Seitenwind Woche 6: Großstadttiere

Ein Traum

Frostklirrend fegt der Wind durchs nadelige Geäst
Schnee stäubt rauschend zwischen dem nächtlichen Grün
Atem dampft in kurzen Nebelstößen
Leise knirschen zertretene Eiskristalle
Augen glühn
Rastlos
den Fang kaum zollbreit überm harten Boden
streift er voran
in leichtfüßiger Geschmeidigkeit
Mit einem Male steht er
den schmalen Kopf um weniges erhoben
erstarrt zu Stein
nur einen Herzschlag lang
Dann strecken sich die grauen Schatten
Und prasselnd bricht die Meute aus dem Schutz des Waldes
Nur noch ein Sprung
die Beute stürzt
Kiefer schnappen
Körper wirbeln durch die kalte Luft
es reißt ihn hoch
Wie Wetterleuchten zuckt sein Blick
Und prallt an schwere Käfiggitterstangen
An unbarmherzig neugierige Augen
Danach ein Laut
Ein Seufzen ringt sich aus der Kehle
Der Leib vibriert unter dem dichten Fell
Ein Stöhnen
dumpf und tief
Das müde Haupt sinkt nieder
langsam
wie betäubt
Die Lider schließen sich
Ein Traum nur
nur ein Traum
ein Traum

Wir werden bleiben

Gestattet? Fuchs, mein Name. Eigentlich war ich nur der Kundschafter. Ich sollte schauen, ob es möglich ist, in der Nähe der großen Bauten der Menschen zu leben und zu überleben.
Ja, kann man. Sogar recht gut, wie ich finde. Nahrung, Unterschlupf, angenehmes Raumklima, selbst im Winter. Ja, in einer Stadt lässt es sich recht gut leben. In diesem Punkt kann ich die Menschen durchaus verstehen. In diesem Lebensraum aus Stein, Beton und ein bisschen Grünzeug, findet sich für jeden ein Plätzchen.
Nur jetzt kommt der Knackpunkt: Die Menschen scheinen das irgendwie anders zu sehen. Und das verstehe ich wiederum nicht.
Ich meine, sie errichten riesige Bauten, beschweren sich aber, wenn dort noch jemand wohnt. Tss, wenn Platz genug ist, lassen wir auch Dachs, Kaninchen und Gänse mit im Fuchsbau wohnen. Alles andere wäre Verschwendung.
Apropos Verschwendung: Menschen lassen überall Futter rumliegen. Sie lassen es fallen, lagern es in großen Tonnen … so viel, dass können die gar nicht alles futtern. Aber wehe, man bedient sich. Dann ist das Geschrei wieder groß.
Und sie schimpfen, wir würden Dreck und Chaos hinterlassen. Sie beschweren sich über unseren Lärm, über unsere Rufe, über unsere Hinterlassenschaften – hallo, geht’s noch?
Wer hat sich denn hier auf den Wäldern und Wiesen mit seinen Betonbauten breitgemacht? Wer hat alles mit Asphalt zugepflastert? Wer fährt denn in großen, stinkenden Blechbüchsen durch die Gegend? Wer schmeißt täglich seinen Müll in die Gegend?
Aber wir machen den Dreck. Schon klar.
Nur jetzt möchte ich etwas klarstellen: Uns gefällt es trotzdem in »euren« Städten. Wie gesagt: Nahrungsangebot, Auswahl an Unterschlüpfen, Klima – wir werden bleiben. Wer schon mit Dachs, Karnickel und Gans zusammengewohnt hat, arrangiert sich auch mit Menschen.

Einfach mal Loslassen

Ich habe lange genug gewartet, meine Geduld ist am Ende. Seit einer gefühlten Ewigkeit warte ich darauf, dass die laufenden Riesen auch nur einen Krümel auf den Boden fallen lassen. Doch nicht die kleinste Brotkrume findet ihren Weg auf den Boden. Nicht mal auf die kleinen Riesen, die normalerweise eine sichere Bank darstellen, ist heute Verlass. Deshalb nehme ich mein Glück selbst in die Hand, breite meine Flügel aus und fliege los. Das Gefühl der Entspannung welches mich sogleich überkommt ist genauso unbezahlbar wie der entsetzte Blick im Gesicht des Riesen, nachdem es „flatsch“ gemacht hat und der Riese ist im wahrsten Sinne des Wortes angeschissen ist. Vor Schreck lässt er sein Baguette fallen, doch das scheint ihm im Moment total egal zu sein. Schell tastet er nach Tüchern, während er sich offenbar peinlich berührt aus dem Staub macht. „Guten Appetit, Edgar.“

Nacht

Klatsch, Klatsch …! Alter, die Nacht war wieder sehr anstrengend. Eigentlich froh sie überstanden zu haben.
Mein Hunger war groß, die Gerüche sind verlockend und es macht Spaß die großen Monster zu ärgern.
Viel Zeit bleibt mir in meinem kurzen Leben nicht, also muss ich mich beeilen um es zu genießen.
Im grauen Dunkel bewege ich mich kamikazenhaft, ja manchmal sehr eng im jetzt zu sterben, oder weiter zu leben.
Nacht für Nacht bin ich auf der Suche, mich zu stärken, zu Leben. Die Zeit, die für mich verbleibt ist echt kurz, manchmal mehr wie kurz.
Seit ein paar Tagen bin ich Vampirhaft, süchtig nach etwas süßem, leckerhaftem.
Sie liegen ja auch einfach da, die leckeren Mahlzeiten. Sie liegen einfach da rum…lecker!
Klatsch…ich glaub mich hat es erwischt. Vielleicht zu laut gesummt?
Klatsch…schon wieder. Da kommt schon wieder, eine klobige Hand.
Klatsch…!
Mein kurzes Leben …!

Vorsicht. Hier besteht Juckgefahr!

Großstadtrevier

„Autsch.“

Das wäre fast schief gegangen. Mit einem schnellen Sprung konnte ich mich gerade eben noch auf den Gehweg retten und mit einem weiteren Satz beförderte ich mich zurück in mein Homebase.

„Puh, das war knapp.“

Mir schlotterten alle sechs Knie. Dass ein Bus so schnell auf der Haltespur angerast kommt, hatte ich nicht auf dem Schirm. Wahrscheinlich hatte der Fahrer wegen einer fetten Verspätung wieder richtig Druck auf dem Kessel.

Seit ich vor langer Zeit in die Stadt kam, war mir so etwas noch nicht passiert.

Da wo ich herkam, gab es keine Busbahnhöfe wie diesen hier. Nur eine Haltestelle, an der zweimal am Tag ein klappriger Bus hielt, und die lag fast einen Kilometer von dem Hof entfernt, auf dem ich zur Welt kam. Weder für mich noch für meine Geschwister und Verwandten hat es auf dem Land solche Gefahren gegeben, wie sie mir hier in der Stadt jeden Tag begegnen.

Ich war mit dem Knecht meines Bauern hergekommen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass der am nächsten Tag mit dem Bus in die Stadt fahren würde, als ich mich nachts in seinen Bart schlich. Ich war damals hungrig, ja, da übersieht man schon mal was, auf das man besser hätte Acht geben sollen.

Aber das war lange her. Nach menschlicher Zeitrechnung sicher schon länger als einen Monat.

Genau hier, neben meinem Homebase hatte der Bus damals angehalten. Als der Knecht ausstieg, sprang ich mit einem Satz aus seinem Bart auf den Mülleimer, der unter einer Infotafel an einem Mast befestigt war. Wie sich herausstellen sollte, ist es für mich die ideale Unterkunft in einer Stadt, die Tiere wie mich nicht haben wollte.

Jetzt saß ich wieder auf meiner Tonne und blickte mich um. Der Schreck saß mir immer noch in den Gliedern. Wahrscheinlich wäre es den Menschen Recht gewesen, wenn die breiten Reifen des Busses mich plattgewalzt hätten. Ungeziefer schimpfen sie mich und meinesgleichen. Das muss man sich mal vorstellen, Un-ge-zi-fer. Damit meinen sie Tiere, die es nicht wert sind zu leben.

Was maßen die Menschen sich an, so über die Natur zu richten? Können die denn nicht lesen? Überall, wenn mal irgendwo eine Zeitung herumliegt, kann man es doch lesen: Das wahre Ungeziefer auf dieser Welt ist der Mensch selbst. Er versaut alle Grundlagen, die das Leben braucht, um zu existieren. Egal ob Tier, Mensch oder Pflanze, allen geht er an den Kragen.

Wir Flöhe sind dagegen machtlos. Wir könnten zwar versuchen, ihnen ein wenig von ihrem geschädigten Hirn abzusaugen, was nicht einfach würde, weil unser Saugrüssel dafür zu kurz ist, aber am Ende würde es die Sache vielleicht noch verschlimmern. Je größer das Vakuum im Hirn eines Menschen wird, desto weniger rational dürfte er sich verhalten.

Ich für mich habe deshalb beschlossen, es sein zu lassen. Am Ende geht mein Saugrüssel noch dabei drauf und das wäre mein Ende. Da hätte ich mich ja gleich vom Bus überrollen lassen können.

Stattdessen versuche ich in meinem Revier, hier am Busbahnhof, zu überleben. Zu futtern finde ich hier genug. Die Leute präsentieren es mir doch quasi frei Haus. Ich muss nie lange auf meinem Mülleimer sitzen, bis ein Mensch mit seinem Hund kommt und auf den Bus wartet. So schnell wie ich dann zuschlage und in das dichte Fell ihres Lieblings eindringe, kommt kein Bus. Die Dinger haben eh meist Verspätung, was mir sehr in die Karten spielt.

