Mal was Positives dazu. Ich habe mittlerweile an einigen Wettbewerben teilgenommen aber nie eine dermaßen offene Kommunikation erlebt. Die Teilnehmer bekommen per E-Mail diese Information, während man von anderen Wettbewerben nicht mal erfährt, wann die Jury ihre Arbeit beendet hat. Man muss stattdessen hoffen, irgendeine Info mit den Gewinnern zu finden um festzustellen, dass man selbst nicht dazu gehört.
Hauptproblem meiner Erfahrung nach ist, dass Teilnehmer Längenvorgaben ignorieren. Ich nehme an, das ist auch einer der Gründe, warum bei manchen Wettbewerben der Text in ein Formular eingegeben werden muss.
Was Frau Schaberger von ‚Quintessenz‘ in dieser Mail zum Ausdruck gebracht hat, deckt sich mit meinem, zugegeben sehr subjektivem, Eindruck, dass es zwar eine wachsende Zahl Interessenten für Schreibwettbewerbe gibt, sich aber auch hier die allgemein zu beobachtende Aufmerksamkeitsschwäche wie ein grippaler Infekt ausbreitet und bemerkbar macht. Es wird nicht mehr selbsttätig nach Informationen oder Rahmenbedingungen gesucht, sondern einfach ‚gemacht‘ oder höchstens gefragt, was ganz leicht zu lesen gewesen wäre.
Bei BoD-Wettbewerben fiel mir das schon auf. Auf der Website und bei Social Media wurden Dinge erfragt, die längst in Teilnahmebedingungen erwähnt wurden. Das alles doppelt zu erklären ist mühsam und verständlicherweise nervig, wenn alle Vorgaben in den Wind geschlagen werden. (Übrigens auch gut bei Privatverkäufen auf entsprechenden Plattformen zu beobachten, dass Infos erfragt werden, die im Text beschrieben sind.) Eine Form von Aufmerksamkeitsschwäche? Lesefaulheit/Bequemlichkeit?
Ignoranz? Schwindende Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen?
Beim Seitenwind haben es damals einige Leute ja auch nicht geschafft, ihre Geschichte im richtigen Thread zu posten.
Meines Wissens gab es schon Untersuchungen bei Schülern, die eine alarmierend rasche Zunahme von nachlassendem Leseverständnis zeigen. Man führt das u.a. auf den übermäßigen Medien-Konsum zurück. Paradox: Einerseits immer mehr verfügbare Informationen, aber gleichzeitig schwindendes Verständnis für die konsumierten Inhalte. Also, mehr wissen können und doch dümmer werden.
Ja, dem stimme ich zu. Was aber beweist, dass es durchaus möglich ist, mit Teilnehmern zumindest so respektvoll umzugehen, ihnen eine kurze (meinetwegen automatisierte) Nachricht zukommen zu lassen, wenn sie nicht weitergekommen sind.
Desgleichen gilt für Agentur- und Verlagsabsagen. Ich ‚warte‘ bis heute auf vor zwei Jahren versprochene Antworten.
Diese Untersuchungen gibt es in der Tat. Und zwar zuhauf und schon seit Jahren. Allein, die Conclusio ist falsch - es ist weniger der steigende Medienkonsum der die ADHS-Pandemie auslöst, als der ständig wachsende Anspruch an Kinder und junge Erwachsene, möglichst rasch möglichst viele „relevante“ Informationen aus einem Text herauszufiltern, wobei diese Relevanz von „außen“ - also den Lehrern, Eltern, Ausbildern definiert wird und der Subtext einer Geschichte, eines Presseartikels, eines Buches gar nicht mehr wahrgenommen wird.
Der Elefant im Raum: Die Kinder werden von der Grundschule an auf Leistung getrimmt, die sich wiederum alleine durch Quantität, nicht durch Qualität definiert. Wichtig ist möglichst viele „Eckdaten“ zu finden, nicht die Geschichte. Folgerichtig wurde in der (österreichischen) Zentralmatura (= bundesweit standardisiertes Abitur) die Literatur im Fach Deutsch so gut wie restlos gestrichen und durch den Begriff „Textsorten“ ersetzt. Für die Abiturienten scheint es nun wichtiger eine Standard-E-Mail lesen zu können, als eine Novelle, anders gesagt: einen Befehl zu empfangen und auszuführen, als sich durch selbständiges Nachdenken eine Meinung zu bilden und daraus ein eigenverantwortliches Handeln abzuleiten. Es ist das Training, weg von der Aktion zur Reaktion auf Befehle. So, wie es die Wirtschaft halt braucht. Welcome my son, to the machine, sangen schon vor 50 Jahren Pink Floyd. Kapieren tut den Text heute niemand mehr.
