Schreibstile

Genau das beschrieb ich in den Sätzen danach :wink:.

1 „Gefällt mir“

Eine eher akademische Herangehensweise. Der ‚gemeine Durchschnittsleser‘ wie ich benötigt zuweilen atmosphärische Starthilfe, um in eine Stimmung zu kommen. Ein drastisch abgespeckter Text hat dann oft eine fleischlose, furztrockene (pardon!) Anmutung.

3 „Gefällt mir“

Mangel an Lektorat?

1 „Gefällt mir“

Das Genre Fantasy hat sich sehr deutlich entwickelt und verändert oder wie auch immer man das bezeichnen möchte. Und damit ist es nicht mehr die Fantasy der 80er Jahre, als ich mit dem Genre in Berührung gekommen bin; die eines Stephen R. Donaldson oder Alan Dean Foster, einer Tanith Lee oder Ursula K. LeGuin.

Viele junge Autorinnen und Autoren kennen diese „alte Fantasy“ (die auch damals schon ein weites Feld umspannte) schon nicht mehr. Das muss man nicht gut finden, aber es ist so. Auch heute gibt es tolle Sachen, die mir als älterem Semester gefallen, bspw. von Markus Heitz.

Ich verstehe

Ich kann ganz subjektiv der Meinung sein, dass mir etwas nicht gefällt. Und das darf ich auch sagen. Dabei gilt es natürlich, sachlich zu bleiben; das etwas „Sch…“ wäre, ist keine brauchbare Anmerkung und auch nicht höflich oder hilfreich, genauso wenig wie ein „Früher war das alles aber viel besser!“.

Nein, aber es war halt anders.

Ich mag „stimmungsvolle Beschreibungen“ gerne, wenn sie einen Zweck erfüllen. Wolfgang Hohlbein schaffte es, in täglichen Dingen gewisse angstvolle Aspekte zu wecken. Ein Wald konnte dir freundlich Schutz bieten, oder dein Feind sein und dich ablehnen. Entweder werden glitzerne Bäche und Sonnenlicht in Baumwipfeln betont, oder die Dornen, sowie die krank aussehende Rinde.

Aber wenn alles aufgelistet wird, gibt es keine Richtung und es ist einfach Ballast bzw. viel Text.
Das ist genauso wie mit Verben. Es gibt dynamische Verben, welche die Vorstellung anregen „Teig kneten“ vs „Brot backen“ oder Begriffe die indirekt eine Vorstellung geben. Ein Hain aus finsteren Blutbuchen vs ein Hain aus weißstämmmigen Birken.
Welchen Druiden trifft man wo? :grin:

2 „Gefällt mir“

Natürlich darfst du das…Ich mache es nicht, nur wenn das Buch generell komplett schlecht ist. Da ich solche Bücher weglege, kann ich es nicht beurteilen

Sorry fürs offtopic, aber da fällt mir spontan ein:

Taubtrüber Ginst am Musenhain.
Trübtauber Hain am Musenginst.
Krawehl, krawehl!

7 „Gefällt mir“

:rofl: :rofl: :rofl: Das war wenigstens noch lustig

1 „Gefällt mir“

Ein Beispiel für „überladenen Stil“ und inflationär gebrauchte Adjektive, Vergleiche usw. (und ja, ich habe schon gekürzt). Der Sinn: Die Charaktere bleiben am Rand und werden nur am Anfang und am Ende der Szene erwähnt, weil sie überwältigt sind.
Die Perspektive liegt auf der Beschreibung. (und ich schwelge im Setting)

Atemlos trieben sie in der Menge dahin, wie ein Boot auf dem Ozean. Die Pilger schwappten die Empore hinauf, um den Ausblick auf den Kimba zu bestaunen. Landeinwärts stiegen sie eine breite, sanft geschwungene Treppe wieder hinab in ein Atrium von gewaltigem Ausmaß. Ein Säulengang führte um den Innenhof. Seine glatten Wände zeigten farbenprächtige Fresken: die singenden Wälder von Neela Pahad. Feuer speiende Berge, deren Lavaströme sich einst zischend ins Meer ergossen und das Haupt der Welt erschufen. Azurblaue Ozeane, Fabelwesen halb Mensch, halb Fisch, beschirmt von den zarten Leibern leuchtender Quallen, schillerndem Meeresgetier und filigranen Blättern, die sich anmutig im Wasser wiegten. Fliegende Alfayrus am sternenübersäten Firmament, aus deren Körpern lebensspendender Regen zu Boden fiel.
Unter ihren Füßen knirschte das bucklige Mosaik versteinerter Eihüllen. Jeder Sims, jede Kante, jeder Knauf und jeder Griff diente als Beispiel meisterhafter Kunstfertigkeit; gemacht, um die Sinne der Menschen zu betören.
Der Strom schwappte zum weit geöffneten Tor am Ende des Hofes. Der unersättliche Schlund schluckte sie und führte in einen großen Saal. Unwillkürlich kam die Menge zum Stillstand. Mit offenen Mündern bestaunten sie die gläserne Kuppel über ihren Köpfen. Sie wurde von sieben Säulen getragen, die sich nach oben verjüngten und wie Baumkronen verzweigten. Steinerne Äste durchzogen die Wölbung; verziert mit Blättern aus Jade, Blüten aus Korund, goldenen Früchten und silbern schimmernden Knospen.
Sonnenlicht brach sich im gewölbten Glas der Kuppel, den kunstvoll geschliffenen Steinen und durchflutete die Halle bis zum Boden. Der glatte Marmor unter ihren Füßen warf es zurück und die Luft flimmerte, als bewegte ein sanfter Wind die Blätter und Blüten lebendiger Bäume.
Die Gaben der Menschen säumten den Gang: feinste Speisen, Münzen aus aller Welt, Geschmeide mit Steinen und Perlen besetzt, Schmiedekunst, Stoffe und Pelze von erlesener Qualität, Gewürze und Öle, edle Hölzer, duftende Blüten und bunte Erden.
Neue Besucher drängten sich in ihren Rücken und schoben die Gefährten weiter.

