Mikrostories

Es war mir eine Froide.

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Heftig, und ‚gewaltig‘ trifft es echt gut. Ein Text, der eine gewisse Befriedigung zurücklässt.

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So empfinde ich es auch.

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Heftig. Die Geschichte hinterlässt bei mir allerdings einen unguten Beigeschmack. Selbstjustiz macht aus Opfern Täter.

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Du hast recht@Koebes, der Eindruck kann entstehen.

Ein Mann, der seine Partnerin im Streit tötet, wird wegen Totschlag verurteilt.
Eine Frau, die sich nach einem jahrelangen Martyrium wehrt, läuft Gefahr, wegen Mordes verurteilt zu werden.

Frauen werden misshandelt und getötet, weil sie Frauen sind. DAS ist in Deutschland kein Straftatbestand.

Aber das war nicht die Intension meiner Geschichte. Mir ging es um Stärke, Selbstbestimmung und Solidarität.

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Stimmt Helmut, allerdings kann Schreiben (oder Lesen oder Reden) darüber, ein wichtiger Kanal sein, um es eben nicht zu tun. Wohin sonst mit der Wut, die bleibt, wenn dir keiner glaubt?
Wie Yoro schon schrieb: Es bleibt nach dem Lesen eine gewisse Befriedigung zurück. Die ist allemal besser, als jene, die sich durch die Tat selbst einstellen würde oder sich oftmals durch ein Urteil wie es die Rechtsprechung vorschreibt, ergibt.
Nur ein Beispiel: vor zwei Tagen hat in Wien ein Vater seine 15jährige Tochter auf offener Strasse mit einem Dutzend Messerstiche beinahe umgebracht. Mich machen solche Sachen furchtbar zornig und ich bin froh, dass die einzige Waffe, die ich besitze, meine Fähigkeit zu schreiben ist. Und ich wundere mich, dass Frauen nicht viel häufiger zur Selbstjustiz greifen. Verstehen würd ichs allemal.

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Ihr habt beide recht @Koebes , @Antje6
Ich schließe mich dem an, was Christian schreibt. Auch hier sind manche Urteile zur Rechtssprechung sehr fragwürdig und machen mehr als wütend. Aber ja…vom Opfer zum Täter

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Ich befürchte, hier ist ein falscher Eindruck entstanden. Ich verurteile Gewalt an Frauen. Ich verurteile jede Form von Gewalt. Die Intention meines Beitrags war keineswegs, irgendeine Gewalt zu rechtfertigen.

Ich verurteile Mord und dennoch schreibe ich darüber. So wie @Antje6 diese Geschichte schrieb. Dennoch wollte ich mein ungutes Gefühl mitteilen, da auch Selbstjustiz eine Form von Gewalt ist

Die Geschichte ist natürlich gut, denn sie beschreibt auch die Hilflosigkeit der Frauen, denen das Rechtssystem nicht genügend Schutz bietet.

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Keine Sorge, so hab ich dich auch nicht verstanden. Ich hatte durchaus ein „seltsames“ Gefühl beim Schreiben und auch nachgedacht, ob ich das wirklich posten will. Aber jede Meinung/ Anregung / Diskussion ist mir willkommen. Denn nichts ist schlimmer als Gleichgültigkeit. Wenn wir reden, erfahren wir, was uns umtreibt und das halte ich grundsätzlich für gut.

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Uneingeschränkt.
Das hat sicher niemand falsch verstanden.

Eine harte, unmittelbare Mikrostory, die unweigerlich bei mir eine Solidarität hervorruft, bei der ich mich nicht wohl fühle. Das machen gute Stories.
Kontrovers, keine Komfortzone.
Richtig gut.

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Da war ein Meer in meinem Traum. Und eine Frau, die sagte, wir müssen warten. Worauf, fragte ich sie. Sie lächelte und schwieg. Das Meer
rauschte weiter. Eine Möwe stand am Himmel und schrie. Ich ging in die Küche und aß einen Apfel. Der hatte einen Wurm. Aber er schmeckte mir
trotzdem. Ich bin gerne am Meer.

Theodor, komm, wir müssen los. Theodor, jetzt binde Dir die Schuhe. Theodor, trödel nicht so rum. Warum musst Du immer so langsam sein.
Theodor, jetzt beeil Dich mal. Theodor, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit. Jetzt nimm dem Apfel halt mit, wir müssen fahren.

Ich will nicht zu Oma. Es ist ein Wochenende, Theo, nur eine Wochenende. Dein Vater und ich, wir brauchen mal eine… wir müssen… es ist nur für 2 Tage, mein Schatz. Du magst Oma. Nein. Jetzt sag so was nicht. Du hast sie immer gemocht. Nein. Sie hat Kekse. Du magst doch Kekse. Die Kekse schmecken alt. Und es riecht dort so komisch. Jetzt sei nicht so. Stimmt aber.