Wenn alles gut geht, kann ich hier, nach menschlicher Zeit, noch ein oder zwei Monate überleben. Länger hätte ich es auf dem Hof am Land auch nicht geschafft. Von meinen Geschwistern ist sicherlich schon der oder die eine unter die Räder eines Treckers gekommen. Nur fuhren die da nicht so häufig, wie hier die Busse.

Egal, sollen die Menschen doch machen, was sie wollen. Wenn mir danach ist, springe ich hin und wieder mal in einen ihrer Bärte. Nur passe ich jetzt besser auf als früher. Bevor die Tür von einem Bus sich hinter mir schließt, bin ich wieder draußen.

Jeder muss halt sehen, wo er bleibt. Ich auch. Vor allen Dingen in so einer Monsterstadt, wie dieser.

Wir sehen uns, euer Flohy Floh.

Aus gutem Hause

Vorbeieilende Passanten werfen mir mitleidige Blicke zu als ich, sichtlich verletzt, in der Morgendämmerung durch die sauberen Straßen im Hafenviertel schleiche. Doch niemand nimmt ernsthaft Notiz an meinem erbärmlichen Zustand.
Mein schwarzes Fell ist stumpf und struppig. Die schmerzende Bisswunde am Hinterbein von Blut verklebt. Ich fühle mich furchtbar und bin auf der Suche nach einem Rückzugsort um meine Blessuren zu lecken und auszuruhen. In diesem schrecklich durchgestylten Viertel hier muss es doch irgendwo ein gottverdammtes Kellerfenster geben in das ich ungesehen rein huschen kann. Ein Schlückchen Wasser wäre auch nicht schlecht. Aber das ist wohl jetzt zu viel verlangt. Meine Nacht, durchzogen von den Strapazen der Futtersuche und den Beißattacken eines Marders, war furchtbar. Ich bin neu hier und dieser Asphaltcowboy meinte tatsächlich, der ganze Straßenzug sei sein Revier und somit auch die Mülleimer vor der neu eröffneten Fischbude am Fähranleger. Zur Zeit bin ich ein bisschen schwach auf den Rippen und musste ganz schön was einstecken. Verletzt und hungrig zog ich ausnahmsweise den Kürzeren. Möglicherweise aber auch weil ich, aus gutem Hause kommend, keine Ahnung habe wie man erfolgreich um Futter kämpft.

Aber nichtsdestotrotz komme ich heute Nacht wieder und versuche mein Glück erneut. Ein paar Fischreste könnte ich wirklich dringend vertragen nach tagelanger Futternot.
So ein Leben als Straßenkater ist ganz schön anstrengend. Hab’s mir nicht ausgesucht aber manchmal ist das Schicksal eben ein mieser Verräter.

Nach und nach erwachen die Straßen zum Leben. Immer mehr Zweibeiner laufen an mir vorbei. Ich hab Schmerzen. Hunger. Durst. Bin schwach und will ein warmes Plätzchen. Ein Bettler sitzt am Straßenrand. Ihm geht’s wohl ähnlich wie mir. Aber immerhin bekommt er hin und wieder Almosen von den Menschen zugesteckt. Vielleicht auch weil er einen Hund dabei hat.
Betteln ist unter meiner Würde, schließlich bin ich kultiviert und hoffentlich nur vorübergehend Straßenkater.

Nanu, eine junge Frau bückt sich zu mir nieder und streichelt mich am Kopf.

Rrrrr, wie gut das tut. Das habe ich ja so vermisst. Rrrrr ich kann nicht anders und bettle um mehr. Sie soll noch bleiben. Ich schmiege mich an ihre Beine, drücke meinen zerzausten Kopf ganz eng in ihre Hand.
Sie will mich hochheben. Krrr, ich fauche. Das tut weh. Pass doch auf! Siehst du denn nicht wie malträtiert ich bin?
Sie spricht mit mir. Ich verstehe kein Wort aber die Tonlage ihrer Stimme gefällt mir.
Ja so ist es gut, kraule meine Ohren. Mach weiter.
Hey, was machst du mit mir? Ui, so weit oben? Muss das sein? Lass mich lieber wieder runter. Hoppla, in eine Tasche? Echt jetzt?
Obwohl….ist recht gemütlich hier drin.
Na gut, hab ja eh grad nix zu tun.
Kurze Frage: Ist das jetzt Kitt-napping?
Wie dem auch sei. Es ist zumindest warm hier drin.
Sie bringt mich in ein Zuhause.
Wärme. Wasser. Futter.
Wo bin ich? Im Paradies?

Umzug ist keine Option

„Wo brüten wir dieses Jahr? Gleich am Kanal?“
„Viel zu gefährlich. Da werden die Kleinen von fetten Karpfen, Ratten und anderem Getier angegriffen. Auf der Insel im Schlossweiher, gleich beim Stadtpark natürlich.“
„Aber die ist immer noch so dreckig! Das sehe ich schon von hier oben. Ich will nicht mehr über leere Plastikflaschen, Glitzerpapier und irgendwelche Stofffetzen steigen müssen, um zu unserem Nest zu kommen. Außerdem habe ich immer Angst, dass die Jungen in ihrer Unerfahrenheit irgendwelche Plastikreste fressen und daran zu Grunde gehen. Oder Menschen beim Spaziergang auf uns losgehen. Ich kann nicht schon wieder eines meiner Kinder verlieren. Der Gedanke ist mir unerträglich, Liebster.“
„Ich kann dich ja verstehen, Liebste, aber der Schlossweiher garantiert trotzdem die größtmögliche Ruhe und Abwechslung an Leckereien im Schnabel, wenn die Kleinen schlüpfen. Und das Nest im Schilf des Uferbereiches zu nutzen, ist nach der Pleite letztes Jahr keine Option.“
„Stimmt, nicht einmal die zusätzlich aufgestellten Trennwände zum Fußweg haben diese halbwüchsigen Wilden letztes Jahr davon abgehalten, unser Gelege mit Müll zu bombardieren. Dabei haben ihre großen Artgenossen sie doch extra zu ihrem und unserem Schutz aufgestellt. Ich verstehe nicht, warum sie weder vor ihren eigenen Ordnungshütern Respekt haben noch vor unseren riesigen Flügeln, die ihnen jeden Knochen im Leib brechen könnten, oder zumindest unseren starken Schnäbeln. Ich sehne mich mittlerweile nach der Zeit zurück, als sie uns allein unserer Größe und Anmut wegen nicht zu nahe gekommen sind. Wir tun ihnen doch nichts. Wir wollen doch nur dieses Fleckchen Erde für ein paar Monate in Ruhe nutzen. Und wir verschwinden doch auch jedes Jahr im Herbst wieder ohne Dreck zu hinterlassen. Was können sie denn dagegen haben? Ich verstehe die Menschen nicht. Wachen wie die Glucken über ihre eigene Brut, aber haben kein Verständnis für andere. Aber wie auch immer, noch einmal überstehe ich solch ein Drama auf gar keinen Fall. Ich bin nur wegen dir nicht an gebrochenem Herzen gestorben. Manchmal ist es überhaupt nicht hilfreich, nicht weinen zu können.“
„Ich weiß, Liebste. Und ich verspreche dir, das passiert uns nicht noch einmal. Das würde auch ich nicht noch einmal überleben.“
„Wie kannst du wissen, dass und das nicht noch einmal passiert? Deinen Vater hat einer von ihnen glatt über den Haufen gefahren, nur weil er versucht hat, die Besitzer der Blechdosen um etwas Rücksichtnahme zu bitten.“
„Ich habe aus den Fehlern meines Vaters, mögen ihn seine Schwingen in eine bessere Welt getragen haben, gelernt und habe einen Plan!“
„Und wie sieht der aus?“
„Hilfe zur Selbsthilfe.“
„Ach!“
„Genau! 1. Noch vor dem Nestbau säubern wir die Insel. Wir werfen ihren Müll einfach zurück auf den Gehweg an der Schule. Vielleicht ist es ihnen eine Lehre, wenn sie selbst über ihren Müll steigen müssen. 2. Dann bauen wir unser Nest auf der Insel, so wie früher. Direkt in den lichten Schatten der Korkenzieherweide. 3. Wenn die Horden von Halbwüchsigen Morgens in die Schule gehen, meiden wir den Weg um den Teich und bleiben mit den Jungen im Wasser. 4. Den Zebrastreifen nutzen wir wie bisher, wenn der größte Verkehr und Mief vorüber ist. So gelangen wir am sichersten vom Teich in den Stadtpark und zum Leitgraben, solange die Kleinen nur watscheln können. Von dort ist es auch ein leichtes ihnen die Innenstadt mit den vielen bunten Läden zu zeigen. Das ist ein Erlebnis, das werden sie nie in ihrem Leben vergessen. Außerdem sind im Park auch immer nette Menschen, am Spielplatz, gleich gegenüber unserer Trauerweide, die uns mit Brot, Möhren oder Äpfeln versorgen.“
„Du hast bei allem Recht, aber für mich klingt das nach dem Erlebten fast zu schön, um wahr zu werden.“
„Komm, gib deinem Herzen einen Stoß! Zwischen den Idioten gibt es die ganz Netten, die auf unserer Seite sind und uns vermissen würden, so wie ich den Park, die altbekannten Büsche und Bäume, die Stromschnelle im Leitgraben, die Butterblumen und Gräser, die…“
" Hör auf! Das ist so unfähr, du weißt genau, dass ich dir keinen Wunsch abschlagen kann, Liebster. Und der Platz unter der alten Weide würde mir wirklich fehlen. Den haben all unsere bisherigen Kinder immer am meisten gemocht. Und ich selbst finde die Abende im Park ja auch immer so romantisch, die Lichter, die sich auf dem Wasser spiegeln, die verliebten Pärchen, die ihre Köpfe zusammenstecken."
„Deswegen ist Umzug auch keine Option.“
„Aber wenn die Kleinen geschlüpft sind, ihren braunen Flaum ablegen, etwas kräftiger sind und ihre Schwingen sie tragen…“
„…dann wird es Zeit für Familienurlaub am ruhigen Teil des Kanals.“
„Versprochen?“
„Ehrenwort!“
„Ich kann es kaum erwarten! Ich freu mich schon auf die ausgedehnten Flüge mit den Kindern über den Wald, die Blütenpracht im Landesgartenschaugelände und die Stadt.“
„Und ich mich über eine glückliche Frau und abenteuerlustige, starke Kinder. Aber jetzt lass uns landen und loslegen! Rundflüge sind zwar schön, aber ich will das Nest nicht um dich herum bauen müssen, auch wenn ich dabei viel Gelegenheit hätte, den schönsten aller Schwanenhälse bis ins kleinste Detail zu studieren.“
„Ach Liebster, du bist und bleibst ein Charmeur.“
„Und du die Liebe meines Lebens.“

