Zur Diskussion noch eine Anmerkung zu zwei Urteilen die dieses Thema betreffen:
KI und Urheberrecht: Was Autoren jetzt wissen müssen
Zwei Urteile aus 2025 & 2026 ziehen eine klare Linie.
Das AG München entschied: Ein Prompt mit 1.700 Zeichen begründet keinen Urheberrechtsschutz. Nicht Aufwand zählt, sondern ob sich im Ergebnis die kreative Persönlichkeit eines Menschen widerspiegelt. Das OLG Düsseldorf hat diese Linie auf Berufungsebene bestätigt.
Die Konsequenz für Autoren und Selfpublisher ist zweifach.
Wer KI als Werkzeug nutzt und Rechte am Ergebnis beanspruchen will, muss seinen kreativen Beitrag nachweisen können: verwendete Prompts, eigene Entscheidungen, Überarbeitungen. Wer ohne KI schreibt, sollte seinen Entstehungsprozess ebenfalls dokumentieren, denn der Einwand “das ist KI-generiert” wird als Verteidigungsstrategie häufiger werden.
Kurz gesagt: Prozesse sichtbar machen, Entstehung dokumentieren.
Quellen: AG München, Az. 142 C 9786/25 | OLG Düsseldorf, 02.04.2026, Az. I-20 W 2/26
Wie soll ich das denn machen? Ich öffne Papyrus und schreibe. Wie soll ich da nachweisen, dass ich genau das gemacht habe und nichts anderes?
Meine Doku sähe so aus:
Papyrus geöffnet, draufgestarrt, nichts eingefallen, wieder geschlossen.
Idee.
Doch wieder geöffnet. Satz hingeschrieben. Wieder gelöscht.
Anderen Satz hingeschrieben.
Ich nutze einfach keine KI. Sollte mir das irgendwann zum Verhängnis werden, weil ich es nicht nachweisen kann, dann pinsel ich eben nur noch für mich selbst und meine Abstellkammer.
Das ist die eigentlich unbequeme Folgefrage, und da gibt es „noch“ keine perfekte Antwort. Aber es gibt praktikable Ansätze (aus meiner Sicht):
Für Autoren
Papyrus und vergleichbare Software speichern Versionsstände und Schreibverläufe automatisch. Das ist bereits ein Nachweis. Wer zusätzlich Handnotizen, Exposés, frühe Entwürfe oder Recherchematerial aufbewahrt, hat eine nachvollziehbare Entstehungsgeschichte. Auch der Schreibverlauf in Cloud-Diensten wie Google Docs oder OneDrive dokumentiert, wann was gespeichert wurde.
Für Grafiker
Layerdateien in Photoshop oder andere Designtools zeigen den Aufbau eines Werkes Schicht für Schicht. Skizzen, Zwischenstände, Referenzbilder, Kundenkommunikation: all das zusammen ergibt ein Bild, das KI allein nicht produziert.
Das grundsätzliche Problem
Einen absoluten Beweis gibt es nicht. Die Rechtsprechung hat hier noch keine Antwort. Die Beweislastfrage ist ungelöst. Es gibt bisher keinen anerkannten Standard, kein Zertifikat, keine Behörde (typisch deutsch wäre so eine KI Genehmigungsbehörde)
Was bleibt, ist Plausibilität. Je mehr Spuren ein menschlicher Entstehungsprozess hinterlässt, desto schwerer ist er zu leugnen.
Ich möchte eine Geschichte schreiben und nicht eine Geschichte verwalten. Irgendwann muss ich dann noch beweisen, dass ich ich bin.
Kein Wunder, dass mir fast ausschließlich Dystopien einfallen.
Ich werde meine Schreibarbeiten jedenfalls nicht dokumentieren und auch keine anderen Beweise sammeln. Mich zwingt ja auch keiner dazu, ein Sockenwaschtagebuch zu führen. Oder vielleicht doch schon bald, um vor Gericht zu beweisen, dass ich es nicht bin, die die Fußpilzpandemie ausgelöst hat.
Sorry für meine Unsachlichkeiten, aber bei solchen Dingen wird mir übel.
Bei sehr viel schwerwiegenderen Vergehen gilt die Unschuldsvermutung. Warum nicht hier? Man muss mir den generellen Einsatz oder den Umfang eines möglichen KI-Einsatzes zweifelsfrei beweisen, nicht ich meine Unschuld.
Musst du auch nicht. Es ist etwas das mehr KI-Nutzer betrifft als Nichtnutzer. Die Schwierigkeit die ich nur sehe sind die vielen Expertinnen die meinen KI von Nicht-KI unterscheiden zu können und die nicht davor zurückschrecken einen ohne mit der Wimper zu zucken zu denunzieren. Dann kommt man leider schnell in die Rolle der Person die Beweisen muss, dass es nicht so ist. Nicht weil die anderen Personen Beweise haben, sondern weil heute das Gerücht mehr wiegt als die später bewiesene Wahrheit.
Den Inhalt einer Geschichte kurz umrissen und zwei AI (Claude, ChatOn) gegeben, um eine Geschichte daraus zu machen.
Und selber die Geschichte dazu geschrieben.