Oma redet komisch. Mama sagt, das machen alle, dort wo Oma herkommt. Sie sagt das ist platt. Platt ist man auch, wenn man müde ist. Zumindest sagt Papa abends oft, dass er platt ist. Oder wenn
jemand über einen drüber fährt. Der Igel auf der Strasse vor kurzem war platt. Ich weiß allerdings nicht, wie man so was sprechen kann.

Die Fahrt dauert lange und mir wird schlecht. Mir wird immer schlecht, wenn ich im Auto lese. Mama ist sauer aber sie hält an der Raststätte an. Mama kauft uns beiden eine Cola und wir trinken sie an einem Tisch vorm McDonalds. Mama kauft sonst nie Cola. Den Rest der Fahrt riecht es im Auto nach Erbrochenem.

Mein Lütter. Lütter heißt Junge und Oma sagt das an diesem Wochenende oft. Zur Begrüßung streicht sie mir dabei mit der Hand durch die Haare. Ihre Hand ist groß und irgendwie muss ich an den Wolf aus Rotkäppchen denken.

Das Wochenende dauert Jahre. Jede Stunde ist ein Tag und ich kann meine Haare im Spiegel wachsen sehen. Zum Mittagessen gibt es Nudeln die zu lange gekocht wurden. Der Wolf, der eigentlich meine Oma ist, mag Kreuzworträtsel und legt sich nach dem Essen zum Schlafen aufs Sofa.

Am Sonntag holt Mama mich wieder ab. Es gibt so viele Apfelpfannkuchen mit Zimt wie ich möchte. Papa ist ausgezogen. Ich habe keinen Hunger.
So schlimm war es bei Oma gar nicht.

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Sehr eigenwilliger Stil. Passt aber. Ich mag es.

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Ja, eigenwillig. Aber auch besonders und nah an der Realität. Und traurig, weil der Vater die Familie verlassen hat.
Ich kann mir gut vorstellen, dass solch staccatohaftes Denken und Niederschreiben in einem gewissen Alter normal wäre.

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@HannahK, ich liebe deine Texte. Auch wenn du es nicht glaubst. Du hast eine Gabe, denn deine Texte kommen von innen.

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:kissing_heart::kissing_heart::kissing_heart: Danke schön. Das freut mich sehr! (Ich mag Deine Texte auch sehr gerne! Den mit dem Mann auf der Bank fand ich wunderschön poetisch.)

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Erst dachte ich: okay das ist ein spezieller Stil. Aber du schaffst es Emotionen zu zeigen ohne sie explizit zu nennen, eine Stimmung zu kreieren, ohne sie zu beschreiben… Du erzeugst Bilder im Kopf… wirklich auf den Punkt und sehr ausdrucksstark! Hat mir sehr gut gefallen! :blush:

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Ohhhii danke, das freut mich sehr! :kissing_heart:

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Superstark!
Zu Beginn war ich etwas irritiert. Dann aber sofort drin und bin gerne dabei geblieben. Mir gefällt das.
Danke! :dancer:

Dafür habe ich eben mein letztes Herz gegeben. Bin schon wieder out of hearts.

Deswegen für das was danach kommt hier: :heart: :heart: :heart: :heart: :heart:

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Wirklich gut! In sich völlig homogen in der Sprache. Konsequent rund geschrieben und doch eigensinnig. Gerade in der Kindlichkeit. Toll!

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Alle Jahre wiehern.

So, jetzt müssen noch die Geschenke zusammen gesucht werden, die später unter dem Baum kommen. Ach ja, der Baum muß ja auch noch aufgestellt werden. Aber jetzt erstmal die Gans in den Ofen. Zum Glück habe ich den Kartoffelsalat schon gestern gemacht. Im Keller ist er über Nacht ja gut durchgezogen.

Der Baum. Genau, steht er jetzt vor oder hinter dem Haus? Egal schau ich gleich noch nach. Na, DaVinci, wo bist du den schon wieder gewesen. Was hat der Kater denn jetzt am Fell kleben? Irgend so ein weißes Zeug. Da klebt irgendwas dran. Was ist das? Ein Kartoffelstückchen? - Oh Nein!! Der Salat! Warum muß ausgerechnet jetzt auf der Treppe zum Keller so viel rumliegen? Fast wäre ich auch noch gestolpert. Im Vorratsraum liegt eine vom Kartoffelsalat drapierte zerbrochene Schüssel auf den Boden. Lauter kleine Mayonnaise Tapser rund um das Arrangement bis hin zur Türe. Hinter mir ein zärtliches Miauen. Sowas wie Wut steigt in mir hoch - jetzt erstmal tief durchatmen und schon schoss DaVinci zwischen meinen Beinen durch Richtung Kartoffelsalat und ich merke dabei, wie der Kellerboden immer näher an mein Gesicht herankam. Pfui, Teufel. Kartoffelsalat mit Dreck im Mund, Schnell ausspucken. Dieses verflixte Katzentier, aber Cornelia wollte ihn unbedingt haben.