Berti im Bart
«Sag Mal, tickt der noch sauber?»
«Wer?», fragt Berti.
«Na, der moosbärtige da, mit seinem halben Frühstück im Gesicht!»
«Lass gut sein, Funny! Wir sind wie die, nur besser, sagt Queen Rosie immer.»
Ja ich erinnere mich. Queen Rosie schultert ihr Vintagewissen, damit es unserem Volk gut geht. Sie ist eine lebende Antiquität am Hebel der Macht. Weisheiten aus Eiszeiten und Versprechen, die nicht brechen. So ist sie, unsere Queen! Keiner kommt zu kurz, egal wie lang es dauert.
Mein Blick fällt schräg hoch zu diesem lumpigen Gesichtsfell. Wankend lallt er auf mich zu. Fast akrobatisch und mit flinkem Pirouettentanz weiche ich seinem trunkenen Gestampfe aus.
«Sie sind nicht intelligenter als sprechende Pandas, meinen aber, sie könnten den Mars besiedeln», sagt Berti breit grinsend.
«Wohl eher besudeln!»
Wir lachen gemeinsam. Gemeinsamkeit ist alles, in unserem Volk.
Das hüftsteife Zweibein torkelt jetzt gefährlich in unsere Richtung. Beim heiligen Fichtennadelfilz meiner Großmutter, ist das schwafelnde Stinkeding etwa so besoffen? Die Hände öffnen sich, die Augen doppelt so groß. Der Döner fällt, halber Liter Bier folgt nach. Ein nasses Patschen auf Asphalt. Bersten von Glas, alles sprengt auseinander, Scherben in alle Himmelsrichtungen.
«Sprengung!», ruft Berti, «Haha, nur Spaß Funny!»
Nein, kein Sprengsatz! Berti hört zu oft Menschen reden! Vielleicht auch weil er immer über den Rand dieser Flimmerkisten schaut. Sowas wie Boshaftigkeit ist in unserem Denken gar nicht hinterlegt.
Jetzt klatscht die Schwerkraft in die Hände. Lass Kalbfleisch und Gemüsematsch regnen und jede Menge Glas! Queen Rosie sagt da immer, zum Glück es ist die Schwerkraft, die der Mensch so schwer schafft!
Bei allen wildwachsenden Wacholderwurzeln, ja zum Glück! Denn sonst, wäre es längst aus und vorbei mit dem schönen All! Knall auf Fall würde es vergehen, kein Sternenfunkeln mehr, nur wilde bunte Flaggen würden wehen. Planetenausverkauf. Statt Meteoriten Stacheldrahtgürtel hinterm Mars. Wir kennen euch genau!
Wir folgen euren Spuren seit Anbeginn eurer Zeit, die nicht unsere ist, denn wir sind anders, wir sind älter, besser und na ja logisch, auch klüger.

Nur zu dir du wandelnder zugedröhnter Zellhaufen. Ich lese deine Spuren auf unseren Straßen. Fette Spuren. Sie führen in dein Gesicht. Lecker und fett, das will ich dir sagen! Sicher, ich könnte es auch direkt in dein Ohr schreien, aber auch das kümmerte dich nicht. Du scheinst mit offenen Pupillen zu schlafen. Das ist gut so! Denn manchmal, ja manchmal, so wie jetzt, da schlage ich Purzelbäume, rufe die Freunde zusammen und wir feiern! Wir rufen:«Danke Mensch!», alle im Chor.
Homosapische Geschenke spuckst du uns vor die Füße. Weil dein plappernder Klappkiefer entweder kaut, sabbert oder faselt, meist alles zusammen. So beschenkst du uns tagtäglich. Und wenn du nicht selbst faselt, schaust du wie betäubt in deine bunte Kiste, die für dich palavert. Weiß die Evolution allein, wie so was wie du überhaupt entstehen konnte. Dein Gleichgewicht, pah, nicht gerade lobenswert, haariger Pendejo, eher wankelmütig wie dein verspakter Charakter. Man kann dir nicht bis zum nächsten Schritt trauen. Haben deine Freunde übrigens auch schon gesagt, okay, wollt jetzt nicht petzen, aber wir sind zur Lüge nicht imstande. Heute fütterst du uns, morgen gibt es ’ne Ladung Gift auf die Mütze.
Unser aller Augen sind auf dich gerichtet, mein Lieber, waren sie immer. Und die sehen alles, Pendejo. Wir haben mehr Facetten, du verstehst?
Wir bewohnen dein Haus, deinen Kühlschrank, deine Kammer und oft genug dein ungepflegtes Gestrüpp von einem Bart. Walt Disney hat uns verfilmt. Mein Volk steht an deiner Seite, immer schon. Schon die ersten Schlingerschritte auf Erden. Konnte ja keiner wissen, dass du so abgehst!
«Guck mal wie der guckt, Funny. Ich sag nur Augenrolle rückwärts.»
«Er speit! Pass auf!»
«Selbst Bewusstlos sind sie noch gefährlich!», mahnt Berti.
«Da hinten kommen schon seine johlenden Gefährten.»
Sie schwingen bunte Fahnen und brüllen gut bezahlte Namen und Vereine. Wir verziehen uns lieber. Wird höchste Zeit. Schnell noch die Duftspur legen, man weiß ja nie. Wir sind ja nicht zum Spaß hier.
«Lass noch schnell den Fleischsalat aus dem Bart pflücken», sagt Berti und kraxelt im Turbotempo den nikotinierten Wildwuchs entlang.
«Berti! Sie kommen!», schrei ich.
Doch Berti hängt im Bart.
«Öhhhh! Ronnie, bisse besoffen? Der FC hat gewonnen! Öhhhhöhh!»
Der Riese schlägt Ronnies Gesicht, Hektomilliliter Bier ergießen sich auf Berti und er fliegt aus dem Gesicht.
Es spült ihn in den Rinnstein. Der Stollenschuh des Brüllosapiens tritt nach ihm. Er fällt, stolpert durch die Gullistreben.
Nein nicht Berti!
Gullis sind Todeszonen, das weiß jeder. Unten lauert die Oberflächenspannung und oben, schon acht gierige Augen, die auf frisch gestrickter Seide staksen.
«Komm auf meinen zarten Teppich, Süßer», säuselt Linda Lu, die stadtbekannte Gullispinne, bekannt für tödliche Verstrickungen aller Art.
«Hier», rufe ich ihm zu, «Nimm meinen Fühler.»
Doch Berti will ihn nicht packen! Fühler sind sehr intim. Er baumelt mit einem seiner sechs Beine wie ein Kunstturner einhändig am Reck. Die anderen fünf umklammern den Fleischwurstbrocken, als hinge unser Leben davon ab. Ich glaube fast, er hat zu viel Bier abbekommen!
«Sei kein Mensch, verdammt! Denk wie eine Ameise!»
Berti erwischt mein Bein. Seine Greifzangen packen die Wurst im Flug.
Alles ist gut.
Wir fliehen im leichten Zickzacklauf mit satten drei Kilometern pro Stunde, folgen den alten immer noch duftenden Pfaden. Es ist unserer Viertel.
Unsere Arbeit ist nie gefahrlos, aber wir bereiten die Wege für die andere.
Wir sind Späher.

