Lichter in der Chester Street
Mir wäre es ehrlich gesagt, egal gewesen, ich hatte mich schon länger mit der Situation arrangiert, aber durch Daisy war ich auf eine Idee gekommen, die ich – je mehr ich darüber nachdachte – sehr interessant fand.
»Charles«, hatte sie lässig gesagt, »Das solltest Du dir wirklich nicht mehr bieten lassen.« Sie rauchte dabei, große Wolken stiegen langsam in den Winterhimmel.
»Richtig!«, pflichtete Gusteau zornig bei, »du musst sie dir gefügig machen!«.
Während ich Daisys Schönheit mit ihren Siebzehn Jahren immer wieder bewunderte - gerade zu dieser Jahreszeit - konnte ich Gusteau nicht auf die Giebel gucken. Trotz seiner einhundertzwanzig Jahren war er immer noch oft unbeherrscht und griesgrämig gelaunt. Das passte zu seinen Körpern, denn die mochte ich ebenfalls nicht.
Aber unabhängig davon, wen ich mochte und wen nicht, die beiden erhellten die Chester Street schon seit Wochen und überfluteten die kalten Winternächte stolz mit herzerwärmendem Licht. Daisy war mit lustigen Tiermotiven und flackernden Lichtern dekoriert. Bei Gusteau war der Ansatz eher klassisch, ein ruhiges Glimmen. Ich beneidete sie. Mich hatte man kalt und dunkel zurückgelassen - wie jedes Jahr.
Ich konnte Daisys Körper hören. Sie feierten in der warmen Stube. Weihnachtsmusik war zu hören, der Kamin brannte. Ich konnte die Behaglichkeit geradezu spüren, während ein kleines bisschen Wärme sogar über die Straße zur mir herüberstrahlte. Obwohl Daisy noch nicht so alt war, schien ihre Dämmung nicht gut zu sein. Aber das hätte ich ihr natürlich niemals gesagt. Ich wollte es mir mit ihr nicht verscherzen, denn mit Nachbarhäusern sollte man immer gut auskommen.
»Du musst sie bestrafen!«, krakeelte Gusteau. Seine Fenster waren dunkel, dort feierte heute niemand mehr. Seine Körper schliefen bereits.
Daisy seufzte: »Nein, natürlich nicht, Charles! Vielleicht solltest Du deine Körper ein bisschen inspirieren. Sorg doch einfach selbst für Behaglichkeit! Sie kommen doch heute zurück – empfange sie mit ein bisschen Wärme!«
Sie hatte gut reden. Ihre Körper fuhren nicht jedes Jahr zu Weihnachten in den Winterurlaub!
Doch vielleicht hatte sie recht. Tatsächlich würde meine Köperfamilie heute zurückkommen, schnatternd, gut gelaunt mit ihrer Skiausrüstung im Gepäck. Und wie immer würden sie nur so aus Spaß sturmklingeln und mich mit großem Hallo betreten, als hätten sie eine großartige Abenteuerreise hinter sich.
Also stand mein Entschluss fest: Ich würde mich dieses mal gut vorbereiten und die Familie so richtig gemütlich empfangen! Und auch Gusteau hatte ein bisschen recht. Deshalb drückte ich hier und da ein wenig auf die Erdleitung, bis nach und nach Gas aus dem Herd strömte.
Und dann freute ich mich auf den Moment, in dem sie klingeln würden. Dann würde ich, dieses eine Mal, das hellste Haus in der ganzen Straße sein.