Meint ihr das? Ist das zu viel und daher langweilig?

5 „Gefällt mir“

„Zu viel“ ist ja immer relativ. Für einen Thriller ja – für High Fantasy oder ein Historienepos eher nein. Der Stil ist sehr bildhaft, die Bilder zudem sehr außergewöhnlich. Sind direkt vor meinem inneren Auge aufgetaucht. Die richtigen Leser werden das lieben. :slight_smile:
Nur beim ersten Satz bin ich etwas gestolpert „trieben dahin wie Boote auf dem Ozean“ Dieses Bild wirkte gegenüber den andere Beschreibungen etwas generisch.

2 „Gefällt mir“

Für mich (Einzelmeinung) wäre das zu viel des Guten, da sich die Fülle irgendwann aufhebt und die Besonderheit verblasst. Die Pilger, so das Bild, gleichen einem Strom. Er schwappt. Beim zweiten Gebrauch passend, beim ersten weniger, da die Pilger kurz darauf ‚nur noch‘ eine Treppe hinabsteigen. „Buckliges Mosaik versteinerter Eihüllen“ kann ich mir überhaupt nicht vorstellen (vllt. etwas Textspezifisches?), da ich nur Eierschalen kenne, die jedoch nicht bucklig sondern spitz und scharfkantig sind. „Meisterhafte Kunstfertigkeit“ erscheint mir auch ‚gedoppelt‘. „Fliegende Alfayrus am sternenübersäten Firmament“ – ‚Alfayrus flogen unter dem Sternenhimmel‘ würde meiner Vorstellungskraft reichen …
Die Gefahr bei dem Zuviel ist, dass Leser den Absatz überspringen, weil die Reizflut ihnen zusetzt. Ein Mix puristischer Beschreibung mit Auschmückungen als Akzenten wäre ggf. weit wirkungsvoller. Ein Zuviel meint nicht die Adjektivfülle allein – es könnten auch zu viele Analogien, Vergleiche, Metaphern & Co. sein.

1 „Gefällt mir“

Genau diese Stilistik hält mich vom Lesen des Genres ab. Ausnahme, weil brilliant geschrieben und nach eigener Deklarierung „Fantasy ohne Fantasy“: Michael Knabes beim Hybrid-Verlag erschienenen „Flüchtlings-Chroniken“. Keine Magie, keine Hexen, Elfen und Drachen. Aber exzellentes World-Building, eine klare, präzise Sprache und tiefgründige Charaktere. Für mich derzeit mit das Beste in der deutschsprachigen Fantasy.

2 „Gefällt mir“

Da hast du recht. Diese Szene ist aber die absolute Ausnahme im gesamten Projekt. Die Opulenz ist hier gewollt.

Die Darstellung eines Firmaments ist (anders als beim Himmel) kuppelartig.
Alfayrus fliegen nicht gewohnheitsmäßig, sie leben je nach Stadium auch am/im Boden und Wasser.
Die Eihüllen sind eben keine spröden Eierschalen wie beim Hühnerei. Sondern gerundete, feste Objekte unterschiedlicher Größe/ Farbe= Mosaik usw.

Die Erklärung ist mir zu oberflächlich. (Wahrscheinlich fühle ich mich als Fantasyschreiber mit Fantasy pauschal kritisiert :grin:) Opulenz und oder blumige Schnulze ist kein »Fantasy Label«. Es gibt genug Fantasy ohne diese Designelemente. Es können auch Drachen vorkommen und trotzdem ohne Klischee sein.

1 „Gefällt mir“

Mein persönlicher Lesegeschmack muss nicht deiner sein. :sunglasses:

3 „Gefällt mir“

Das hört sich gut an. Wenn ich schon das Wort Drachen lese, ist bei mir alles verloren.

1 „Gefällt mir“

Danke für die Erklärungen. Ich ahnte, dass textspezifische Beschreibungen darunter sind. Man müsste also das Gesamtwerk mit in Betracht ziehen. Doch selbst für einen überbordenden Absatz wäre es mir (das kann für andere durchaus genau richtig sein :wink:) schon zu viel.

2 „Gefällt mir“

Es gibt genügend gute Fantasy, die auf solche opulente Ausführungen verzichten. Ich kenne eigentlich keinen bekannten Fantasy-Autor der so schreibt

1 „Gefällt mir“

Mir ist es zu viel …es stört den Lesefluss – für mich. Klar willst du Bilder erzeugen … Das geht aber auch ohne ständige Metaphern und Adjektivities. Wenn man Metaphern und Adjektive richtig einsetzt, hat man einen guten Effekt…In der Fülle geht alles verloren und liest sich hinderlich

1 „Gefällt mir“

Hallo @Bommel,
lasse ich so stehen. Denn hier war es mir als stilistisches Mittel recht. Ein ganzes Buch würde ich so auch weder schreiben noch lesen wollen.

Wenn es alles gesackt ist, lese ich noch mal drüber.
Mal sehen, wie es sich dann anfühlt.

2 „Gefällt mir“