Ein Rattenplan

Vorsicht. Aufpassen. Es nähert sich dem Futterplatz. Es wirft etwas hinein. Schnell!
Ich huschte aus meinem Versteck unter einer Treppe hervor und rannte mit meinen kurzen Beinchen auf den Container zu. Flink kletterte ich hinauf und stürzte mich in das stinkende Meer vom Abfall. Systematisch wühlte ich nach dem duftenden Futter. Ich liebte diese Zweibeiner. Sie warfen alles weg, was sie nicht mehr fressen wollten und sicherten so mein Überleben. Meine scharfe Rattennase bohrte sich durch den Müll, immer tiefer, bis sie auf etwas lauwarmes stieß. Etwas Pelziges. Grau. Gestreift.
Fauchend wirbelte der Waschbär herum. Er packte mich am Genick und schleuderte mich aus dem Container. Quiekend landete ich auf dem harten Stein und huschte in die Schatten. Dieser blöde Waschbär!
Ich beobachtete ihn lang. Er saß den ganzen Tag in meinem Container und schlug sich die Wampe voll! So ein Egoist! Es dämmerte und ich war mir sicher, dass er weg sein musste. Schnell kletterte ich den Container hinauf und sprang in die stinkende Masse. So schnell ich konnte wühlte ich nach etwas Essbaren. Und ich fand etwas. Doch bevor ich es mir in den Mund stopfen konnte, knurrte es hinter mir. Der Waschbär packte mich und schleuderte mich aus dem Container. Ein zweites Mal. Frustriert verschwand ich im Schatten einer Mauer.
Ganz leicht konnte ich den Mond erahnen. In meinem Territorium war es viel zu hell, als dass ich die Sterne hätte sehen können. Und der Waschbär war immer noch nicht rausgekommen. Und teilen wollte dieses Krankheitsübertragendes-Fellknäul auch nicht! Soll ihm doch der Fraß im Hals stecken bleiben, bis er erstickte! Moment! Das war die Idee! Ich sah mich um. Dann weckte ich meine Nase auf und machte mich auf die Suche. Es dauerte etwas, bis ich was Geeignetes gefunden hatte. Es war größer, als alles im Container und als die Zweibeiner mich sahen hatten sie es vor Schreck einfach fallengelassen und sind abgehauen. Es war rund und duftete köstlich. Ich schleppte es zu dem Container, nagte kleine Stückchen heraus und legte eine Spur bis zu einem Versteck. Dann legte ich mich auf die Lauer. Neugierig zuckte die Nase des Waschbären, als er aus dem Container kletterte. Er fraß die Häppchen und verschwand, während er der Spur folgte. Mit genügend Abstand schlich ich hinter ihm her. Er erreichte das Versteck, eine Sackgasse unter einer Mauer. Sie war gerade so groß, dass der Waschbär hinein passte. Schnell schob ich einen Stein davor. Stolz betrachtete ich meinen Gefangenen, der nun wütend fauchte und seine Hand durch den Schlitz sausen ließ, um mich zu kratzen. Doch ich drehte mich einfach um und genehmigte mir ein Mahl in meinem Container.

Kanaligator

Das Leben der Stadt hat in diesen Tunneln einen Teppich aus verflochtenen Gerüchen gewoben, so dicht, dass ich in ihm versinke bis zur völligen Unsichtbarkeit. Nur selten verlasse ich meine Dunkelheit. Dann harre ich still am Schlammufer des Sees, bis ich mir sicher bin, dass ich allein bin. Von Zeit zu Zeit wage ich mich in den Stadtpark vor, husche vom Schatten eines Baumes in das knisternde Blätterwerk eines Busches. Doch ich bleibe immer in der Nähe des Sees, immer in der Nähe des Abwasserrohrs, das die eine Dunkelheit von der anderen trennt. Aber nicht heute.
Schritte vibrieren leise trommelnd seit Stunden in meinem Körper. Sie sind wieder gekommen. Die Menschen der Stadt. Bald werden sie mit ihren grellen Lichtern und lauten Geräten in meinen Tunneln stundenlang rattern und rumpeln. Die Ratten sind schon ganz unruhig. Einige sind zu nah an den Rand des Betonstegs gekommen. Ich bin schnell. Kein Quieken. Kein Schmerz.
Jetzt haben sie die Maschinen gestartet. Der Lärm aus Rattern, Pumpen und Klopfen ist schrecklich. Ganz schwach kann ich das Lachen und Schnattern hören. Normaler Weise sinke ich in den Schlick hinab und warte bis es vorbei ist. Oder ich krieche weg von dem Lärm, dorthin, wo sie nicht hinkommen. Aber nicht heute. Das Lachen wird lauter, das Poltern, das Reden.
Bald werden sie schreien.

Die Strafe der Neugierde

Schmerzend leckte ich mir die Pfote und wünschte ich wäre nie weggegangen aus meiner vertrauten Umgebung, den Menschen die mich liebten und das Zuhause in dem ich in Sicherheit war.
Doch der Drang etwas Neues zu entdecken und diesem verdammten Kater zu folgen, brachte mir nur Ärger ein. Auf meinem täglichen Spaziergang in der Siedlung in der ich lebte, stöberte ich zwischen Büschen und Sträucher. Am liebsten rannte ich den Eichhörnchen hinterher und freute mich, wenn sie sich auf die Eichen und Birken retteten.
Jetzt würde ich nie wieder Spielgefährten jagen oder das liebliche Kinderlachen, der Familie bei der ich lebte, hören. Es war zu spät für mich. Wieder leckte ich an meiner Wunde und das vermischte Blut mit dem Benzingestank schmeckte ekelhaft.
Ich war fast zu Hause angekommen, als er plötzlich vor mir stand. Schnurrend streichelte er seine Seite an meiner und es fühlte sich so gut an. Er wusste wie attraktiv er mit seinem braun getigertem Fell aussah. Sofort drehte ich mich um und folgte ihm ohne darüber nachzudenken wohin es gehen würde. Als wir am Rande der angrenzenden Hauptstraße standen wich ich einen Moment zurück. Noch nie hatte ich sie überquert und spürte mein kleines Herz noch stärker pochen. Hätte er in diesem Moment nicht gemaunzt wäre ich wahrscheinlich umgedreht, doch meine Neugierde was er mir zeigen würde war einfach zu groß.
Also folgte ich ihm und hörte nur noch das quietschende Geräusch eines Autos, das wohl auch das Letzte in meinem Leben sein sollte.
Durch meine leicht geöffneten Augenlider konnte ich in die Vielzahl sorgenvoller Gesichter blicken, die hektisch auf mich einredeten und mein Fell streichelten. Wenigstens war ich am Ende meines Weges nicht alleine. Ich kannte die Leute nicht und war trotzdem froh sie bei mir zu haben.
Friedlich schloss ich die Augen und gab mich meinem Schicksal hin.
Im nächsten Moment spürte ich einen stechenden Schmerz an meiner Pfote, doch ich atmete, fühlte mein schlagendes Herz. Erneut öffnete ich meine Lider und sah in die Augen meiner Familie.
Die Menschen auf der Straße retteten mir das Leben und gaben mir eine Chance mich in Zukunft richtig zu entscheiden.

Zugereist

So eine Scheiße!
Habt ihr doch tatsächlich auch noch die Katzenklappe verriegelt. Mein letzter Zugang zu den Resten im Abfalleimer und Biomüll. Die Mülltonnen wurden letzte Woche mit dicken Steinen beschwert und die Äste zum Dach hin abgesägt.
Was soll das bitte?
Erst holt ihr meine Verwandten aus Mexiko und Kanada hier her, nur um ihnen das Fell über die Ohren zu ziehen und richtig Geld damit zu verdienen. Zum Glück gelang es einigen aus diesen sogenannten Farmen auszubrechen und in den Wäldern unterzutauchen. Der Überlieferung nach lebte es sich dort wie im Schlaraffenland. Große Wälder mit üppigem Dickicht und ein prall gedeckter Tisch. Die guten alten Zeiten.
Inzwischen wird Wohnraum knapp.
Ich musste mit meiner Familie in den letzten Jahren dreimal umziehen. Aus dem mickrigen Restwald in den Stadtpark, von dort in diese zugerümpelte Garagenecke hier.
Ihr wundert euch, dass wir immer näherkommen?
Ihr stellt doch jeden Abend, das Katzenfutter raus. Entschuldigung – es stand kein Schild dran: only for Kitty. Die brauche ich nur, mit scharf gestellten Pupillen durch meine Maske fixieren und sie haut ab.
Unsere Gemeinde ist zwar ein wenig dezimiert, den Ältesten, seinen Vetter 2. Grades und dessen Freund hat es letzten Monat an der Landstraße erwischt. Aber viele sind schon wieder guter Hoffnung und unterm Strich - werden wir jedes Jahr mehr.
Ich bin anpassungsfähig, fühle mich an Häuserwänden genauso wohl wie im Wasser. Mit meinem Gedächtnis könnte ich bei diesem Jauch Millionär werden.
Bin ich aktiv, liegt ihr in euren Träumen.
Ich finde schon noch einen Weg ins Haus.

Ihr werdet mich nicht mehr los.

Abenteuerlich.

Abenteuerlich - kein anderes Wort beschreibt mein Leben in der großen Stadt der Menschen besser als dieses. Normalerweise lebt unser einer auf dem Land. Dort, wo die weiten Wiesen sind, die grünen Auen und Wälder. Doch in letzter Zeit wohnen immer mehr von uns in der Stadt. Der Mensch bringt uns dazu. Er schafft uns ein Heim auf den Dächern und Balkonen seiner Häuser.

Hier geht es uns nicht schlechter als den Vettern auf dem Land. Hier wie dort liegt unser Schicksal und Glück in der Menschen Hände. Einige sind uns gute Hirten, andere nicht.

Doch das Leben in der Stadt, zwischen den Straßen und Häuserschluchten, dem tosenden Verkehr und dahin eilenden Menschenmassen, bringt Herausforderungen mit sich, die unsere Geschwister auf dem Land nicht kennen.

