucht. So kam zu seiner Blindheit, noch die Einsamkeit dazu.
Er ist demnach ein Opfer der Nymphen geworden, denn eines Tages fand man ihn tot in seiner Festung. Einen Erben gab es nicht und so war auch der Zerfall der Motte, nur noch eine Frage der Zeit.

(Eine alte Sage aus Leichlingen NRW)

Der BERG

»Unter dem Meeresgrund, tief im Inneren der Welt, gibt es ein Land. In seiner Mitte liegt ein hoher Berg, dessen Gipfel in ewigem Nebel verborgen ist.
Manche Bewohner des Landes haben versucht, den Berg zu besteigen. Doch je höher hinauf man kommt, desto dichter wird der Nebel. Zuerst verliert man in den Schwaden die Sicht, dann die Orientierung. Weiter oben ist die Luft so gesättigt mit Feuchtigkeit, dass das Atmen unmöglich wird. Zuletzt würde ein Bergsteiger, der bis hierher heraufgekommen wäre, in reinem Wasser schwimmen. Ein seltsames physikalisches Phänomen, welches dafür sorgt, dass die Flüssigkeit über den Nebelwolken nicht als Ganzes nach unten stürzt, sondern allmählich sich in die feuchte Luft verdünnt und nur hier und da als Niederschlag oder als Wasserlauf den Berg hinuntergelangt.
Keiner hat aber je den Gipfel erreicht… Die zurückkommen erzählen von den Ertrunkenen oben. Wo sich hoch am Berg die neblige Luft zu Wasser verdichtet, wird die Sicht wieder klarer.
Da oben schweben die Toten über den Blicken der Mutigsten, die hier röchelnd um Atem ringen, bevor sie umkehren oder selber ertrinken…«
Aus dem Bericht eines Gestrandeten, gefunden in einer Flaschenpost.

Flashmob fürs Köpfchen

Das Gehirn ist ohne Zweifel unser komplexestes und in seiner Funktionsvielfalt geheimnisvollstes Organ. Bestünde es aus Legosteinen, wobei jedes Steinchen einer Nervenzelle, einem Neuron, entspräche, benötigten wir etwa 86 Milliarden davon, um unsere Schaltzentrale nachzubauen. Im statistischen Durchschnitt besitzt jeder Mensch 86 besagter Bausteinchen, was bedeutet, wir müssten zum Nachbau eines Gehirns eine Milliarde Erdenbürger mit ihrem Modulschatz einladen.

(Funfact zu „Vom Hasen, der auszieht, die Angst zu verlernen“)

xpr - Psychologie und Symbolik

Träume, Visionen oder Halluzinationen können überwältigende Kraft haben. In Extremsituationen wie z.B. in der Trauer können Menschen Wahrnehmungsverzerrungen haben. Die intensive Beschäftigung mit den geliebten Verstorbenen kann sogar zu Halluzinationen führen, was vielen nicht bekannt ist.
Die Nächte werden unruhig, Traumphasen werden intensiver.
Doch was hat es mit diesen Mitteilungen aus unserem Unbewussten auf sich?

Anhand eines Beispiels möchte ich die Hintergründe von Symbolik und Bedeutung einer spezifischen Halluzination (Lichterscheinung) für eine fiktive Person beleuchten.

Fallbeispiel: Karla ist in großer Trauer um ihr verstorbenes Kind. In einer unruhigen Nacht wird sie wach. Neben ihrem Bett sieht sie eine Lichterscheinung, die die Umrisse eines rundlichen Käfers in fließendem grünem Licht darstellt. Sie ist ergriffen und getröstet zugleich und schaut gebannt auf die Erscheinung, bis sie vor Erschöpfung wieder in den Schlaf versinkt.

Bei ihrer Recherche kristallisiert sich als Käferart, die der runden Gestalt aus der Halluzination am meisten entspricht, der Heilige Pillendreher, auch Mistkäfer genannt, heraus. Der sogenannte „Skarabäus“ hatte eine tiefe Bedeutung im Alten Ägypten, nicht nur als Glücksbringer, sondern als göttliches Tier mit Schöpferkraft. Das ägyptische Ideogramm xpr, zu deutsch „werden/entstehen“ beruht auf der Beobachtung, dass der „Cheper“ (ägyptisch für Heiliger Pillendreher) Dungkugeln vor sich herrollt, somit Erde als Nahrung zu sich nimmt und wieder aus der Erde (hier: Nilschlamm) schlüpft. Die alten Ägypter nahmen an, dass der „Skarabäus“ sich ganz ohne Fortpflanzung vermehren könne und mussten bei ihren Beobachtungen und seinem goldschimmerndem Flügelpaar an den Sonnengott Re denken. Die Symbolik wurde genutzt für Amulette, Siegel, Grabbeigaben oder gar als Mittel zur Kommunikation mit Herzskarabäen mit Inschriften und fand so den Weg als Symbolik in die Kunst und Malerei. Die größten Bedeutungen des Käfers waren Neubeginn und Wiedergeburt (Bezug zur Sonne) sowie die Glückssymbolik, denn der Heilige Pillendreher warnte seit jeher die Menschen vor Hochwasser, indem er sich frühzeitig vom Wasser entfernte.

Bezüglich des Fallbeispiels der Halluzination einer europäischen Frau mit wenig Bezug zum Alten Ägypten, lässt sich ihr Wunsch nach Neubeginn und Wiedergeburt vermuten. Sie sehnte sich in dieser Phase so sehr nach dem Verstorbenen, dass ihr größter Wunsch war, er möge wieder auf die Erde kommen. Karla findet ihre persönliche Bedeutung darin, dass sie tatsächlich kurze Zeit später die Bestätigung einer neue Schwangerschaft erhält und somit der Käfer für sie wie auch für die Alten Ägypter ein Glückssymbol darstellt, welches neue Hoffnung in dunkler Zeit bereithält.

(Sehn)-Sucht

Computerspiele werden sowohl gefeiert als auch kritisiert.
Unabhängig davon gibt es einen geringen Anteil von Menschen, die abhängig von ihren Lebensumständen Computerspielen als mögliches Suchtmittel verfallen können. Menschen suchen, ob bewusst oder unbewusst, nach Erfolg, Selbstbestimmung und sozialer Eingebundenheit. Ihre Möglichkeiten, dies zu erreichen, sind jedoch abhängig von sozialen Strukturen und strukturellen Handlungsspielräumen, die ihrer Suche häufig Steine in den Weg legen. Manche Suchen scheitern.

