Mikrostories

Da ich beim Kreativen Schreibspiel beim Begriff „märchenhaft“ zu spät kam, poste ich das mal hier hinein.
Möchte mich bei allen Bayern vorab entschuldigen: Ich kann keinen bayerischen Dialekt: :wink:

Neulich vor dem Königlich Bayerischen Amtsgericht. Zur Verhandlung kommt ein Mord, begangen von einem Köhler im Wald.

Richter: „Sagen Sie mal, wie kommen Sie dazu dies zu Tun?“
Delinquent: „Dem Gustl…“
Richter: „Welchen Gustl?“
Delinquent: „Na, den Gustl Moospichl…“
Richter: „Ach, den Gustav Moospichl meinen Sie, der, der mit der Axt…Na, sie wissen schon.“
Delinquent: „Ja, freilich, sag i ja, der Gustl.“
Richter: „Ja und was ist mit dem Gustl?“
Delinquent: „Der wollte mir meine Axt nicht nimmer hergeben.“
Richter: „Ja, und da haben sie in ihrem Kohlenmeiler im Wald eine Öffnung…,nun ja und ihre Frau…“
Delinquent: „Ja moi, da hab i sie halt eini. Die Axt hat ja noch der Gustl.“
Richter: „Wie kamen sie denn auf diese absurde Idee?“
Delinquent: „Des war kein Absurd, das waren zwei Flaschen Absinth.“
Richter: „Und betrunken waren sie auch noch?“
Delinquent: „Jo mei. Die Oalde war ja sonst nicht zu ertragen. Allein von ihrem Gewicht her, und nörgeln konnte die.“
Richter:" Wie haben sie den ihre Frau da hoch…?"
Delinquent: „Wie die ollen Ägypter bei derer Pyramide. Auf Holzstämmen g’rollt halt.“
Richter: „Das bedeutet für sie lebenslang Zuchthaus!“
Delinquent: „Naa, Naa, Hänsel und Gretl sind auch Frei.“
Richter: „Aber das ist doch ein Märchen. Und außerdem war das ja auch eine Hexe.“
Delinquent:„Moine Oalde ja doch auch. War ja auch nach Anleitung von de Grimm.“
Richter: „Ich sagte Ihnen doch schon, das sind Märchen.“
Delinquent: „I bin nich nimmer Schuld. Die Märchen sinds.“
Richter: " Sie meinen doch nicht allen ernstes. Ich soll das Märchen in Haft nehmen?"
Delinquent:" Jawoll, Herr Ober Richterlichkeit! Märchenhaft!"

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:joy: :+1:

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Diese Stimme, die manchmal lauter und manchmal leiser ist, je nachdem wie müde ich bin oder wie sehr mich der Tag zuvor mitgenommen hat, ja diese Stimme antwortet natürlich anders als ich es letztlich tue. In dem Moment in dem die Buchhändlerin mich fragt - und in mir drin ist dieser Moment länger als die Zeit die bis zu meiner Antwort vergeht, er dehnt sich wie ein Kaugummi, dass noch halb an der Straße und halb an einem linken Schuh klebt- in diesem Moment hat die Stimme längst gebeichtet, dass es nun wirklich keine rationale Erklärung dafür gibt im März eine mit bunten Steinen geschmückte Messing-Brosche in Form eines Weihnachtsbaums zu tragen, zumal diese weder zu den Turnschuhen noch dem Oversized Sweater passt und ja eigentlich weder Weihnachten noch Broschen wirklich zu mir passen und dass der einzige Grund, diese Brosche dennoch zu tragen Du bist und die Idee, ja der absurde Gedanke, dass Du es spüren könntest, dass Du in irgendeiner Dimension merken könntest, dass ich die Brosche für Dich trage, weil Du es eben hier nicht mehr kannst, mich dazu gebracht hatte sie nun eben doch zu tragen und dass obwohl die Idee einer Dimension in der Du weiter Dinge spürst obwohl Du in unserer nicht mehr existierst, eigentlich meiner Überzeugung widerspricht aber dann dennoch in manchen Momenten auch wieder nicht. Sowas alles hat mir die Stimme gebeichtet aber der Buchhändlerin eben nicht denn zu der sage ich einfach, dass ich die Brosche trage weil sie Dir gehört hat und ich es an Weihnachten vergessen habe und irgendwie hat sie trotzdem beide Dialoge verstanden und mir ein Frohes Fest gewünscht.