Lass mich dich mitnehmen auf meine tägliche Reise durch die große Stadt der Menschen. Dann siehst Du, wovon ich spreche.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen ihre Wärme spenden, beginnt mein Tag. Dann durchdringt eine Unruhe das Heim. Es drängt uns nach draußen, dem Licht entgegen. Es kribbelt in den Flügeln, nichts kann uns mehr halten. Es verlangt alle danach, hinaus zu streben, hinauf in die Luft, zu den Weiten des Himmels.
Und so schlage ich mit meinen Flügeln, so schnell und kräftig, wie ich nur kann. Bis sie mich empor tragen und mir das Gefühl von Freiheit geben. Freiheit, wie sie nur jene kennen, deren Lebensraum der Himmel ist.

Losgelöst von der Schwere des Bodens geht es zuerst hinauf, der Sonne entgegen. Beglückt vom neuen Tag tanzen wir mit dem Sonnenlicht und erfreuen uns des Lebens. Doch dann beginnt jede von uns nach dem Duft zu suchen, der uns leiten wird, der zieht und lockt. Der Geruch, der voller Freude das Leben verheißt.

Aber die Atmosphäre ist erfüllt mit dem Gestank der Menschen. Mit ihren Maschinen verpesten sie die Luft mit Düften, die mich verwirren. Ich finde den Weg nicht. Wohin soll ich meine Flügel lenken? Wie soll ich nur den Lebensduft entdecken?

Da! Die Fühler vibrieren und betasten die Luft. Hier ist etwas, zwischen dem Gestank der Abgase und dem Mief ihrer Fabriken und Schornsteine! Ein schwacher Hauch eines lieblichen Duftes! Ich folge ihm in rasantem Flug. Stürze nach unten, fliege Kurven und schlage Haken, immer dem besonderen Geruch hinterher.

Voller Risiko ist mein Flug und höchst gewagt. Nicht jedes der Geschwister wird den Tag überleben – werde ich es heute wieder schaffen? Doch keine Gefahr kann mich aufhalten, kein Wagnis ist mir zu hoch. Es gilt, dem Aroma zu folgen, denn es verspricht Nahrung und Leben.

Je tiefer ich fliege, desto mehr Verderben lauert auf mich. Die vielen Fenster spiegeln das Licht der Sonne und locken, damit ich vom Weg abkomme. Viele von uns stürzen dort in ihr Unglück. Das Glas ist hinterhältig und feig, es täuscht vor der Himmel zu sein und ist doch der Tod. Wenn du nicht acht gibst, hält es dich fest und lässt dich nicht mehr ans Licht. Wie vielen von uns hat es schon das Leben gekostet. Also schnell vorbei an den Spiegelfallen und weiter hinab, dem Geruch entgegen!

Doch schon lauert die nächste Gefahr. In ihren Autos sitzen die Menschen und reisen mit großem Tempo dahin. Wehe, wer nicht acht gibt! Schnell ist es um die geschehen, die dagegen fliegen. Also halte stets Abstand zur Straße, dort lauert nur das Verderben!

Weiter geht es, bis meine vielen Augen zwischen den Häuserzeilen endlich etwas sehen, das in der Stadt hervorsticht wie ein Signalfeuer. Grün! Dazwischen bunt und vielfältig Blüten in schönster Pracht. Der Duft wird stärker, zieht an mir wie ein Magnet. Ich eile, ich fliege und endlich bin ich an seiner Quelle, umschwirre sie und halte Ausschau nach einer sicheren Landung.

Die Blüte trägt mein Gewicht und dann tauche ich den Rüssel tief ein. Frischer Nektar erfrischt und belebt mich, weckt die Lebensgeister und gibt mir neuen Schwung. Nektar ist der Sinn meines Lebens. Ich trinke ihn begierig und mit Freude.

Wenig ist es, was eine einzelne Blüte bietet. Doch genug, um Kraft zu schöpfen. Energie, mit der ich zur nächsten Blüte fliege. So geht es dahin, von Blüte zu Blüte.
Doch selbst hier lauern Gefahren auf mich. Neben all den Tieren, für die ich ein willkommener Happen wäre, ist es wieder der Mensch, der meinesgleichen am stärksten bedroht.

Nicht nur, dass sich all sein Gestank, Dreck und Staub, mit dem er die Luft verpestet, in den Blüten und dem Nektar wieder findet. Der Mensch sprüht auch Gift auf die Blumen, die unsere Nahrung sind! So viele starben schon am Menschengift. Keiner von uns versteht, warum sie das tun.

Selbst wenn man mit Glück dem Gift und Dreck entkommt, bedroht uns der Mensch. Denn ohne Achtsamkeit hasten sie dahin, eilig und ungestüm. So manch einer nimmt den Weg durch die Blumen und zertrampelt nicht nur Pflanzen und Blüten, sondern auch jene von uns, die sich darin laben.

Sind alle Gefahren überstanden und der Magen voller Lebenselixier, die Beinchen dick mit Pollen bepackt, dann geht die gefährliche Reise wieder zurück zum Heim. Erneut vorbei an allerlei Bedrohungen, Gestank, Lärm und spiegelnden Täuschungen nähere ich mich der Sicherheit des Bienenstocks. Geschwind husche ich hinein und bin erleichtert. Umgeben von meinen Schwestern spüre ich ihren Schutz und Beistand. Voller Dankbarkeit füttere ich sie mit der frischen Blütenessenz, bevor ich den Rest davon in die Waben gebe, die sie erbaut haben. Dort wird er zu Honig reifen und mein Volk im Winter nähren.

Doch weit entfernt ist jene stille Zeit und ich werde sie nicht erleben. Darum geht es wieder hinaus zu einer neuen Reise - raus in die große Stadt der Menschen…

Gefangen im Kühlschrank
Hallo Zusammen,
mein Name ist Finchen und ich muss euch mal meine unglaubliche Geschichte erzählen, was mir jeden Winter passiert. Und das schon seit mehr als 60 Jahre. Wie ihr seht, gehöre ich schon zu den Omis´s. Und das man mich so schlecht behandelt ist echt ein Unding. Ich schweife schon wieder zu sehr ab… So ist das mit alten Mädels eben.

Jedes Jahr aufs Neue versucht mich Pauline, mein Frauchen, in ihre Hände zu bekommen und mich in den Kühlschrank zu sperren.
„Hallo?! Geht es noch?!“, denke ich mir jedes Mal aufs Neue. „Der Winter ist eh schon so frostig und dann will Pauline mich auch noch in einen großen, dunklen Kasten sperren, in dem es kalt und einsam ist. Meine Artgenossen in ihren großen gemütlichen Aquarien haben es sooo schön warm im Winter. Sie dürfen die ganze Zeit unter der Wärmelampe liegen, während ich mir meinen Hintern abfriere. Aber zum Glück habe ich mein eigenes Haus immer dabei. Da ist es nämlich auch sehr kuschelig. Wir haben zwar erst Herbst, aber ich bin nicht, das schnellte Tier auf dem Planeten. Mein Panzer und mein Gewicht halten mich ganz schön auf. Aber dafür habe ich die Ruhe weg und werte weit über 80 Jahre alt.
„Finchen! Wo steckst du denn schon wieder?“, brüllte Pauline mir vom Weiten zu. Und eins kann ich euch sagen, ich hasse es so sehr, dass Pauline mich immer Finchen nennt. Der Name passt überhaupt nicht zu mir. Bin ja schließlich kein Delfin.
Schleunigst will ich mich in meinem Haus verkriechen, als mich Pauline schon erreicht hat.
„Wo willst du denn so eilig hin?“, fragte sie mich. „Versuchst du wieder wegzulaufen? So wie du es jedes Jahr immer wieder probierst. Dabei müsstest du doch eigentlich schon längst wissen, dass ich schneller bin als du. Schließlich habe ich dich schon seit über 30 Jahre.“
„Mhm ja eigentlich schon“, dachte ich mir.
So ein Leben als Landschildkröte kann ziemlich ätzend werden.
Wer will denn schon gerne im Winter in einen Kühlschrank gesteckt werden??