Ein Ansatz, der die Entstehung von Abhängigkeit erklären möchte, setzt die Biografie eines Menschen mit dessen Computerspielpraxis in Verbindung und unterteilt in drei Motivationen, Sehnsüchte, Wünsche:

Wunsch nach Anerkennung : Die Computerspielpraxis ist hier eingebettet in Erfahrungen von Geringschätzung oder Ignoranz in bedeutenden Lebenskontexten beziehungsweise dem Fehlen oder Verlust von Kontexten, in denen Anerkennungserfahrungen gemacht werden können. Computerspiele bieten einen Raum, in dem Spieler sich bewähren und durch stetige Erfolge Anerkennung erfahren können. Das Spielen dient hier der Aufwertung und Vergewisserung des eigenen Selbst und als Quelle sozialer Wertschätzung.

Wunsch nach Zugehörigkeit: Die Biografie zeichnet sich durch wiederholende Erfahrungen von Ausgrenzung, Kränkung, Stigmatisierung, Ablehnung und Enttäuschungen in engen Beziehungen und anderen sozialen Kontexten aus. Diese Erfahrungen wirken den Bemühungen des Individuums nach Zugehörigkeit und Eingebundenheit entgegen. Computerspiele bieten einen Raum, alternative soziale Erfahrungen in Form positiver Beziehungs-, Nähe- und Zugehörigkeitserfahrungen zu sammeln.

Wunsch nach Autonomie: Betroffene zeigen Schwierigkeiten im Bereich der Wahrnehmung oder Durchsetzung persönlicher Bedürfnisse sowie der Abgrenzung von äußeren Erwartungen. Sie sind mit der Aufgabe überfordert, für das eigene Leben verantwortlich zu sein und eine eigene Identität zu entwickeln. Zudem empfinden sie eine Unsicherheit bezüglich der Rechtmäßigkeit eigener Bedürfnisse. Die eigene Autonomie, eigene Bedürfnisse und Lebensvorstellungen stehen im Spannungsfeld zu den Erwartungen der Umwelt und übernommener Lebensentwürfe. In Computerspielen können alternative Erfahrungen gemacht werden, indem die in der realen Welt unterdrückten Bedürfnisse ausgelebt werden können, ohne äußere Erwartungen zu verletzen.

Die Thematik ist komplex. Deutlich wird, dass wir Menschen unterstützende soziale Kontexte benötigen, um bei unserer Suche nach Anerkennung, Zugehörigkeit, Autonomie und uns Selbst erfolgreich sein zu können.

Quelle: Jukschat, Nadine (2017): (Sehn-)Sucht Computerspiel. Bedingungen der Entstehung und Verstetigung abhängiger Computerspielpraxis. Ein rekonstruktiver Ansatz. 1. Auflage. Weinheim Basel.

Wie viele Buchstaben hat das Alphabet?

Lateinisch: 26
Dänisch: 29
Irisch: 18
Griechisch: 24
Russisch: 33
Devanagari: 48
Chinesisch: 3.000 – 5.000 Schriftzeichen für den Alltagsgebrauch
Ungarisch: 44
Maya: etwa 700
Keilschrift: ca 900 Piktogramme in ihren Anfängen

Das ist natürlich nur eine kleine Auswahl. Ich finde beeindruckend, dass man solche Unterschiede im Alphabet findet, obwohl wir doch alle die gleichen „Laute“ von uns geben können. Nur die Darstellung dieser Laute variiert und hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte in zig verschiedene Richtungen entwickelt.

Noch ein Hinweis:
In den meisten Alphabeten gibt es Auffassungen, welche Buchstaben dazuzählen und welche nicht. So wird bei der Frage nach der Anzahl der Buchstaben im deutschen Alphabet auch gerätselt, ob man nun Ä, Ö und Ü als eigenständige Buchstaben mitzählen sollte. Ähnliches gibt es in fast jeder Schrift. Die Zahlen werden also von dem ein oder anderen bestritten.

Lebkuchen retten dein Leben!

Da ich aus Nürnberg komme und meine Lieblingsjahreszeit definitiv die Winter- und Weihnachtszeit ist, gehören für mich Lebkuchen einfach dazu.

Besonders schön fande ich, wie der Elisen Lebkuchen zu seinem Namen gekommen ist…

Aber lest es selbst :slight_smile:

Die Herstellung von Lebkuchen hat in Nürnberg eine lange Tradition: Seit dem Mittelalter ist Nürnberg weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt für seine köstlichen
Lebkuchensorten.

Ruhm und Tradition als Lebkuchen-Metropole verdankt die Stadt nicht zuletzt seiner verkehrsgünstigen Lage. Am Kreutzpunkt vieler Handelswege und alter Gewürzstrassen gelegen, war Nürnberg der ideale Ort für die Lebküchnerei. Zudem saßen die Nürnberger Lebküchner durch die großen Bienengärten in den Wäldern rund um Nürnberg direkt an der süßen Honigquelle. Damit waren die Rohstoffe leicht verfügbar und die Absatzmärkte schnell erreichbar.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts taucht in Nürnberg erstmalig die Bezeichnung “Lebkuchen” auf. In Rechnungsbüchern von 1395 wurde ein Lebküchner besteuert. Es muss schnell zu einer Spezialisierung der Bäcker gekommen sein, die in Nürnberg ausschließlich Lebkuchen herstellten. Dennoch war der Weg schwierig offiziell als Handwerkszunft anerkannt zu werden. Erst 1643 genehmigte der Rat der Stadt Nürnberg die Gründung einer eigenen Lebküchnerzunft.

Der Elisenlebkuchen nimmt eine ganz besondere Stellung unter den verschiedenen Lebkuchensorten ein.

Der Legende nach haben die Elisenlebkuchen ihren Namen von einer Nürnberger Lebküchner-Tochter namens Elisabeth erhalten. Die Geschichte besagt, dass der Nürnberger Lebküchner seine Tochter sehr geliebt hat und sie sein Ein und Alles war, da seine Frau bereits an einer Krankheit gestorben war. Eines Tages erkrankte auch seine geliebte Tochter schwer.

Kein Arzt wusste Rat und der Lebküchner war der Verzweiflung nah. In seiner Not dachte er an ein ganz besonderes Heilmittel. Als Lebküchner wusste er um den Wert der orientalischen Gewürze und somit stellte er für seine Elisabeth einen ganz besonderen Lebkuchen her. Er verwendete nur die hochwertigsten Zutaten. Und tatsächlich kam Elisabeth wieder zu Kräften und wurde gesund.

