Schreibstile

Ja…vor allem muss man es können und wohldosiert passend einsetzen. Sehe ich auch so

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Ich habe gerade darüber nachgedacht, weshalb mich eine eher ausufernde Sprache nicht so sehr stört. Vielleicht, weil ich auch Klassiker mag. Weil mir die Orte und Zeiten fremd sind. Und weil ich durch diese sehr bildhaften Beschreibungen eher Zugang dazu finde. Die moderne Welt, auch die Schreibstile , sind oftmals so knapp und effektiv. Ist in Ordung, diese Welt kenn ich ja. Und ich kann die Lücken gut mit meiner Vorstellung füllen. Aber die Sitzbank im alten Indien unterscheidet sich halt stark von meinen IKEA Stühlen. Der alte Holzofen im Mittelalter unterschied sich stark von meinem Wasserkocher. Da kann auch die Zubereitung einer Tasse Tee sehr poetisch und lehrreich sein.Ich habe als Kind mal eine Ausgabe mit Märchen aus 1001 Nacht geschenkt bekommen. Und alles verstanden habe ich nicht. Aber all diese Beschreibungen haben mich in eine fremde, zauberhafte Welt entführt. Die Sprache war magisch, wie ein fremdes, zauberhaftes Lied. Hätte man die Geschichten ohne diese Beschreibungen, blumigen Worte und dergleichen geschrieben, hätte der Zauber damals nicht bei mir wirken können. Es ist wie Musik. Manchmal mag man die kurzen, harten Stücke und manchmal die langen Melodien, die einen sanft tragen.

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Oh ja…da hättest du mich bereits verloren…das ist mir zu viel des Guten

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@a-i-brecht
Also, ich mag es.

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Ich mag das auch nicht. Bei mir entsteht dann schnell das Gefühl, dass man einfach nicht das zeigen kann, was man gerne zeigen möchte. Außerdem möchte ich mir als Leser ja auch etwas vorstellen können, und keine genaue Anleitung lesen.
Ein Beispiel, wo das meiner Meinung nach funktioniert (ist jetzt natürlich ein sehr klischeehaftes Beispiel) sind die ersten Seiten von Süskinds Parfum. Da wird zwar auch alles sehr detailreich beschrieben, aber die Bilder und Gerüche entstehen sofort im Kopf. Beim „donnernden Donner, der über taunasse, raureifbedeckte Blumenwiese grollt“ eher nicht :smiley:

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Danke :smiling_face_with_three_hearts:

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War mir klar :sweat_smile:
Aber das ist ja genau das Problem: Die Vorlieben der Leser und wie komme ich an diejenigen, die etwas mit meiner Idee meiner Welt etwas anangen können …

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Ich kann dich verstehen, aber wir sind gerade wieder beim Stil und den Mitteln und dem, was bei uns im Kopf vorgeht. Und wir müssen uns fragen: will ich das so machen, wie alle anderen auch? Oder suche ich nach einem Alleinstellungsmerkmal, das mich unter vielen als ‚a.i.brecht‘ identifiziert. Das ist eine beständige Gratwanderung.
Ich denke, als bestes Beispiel kann uns unser @Gschichtldrucker dienen, der über Jahre Ideen zusammengetragen, sie aufgeschrieben, sie eingebaut, wieder einige fallen gelassen, dann wieder herausgekramt und leicht verändert eingefügt, dann gelöscht und am Ende vllt in ein neues Kapitel eingefügt hat. Aber meint ihr, er hätte überlegt, ob er jetzt genug, zu viel oder zu wenig Mainstream ist?
Er hat sein Ding gemacht und seine Kids freuen sich jetzt, dass er sein Buch mit ihnen liest … ist das nicht das Ziel?
Also vertraut ein wenig öfter eurem Bauchgefühl :+1:t3:

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Da habe ich eine Idee…melde dich mal im Fantasy und Schreibforum an… da gibt es sogar eine extra Ecke für Rollenspiele etc

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Guck ich mir mal an. Danke

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Ich bin auch da und Yoro und Supergirl auch

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Mannomann, 6 Stunden und schon 51 Antworten. War das Thema wohl ein Stich ins Wespennest.

Bei Geschichten, die sehr blumig beschrieben werden, handelt es sich wohl meistens um sogenannte High Fantasy. Im Gegenpart, der Low Fantasy, ist das, glaube ich, nicht so verbreitet. In ersterer sind Elfen und Zwerge sagenumwobene Gestalten, die in mystischen Umgebungen magische Dinge tun (man sieht schon: viele Adjektive). In der Low-Variante sind sie Gegner, die man mit einem Schwerthieb vom
Himmel holt.

Vielleicht ist ja auch der gute Tolkin nicht unschuldig, weil er in seinem Herrn der Ringe doch einige recht schwülstige Passagen untergebracht hat. Und irgendwie hat sich dies ganz hinten, tief im Unterbewusstsein eingenistet. Bei mir zumindest.

Da bin ich mir nicht sicher. Ich komme ja auch aus der Ecke und neige eher dem simplen Schwertstreiche zu, als dem mystischen Elben in magischem Ambiente. Vor allem aber auch einer gewissen Portion Humor. Da kann ich auch nicht aus meiner Haut.