Mahlzeit

Ich bin der König der Stadt. Wie ein Schatten husche ich durch die Gassen, erklettere die höchsten Häuser und streife des Nachts auf den Dächern herum.
Schon seit Jahren habe ich keine Revierkämpfe mehr verloren. Ein zerfetztes Ohr und mein Schwanz, von dem ein grosses Stück fehlt, zeugen von den erbitterten Schlachten, die ich in meiner Jugend geschlagen habe, aber seit ich den roten Carlos vom Nachbarrevier geschlagen habe und er mit eingezogenem Schwanz abgezogen war, werde ich nicht mehr so oft herausgefordert, obwohl ich das grösste und beste Revier der Stadt besitze. Mir kann das nur recht sein, denn so habe ich mehr Zeit für meine liebste Tätigkeit: die Jagd.
Auch jetzt gerade schleiche ich vorsichtig über die vom nächtlichen Regen benetzten Ziegel eines Giebeldachs und spähe vorsichtig über den Dachfirst.
Ich erspähe eine Schar von Tauben, die sich bei der Dachrinne drängeln. Eine der Tauben ist grösser als die anderen und sie hinkt. Offensichtlich ist sie verletzt, umso besser für mich, so kann ich mir mehr Zeit beim Spielen lassen.
Ich warte noch einen Moment sehe mir das Dach und dann mach ich einen Satz aus meinem Versteck und renne auf die Tauben zu. Alle geraten in Panik, gurren wie verrückt, schlagen mit den Flügeln und versuchen gleichzeitig von mir davon zu rennen und abzuheben.
Die Luft ist erfüllt von trudelnden Federn, dem Klang von verzweifelt flatternden Flügeln und dem erschreckten Gurren der Tauben.
Ich blende die Geräusche aus und stosse wie ein kräftiger Windstoss durch die trudelnden Federn hindurch. Meine Krallen fahren aus den Pfoten heraus, während ich die grosse Taube fixiere. Sie hinkt langsam Richtung Dachkante und schlägt schwach mit den Flügeln. Offenbar gelingt es ihr nicht richtig abzuheben.
Ich mache einen gewaltigen Satz um sie noch vor der Kante zu fassen. Ich strecke meine Tatzen aus um meine Krallen in die Taube zu jagen, aber die bewegt sich plötzlich mit unglaublicher Schnelligkeit zur Seite. Während ich auf die Ziegel knalle und von meinem Tempo getragen weiter Richtung Dachkante schlittre, fällt mir mit plötzlichem Schrecken auf, dass die Taube gar nicht mehr hinkt.
Sie hat mich getäuscht, aber weshalb. Ich habe nicht lange Zeit um darüber nachzugrübeln, denn die Taube, die weder hinkt, noch verletzt oder schwach oder langsam ist, kommt auf mich zugerannt, wie einer dieser Rugbyspieler, die ich manchmal durch Fensterscheiben der Menschen in ihren magischen Zauberkästen beobachten kann.
Ich versuche auszuweichen, aber die Taube folgt meiner Bewegung und trifft mich mit unglaublicher Wucht in der Seite, so dass wir beide das Gleichgewicht verlieren und über die Kante fallen.
Die Taube ist eine Taube, breitet ihre Flügel aus und gleitet langsam zu Boden.
Ich bin eine Katze, falle schnell wie ein Stein und schlage wie ein nasser Sack auf dem Kopfsteinpflaster der kleinen Seitenstrasse auf, wo ich mit zerschlagenen Knochen liegen bleibe.
Während sich mein Sichtfeld schnell verkleinert, sehe ich wie um mich herum dutzende Tauben in der Gasse landen. Die grosse Taube, die mich gerammt hat, landet vor meinem Kopf.
Das letzte was ich in diesem Leben höre ist, die Stimme der grossen Taube, die gurrt: «Mahlzeit, Freunde.»

Privatdetektiv Nevilles dreizehnter Fall

Der Auftrag
Entspannt lehnte ich mich im Sessel zurück und zog genüsslich an meiner Zigarre, malte dabei runde weiße Rauchzeichen in die Luft. Das Fenster war weit geöffnet. Ein warmer Wind wehte die vielfältigen Gerüche der Großstadt zu mir herüber. Allmählich zog die Dämmerung auf, legte sich wie ein grauer Schatten über die Gassen Wiens. Die ersten Lichter in den Häusern wurden entfacht. Das lebendige Treiben der Menschen verebbte. Das ratternde Geräusch von Kutschrädern auf Steinpflastern, das Getrappel und Wiehern der Pferde verstummte allmählich. Die Stadt kam zur Ruhe.
Vorsichtiges Klopfen weckte mich aus meiner Versunkenheit. Ich knipste die Lampe auf dem Schreibtisch an.
»Herein!«, rief ich und blickte erwartungsvoll auf.
Ein junges Mädchen, ich schätzte sie auf elf Jahre, in einem sommerlich geblümten Kleid betrat mein Büro. Verschüchtert blieb sie im Türrahmen stehen.
»Ich suche Privatdetektiv Neville. Wissen Sie, wo ich ihn finden kann?«
Ich strich mit der Pfote über meine Schnurrhaare. »Ich bin Neville. Komm ruhig näher. Was führt dich zu mir?«
»Ich vermisse meine Lucy. Sie ist einfach verschwunden.« Eine Träne kullerte über ihre linke Wange. Ich bot ihr einen Stuhl an, und sie setzte sich.
»Wie heißt du denn?«
»Ich bin Emma. Irgendjemand hat meine Lucy entführt.«
»Und wer ist Lucy? Ein Papagei, ein Hamster, ein Hund?«
»Ein Hund. Ein Jack Russel.«
»So, so! Und was genau ist passiert?«, wollte ich wissen und zückte meinen Notizblock.

Abwärts
»Und da willst du runter?« Mia schaute mich entgeistert an. »Das glaub´ ich nicht.«
Wir standen in einem Keller eines verwitterten Hauses in einer Seitengasse vom Naschmarkt. Fahles Mondlicht fiel durch die Fenster und gab den Blick auf eine rechteckige Öffnung im Kellerboden frei. Eine enge Treppe führte wendelförmig nach unten. In der Ferne war das leise Rauschen eines unterirdischen Flusses zu vernehmen.
Ich schaute Mia an. Ihre gelben Augen funkelten in der Dunkelheit. Ihr drahtiger, kraftvoller Körper war zum Zerreißen gespannt. Ihre Fellhaare leicht aufgestellt. Mia war eine Javanese. Meine Assistentin. Meine engste Vertraute. Meine beste Freundin. Kurz um, ich war verliebt. Aber das ist ein anderes Kapitel.
»Das Mädchen berichtete mir, dass Lucy am Naschmarkt verloren ging. Jemand hat ihr den Hund entrissen und ist in der Menge untergetaucht.«
»Und wie kommst du gerade darauf, dass Lucy hier unten sein könnte?«
»Sie trug ein hochwertiges Halsband. Emma beobachtete, wie der Dieb einen Kanaldeckel verschob und darin zusammen mit Lucy verschwand. Es könnte ein Metallstrotter gewesen sein, der sie entführt hat.«
»Ein was bitte?«
»Das ist jemand, der nach Metallstücken in der Kanalisation sucht und verkauft.«
»Verstehe. Ist ja ekelhaft! Brr!«
»Es kommt noch schlimmer. Es gibt auch solche, die Fett, Fleischreste und Knochen aus der Kanalisation fischen, diese trocknen, um sie dann Seifenproduzenten anzubieten.«
Angeekelt schüttelte sich Mia. »Bist du jetzt mit deinem Vortrag fertig?«
»Ja!«
»Dann lass uns loslegen. Sonst kommt mir mein köstliches Hühnchen in Soße gleich wieder hoch.«
Lautlos sprangen wir auf die erste Stufe der Treppe und lauschten. Außer dem entfernten Rauschen des Wienflusses, der sich durch die unterirdische Kanalisation schlängelte, hörten wir nichts.
Dann liefen wir los. Endlos ging es hinab.
Wir näherten uns dem Ende der Treppe. Mia hielt inne. Ich hatte ihn ebenfalls bemerkt. Ein Mann kauerte auf dem Fußboden und schlief. Seine Kleider waren dreckig, sein Haar fettig zerzaust und er stank nach Abwasser.
»Ein Strotter«, flüsterte ich und näherte mich ihm vorsichtig. Ich hob meinen Kopf, rümpfte die Nase und presste mit der Zunge die eingesaugte Luft gegen den Gaumen. Außer einer Alkoholfahne war nichts an seinen Ausdünstungen zu erkennen, das in irgendeiner Art auf Lucy hindeuten könnte.
»Fehlanzeige! Der hatte keinen Kontakt mit ihr. Komm weiter.«
»Woher willst du das wissen?
»Das Mädchen hatte das Schmusetuch von Lucy dabei. Der unverwechselbare Duft einer Hündin. Und ein wenig Veilchenaroma.«
»Verstehe.«
»Wir müssen zu den »Fliegenden Brücken«, Mia! Womöglich kommen wir da weiter.«
»Jetzt machst du mich aber neugierig.«

Wir liefen durch einen schmalen Gang. Das Geräusch des Flusses wurde lauter. Dann standen wir vor ihm. Kraftvoll rauschte die Wien dahin. Wir sahen uns um und erstarrten. Auf den feuchten, steinigen Böden lagerten etwa ein Dutzend Griasler.
»Was ist das hier?«, wollte Mia wissen.
»Das sind Obdachlose, die hier unten leben und vor dem Wetter Schutz suchen. Wir müssen an ihnen vorbei. Dort hinten geht es zu den »Fliegenden Brücken««. In einiger Entfernung zeichnete sich eine ovale Öffnung in der Mauerwand ab.
In diesem Augenblick wurden wir entdeckt.
»He, seht mal, zwei Katzen!«, rief einer der Griasler. »Was wollen die denn hier? Kommt her! Miez, miez, miez! Lecker Abendessen.«
Langsam kamen sie mit weit ausgebreiteten Armen auf uns zu. Dabei gaben sie komische Lockrufe von sich, die sich in unseren Ohren, wie das Krächzen von Krähen anhörten.
»Los! Weg hier! Sonst werden wir gegrillt!«
»Zurück durch den Gang?«, fragte Mia.
»Nein, wir müssen zu den Brücken!«
»Dann los!« Fauchend gingen wir zum Angriff über. Ihre Schmerzensschreie hallten durch den Kanal. Blutige Rinnsale strömten dem Fluss entgegen.
Von Weitem sahen wir uns noch einmal um. Das leckere Abendessen, das sie sich erhofft hatten, fiel aus!
Dann sprangen wir durch die ovale Öffnung und rutschen in die Tiefe hinab.