Der Legende nach wurde der Elisenlebkuchen nach Elisabeth benannt. Doch egal, woher der Name nun wirklich kommt und ob die Legende wirklich so passierte, die Elisenlebkuchen sind ein Hochgenuss. Noch heute dürfen die Elisenlebkuchen maximal 10% Mehl enthalten und müssen mind. 25% Nussanteil haben. Die Gewürze Zimt, Nelken, Koriander, Piment, Muskat, Ingwer und Kardamom sorgen für das typische Lebkuchenaroma.

Bis heute ist die Tradition der Lebkuchenbäckerei in Nürnberg lebendig. Trägt ein Produkt die Bezeichnung “Nürnberger Lebkuchen” ist dies die Garantie dafür, dass der Lebkuchen auch in Nürnberg hergestellt wurde.
Seit 1996 ist die Marke “Nürnberger Lebkuchen” europaweit geschützt.

Wenn die Legende über Elisabeth wirklich stimmt, dann redet das Essen von Lebkuchen, die Gesundheit :wink:

Ich lass es mir jetzt mal schmecken…

Meine Quellenangabe (Lebkuchen - Historisches)

Salz
Jeder kennt es, alle brauchen es.
Als Lebensmittel, in der Medizin, zur Konservierung.
Immer verfügbar.
Wirklich immer?
Es gab Salzstraßen und Städte, die mit Salzhandel reich wurden. Manche Stadt trägt das Salz sogar im Namen, wie Salzgitter.
Der römische Gelehrte Cassiodor sagte einst: „Auf Gold kann man verzichten, nicht aber auf Salz.“
Zeitweise wurden die römischen Legionäre mit Salz bezahlt.
Wer das Salzregal, das Hoheitsrecht zur Salzgewinnung hatte, hatte die Macht, das Monopol. Und er konnte den Preis bestimmen.
Wer sich kein Salz leisten konnte, der konnte weder Fisch noch Fleisch noch Kohl konservieren.
Und, dieser Umstand hat mich sehr erstaunt, es konnte auch bestimmt werden, wie viel Salz ein Bauer zu kaufen hat.
In Mecklenburg lebten Slawen, die ihre Gehöfte auf den mageren sandigen Böden gebaut hatten. Ab 1200 holten die Fürsten deutsche Siedler ins Land, welche auf den schweren Böden des Landes siedelten und keine Steuern zahlen mussten.
Und es wurde bestimmt, dass Sandbauern jedes Jahr einen Beutel Salz zu einem festgelegten Preis kaufen mussten. Wer das nicht konnte, verlor den Hof.
Und dann hat meine Mutter von ihren Erfahrungen gleich nach Kriegsende berichtet:

„Hunger brauchten wir bisher nicht leiden, nur womit keiner gerechnet hat, es gab kein Salz mehr! Brot wurde ohne Salz gebacken, Wurst ohne Salz, Saucen ohne Salz, und das über mehrere Wochen! Es schmeckte alles schrecklich. Der Gegenwert für einen Sack Salz lag bei 2 Schweinen.“
Seit dieser Erzählung habe ich immer ein Päckchen Salz in Reserve.

Jungbrunnen

Inmitten einer Galaxie pulsierten die ersten Mikroorganismen mit dem Namen Blaualgen auf dem winzigem Planeten Erde bereits vor 3,7 Milliarden Jahren den Rhythmus von Aktivität - und Ruhephasen, kreierten die erste Form unseres heutigen Schlafs. Wie Freud es wohl später gerne nennen wollte, es öffnete sich eine Tür in ein unbekanntes Reich – in das Bewusstsein.

Über die vor rund 1 - 2 Millionen Jahren lebenden Urmenschen und deren Gehirne lässt sich nicht gerade behaupten, dass sie besonders bewusst lebten.

Zufall oder starker Überlebenswille? Egal, glücklicherweise entdeckten sie irgendwann Werkzeuge, um Fleisch konsumieren zu können. Hätten sie keine Werkzeuge zum jagen oder fischen entwickelt, wäre unser Gehirn heute wahrscheinlich noch um ein vielfaches kleiner. Gegenstimmen zu diesen Erkenntnissen behaupten jedoch, dass das Feuer unser Gehirn befeuert hat, denn die Zubereitung durch Kochen und die daraus gewonnene Energie könnte den größeren Schub für die Entwicklung unseres Gehirns gegeben haben (Vegetarier werden dieser Variante mehr Glauben schenken).

Je bewusster die Menschheit wurde, umso mehr strebte sie nach ewigem Leben, denn wer wollte freiwillig eine so schöne Welt verlassen.
In den 1950-er Jahren begannen Forscher Mithilfe der Elektroenzephalographen (EEG) die Aktivität des Gehirns zu messen und die verschiedenen Phasen von Leichtschlaf und REM-Schlaf, in dem der Körper sich erholt und regeneriert, zu erforschen. Für viele war der Schlaf allerdings auch der „kleine Tod“.

Der Schlaf trennt uns von der Welt, die Gehirnaktivität ähnelt jedoch wie ein Paradoxum dem Wachzustand. Wir benötigen pro Nacht ca. 3-6 Schlafzyklen von jeweils 90 und 100 Minuten, um zu regenerieren. Jeder Mensch muss seinen Takt finden und seine innere Uhr immer wieder gut einstellen.
Aber reicht das aus? Oder können wir einfach auf einer Seite in das Wasser eines Jungbrunnens eintauchen und auf der anderen Seite verjüngt, vital und fit wieder auftauchen?
Die Menschheit sucht, die Wissenschaft forscht über die verschiedensten Wege nach dem Rezept, um ewige Jugend zu erlangen.

Eine Idee durch Einnahme von Medikamenten die tickende Uhr umzukehren kam Mat David als er über eine Studie las, in der Mäuse durch die Gabe von Senilytikum gesünder wurden, glänzenderes Fell und erhöhte Muskelkraft bekamen, aber vor allem sich ihr Gedächtnis enorm verbesserte. Spontan und dynamisch war 72 Stunden später die Idee in die Tat umgesetzt und Mat David
gründete das Start-Up-Unternehmen Unity Biotechnology. Er begeisterte damit auch Amazon-Gründer Jeff Bazos und andere Geldgeber, welche über 110 Millionen Dollar investierten.
Die Forschung ging weiter und wollte auch andere altersbedingte Krankheiten, wie z.B. die der Augen, hierdurch verbessern. Bislang gab es hier noch keinen Durchbruch, aber die Forscher erhoffen sich, dass ihr eigenes Leben lang genug ist, um dies heraus zu finden.