In einer Anleitung für Spielleiter stand einmal sinngemäß: „Du bist der Herr in deiner Welt, mächtiger als ein Gott. Du kannst das Wasser bergauf fließen lassen und allen Bergen rote Spitzen geben. Das allein macht aber noch lange kein spannendes Abenteuer aus.“

In diesem Sinne denke ich, viele Adjektive allein schaffen keine besondere Stimmung. Trotzdem kann der gesamte Ton der Geschichte eine solche Vorstellung erzeugen und dann haben auch die Adjektive ihren Platz.

Für mich ist das Beispiel von @a-i-brecht, weiter oben, eigentlich ganz gelungen. Zumindest deutet sich für mich an, dass der Rest des Textes eine bestimmte Stimmung transportieren wird. Und dann passt es schon zusammen.

:thinking:

Was wollte ich jetzt noch sagen? Vielleicht, dass es, wie bei so vielen Dingen, auf das richtige Maß ankommt. Man kann alles übertreiben, wenn man sich nur Mühe gibt. :wink: Aber richtig eingesetzt können auch Adjektive, sogar blumige, einen Text bereichern und verbessern.

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Isso!

Ganz wichtig, auch bei mir.

Danke :blush:

Mein Reden … ääh Schreiben

Ein jedes hat seine Zeit. Geschichten bestehen aus der Aneinanderreihung von Worten, die, entstanden in der Fantasie des Verfassers, auf der anderen Seite, in einer fremden Fantasie wurzeln müssen, um ein ähnliches, ein gewünschtes Bild entstehen zu lassen.

Schreiben wir von einem herrlichen Sommertag, so reicht die Information in der Regel aus, um beim Leser ebenfalls eine schöne Sommererinnerung zu wecken. Ziel erreicht. Aus stilistischen Gründen muss der Erzähler allerdings ab und zu auch mal Gas geben, um seinen Eindruck mit (sparsam eingesetzten) Adjektiven oder Adverbien noch plastischer, noch gehaltvoller, kontrastreicher und intensiver zu transportieren. Die Dosis macht das Gift!

Es ist heute auch in den Medien zu beobachten, dass wir unsere Welt ‚überemotionalisieren‘ und uns gegenseitig übertrumpfen mit Euphemismen und Hyperbeln. Das schlägt sich natürlich auch in der Literatur nieder. Man möchte doch der Welt demonstrieren, wie ‚angefasst‘ man von dramatischen Situationen ist, und um sich abzugrenzen, alles „immer dreimal mehr wie du“. Letztlich oft sogar eine Form des Egoismus: Schau, ich bin so emotional und damit ein besserer Mensch als du. Traurig, dass im Ergebnis eine schlichte Beschreibung kaum noch Wirkung erzielt.

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Egal ob Fantasy oder sonstwelche Literatur. Ein Text ist nicht fertig, wenn man nichts mehr dazuschreiben kann, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann. Vor allem Füllwörter (überflüssig) und Adjektive (zeigen nichts, behaupten bloß) blähen den Text unnötig auf.
Zitat: Verzeih die Länge meines Briefes, mir fehlte die Zeit, mich kurz zu fassen.

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Victor Hugo widerlegt deine These. Ich lese gerade den Glöckner und bin in der Hälfte angelangt. Nach modernen Maßstäben könnte man gut 100 Seiten weglassen. Vermutlich kämen da noch mehr zusammen. Trotzdem ist es ein vielfach verfilmter Weltklassiker.

Das ist nur zum Teil richtig, denn misst man die tatsächliche Textlänge, so ist bspw. ein Satzbau mit einem Adjektiv definitiv kürzer, als wenn das Adjektiv im Sinne von „show, don´t tell“ mit einem weiteren Satz bildhaft gemacht wird. Aufgebläht empfinde ich Texte im negativen Sinne nur dann, wenn etwas erzählt wird, dass der Geschichte weder hilft noch sie vorantreibt (böse ausgedrückt: ‚Geschwafel‘).

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Naja, ganz so ist es nicht, sonst würde ein Exposé ausreichen, das man veröffentlicht.

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Bist du sicher, dass du dein Ziel erreicht hast? Ich denke doch, dass Sommertagserinnerungen bei jedem etwas anders aussehen. Ich muss dem Leser doch meine Version anbieten, oder nicht?
Ja , ich weiß, die Bilder, die die Wörter in einem Buch in deinem Kopf bilden, haben eine Menge mit dem eigenen Erfahrungsschatz zu tun … aber es soll beim Leser doch meine Version des Sommertages ankommen. Da reicht für mich eben nicht nur dessen bloße, wenn auch angenehme, Erwähnung.
Wie weit ich das treibe, ist die Kunst.

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Adjektive sind ja erstmal nichts Schlimmes. Mal kann man auch mehrere aneinanderreihen. Das ist nicht automatisch schlechter Stil.
Schlecht wird es in meinen Augen, wenn der Rest des Textes um Hilfe schreit und man ihm einfach ein paar starke Verben und Substantive zuwerfen möchte, um wenigstens die Hälfte der billigen Adjektive und Adverben zu killen, die nur deswegen dort sind, weil sie schwache Verben und Substantive mit Inhalt füllen sollen. (Mit dem Rettungsring killen. Ich muss an meinen Bildern noch arbeiten). "Weiße Pferde laufen schnell über die sehr grünen, mit bunten Blumen übersähten ansteigenden Wiesen " wirkt halt doof, weil „Schimmel über üppige Bergwiesen galoppieren“ können und Lesy trotzdem wissend nickt.

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