Die Flucht in die 150-Zeichen-Kommunikation von Tiktok, Insta und Telegram ist nur ein Symptom, die Krankheit selbst viel umfassender. Gegen Dummheit gibt es aber ein tolle Impfung: Lesen! Von Kindheit an. Und wer noch nicht lesen kann, bekommt vorgelesen. Und danach wird über das Gelesene gesprochen: Was hast du gehört bzw. gelesen? Welche Gefühle hat das in dir ausgelöst? Was lernst du daraus für dich selbst? Das ist mühsam, ich weiß, aber wenn wir keine Idioten als Nachkommen wollen, die einzige Lösung. Dafür werden wir aber unsere Zeit investieren müssen, Als Großeltern, Eltern, Nachbarn, Freunde, Lehrende und auch als Schreibende. Vergesst also die Sternchen beim Big A und die halblustigen Preise bei Schreibwettbewerben, das Staunen von Kindern (und Erwachsenen), die eure Geschichten lesen, oder denen ihr vorlest, ist tausendmal wichtiger!
Stehe zu 100% hinter dieser Impfung, obwohl die Realität sich dennoch verändert. Wenn die Vorbilder weniger lesen, weniger vorgelesen bzw. über das Gelesene gesprochen wird (der Kinderbuchmarkt spürt den Trend schon deutlich, weil nicht die Kinder sondern deren Eltern die Bücher kaufen), bleibt es bei der schönen und richtigen Idee.
Das Eine schließt das Andere doch nicht aus! Aber ich (generisches Ich) könnte zig Kinderbücher schreiben, die niemand (vor)liest, wenn sie nicht ‚beworben‘ werden.
Dem, was @Gschichtldrucker und @Heather zum Ausdruck bringen, kann ich ebenfalls (leider) nur zustimmen. Mir sind ein paar Begebenheiten aus den letzten Wochen in den Sinn gekommen, die ich als moderne Lehrstunden, sorry, Schreibfehler, Leerstunden des Vorlesens kurz teilen möchte:
Gemeinschaftsküche eines Campingplatzes im Ausland. Wir frühstücken gerade. Eine Frau mit 2 Kindern kommt rein, die Kinder ca. 5 und 2 Jahre alt. Die Kinder werden an einen Tisch gesetzt, die Mutter fängt an, in der Küche das Frühstück vorzubereiten. Der Vater kommt dazu, gibt jedem Kind ein Tablet in die Hand, auf dem ein Film läuft. Die Kinder starren auf ihre Tablets. Der Vater setzt sich daneben und beschäftigt sich mit dem Smartphone. Als die Mutter mit dem Frühstück kommt, sitzt die ganze Familie am Tisch, isst und zwei Tablets und zwei Smartphones gestalten die Kommunikation innerhalb der Familie. Oh, ich will nicht verschweigen, wir wurden zu Beginn von der Mutter mit einem „Good morning“ begrüßt. Es wurde also auch gesprochen.
Im Krankenhaus. Wartebereich mit ca. 10 Personen. Junge Familie mit Kleinkind (ca. 1 Jahr alt) sitzt neben mir. Das Kleinkind quengelt, so dass Mutter und Vater sich abwechseln. Während einer umhergeht, hat der andere das unruhige Kind auf dem Schoß. Nach ein paar Minuten erfolgt ein Wechsel der Elternrollen. Ich lese, als mir auf einmal die Ruhe neben mir auffällt. Das Quengeln hat aufgehört. Ich schaue hinüber und sehe, dass die Mutter dem Kind ein Smartphone in die Hand gegeben hat. Die Mutter beschäftigt sich derweil mit einem anderen Smartphone, der Vater wandert irgendwo umher in der Klinik. Alle sind glücklich.
Mir fallen auch Innovationen wie einhändige Kinderwagen auf, die von Eltern geschoben werden, die in der anderen Hand aufmerksam auf ein Smartphone schauen; ich könnte jeden Tag eine Beobachtung ergänzen, erspare es mir lieber.
Unsere Tochter hat ihren Traumberuf ergriffen und ist seit einem Jahr an einer Grundschule tätig. Sie ist mit Leib und Seele Lehrerin, ist jedoch bereits mit den Nerven zu Fuß und überlegt, den Job aufzugeben, da normaler Unterricht nicht möglich ist. Nein, es ist keine Schule in einem Problemviertel, sondern im schönen Münsterland.
Als Vater merke ich, dass ich mich schwer tue, ihr so gut ich kann Mut zu machen und sie zusammen mit meiner Frau zu unterstützen, da ich immer mehr Zweifel bekomme, wie motiviert und lernfähig die Kinder in ein paar Jahren sein werden. Es würde vielleicht helfen, wenn meine Beobachtungen aus jüngster Vergangenheit nur Ausnahmen wären. Sind sie ganz bestimmt, träume ich…
Ich befürchte, wir stehen noch am Anfang. Das Problem ist längst identifiziert, aber niemand will sich unbeliebt machen und Verantwortung übernehmen. Es tut mir so leid, dass deiner Tochter schon jetzt Illusionen über einen eigentlich sehr schönen Beruf zerstört werden! Gerade im Bildungswesen brennen die Lehrkräfte immer früher aus, und niemanden scheint es zu kümmern.