Andere Wissenschaftler entdeckten, dass sich das menschliche Gehirn durch junges Blutplasma reparieren ließ.
Mythen über eine Umkehrung des Alterungsprozesses durch die Gabe von Blutplasma junger Menschen waren eine zeitlang ein gutes Geschäft, denn für 2 Liter Blut von Teenagern ließen sich schnell 8.000 Dollar verdienen. Die Kultserie Silicon Valey, eine Sience Fiction Serie aus den USA nahm diesen Hype zum Anlass für eine spezielle Sendung. Den Geschichten von Dracula und Co. wurde so genüge getan.
Weitere wissenschaftliche Ansatzpunkte ergaben sich durch Experimente, bei denen eine alte und eine junge Maus zusammengenäht wurden, eine systemische Einheit bildeten. Hierbei stellte man fest, dass sich die alte Maus regenerierte, jünger wirkte, Gebrechen verschwanden und sie wieder fit und gesund wurde. Die junge Maus erlitt hierdurch keinen Schaden, ausser, dass sie nun eine alte Schachtel am Hintern hängen hatte.

1.373 Bluteiweiße (Schlüsselproteine) spielen beim Alterungsprozess eine Rolle. Durch Injektionen von 6 MRnA ließen sich Hautzellen von 100-jährigen reprogrammieren und zu embrionalen Stammzellen manipulieren. Sie könnten zu Zellen für Gewebe, Muskeln oder Organen werden. In kleinen Reagenzboxen schlagen bereits heute schon Zellen im Takt eines Herzens. Poch…poch…poch.
Spuren des Alters könnten hierdurch beseitigt werden und Zellen in der Zeit zurückreisen. Läßt sich nur hoffen nicht zu weit, denn 1-2 Millionen Jahre wären definitiv zulange, was dabei heraus käme wissen wir ja.

Die Zukunft könnte also so aussehen, dass 100-Jährige anstatt mit Rollator und Sauerstoffgerät durch den Stadtpark zu kriechen, mit dem Plasma der eigenen Urenkel im Rucksack in Weltrekordzeit einen Marathon laufen und anschließend eine Halloween-Party feiern. Hoffentlich wird im Adrenalinrausch nicht so viel von der wertvollen Flüssigkeit verschüttet.

Viele Studien, viele Wissenschaftler, noch mehr Meinungen. Wenn man allerdings junge Start-Up-Gründer befragt, bleiben sie zunächst beim Altbewährtem:
Gesunde Nahrung, Fastenzeiten, ausreichend erholsamen Schlaf und täglich Sport an der frischen Luft.

Licht aus - Schlaf an …. bis nach dem kleinem Tod.

Der vierte Schornstein der Titanic war eine Attrappe, damit das Schiff äußerlich nicht hinter der Konkurrenz zurückstand. Auch dieser Schein hat wenig geholfen.

Wieso Sexualität auf die Welt kam

In unserer Gesellschaft ist der Umgang mit dem Begriff Sexualität oft reichlich verkrampft. Zu groß sind die gedanklichen Assoziationen eines in erster Linie biologischen Fachbegriffs mit vielen soziokulturellen Aspekten. Ausschließlich von der Biologie der Sexualität soll hier die Rede sein. Alles andere gehört in den Zuständigkeitsbereich anderer Wissenschaften.

Doch auch biologisch betrachtet ist Sexualität kein einfacher Begriff. Wir sind daran gewöhnt, gedanklich nahezu automatisch Sexualität mit Vermehrung zu verknüpfen. Bei Säugetieren kommt uns das vernünftig vor. Es gibt keinen Nachwuchs ohne die Verschmelzung von Eizellen und Spermien zur befruchteten Zelle, dem späteren Embryo. Das heißt doch Sexualität, oder?

Falsch ist das nicht, doch ist das tatsächlich Vermehrung? Eigentlich nicht: Aus zwei Zellen wird eine einzige. Das ist eher Verminderung als Vermehrung. Und später, wenn die befruchtete Eizelle zum fertigen Tier oder Menschen herangewachsen ist? Dann ist der neue Organismus noch immer ein Wesen, zu dem zwei Eltern benötigt wurden. Sterben die Eltern bald nach dem sexuellen Ereignis, ist aus zwei Individuen ein einziges entstanden.

Der Grund, warum nach sexuellen Prozessen mehr als ein einziges Lebewesen entsteht, liegt darin, dass die Verschmelzung der beiden Geschlechtszellen und das Heranwachsen eines neuen Wesens im Leben des weiblichen Tiers mehr als nur einmal passieren kann. Bei Mäusen, Hunden und ähnlichen Tieren passiert das parallel. Mehr als ein Ei wird gleichzeitig befruchtet. Beim Menschen sind Mehrlinge möglich, doch eher eine Ausnahme. Menschen vermehren sich, weil im Laufe der Lebensspanne der Mutter die Befruchtung mehr als nur einmal stattfinden kann, also nacheinander. Trotzdem: Der primäre sexuelle Prozess hat wenig mit Vermehrung zu tun.

Bei Pflanzen ist die Entkopplung von Sexualität und Vermehrung noch deutlicher. Klar, Blütenpflanzen kann man durchaus mit Samen, also sexuell vermehren. Erdbeeren etwa bilden Samen nach dem sexuellen Prozess der Bestäubung, außen auf der Frucht. Für die Vermehrung brauchen Erdbeeren das eher weniger. Sie vermehren sich sehr viel effizienter durch Ausläufer, also komplett asexuell.

Wenn Sexualität gar nicht unbedingt mit Vermehrung gekoppelt sein muss, wieso hat die Evolution das Prinzip Sexualität perfektioniert und über extrem lange Zeiträume konserviert und geradezu genial optimiert? Und seit wann gibt es eigentlich Sexualität?

Reduziert auf die Verschmelzung der Gene zweier Individuen ist Sexualität nichts anderes als die Übertragung von Genen. Das findet man in höchst unterschiedlichen Ausprägungen bereits bei Bakterien. Das sind evolutionär sehr alte Lebewesen. Schließlich leben sie schon seit rund 3,5 Milliarden Jahren auf der Erde – Menschen erst seit wenigen Millionen Jahren.

Wieso hat sich bewährt, dass auch Bakterien sexuelle Prozesse entwickelt haben, also die Fähigkeit zur Genübertragung? Die vermehren sich asexuell durch Teilung, und niemand käme auf die Idee, ihre Vermehrung als sexuellen Prozess anzusehen.