Dann habe ich die Ergebnisse verschiedenen AI Checkern zur Analyse übergeben. (gptzero, grammarly, Quillbot, scribbr)
Ergebnis:
Mein Text war zweimal 100% human. Einmal zu 20 und einmal zu 60% AI.
Die AI-Texte waren einmal zu 100% AI und sonst zwischen 10 und 50% „human“.
Soviel zur 99%igen Verlässlichkeit bei der AI Erkennung.
Wenn heute KIs über den vermeintlichen Einsatz ihrer selbst richten sollen, habe ich dabei das Bild eines Geschworenengerichtes vor Augen, das über einen Mord urteilen soll, jedoch zu einhundert Prozent aus verurteilten Gewalttätern besteht.
Da ich nicht vom Schreiben lebe, ist es mir egal.
Dass Verlage da (noch) einen einigermaßen Ruf zu verlieren haben, ist natürlich etwas anderes. Als natural writer muss man denen das wahrscheinlich beweisen, sonst wird man anhand von Gerüchten schneller fallen gelassen als man „das ist üble Nachrede“ sagen kann. Und händische Aufzeichnungen bekommt man auch nachträglich hin. Einmal Kujau gespielt.
Haben die wirklich einen Ruf zu verlieren? Oder müssen die nicht auch verkaufen. Und wird es darauf nicht hinauslaufen?
Unsere süße Self-Business-Millionärin schreibt jetzt auch AI-Novels. Und scheinbar verkauft sich das Zeug auch. Ich selbst habe jetzt bewusst noch kein KI-Buch gekauft. Aber ich folge inzwischen bestimmt auch dem einen oder anderen automatisch generierten KI-Youtube-Channel. Und soweit das, was ich suche, zielgerichtet dargestellt wird, kommt mir das noch nicht mal sonderbar vor.
Ist das Gerücht einmal in Umlauf gebracht (ich sehe gerade die Meisterzeichnung von A. Paul Weber vor meinem geistigen Auge), ist der Drops doch schon gelutscht – egal, was man im Nachgang erklärt. Die Masse hält sich leider an: „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“. Deshalb lieber schon zu Beginn etwaigen KI-Support benennen oder, besser noch, gänzlich vermeiden. Vor allem nicht voreilig über Autoren richten, weil man einen suspekten Gedankenstrich ausgemacht hat.
Der Beweis einer generellen Nicht-Nutzung (generell, nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt, dort gibt es Alibis) ist prinzipiell nicht zu führen. Und sollte auch nicht nötig sein, da, wie oben schon erwähnt, aus sehr guten Gründen, wie eben auch dem Grund der Unmöglichkeit des nicht-Beweises juristisch die Unschuldsvermutung zu gelten hat.
Dass die öffentliche Meute das anders sieht, ist leider auch eine traurige Wahrheit. Dass wir uns seit wenigen Jahren auch vor Gereicht wieder in die Richtung bewegen, nicht mehr objektive Tatbestände, sondern innere Haltungen zu bewerten, leider auch.
Nicht nur bei KI. Ich gehe mal auf dünnes Eis: Nach dem neuen Gesetzentwurf von Fr. Hubig wird wohl ein Kompliment zur strafbaren Belästigung „wenn es unerwünscht ist“. Es geht also nicht mehr um das, was getan wurde sondern um das, was empfunden wurde. Völlig unbeweisbar natürlich. Nachträglich anders bewertbar natürlich. Vom Handelnden vielleicht gar nicht beeinflussbar natürlich. In der Folge ist die identische Handlung strafbar, wenn A sie gegenüber B durchführt, aber nicht, wenn A sie gegenüber C durchführt oder wenn D sie gegenüber B durchführt.
Auch die angebliche KI Verwendung wird nach meiner Einschätzung zu einem veritablen Instrument des Rufmords werden, gerade weil die Handlung moralisch konnotiert und so oder so kaum beweisbar ist.
Erinnert mich schon an mittelalterliche Methoden. Beweis mal, dass du keine Hexe bist! Kannst du nicht? Brenne!
Ich habe mir mal den Spaß gemacht, und eine KI gefragt, „ob sie unterscheiden könne, ob ein Text von einem Menschen geschrieben oder einer KI-generiert wurde“
Die Überschrift der Antwort brachte es auf den Punkt : „Der Mythos des KI-Dedektors“
Es gibt keine 100%ige Sicherheit bei diesen Scannern!
Sie analysiert die Texte nach den Mustern, wie die KI selbst den Text generieren würde.
Stimmen Muster und der Text überein, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass der Text von der KI stammt.
Aber folgendes wird außenvorgelassen:
Wenn man beim Schreiben häufig ähnliche Muster, wie die KI, verwendet, dann kann das Programm diesen Text fälschlicherweise als KI-Generiert abstempeln.
Daher bin ich dazu übergegangen, meine Rohfassungen und alle bearbeiteten Versionen eines Kapitels separat in einzelne Dateien abzuspeichern. Vor allem die Rohfassungen sind bei mir ein Mix aus wechsel der Zeitformen, Rechtschreibfehlern, komischen Sätzen und Stichpunkten.
Denn eines bin ich mir gewiss so einen Kauderwelsch bekommt die nicht zustande.