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Was für ein liebenswerter Bandwurm …

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HALLO MAMA / HALLO PAPA!
BITTE SCHALTE DEIN HANDY AUS! ICH MÖCHTE DIR VON MEINEM TAG ERZÄHLEN. DANKE

Diese Worte leuchten in roter Schrift auf einem neuen Schild in der Kita.
Soweit ist es also schon gekommen…
Was ist nur aus unserer Welt geworden?
Schon sehr lange beobachtet Anni, so wie viele andere auch, die Abwärtsspirale der echten Kommunikation, das schwindende gesellige Miteinander, das kaum noch bewusste Wahrnehmen des Lebens im Hier und Jetzt.
Schon Kleinkinder werden in Laufkarren mit Tablets ausgestattet. Menschen sitzen mit einem Handy in der Hand im Restaurant oder Café sich stillschweigend gegenüber. Warum verabreden sie sich überhaupt? Freunde treffen? Dafür muss man nicht mal mehr rausgehen. Das Internet macht es möglich. Konzerte und (Familien)feiern werden gefilmt und nicht mehr bewusst erlebt. Überall leuchten Handys . Am nächsten Tag taucht irgendwo ein Video, indem man schief singt oder peinlich tanzt, bei Social Media auf. Niemand hat die Veröffentlichung erfragt.
Jeder einzelne Schritt wird festgehalten, vom selbst gekochten Essen bis hin zur Beerdigung wildfremder Menschen. Von harmlos bis makaber. Von lustig zu
" Das geht gar nicht!"
Ist Anni eine Heilige, die in einer Hütte im Wald lebt und jeglicher Moderne abgeschworen hat?
Ganz und gar nicht!
Auch sie taucht viel häufiger, als gedacht und beabsichtigt in die virtuelle Welt ein und unter.
Nein, nicht nur zum Füttern des Gehirns. Sondern einfach zur Ablenkung, Unterhaltung und stumpfen Berieselung.
Auch sie sieht die Vorteile und den Spaßfaktor.
Aber es gibt Grenzen, das echte Leben ist wertvoll, Zeit mit Mitmenschen ist kostbar und all das sollte bewusst genossen werden.
Anni schaltet ihr Handy aus und nimmt ihre Nichte an die Hand. Ein wunderschöner Wintertag in Real Life liegt vor ihnen…

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Mein Wasserkocher ist kaputt. Genauso kaputt wie ich.
Ich schaue nun dem Wasser im Topf beim Kochen zu.
Hände in die Hosentasche vergraben.
Mein tränenverschleierter Blick gleitet zum Fenster.
Draußen scheint die Sonne.
Draußen tobt das Leben.
Und in mir tobt…Stille.
Mein Gedankenkarusell hat eine Pause eingelegt.
Dafür ist nun die Stille eingekehrt.
Schwarz, traurig, schwer.
Sie zieht mich runter.
Endorphine spurlos verschwunden.
Mein altes unbeschwertes Ich scheint sich aufzulösen.
Jeden Tag fehlt wieder ein Teil von mir.
Ich schaue in den Spiegel und sehe eine Fremde.
Kein Strahlen, kein Leuchten mehr.
Ausgeknipst vom Leben.
Trotz allem glaube ich an bessere Zeiten.
An den Tag , an dem die unbändige Lust aufs Leben wieder an meine Tür klopft.
Doch im Moment ist mein Wasserkocher kaputt.
Genauso kaputt wie ich…

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Gib mir deine Adresse, damit ich dir einen neuen Wasserkocher schicke. Und zwei drei Tafeln Schoki. Nein, besser, ich bring sie dir vorbei. Dann kann ich dir auch gleich ein paar Gedichte von Christian Morgenstern vorlesen, die zaubern dir ein neues Lächeln ins Gesicht!

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Das ist sehr sehr lieb von dir! Vielen lieben Dank für dein großzügiges und so herzerwärmendes Angebot…
Hört sich nach einer sehr effektiven Therapie und jeder Menge Herz an. Danke…Ich denke drüber nach…

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Von mir gibt’s einmal Drücken.

Ich glaube fest daran: Dass bessere Zeiten schon unterwegs zu dir sind. Manchmal dauert die Reise etwas …

:sparkles:

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Vielen lieben Dank für 's Drücken und deine sehr lieben Worte . Ich bin auf einem sehr guten Weg und langsam kommt die Sonne zurück…