Im Grunde ist die Antwort einfach. Alles, was lebt, mutiert. Das ist biologisch unvermeidbar. Leider sind die meisten Mutationen schädlich. Lebewesen, die gelernt haben, solche Schäden zu reparieren, sind evolutionär deutlich im Vorteil. Das vom Partner des Sexualprozesses aufgenommene Gen hat mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit keinen Schaden an derselben Stelle wie der Empfänger. Man bekommt also als Folge der Sexualität eine heile Kopie des defekten Gens und hat die Möglichkeit, damit eigene Fehler zu reparieren.

Im Grunde ist Sexualität folglich eine Methode der Lebewesen, genetische Fehler zu reparieren. Die Verknüpfung mit Vermehrung ist sekundär.

Das japanische Katana, ein Schwert zur Abwehr von Mongolen?

Wer das japanische Langschwert, das Katana, recherchiert, wird sehr schnell in einen Strudel der Geschichte hineingesogen. Man erfährt, wieso es das Katana gibt, wieso das japanische Reich, das Reich der Götter genannt wurde und wieso das Land ein recht kriegerisches und religiöses Mittelalter erlebte.

Das mongolische Reich, ihr wisst schon, die mit den berittenen Bogenschützen, versuchte 1274 Japan mit 1000 Schiffen, die 30.000 (koreanisch annektierte) Soldaten transportierten, zu besetzen. Japan setze dagegen mit Glauben (es wurde in den Tempeln für den Sieg gebetet) und mit hastig organisierten Kämpfern. Der Kampf lief für die Japaner schlecht. Ihr Armeeschwert, das „Tachi“ zerbrach gerne an den Nieten der beschlagenen Lederrüstungen der Mongolen. Diese setzten außerdem chinesische Sprengkörper ein, die Panik bei Mensch und Pferd verursachten.

Trotzdem konnten die Japaner durch ihre hohe Diziplin, die mongolischen Streitmächte zum Neuformieren in die Landungsbucht zurück drängen. Dort kam unerwartet ein heftiger Sturm auf, der ein Drittel der mongolischen Landungsboote zerschmetterte und deren Armee demoralisierte und zur Rückkehr zwang.

Das Schwert „Tachi“ wurde eingekürzt und höherwertig gehärtet, um die Rüstungen des „neuen Feindes“ zu durchdringen. Außerdem ermöglichte das kürzere Schwert, das Kämpfen in Formation. Das Katana war geboren.

Doch damit waren die Invasionspläne der Mongolen nicht vorbei. Sie baten den japanischen Kaiser per Schreiben das Land friedlich zu übergeben, der höflich ablehnte.

Sie baten den japanischen Kaiser per „Delegation“ die japanische Kapitulation zu verhandeln. Japan ließ die Delegation vorsprechen, ehe sie diese „bis auf einen Mann“ hinrichtete und ablehnte.

Japan befestigte die Landungsbucht mit Mauerwerken und stationierte dauerhaft 20.000 Soldaten an der Küste, wartend auf den Feind.

1281 war es soweit. Das mongolische Reich hatte ein „Amt zur Züchtigung Japans“ eingerichtet und entsandte: 20.000 koreanische, 50.000 mongolische und 100.000 chinesische Krieger.

Die Armeen konnten nicht gleichzeitig anlanden, verzögerten sich teilweise um Wochen und es entstand ein längeres Gemetzel an der Küste verschiedener Inseln und der Landungsbucht. Die Japaner hielten alle Stellungen. Den wichtigsten Kampf, das Gefecht gegen die 100.000 Chinesen, konnten die Japaner für 53 Tage halten, ehe plötzlich ein Taifun über die feindliche Flotte einbrach. Über die Hälfte der chinesischen Schiffe ging dabei in den Fluten verloren, ein Drittel der koreanischen Armee ertrank. Die Invasionstruppen zerstreuten sich in Panik und flohen.

Der Sturm wurde später „Kamikaze“ – Göttlicher Wind genannt, sorgte für mehr Tempel im ganzen Land, da man es erneut als göttlichen Beistand betrachtete. Auch außerhalb Japans machte sich das Land den Namen „Land der Götter“ zu eigen, dass dazu führte, dass es schwer war, Soldaten zu motivieren, erneut einer Invasionsarmee beizutreten.

Japan wartete dann weitere 13 Jahre, im dauerhaften Kriegszustand, auf eine dritte Invasion mit über 30.000 Samurais an der Küste, die allerdings nicht mehr stattfand. Die japanischen Krieger fehlten auf den Feldern, bekamen wenig Lohn, und hielten sich allein durch ihre Disziplin treu an der Küste, bis der Kriegszustand 1294 aufgehoben wurde.

Das Katana allerdings, blieb bis heute, das japanische Schwert.

The Story of the Vivian Girls in what is known as The Realms of the Unreal, of the Glandeco-Angelinnean War storm, caused by the Child Slave Rebellion

Wer sich fragt, was zum Teufel diese Überschrift heißen soll: Das ist der Titel des Magnum Opus von Henry Darger, dem vielleicht bekanntesten Outsider Künstler der Welt. Darger war als Künstler zu Lebzeiten komplett unbekannt und lebte ein stilles, isoliertes Leben, tatsächlich existieren von ihm nur 4 Fotos. Henry Darger wurde 1892 in Chicago als erstes Kind von Rose und Henry Darger Senior geboren. Sein Leben war geprägt von Verlusten. Nachdem seine Mutter bei der Geburt seiner jüngeren Schwester im Kindbett starb, gab sein Vater die Schwester zur Adoption frei und überlies ihn ab 8 Jahren aufgrund seines eigenen schlechten Gesundheitszustandes dem „Mission of our Lady of Mercy”, ein römisch/katholisches Internat. Dort viel er durch aggressives Verhalten gegenüber den Mitschülern und Störung des Unterrichts durch Geräusche auf, ein Verhalten welches heute wohl als eine Form von Autismus diagnostiziert werden würde. Mit 12 landete Darger im Lincoln Asylum in Illinois. Man spekuliert das er dort wie viele andere Insassen körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgeliefert war. Mit 17 floh er und trampte zurück nach Chicago, wo er erfuhr, das sein Vater gestorben war und bei seiner Patentante unterkam. Kurz darauf fand er im Jahr 1909 eine Anstellung und Unterkunft in einem Hospital und begann die Arbeit an „The Story of the Vivian Girls in what is known as The Realms of the Unreal, of the Glandeco-Angelinnean War storm, caused by the Child Slave Rebellion.“ Zuerst schrieb von Hand, dann auf Schreibmaschine. Wegen Geldmangel nutzte er zum Zeichnen jede Art von leerem Papier und Stiften, die er finden kann, oft auch aus dem Müll. In seinem Werk geht es um den Krieg zwischen Angelinia, eine gute christliche Nation bestehend aus unschuldigen Kindern, die immer bestrebt ist, das Richtige zu tun, gegen die Glandelianier, eine böse Nation die Christen hasst und Kinder versklavt, foltert und ermordet. Darger schreibt sich selbst als General in die Armee eines befreundeten Landes in die Geschichte und fungiert als Beschützer der angelinianischen Kinder. Auffallend ist das Darger Kinder oft nackt und sorglos spielend in einer surrealen Märchenlandschaft dargestellt. Die Kinder sind oft ohne Geschlechtsteil, Mädchen manchmal mit Penissen und Hoden. Vielleicht wusste Darger nicht, wie eine Vagina ausschaut. Vielleicht war er homosexuell. Eventuell glaubte er, das nur Männer in den Krieg ziehen können und „stattete“ deswegen alle Kinder entsprechend aus. In vielen Kriegsszenen werden die unschuldig wirkenden Kinder aufs grausamste gefoltert, verstümmelt und ermordet. Die Bilder lassen erahnen, welche Hölle in Dargers Kopf gewütet haben muss. Ob er damit seine Zeit und die Erlebnisse in den staatlichen Einrichtungen verarbeitet oder diese Szenen als Output für andere Fantasien dienten, ist nicht bekannt.