Lucy
Wir standen in einer riesigen Halle. Unter und über uns flossen eine Reihe von Kanälen auf verschiedenen Ebenen dahin. Brücken und Treppen aus Metall zogen sich an den Wänden entlang.
Wir erblickten einen Mann, der auf einer der Brücken kniete. Ein gefährliches Knurren hallte von den Wänden wider, gefolgt von aufgeregtem Bellen. Der Mann fluchte laut. Sprang auf, hielt sich die Hand und tanzte wie ein Stepptänzer hin und her.
»Lucy!«, entfuhr es mir. Wir hatten sie gefunden.
»Komm schon, her mit dem Halsband!«, schrie der Fremde.
Der Hund wich knurrend zurück, kam dabei dem Abgrund gefährlich nahe. Der Brücke fehlte das Geländer. In der Tiefe floss die stinkende Brühe.
Wie ein Raubtier sprang der Mann plötzlich auf Lucy zu. Geschickt wich sie ihm aus. Der Dieb kam ins Rutschen und glitt über den Rand der Brücke. Strampelnd versuchte er an irgendeiner Stelle Halt zu finden. Vergeblich! Mit einem lauten Schrei tauchte er in das braune Wasser ein und verschwand.

Erschrocken schlug ich die Augen auf. Mein Kopf dröhnte. Was für ein Albtraum! Langsam kam die Orientierung zurück.
Im Haus war es leise. Die Scheinwerfer eines vorbeifahrenden Autos zogen an den Wänden des Zimmers entlang. Lucys Pfoten berührten meinen Rücken. Ihr Atem ging gleichmäßig.
Ohne sie zu wecken, schlich ich leise zum Fenster. Ein dunkler, schlanker Schatten strich durch unseren Garten. Gelbe Augen leuchteten mir entgegen. Es war Mia! Meine Mia. Sie wartete schon ungeduldig, bereit für ein neues Abenteuer in den Gassen von Wien.

Die Jagd nach dem goldenen Schatz

Vorsichtig schleiche ich durch den kleinen Tunnel. Meine spitze Nase streicht über den Boden. Trotz meiner großen Augen kann ich nichts sehen. In dieser Dunkelheit muss ich mir meinen Weg erschnüffeln.
Etwas kitzelt in meiner Nase. Ich habe den Kopf und richte meine Sinne aus. Ein leichter Luftzug lässt meine Schnurrhaare vibrieren. Langsam nehme ich einen würzig herben Geruch wahr. Der Geruch von Fett und Salz und Milch. In mir steigt Verlangen auf. Es ist der Geruch der gelben Köstlichkeit, welche die großen Zweibeiner gerne verzehren.
Ab und zu fällt ihnen einen kleines Stück dieser verlockenden Speise herunter und nur wer ein großes Wagnis eingeht, kann sich diesen Leckerbissen einverleiben.
Tagsüber strömen unzählige der großen Kreaturen durch die noch größeren Tunnel, um in das ratternde Ungetüm zu steigen. Jetzt ist allerdings Nacht. Es sind nur wenige der großen Kreaturen unterwegs, die Höhlen fast leer. Nun ist die Zeit gekommen, um Beute zu machen.
Ich richte mich auf und schwenke mein Kopf in alle Richtungen. Jetzt kann ich den süßen Duft deutlich wahrnehmen. Er ist ganz frisch. Ich muss mich beeilen, bevor mir jemand anderes zuvor kommt. Ich lasse mich fallen und jage schnuppernd der Köstlichkeit entgegen.
Als ich um die Ecke biege, dringt durch ein Gitter helles Licht. Dort ist die große Höhle, durch die das lange Ungetüm rattert, um die Zweibeiner aufzunehmen. Langsam strecke ich meinen Kopf durch das Gitter und sehe mich um. Keiner da.
Ich zwänge meinen schmalen Leib durch die Öffnung. Ich richte mich auf, um die Delikatesse zu orten. Der Geruch ist unglaublich intensiv und kribbelt in meiner Nase. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.
Da drüben muss es sein. Schnell gehe ich auf alle Vier und rase an der Wand entlang. Jetzt kann ich es sehen. Ein großer gelber Würfel. Das Paradies auf Erden. Die größte Beute überhaupt.
Vielleicht ist es eine Falle. Ich blicke mich noch einmal um, aber da ist nichts.
Ich schieße auf den Würfel zu. Als ich schon ganz nah bin, nehme ich eine Bewegung wahr. Ein schnelles Huschen. Ein Konkurrent.
Ich erhöhe das Tempo, doch es ist zu spät. Wir sind gleich weit vom Würfel entfernt.
Diese Köstlichkeit werde ich mir nicht entgehen lassen. Ich werde darum kämpfen.
Der Konkurrent hat mich auch entdeckt. Es ist dieses Rotauge. Wir sind schon öfter aneinander geraten, und haben um Beute gerungen. Diesmal wird er leer ausgehen.
Wir stehen uns gegenüber. Mit dem Wedeln meines kräftigen Schwanzes zeige ich ihm, dass er sich verdrücken soll. Doch so einfach lässt er sich nicht einschüchtern. Er zeigt mir seine Zähne und beginnt laut zu klappern. Das Rotauge ist nicht bereit klein beizugeben. Auch ich schlage meine starken Zähne aufeinander und kralle meine Klauen fest in den Boden.
Ich bin nun voll konzentriert und sprungbereit. In meinem Rücken vernehme ich ein leichtes Dröhnen. Es ist weit weg und kümmert mich nicht.
Da kommt auch schon der Angriff des Rotauges. Explosionsartig springe ich ihm entgegen. In der Luft treffen wir aufeinander. Ich schlage nach seinem Kopf und treffe ihn an der Schulter, er mich zwischen die Rippen. Den Schmerz spüre ich kaum.
Wir lösen uns und stehen uns wieder klappernd gegenüber. So schnell mache ich nicht schlapp. Das Dröhnen wir stärker und der Boden beginnt zu vibrieren. Es ist der Vielfraß mit den langen Borsten. Er ist noch weit weg. Wenn ich meinen Konkurrenten vertreibe, kann ich es schaffen.
Wir blicken uns an, diesmal springe ich zuerst. Ich setzte zwei Schläge, rechts und links, doch er kann beide abwehren. Wieder dauert der Kampf nur ein paar Augenblicke.
Das Dröhnen ist jetzt ganz laut. Wenn ich nicht in die Borsten des Verzehrers geraten will, muss ich die Position wechseln.
Ich atme kurz durch und sammle Kraft für einen weiteren Angriff. Diesmal springe ich dem Rotauge nicht entgegen, sondern über ihn hinweg. Ich setze einen Schlag von oben, aber kann ihn nicht erwischen. Er ist zu wendig. In der Luft verdrehe ich meinen Körper, damit ich seinen Angriff bei der Landung abwehren kann. Da kommt auch schon sein Schlag. Rechtzeitig habe ich meinen Arm und kann diesen gerade so noch blocken. Dennoch hinterlässt seine Klaue einen tiefen Kratzer.
Ich blicke kurz auf und kann die rotierenden Borsten sehen. Sie nehmen alles auf was sich in ihrem Weg befindet. Nervös fangen meine Hinterbeine zu trommeln an.
Mein Blick wandert zu der Delikatesse. Das Verlangen ist groß, aber ich bekomme Angst.
Das Rotauge ist weiterhin entschlossen und wirkt siegesgewiss. Kann er die Gefahr nicht sehen? Weiß er denn nicht, dass es aus dem Verzehrer kein Entkommen gibt?
Mit einem lauten Quietschen versuche ich ihn zu warnen, doch er wedelt weiter zuversichtlich mit dem Schwanz. Ich weiche eine Körperlänge zurück. Das war es mit der Beute.
Rotauge eilt zu dem Käse und schlägt gierig seine Zähne hinein. Ich kann mir das nicht ansehen und spurte davon. In meinem Rücken kann ich noch sein schrilles Quietschen vernehmen, bevor es abrupt abreist. Ein weiteres Opfer des Vielfraßes.

Wolli auf der Flucht

Mist, ich stecke fest. Dabei bin ich vor Stunden erfolgreich aus dem Käfig entwischt und jetzt das. Aber der Duft der Freiheit, der mir am Ende des Rohrs entgegenweht, ist zu verlockend gewesen. Die Stunden, die ich hinter dem Wohnzimmerschrank wartend verbrachte, waren schon langweilig genug und nun muss ich hier ausharren, bis ich mich wieder bewegen kann.

Von meiner Besitzerin werde ich Wolli genannt und ich bin seit einem Jahr bei ihr. Vorher gehörte ich Wolfgang, einem ihrer Freunde aus dem Chor. Seinetwegen gab sie mir diesen Namen. Ich finde ihn auch nicht schön, aber sie ist so glücklich über mich, ihrem ersten Haustier, dass ich ihr diese geschmackliche Verirrung verzeihen kann. Sie kümmert sich eigentlich gut um mich und jetzt bereue ich meine Flucht schon ein bisschen. Aber immer nur im Rad rennen, wenn alle schlafen, ist auch nicht so spannend und als sie das Türchen beim Säubern des Käfigs zu lange aus den Augen lässt, ja, da kann ich einfach nicht anders. Ich eile oben über den Schrank bis zum Rand und als sie mich gerade ergreifen will, lasse ich mich hinten hinunterfallen. Den großen Schrank von der Wand schieben kann sie nicht, versucht, mich mit Maiskörnern hervorzulocken. Doch ich habe ja gerade erst die Backen vollgemacht und kann jetzt in Ruhe von meinen Vorräten knabbern. Ich lasse mich also nicht beirren und bleibe zusammengekauert in meinem uneinnehmbaren Versteck.

