Rumms-Bumms
Im Grunde hat man in der Lebensmitte ja so langsam raus, wie das Leben so bumst. Man legt auch nicht mehr so viel Wert darauf, im Theater des Lebens im Vordergrund zu stehen, sondern schaut sich gern mal so an, wie denn die anderen so ihr Leben rumsen, und dann heißt es: Vorhang auf, Bühne frei!
Alles begann mit einem Rumms, dem Geräusch, das bei einem dumpf tönenden Aufprall entsteht. Nach so einem Bumms war die plötzliche Stille ein wesentlich eindrücklicheres Erlebnis als - o die selige - Weihnachtszeit. Ein junger Linksabbieger hatte unser von vorn auf ihn zukommendes, doch schon in die Tage gekommenes Micker-Fahrzeug, Verzeihung, unseren Silberpfeil Nissan Micra, übersehen. Aber da er den vorschriftsmäßigen Schulterblick nach hinten gemacht hatte, war er sich keiner Schuld bewusst, bestärkt durch seine Mutter, die daraus einen großen Bums machen wollte und gleich mal damit drohte, einen Rechtsanwalt einzuschalten.
Unser lieber Kleiner war nach einer harten Arbeitswoche, in der er mehr als sonst im Einsatz war, weil das Fahrrad gerade Pause hatte, wohl doch ein bisschen müder und reaktionsträger als sonst gewesen - wie immer auch dieser Rumms zustande gekommen war - jedenfalls reichte nicht einmal ein Doppel-Wumms an Bremsen aus, um den Totalschaden zu verhindern.
Möge er in Frieden ruhen! Und mögen sich nach dem mächtigen Bumms die beteiligten Versicherungen nicht allzu lange streiten, wer welchen Schaden zu begleichen hat!
Wir beschlossen, den Rumms auszusitzen bzw. die Folgen des von links und von jung verursachten Bumms in Ruhe auf uns zukommen zu lassen. Nichtsdestotrotz war uns klar, dass angesichts des Schadens in Relation zum Kaufwert, zum Alter und zum nächstes Jahr anstehenden TÜV-Risiko eine Beerdigung unseres Micra einer teuren Reparatur vorzuziehen war.
Da das gegnerische Fahrzeug bereits verweigert hatte, die volle Schuld für das Rumbumsen auf sich zu nehmen, war uns klar, dass es im Streitfall höchstwahrscheinlich auf einen Kompromiss hinauslaufen würde, nämlich dass jeder seinen eigenen Schaden würde bezahlen müssen. Das war uns bums. Wir entschieden wir uns nach dem lauten Rums für einen schnellen Bums!
Genau, ein Bumms auf den Rumms! Denn - rums di bums - haben wir uns doch tatsächlich gleich einen Tag später ein Neuen angeschafft. Getragen hatten wir uns mit diesem Gedanken ja schon einige Zeit, aber natürlich hatten wir gedacht, unsere kleinen Micra nochmals durch den TÜV zu bumsen und weitere zwei Jahre zu fahren, bevor wir dann entscheiden wollten, ob wir uns tatsächlich nochmals ein Fahrzeug wummsen wollen oder nicht.
Vielleicht hat ja die monatelange Fahrzeug-Abstinenz vor unserer Micra-Zeit mit allen Folgen der Un-Flexibilität, des beträchtlich höheren Zeitaufwands in öffentlichen Verkehrsmitteln und der Umstieg auf reinen Muskelbums bei unseren Einkäufen dazu beigetragen, dass wir einem Rumms-Bumms-Neuwagenquickie gar nicht so abgeneigt waren. Also überlegten wir 50-Pluser, dass es schon recht bequem wäre, so einen fahrbaren Untersatz für alle Rumms-Bumms jederzeit vor der Tür zu haben. Was soll ich sagen? Unsere Versicherung hatte wohl mehr Wummsbums als die andere und - rums! - knallten bei uns die Sektkorken:
Es ist geschafft, da steht er nun,
jung und kräftig,
um uns gute Dienste zu tun.
Glückwunsch neue Fahrbesitzer,
und ganz viel Freude
mit dem rotem Flitzer.
Ab jetzt heißt es frei und verwegen
Rumms, Bumms und Wumms
auf all unseren Wegen.