Nachdem Darger 1972 von einem Auto angefahren wurde und darauf hin die Treppen zu seinem Appartement im dritten Stock nicht mehr nehmen konnte, bat er, darum in dasselbe Heim eingewiesen zu werden, in welchem auch sein Vater vor seinem Tod gelebt hatte. Da er keine Verwandten und Freunde hatte, fiel es seinen Vermietern Nathan und Kiyoko Lerner zu, seine Wohnung zu räumen. Dabei entdeckten sie sein Lebenswerk: Zahlreiche, sich teils bis an die Decke stapelnde Manuskripte und Zeichnungen, darunter handgezeichnete Gobelins sowie das Eingangs erwähnte „The Story of the Vivian Girls in what is known as The Realms of the Unreal, of the Glandeco-Angelinnean War storm, caused by the Child Slave Rebellion“ welches 15000 eng beschriebene Seiten umfasste und in 7 gebundenen und 8 ungebundenen Bänden vorlag.

Als die Lerners ihn in der Senioreneinrichtung besuchten und ihn für seine Arbeit lobten reagierte er überrascht, antwortete aber nur „Jetzt ist es zu spät“.

Kurz darauf starb er.

Heute werden Dargers Arbeitenals eine der reinsten Formen der Outsider Kunst betrachtet. Als Werk eines Mannes, der sich vollkommen seiner Kunst hingab, nie eine formelle Ausbildung erhielt und nie Anerkennung oder Ruhm suchte.

Goethe hat sein Karriereziel verfehlt

Johann Wolfgang von Goethe staunt nicht schlecht, als er in meinem Roman „Goethes Labyrinth“ entdeckt, dass er auch in der Zukunft (im Jahr 2024) noch ein berühmter Mann ist. Ihm ist klar, dass das wohl kaum an seinen literarischen Erzeugnissen liegen kann, sondern nur mit seinen bedeutenden naturwissenschaftlichen Entdeckungen zu erklären ist. Immerhin hat er den Zwischenkieferknochen entdeckt und somit herausgefunden, dass der Mensch auch nur ein Wirbeltier ist. Doch mit Entsetzen muss er feststellen, dass niemand von seinen wissenschaftlichen Arbeiten weiß und ihn alle nur als den „Dichterfürsten“ kennen.

Fakt ist: Tatsächlich war Goethe begeisterter Naturwissenschaftler. Die Entdeckung des Zwischenkieferknochens hat er anatomischen Studien zu verdanken. Leider hatte den entsprechenden Knochen schon vor ihm jemand entdeckt, was er aber, mangels Google, nicht wissen konnte. Sogar einen Elefantenschädel, von einem Elefanten den er einst noch lebend bewundert hatte, hatte sich Goethe zukommen lassen, um daran zu forschen. Noch mehr als für Anatomie konnte er sich aber für Pflanzen und Gesteine begeistern. Seine umfangreiche Steinsammlung findet aktuell bei Goethe_Rocks noch Twitter-Follower. Während er mit Leichtigkeit die Entstehung von so imposanten Gesteinsformationen wie im Luisenburg Felsenlabyrinth mit Auswaschungen und Verwitterungen erklären konnte (entgegen der damaligen Vulkantheorie), ist ihm die Suche nach der „Urpflanze“ leider nicht gelungen. Nach Italien ging er nicht (nur) um seiner Schreibkunst neue Impulse zu geben, sondern vor allem auch um neue Steine und Pflanzen für seine Sammlung zu finden. Und wenn Johann Wolfgang von Goethe schon einmal in Italien zu Besuch ist, dann gibt für ihn sogar die dortige Natur alles. So konnte der Wissenschaftler Goethe dort einen Ausbruch des Vesuvs bewundern. Seit er in seiner Kindheit von einem Vulkanausbruch mit hunderten Toten erfahren hatte, war er von Vulkanen schon immer fasziniert (Es hat ihn wohl zu seinem Prometheus inspiriert). Welch ein Glück für ihn, so ein Naturspektakel auch einmal mit eigenen Augen sehen zu können. Die Natur wollte sich von Goethe zwar nicht entschlüsseln lassen, zeigte ihm aber, dass auch sie zu einem grandiosen Schauspiel fähig war.

Verschwendung lebenswichtiger Ressourcen

Ob naturbelassen oder Fertigprodukt, pflanzlicher oder tierischer Herkunft, ökologisch oder konventionell produziert – sie sind tagtäglich in aller Munde: Lebensmittel.

Sie dienen unserer Ernährung und sind, wie der Name schon sagt, Mittel zum Leben und somit eine unentbehrliche Ressource für den Menschen. Umso erstaunlicher ist es, wie viele Tonnen Nahrungsmittel jährlich im Abfall landen. Alleine in Deutschland werden laut Erhebung des Statistischen Bundesamts jährlich ca. 11 Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgt, wovon 6,5 Millionen Tonnen auf die Privathaushalte zurückzuführen sind. Pro Person sind das etwa 78 Kilogramm pro Jahr!