Cornelia, genau. Die beiden Kinder sind mit meinem Mann einkaufen. Jetzt schnell wieder aufstehen und sie anrufen, damit sie noch Kartoffelsalat kaufen. Wo verflixt liegt denn jetzt schon wieder das Handy rum! Auf dem Wohnzimmertisch, wo es eigentlich liegen sollte ist das nicht. Ah der Baum. Vor dem Wohnzimmerfenster auf der Terrasse steht er. Schnell rein holen, bevor er entgültig naß regnet. Der Christbaumständer ist auch noch auf dem Dachboden. Den hole ich jetzt rasch, dann kann der Baum schon mal aufrecht neben dem Eßtisch stehen.

Was wollte ich doch gleich? Ach ja den Kartoffelsalat suchen, damit ich die Kinder anrufen kann und sie schnell das Handy einkaufen können.Irgendwas fängt jetzt an leicht brennig aus der Küche zu riechen. Die Gans!! Jetzt aber flott das Schlimmste verhindern. Nochmal Glück gehabt und jetzt die Apfel- Maronenfüllung zwischen ihren Pobacken schieben und wieder zurück in den Ofen. Die Temperatur runterdrehen und das Handy suchen.

Da klingelt was. Das Handy! Wo kommt das jetzt her? Von oben, also nichts wie die Treppe hoch. Badezimmer? Schlafzimmer? Nee, wohl eher die Kinderzimmer. Mist, kaum oben angekommen hörts wieder auf. Mal abwarten, vielleicht klingelts ja noch mal. Wie war das nochmal im Yogakurs? In der Ruhe liegt die Kraft. Aber welche Ruhe? Wenn der Kurs von einer Frau geleitet würde, würde sie nicht so einen Schwachsinn verzapfen. Das Handy klingelt wieder. Kommt aus Felix Zimmer. Wo kommt es jetzt her? Ah, unter seinem Bett. Also drunterlangen. Was ist das? Lauter Schmuddelhefte? Ach da ist ja das Handy. „Hallo hier Mama“. „Ach du bist es Oma“. „Ja wir holen dich vom Bahnhof ab. Wann kommst du denn an?“ „Ok, wir sind pünktlich 5 Uhr 30 am Bahnsteig“. Jetzt meinen Mann anrufen. „Hallo Robert, kannst du noch Kartoffelsalat mitbringen?“ „Nein, warum?“ „Der Kartoffelsalat von gestern ist für die Katz“. „Ja,gut“. „Bis nachher“.

Was wollte ich doch noch gleich? Ach ja, den Christbaumständer vom Dachboden holen. Wo steht jetzt der Stiel mit dem Haken um die Bodenluke herunter zu ziehen? Ach da, hinter dem Handtuch im Badezimmer. Jetzt die Leiter runterklappen und nichts wie hoch. Mein Gott, ist die Stiege hier wieder mal am knirschen. Ein bischen Öl könnte auch nicht schaden.

Ah, da steht ja der Ständer, aber was sind das für Kartons daneben? Mal den Deckel auflupfen. Die Christbaumkugeln. Stimmt, die brauchen wir ja auch noch. Aber jetzt erstmal den Ständer runter, die Luke kann ja auf bleiben. Unten den Baum rein, Ständer zudrehen und schauen. Steht schief. Egal, können die anderen gerade stellen. Jetzt ab in die Küche, die Gans ist auch noch ganz gut. Den Apfelrotkohl in den Topf und einschalten.

Wieso klingelt das jetzt an der Türe? Die haben doch den Haustürschlüssel dabei. Mal schauen. Die Nachbarin, also die Türe öffnen. „Ja, wir haben Tonkabohnen“ „Ja, kann man auch etwas in die Vanillesoße davon reinreiben.“ Macht Spaß, mal wieder jemanden zum Ratschen zu haben. „Ja, ich habe Apfelrotkohl auf dem Herd stehen, warum?.“ „Wie? Jetzt rieche ich das auch!“ Aber nix wie ab in die Küche. OK, kleine Programmänderung, es gibt heute Abend Rosenkohl.

Ah, das Türschloß klickt. Gott sei Dank da sind sie ja alle wieder. Jetzt kümmern sie sich um den Baum und die Geschenke und ich kann hier in der Küche weitermachen. Den mitgebrachten Kartoffelsalat in die Schüssel und jetzt erstmal hinsetzen. Mein Gott!

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