Sorry, ich will jetzt hier keine politische Diskussion lostreten, aber das kann ich so nicht stehen lassen. Dass heutzutage (womöglich absichtlich) ausgebildet wird, „wie die Wirtschaft es halt braucht.“ halte ich für ein Gerücht. Das Gegenteil ist der Fall. Mit dem Niveau, dass aus Schule (und inzwischen auch Uni) kommt, kann die Wirtschaft immer weniger anfangen. Den bösen Kapitalisten an allem die Schuld zu geben, ist ja ein schönes Narrativ aber nicht hier. Verursacher der Krise sind neue Medien, Eltern, die das gedankenlos zu ihren Kindern durchlassen und vor allem genau die gesellschaftliche Ablehnung vom Leistungsprinzip und die Akzeptanz des sinkenden Niveaus in Form von abgesenkten Standards und Anforderungen. Nicht zuletzt die sprachlichen Anforderungen. Auch die Entwicklung von Ausbildungsfeldern ist genau nicht an der Wirtschaft orientiert. Die braucht nämlicher eher keine Absolventen in Gender Studies, Diversity und Sozialforschung.
Eine Möglichkeit wäre eine Lehrerin in der Berufsschule (zu einem Fach, das ihr zusagt) zu werden. Dort hast du zwar auch Leute, die dir im Unterricht einschlafen, aber im Generellen wollen die Schüler, die da sitzen, den Beruf tatsächlich erreichen
Ich glaube Grundschule ist da „nervlich“ viel härter, da du praktisch Kindergarten Kinder bekommst und sie aufs Lernen macht Spaß einstimmen musst, und gleichzeitig deinen Lehrplan einhalten sollst.
d’accord, monsieur!
Vor allem hinsichtlich der Absicht dieses Forum frei von den Niederungen billiger Politik zu halten. Daher auch Danke für den Hinweis an mich.
Ich habe mal hauptberuflich eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme begleitet und regelmäßigen Kontakt zu den Lehrern der Berufsschule gehabt. Die waren alle verzweifelt. Gründe: Aggressive, lernunwillige Schüler. Es tauchte immer wieder das Problem auf, dass Mathematikarbeiten vor der Klassenarbeit komplett durchgerechnet wurden und dann genau dieselben Aufgaben in der Mathematikarbeit vorkamen und es etwa ein Viertel der Klasse geschafft hat, in Mathe eine 6 zu schreiben. Sie hätten ja letztendlich bloß die Aufgaben auswendig lernen müssen. Selbst das haben sie nicht geschafft oder nicht gewollt.
Meine berufliche Tätigkeit diesbezüglich liegt über 10 Jahre zurück und es ist in dieser Zeit leider nicht besser geworden, befürchte ich.
Dies wäre vielleicht eine Überlegung, die sie anstellen könnte. Im Moment will sie nicht aufgeben und ihren Traum vom vermeintlichen Traumberuf weiter verfolgen.
Ich kann es zwar nicht aus eigener Erfahrung bestätigen. Eine gute Bekannte von mir ist seit vielen Jahren als Berufsschullehrerin tätig. Ihre Erfahrungen gehen zumindest in die Richtung, dass die intrinsische Motivation der Berufsschüler häufig zu wünschen übrig lässt. Sie klammert sich an diejenigen, die wollen und zieht daraus ihre eigene Motivation, auch noch die letzten paar Jahre bis zur Rente zu unterrichten. Vor ein paar Tagen hat sie mir noch mit einem zaghaften Lächeln gesagt: „Was soll ich machen, ich liebe meinen Job halt immer noch?“
Hat jemand da schon mal mitgemacht? Ich stolpere über die Formulierung in den > Teilnahmebedigungen:
Nach Einreichung der Texte erhaltet ihr eine Eingangsbestätigung per E-Mail. Danach erfolgt innerhalb einer Woche eine Rückmeldung per E-Mail ob und wie viele der eingereichten Texte für die Anthologie ausgewählt wurden. Zeitgleich fällt die Zahlung der Teilnahmegebühr i.H.v. 25,- EUR pro Text an. Eine Zahlungsinformation erhaltet ihr ebenfalls in der Rückmeldung. Nach Eingang der Teilnahmegebühr sende ich euch eine Bestätigung per E-Mail. Sollte die Anthologie nicht zustande kommen, wird die Teilnahmegebühr selbstverständlich zurückerstattet.
So kann man eine Anthologie auch finanzieren, ohne je ein Buch verkaufen zu müssen.
Da plündere ich doch glatt eine Kurzgeschichte aus der unheimlichen Ecke meiner Seele:
Dunkles lag mir schon immer. Ich sule mich gerne in Selbstmitleid und finde selbst im strahlensten Sonnenschein eine Regenwolke: Wo ich bin, ist unten.