Neben verdorbenen Nahrungsmitteln landen häufig Produkte im Müll, die ohne Bedenken hätten verzehrt werden können. Etwa 44% dieser Abfälle, also über 34 kg, werden von den Befragten selbst als vermeidbar eingestuft. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sehen dabei nur 5,9% der Umfrageteilnehmer als Wegwerfgrund an; vielmehr führen ein suboptimales Einkaufsverhalten sowie nicht sachgerechte Lagerung und Verarbeitung zu Problemen bei der Haltbarkeit. Am häufigsten werden Obst und Gemüse weggeschmissen, obwohl nur ein gutes Drittel davon tatsächlich verdorben ist (35%). Oft werden Lebensmittel entsorgt, nur weil sie unappetitlich oder alt aussehen (18%) oder eine zu große Menge gekocht bzw. auf den Teller aufgetan wurde (21%).

Lesen Sie daher in der nächsten Ausgabe: Resteverwertung – Rezepte für köstliche Smoothies und schmackhafte Pfannengerichte.

[Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten unter die Lupe genommen]

Der längste Fluss der Erde

Westsibirien ist nicht nur eine kalte Gegend, sondern auch eine ziemlich nasse. Zwei große Ströme durchfließen sie, Ob und Jenissei, die in den Gebirgen Zentralasiens entspringen, gespeist vom Schmelzwasser ihrer Gletscher, und auf ihrem langen Weg zum arktischen Meer eine Vielzahl von Nebenflüssen in sich aufnehmen. In der größtenteils flachen Landschaft staut sich das Wasser zu Sümpfen und Mooren und hat im Lauf der Erdgeschichte immer wieder weite Landstriche überschwemmt.

Aber was passiert, wenn all das Wasser nirgendwo hin kann?

Im Lauf der letzten Eiszeit, vor rund 80 000 Jahren, war die gesamte nördliche Küste Sibiriens von Eis bedeckt. Die Ströme konnten nicht abfließen und stauten sich zu einem riesigen See, größer als das heutige Kaspische Meer; nur irgendwann war auch dieser voll und musste abfließen - aber wohin? Nach Norden ging nicht, dort war das Eis; also nach Süden - in den Aralsee, ins Kaspische Meer, von diesem ins Schwarze und über die Dardanellen ins Mittelmeer (das damals wahrscheinlich noch ein langgestreckter Binnensee war); insgesamt 10 000 km, der längste Fluss der Erde. Nil, Amazonas, Yangtse, ihr könnt alle einpacken.

(Ach ja, und der Amazonas, der war auch mal der Unterlauf des Kongo; aber das war viel früher.)

Quelle: Westsibirischer Gletschersee – Wikipedia

Lassen wir Fakten sprechen?
Das Ergebnis soll sein: ein kurzer Sachtext, der eine interessante, skurrile oder poetische Tatsache berichtet.

Gut, aber nicht unkommentiert:

Mäßiges Trinken ist gesünder als gar kein Alkohol

Ist ein viel zitiertes Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie.

Was ist schon Wissenschaft? Eine Technik, die Wissen schafft?

Das „WISSEN“ von heute ist der IRRTUM von morgen!

Mit „wissenschaftlichen Studien“ lässt sich alles stützen, jeder sucht sich heraus, was ihm in den Kram passt. Man findet zu jedem Thema etwas. Da gab es eine Studie, die durch alle Medien ging, dass ein gelegentliches Gläschen Wein oder Bier gesünder ist, als gar kein Alkohol. Alkohol in Maßen hieß es, sei besser als gar keiner. Wie gerne haben wir das doch gehört und mit Freuden angewandt.

Später habe ich erfahren, dass die bei der Studie nicht genug Probanden finden konnten, die gar keinen Alkohol trinken (wie viele Nichttrinker gibt es schon?). Und deshalb haben sie auf trockene Alkoholiker zurückgegriffen. Dass alkoholkranke Menschen mehr Gesundheitsprobleme haben, als Leute, die gelegentlich ein Gläschen trinken, leuchtet jedem ein. Aber jede Menge Schlagzeilen und Zitate waren die wissenschaftliche Ente wert.

Jede Woche wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben!

Es werden Geschichten geschrieben, die die Welt erklären. Aus den Funden alter Knochen werden Evolutionsgeschichten, wie die von kniehohen Elefanten.

Der Mensch ist kein „Homo sapiens“ sondern ein „Homo narrativus“

Homo narrans (Fisher 1984) oder Homo narrator (Gould 1994) oder Homo narrativus (Ferrand and Weil 2001) sind wohl treffendere Bezeichnungen für den Menschen, als Homo sapiens, der weise Mensch. Sie kennzeichnen den Menschen als das, was ihn viel mehr ausmacht, als seine „Weisheit“ und ihn von anderen Lebewesen unterscheidet. Es ist seine Fähigkeit und sein Bedürfnis Geschichten zu erzählen, Geschichten zu hören und an Geschichten zu glauben.

Also machen wir uns nichts vor, die „auf Fakten basierenden“ Geschichten sind einfach nur ein Genre, wie Liebesromane oder Western.

Gerade darum: Lasst uns gute Geschichten erzählen, die die Menschen weiter bringen …

Zum Schluss noch so eine Geschichte, diesmal als Rap:

Die Vertreibung aus dem Paradies
Der Sapiens, der dumme Wicht
beachtet Gottes Order nicht.
Vom Erkenntnisbaum ganz unverhohlen,
hat einen Apfel er gestohlen,
verführt von Gattin Sapiensina,
die meint der Apfel schmecke prima.
Er beißt auch herzhaft gleich hinein -
und schon beginnt der Menschheit Pein!
Das Homo- Paar, so weise nicht,
trifft unerbittlich das Gericht,
bevor der Bissen noch geschluckt,
Gottes Blitz vom Himmel zuckt
und hat die beiden kleinen Lichter -
mehr Dummerchen denn Bösewichter -
aus dem Paradies vertrieben,
obwohl sie gerne noch geblieben.

Was bringt den Alten nur so auf?
Äpfel hat’s hier doch zuhauf!
Nur weil man einmal nicht pariert,
er gleich so schrecklich reagiert?
Ist das nicht der Gott der Liebe?
und sind nicht göttlich auch die Triebe,
wie Hunger, Durst und Fleischeslust,
als hätte er das nicht gewusst!
So hat er uns erschaffen
und will uns dafür strafen?

Du dummer, dummer Homo,
ich sag’s nochmal in Slomo,
damit du’s auch kapierst,
er will, dass du parierst,
ohne Wenn und Aber,
ohne groß Palaver,
mach einfach was der Meister will,
dann ist zufrieden er und still.
Um einen Apfel geht’s hier nicht!
Er will, dass deine Sturheit bricht,
du sollst gehorchen brav und stumm,
auch ohne, dass du weißt warum!