Langsam senkt sich die Dunkelheit des Abends über den Raum und alle gehen frustriert zu Bett. Jetzt ist meine Zeit gekommen. Ich putze mein Fell, schnuppere Richtung Schrankspalt und laufe auf leisen Sohlen durch das Zimmer. Beäuge dies, erklimme das, knabbere an einer Plastikschnur, die zu einer Lampe führt, klettert an ihr hinauf und komme so oben auf die Fensterbank. Dort staune ich über die Weite des da Draußen und verspüre, wie mein Herz schneller schlägt. Da muss ich hin, komme, was da wolle. Und ich habe auch sofort einen Plan. Ich will warten, bis irgendjemand die Tür nach draußen öffnet und dann einfach hinausschlüpfen. Zufrieden bleibe ich auf meinem Posten und genieße die Vorfreude. Zwischendurch hole ich aus meiner linken Backe ein Körnchen Essen und kaue so leise wie möglich. Gegen Morgen krabbele ich hinter den Blumentopf, der dort steht, um nicht sofort aufzufallen.

Die Aufregung der vergangenen Stunden fordern ihren Tribut und da ich mich sicher fühle, schließe ich für ein paar Minuten die Augen und werde Stunden später vom Luftzug der sich öffnenden Tür geweckt. Meine große Chance ist gekommen. Niemand beachtet mich, da sie mich wohl immer noch hinter dem Schrank vermuten. Ich klettere also mit ausgefahrenen Krallen den Türrahmen hinab, und gelange so ins Freie.

Der überdachte Balkon ist eher breit als tief und ich laufe schnurstracks an den Wänden entlang, lege nach einer kleinen Ration einverleibten Futters meine übrigen gehamsterten Vorräte in einer geschützten Ecke ab und schnüffele vorsichtig umher. Es riecht nach Frühjahr, nach frischen Knospen, aber hier kann ich die Verführung nicht entdecken. Also folge ich meiner Nase und lande, genau, im Regenabfluss des Balkons, wo ich durch meinen gefüllten Bauch weder vor noch zurück kann.

Nun scheint die Zeit gekommen, ein bisschen zu verdauen und ich uriniere und kote in das Rohr. Das verschafft meinem Körper wieder ein paar Quadratmillimeter Platz von der Rohrwand. Zwar verdeckt nun mein eigener Geruch die Frühlingsdüfte, doch die Erinnerung ist noch frisch genug.

Dort vorne ist es hell und ich wage mich bis an die Öffnung. Da unten, etwa 3 Meter unter mir, liegt es, das Abenteuer; ach, was sag ich, viele Abenteuer. Hinter mir bemerke ich das obere Ende eines Besenstiels und in meiner Panik stürze ich hinab.

Als ich wieder zu mir komme, beugt sich das weinende Gesicht meiner Besitzerin über mich. Sie streichelt mein zerzaustes Fell, betrachtet eine meiner Pfoten mit einem Aufschluchzen, sieht das Blut, das aus meinem Mund strömt und trägt mich behutsam nach Hause. In meinem Käfig zurück, werde ich auf frisches Stroh gebettet, und mit einer Pipette mit ein paar Tropfen Wasser versorgt. Ich schlucke es vorsichtig hinunter, doch die Schmerzen lassen mich innehalten. Mein Herz klopft langsam und immer langsamer als sonst und ich schließe die Augen - für immer.

Dies ist das tragische Ende meines kurzen Lebens, und nun schaue ich von oben auf die Welt hinab und beobachte, wie meine Besitzterin im Gemeinschaftsgarten der Genossenschaft mich beerdigt und ein Kreuz mit einem Foto von mir aufstellt. Es trägt die Inschrift:

R.I.P. Wolli

Freies KI-Bild erstellt von https://lexica.art

Der König der Stadt

Hinter Mauern gefangen, lebe ich voller verlangen.
Von allen fotografiert, bestaunt und hofiert.
Keine Chance in Kontakt zu treten, verhindert von Mauerwerk und Gräben.
Es ergibt sich die Gelegenheit, durch Unachtsamkeit.
Offen ist die Gittertür vom Nachtquartier, diese Möglichkeit gönn ich mir.
Fremd ist alles um mich her, schleiche durch das Häusermeer.
Schreiend ist jeder vor mir geflohen, ich werde euch drohen.
Ich brülle, voller fülle:
„Ich bin König dieser Stadt, die mich nie gesehen hat!“
Blaulicht ist um mich her, blendet sehr.
Versprechen mich zu versorgen, ein Rohr vor mir verborgen.
Mich trifft es an den Flanken, die Welt gerät ins Schwanken.
Seht, ich bin ein König, der nicht mehr steht.
Ein Netz über mir die Welt dunkel, spüre geschunkel.
Wieder zu Hause, kaum zu glauben, nach dem öffnen meiner Augen.
Sie jubeln mir zu dem König der Stadt, „Gut das man den Löwen gefangen hat!“

Der Kanal

Flatter sauste aufgeregt um die nächste Biegung. Die Muskeln seiner Flügel brannten bereits vor Anstrengung und sein Atem ging schnell. Aber er wollte noch ein ganzes Stück weiter vorankommen! Das Geräusch des Abwassers am Boden des Kanals hatte hier einen ganz anderen Ton als das bei seinem Unterschlupf. Es klang lebhafter und kräftiger. Sollte er das als Zeichen sehen?
Zunächst hielt er sich weit oben, verlangsamte seinen Flug und erstellte eine Klangkarte des Ganges vor ihm. Dieser war ziemlich breit und der Luftweg war frei; nur im Wasser gab es mehr Bewegung, denn Holzteile und Menschenabfall trieben darin. Flatter schnüffelte und bemerkte den gehörigen Gestank, der vom Abwasser ausging. Das war echt Stinkewasser vom Feinsten! Igitt! Aber auch der Außenwall, der den Gang des Kanals formte, war hier anders, als er es gewohnt war. Es waren nicht bloß Felsen mit Lehm und Sand vermischt, sondern ein richtiges Mauerwerk von Menschenhand.
Also konnten doch auch die Menschen nicht weit sein! Flatters Aufregung wuchs. Bei seinen Streifzügen hatte er nicht selten Risiken auf sich genommen und war in die ein oder andere Gefahr geraten. Er war vor rüpelhaften Ratten geflohen. Er hatte Bekanntschaft mit einer anderen Fledermaus-Kolonie gemacht, die ihn rabiat davongejagt hatte. Doch all das konnte ihn nicht von seinem Ziel abbringen.
Nachdem Flatter das unbekannte Territorium sorgfältig abgehorcht hatte, beschleunigte er seinen Flug und sauste den geraden Verlauf des Kanals entlang. Seine feinen Ohren erfassten Schwingungen von oben, erst nur sanft und kaum merklich. Je weiter er flog, desto deutlicher veränderte sich die Geräuschkulisse: Beben, Rattern, Poltern. Schritte, Maschinen, Fahrzeuge … Flatter kannte das alles schon, aber nur vereinzelt und von weit weg. Nun da er in die Klänge eintauchte wie in einen See, erfüllte Stolz seine Brust: Das waren die Menschen und er hatte sie gefunden!
Wenn die Alten seiner Kolonie von ihnen sprachen, waren sie stets erfüllt von Ehrfurcht und Respekt, aber auch von Angst. Angst aber hatte Flatter nie verspürt, wenn er an Menschen dachte, nur Neugier und diesen gewissen Drang.
Plötzlich wurde Flatters Bild des Kanals vom einfallenden Licht zerrissen. Zwar waren es erst kleine Strahlen in der Ferne, doch sie bildeten ein nebliges Geflecht vor Flatters Augen. Er bremste seinen rasanten Freudenflug. Umsichtig flog er an die Decke und schmiegte sich an den feuchten Stein. Sollte er aufgeben und zurückfliegen? Niemals! Nicht wegen ein bisschen Helligkeit!
Flatter erstellte mit dem Klang ein neues Bild des Kanals, hob von der Decke ab und flog vorwärts. Es gab dort eine Öffnung im Kanal nach oben ins Freie. Ein längliches Etwas ragte von dort herunter bis zum Grund. Es waren zwei Stangen, die in der Mitte durch mehrere Sprossen verbunden waren. Helles Tageslicht fiel darauf. Unvermittelt tauchte ein Stiefel auf einer Sprosse auf. Flatter drehte im letzten Moment ab und umkreiste eine der Stangen mit etwas Abstand. Ein zweiter Stiefel gesellte sich zum ersten. Und dann begriff Flatter mit Herzklopfen, dass diese Stiefel zu einem Körper gehörten, der darüber aufragte. Zum Körper eines Menschen! Die Stiefel kletterten abwärts zur nächsten Sprosse. Flatter begann einen Freudentanz und fiepte aufgeregt. Er hatte es geschafft! Er hatte einen Menschen gefunden!
Jäh bewegte sich der Kopf des Menschen in Flatters Richtung, als dieser die Fledermaus bemerkte. Gleißendes Licht ging davon aus wie von der Sonne selbst, sodass Flatter das Gesicht des Menschen nicht zu erkennen vermochte, wenngleich dieses Licht nicht aus dem Gesicht selbst kam, sondern irgendwie von oben am Kopfende. Er bekam einen Schock, Panik erfüllte ihn und er war so sehr geblendet, dass er beinahe abstürzte. Erst als sein Flügel schon die Wasseroberfläche streifte, fing er sich im Flug und erstellte rasch mit seinem Klang ein neues Bild des Kanals für einen Fluchtweg.
Jetzt begriff Flatter, was die Alten seiner Kolonie gemeint hatten. Vor Menschen sollte man Ehrfurcht und Respekt haben, aber auch Angst. Jetzt war es an Flatter, seiner Kolonie eine Geschichte über die Menschen zu erzählen.
Ende.