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Peter ist fett und hässlich und seine Mutter eine Hure.
»Bleib stehen, Peter, du fettes Stück Scheiße.« »Glotz nicht so, Peter, sonst schlag ich dir die Zähne aus.«
Peter steigt aus dem Bus, den ranzigen Rucksack über der ausgebeulten Jeansjacke, die ein bisschen nach Armut aussieht, ein bisschen nach aus der Zeit gefallen, ein bisschen nach nur für alte Männer. »Hast du deine Klamotten unter ner Brücke gefunden, Peter?«
Die Luft in der Klasse ist dick. Teenager, Hormone, Deo – und Peters Duft. Peters Gestank. »Du riechst nach Scheiße.« »Setz dich woanders hin.« »Nein, nicht nach hier.«
Frau Meier mag Peter nicht. Niemand mag Peter. Cem und Levin tun manchmal so, als würden sie ihn mögen. Als wäre er cool. Als könnte er irgendwas. Peter grinst dann hoffnungsvoll. Sehnsüchtig. »Kauf uns was vom Bäcker, Peter.« »Mach meine Aufgaben.« Wenn er sich wegdreht, lachen sie. Lachen ihn aus, das dumme, fette Stück. Wenn er stirbt, wird nicht mal seine Mutter weinen. Manchmal reichen die Worte nicht. Manchmal braucht es Fäuste. Nicht blutig, nur so ein bisschen. Dass es wehtut, aber man nichts sieht.
Sie sagen: »Ich hab nix gemacht, Frau Meier.« »Er hat echt nix gemacht.« »Peter provoziert immer.« Und manchmal stimmt das. Aber nur manchmal.
Peter fährt in die Stadt und kauft sich ein Messer. Ein richtig scharfes. So scharf wie Rache, so scharf wie jedes böse Wort. So scharf wie jeder Blick, der alles sagt, und nichts meint. Peter wird mit dem Messer schnitzen. Mehr nicht.
Peter ist jetzt älter. Er arbeitet in einem Büro. Heute schlägt ihn niemand mehr. Aber die Kollegen wechseln den Platz, wenn er sich setzt. Peter riecht noch immer nach Schweiß. Die Jacke ist weg, dafür trägt er Hemden, die nie richtig passen. Fett ist er nicht mehr. Viel ist nicht von ihm übrig.
Er geht nach der Arbeit nach Hause. Er isst allein. Peter schaut auf das Messer in der Schublade. Er benutzt es nicht. Er wird es auch morgen nicht benutzen.
Und manchmal denkt er, was wäre wenn.
Was wäre wenn.
Was wäre, wenn jemand hingesehen hätte?

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You make my day, don. (Ich dachte schon, ich bin der einzige, dem sowas interessiert)

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Danke fürs Lesen :slight_smile: Es ist kein schöner Text, aber das soll er auch nicht sein.

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Nein ist kein schöner Text…Aber ein guter. Danke fürs Schreiben!

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Inhalt und gewählte Sprache bilden hier eine Einheit. Bedrückend. Viele kennen so einen „Peter“. In positiver Erinnerung ist mir einer geblieben aus meiner Grundschulzeit. Er wurde vom größten Rabauken unserer Klasse immer wieder geärgert und gehänselt; dies nur deshalb, weil er ein Heimkind war. Dieser „Peter“ hat sich lange Zeit nicht gewehrt und einfach geschwiegen. Eines Tages jedoch, im Klassenraum und vor allen Mitschülern, hat er sein persönliches " Messer" genutzt. Er packte sich den Jungen, der ihm so zugesetzt hatte, schleuderte ihn hoch über seinen Kopf und ließ ihn dann mit voller Wucht auf den Boden krachen. Stille im Raum. Nasenbluten. „Peter“ sagte wieder nichts, schaute zum Blutenden auf den Boden und setzte sich seelenruhig auf seinen Platz.
Keiner wusste zuvor, dass er schon ein paar Jahre Kampfsport betrieben hatte. Danach hänselte ihn zumindest niemand mehr.

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Lisa weinte schon auf dem Schulweg; fast jeden Tag. Die Heimkinder umringten sie lachend, drückten sie zu Boden, hielten sie fest und zwei bliesen ihr mit irre lauten Tröten in die empfindlichen Ohren. Lisa hasste die Schulwege.
Die Großen sagten immer nur: „Dann wehre dich doch!“, aber Lisa hatte keinen blassen Schimmer, wie so etwas geht. „Da muss man dem anderen ja wehtun, oder?“

Wenn sie in der Schule ankamen, wischte sie sich die letzten Tränen fort und lächelte sogar. Denn jetzt war sie sicher; wenigstens für ein paar Stunden. Egal, wer sich mit ihr anlegte, die Heimkinder, die sie unterwegs jeden Tag ärgerten, halfen ihr, beschützten sie sogar. Schließlich waren sie eine große Familie.

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Geht es dem Wasserkocher besser?

Ja, mir gehts gut, danke.

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Ich wusste nicht, dass Du @Ully80 s Wasserkocher bist aber ein persönlicher Wasserkocher ist toll. Kommst Du auch mal bei uns vorbei? Der Wasserkocher von meinem Mann und mir ist zwar nicht kaputt aber vielleicht kannst Du ja auch Tee zubereiten? (Und Deinem Steiß geht es besser???)

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Auch wir im Ösiland kochen nur mit Wasser, aber die Eier werden selbst nach einer Stunde nicht weich. Erst wenn das klappt, darf ich zur Gastarbeiter-Zulassungsprüfung antreten.
Und ja, meinem Steiß gings immer super, bloss das Knochenmarksödem im Becken scheint sich hier auf lange Frist eingerichtet zu haben. Treppensteigen geht noch nicht und zur LBM werde ich auch nicht können (Rehab). Shit happens. Aber besser Eis in Österreich als ICE in Minneapolis.

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