Warum soll ich’s nicht wissen?
Ich fühl mich ganz zerrissen!
Ein Vater ist, wer lieb und gut,
alles für seine Kinder tut
und nicht ein wilder Wüterich
bei Kleinigkeiten außer sich.
Wie kann er uns verdammen,
vom Paradis verbannen?
Ich glaub, er ist kein lieber Gott,
ein allzu menschlicher Despot,
der uns verjagt und auch nicht minder,
alle künftigen Enkelkinder.

Es schuf der Mensch den Gott nach seinem Bilde,
zum Nutzen einer selbsternannten Herrschergilde.
Man soll den Märchengott mit seinen grausamen Gesetzen,
mit Vater, Pfaffen, Fürsten, Papst und Königen ersetzen.
Man soll auf deren Wort wie auf die Worte Gottes hören
und streng befolgen alle die nicht immer weisen Lehren.
Zum Lohne wird das Paradies im Himmel uns versprochen,
obwohl der erste Sapiens des güt‘gen Gottes Wort gebrochen.
Was macht die Not, das Leid und selbst das Sterben schon,
dem braven Untertanen winkt der Himmelslohn!
---------------------------------------------------------------------------- Peter Matthias

Unser Heidi

Ihr Geburtshaus steht nur ein paar hundert Meter neben meiner Wohnung. Der Name der Romanfigur Heidi kennt man weltweit und wurde in über 50 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt.

Johanna Louise Heusser, geboren am 12 Juni 1827 in Hirzel, gestorben 7. Juli 1901 in Zürich infolge einer Krebserkrankung. Johanna wuchs in Hirzel auf, besuchte die Schule in Zürich und lernte in Yverdon Französisch. Zurück, lebte sie bis 1852 in Hirzel, wo sie im gleichen Jahr Bernhard Spyri heiratete.

Sie wuchs in gut situierten Verhältnissen auf. Ihr Vater war Arzt die Mutter Dichterin. Nach der Geburt ihres Sohnes wurde sie depressiv. Dazu kam, dass ihre Ehe nicht besonders glücklich war. Sie fühlte sich in der gehobenen Gesellschaft nicht sehr wohl, pflegte aber eine lebenslange Freundschaft zu Conrad Ferdinand Meyer und Richard Wagner.

1879 erschien „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ und zwei Jahre später „Heidi kann lernen was sie gelernt hat“. Heidi war Teil der im 19. Jahrhundert aufkommenden Kinderliteratur. Die beiden Bücher gehören zu den bekanntesten Kinderbüchern überhaupt. Vermutlich schrieb Johanna die Romane während eines Kuraufenthaltes in Bad Ragaz. Darauf deuten Briefe hin, welche sie im Jahr 1879 geschrieben haben muss. In den dreissig Jahren ihres Schaffens schrieb Johanna 31 Bücher und unzählige Erzählungen.

Die japanische Übersetzung trug zum Erfolg maßgeblich bei. Seither wurde Heidi in über 50 Sprachen übersetzt. Bereits 1920 gab Heidi ihr Kinodebüt in der USA. Seitdem wurde Heidi weitere 14 Mal verfilmt und 2 Fernsehserien wurden in den Siebzigern ausgestrahlt.

Johanna Spyri war eine exzellente Erzählerin. Tradition und Moderne, arm und reich, gelebt in der Vorstellung von der Schweiz als Alpenparadies mit einem kritischen Blick auf die damaligen Lebensbedingungen trafen den Nerv der Zeit.

Die Geschichte um Heidi hat bis heute seine Faszination nicht verloren. Heidi lebt in Kinder wie in Erwachsenenherzen gleichermassen. Das machen die Geschichten um das Heidi aus.

Helden fechten ihre Konflikte heute selten mit dem Schwert aus. Clevere Sympathieträger brillieren mit stichhaltigen Argumenten; Bösewichte versuchen, mit rhetorischen Tricks den Sieg davonzutragen.

Die Kenntnis wichtiger Argumentationsmuster hilft AutorInnen, ihre Protagonisten glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Wenn Akteur Nr. 3 verkündet:

„Manche Männer sind weise.
Und einige Männer sind Schriftsteller.
Also gibt es weise Schriftsteller!“,

bleibt zwar zu hoffen, dass dem so ist, dennoch ist die unlautere Argumentation leicht zu durchschauen.

Leider finden nur wenig Schreibende die Muße, sich die gesamte 2500-jährige Erkenntnisgeschichte der Logik, Dialektik und Eristik zu erarbeiten.

Glücklicherweise stehen zahlreiche Handbüchlein wie ‚64 Fehlschlüsse in Argumenten‘ oder ‚Win Every Argument‘ für schnelleres Lernen zur Verfügung.

Mit Arthur Schopenhauers ‚Eristischer Dialektik‘ sei hier auf einen frühen Vertreter dieses Genres hingewiesen. Schopenhauer beschreibt darin mit 38 Kunstgriffen die Lehre, mit erlaubten und unerlaubten Mitteln als derjenige zu erscheinen, der sich im Recht befindet. Aufgemerkt: Die Wahrheitsfindung ist nicht sein vorrangiges Ziel!

Im Kunstgriff ‚exemplum contrarium‘ erläutert Schopenhauer, wie allgemeine Aussagen durch ein einziges Gegenbeispiel widerlegt werden: „Rauchen gefährdet die Gesundheit.“ „Das kann gar nicht sein, Helmut Schmidt wurde 96 Jahre alt!“

Beliebt ist noch immer das ‚argumentum ad verecundiam‘. Dabei werden an Stelle von Sachgründen die Positionen von Experten ins Felde geführt, denen man aufgrund ihrer Autorität nicht zu widersprechen wagt.

Verwandt dazu ist das ‚argumentum ad hominem‘. Der Gegner wird in Misskredit gebracht und so dem Anspruch auf Wahrheit beraubt: „Die Grünen haben das behauptet? Dann kann es nicht stimmen!“

Jeder litt schon unter einer sogenannten Expertenberatung. In einem simulierten Argument wird man mit sinnlosen, aber kompliziert klingenden Phrasen überrollt und fügt sich, weil man sein Unverständnis nicht offenbaren möchte. Goethe schrieb dazu: „Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.“

Eine Zusammenfassung Schopenhauers eristischer Dialektik findet sich hier: Eristische Dialektik – Wikipedia