Das war mir bei der Überschrift schon klar. ![]()
Ole läuft wild und laut lachend durch den Gruppenraum. Er stolpert gegen einen Tisch. Ich sehe alles in Zeitenlupe vor mir: die fallende Glasvase, spritzendes Wasser, überall Scherben zwischen bunten Gartenbumen, Ole’ s erschrockenes Gesicht.
Ich vernehme die keifende Stimme von Hildegard, dem Erziehermonster der Kita Sonnenschein.
" Das ist mal wieder so typisch, Ole- Finn! Du bist der tolpatschigste und ungezogenste Junge der Welt! Setz dich in die Gaderobe und denk über dein Verhalten nach!"
Mein Magen zieht sich zusammen, eisige Kälte und Wut machen sich in mir breit.
Wie kann man nur so herzlos und fies sein? Was sucht dieses Monster in so einem Job?
Ich gehe zum weinenden Ole, nehme ihn fest in meine Arme und streichle ihm beruhigend über seinen Rücken. Nach einer Weile schaut er mich aus seinen lieben großen blauen Augen an " Hanna,weisst du wo eine Fee wohnt?"
" Nein Ole, dass weiß ich leider nicht. "
" Hast du wenigstens ihre Handynummer?"
" Leider auch nicht. Was möchtest du denn von ihr?"
" Ich will sie fragen, ob sie mich in einen starken Tiger verwandelt, damit ich mit Hildegard kämpfen kann. "
Ich erkläre ihm, dass kämpfen keine Lösung ist. Ich jedoch seine Wut total verstehen kann.
Ole überlegt " Kann mich die Fee dann vielleicht einfach in einen lieben Jungen verwandeln?"
Wärme und Liebe durchströmt mich. Ich nehme sein kleines süsses Gesicht in meine Hände " Du bist der liebste Junge der Welt. Ja,manchmal ein bißchen zu wild und trotzdem genau richtig!" Den letzten Satz sage ich noch etwas lauter, damit ihn alle hören können: " Du bist so toll und etwas ganz besonderes!"
Heute ist der letzte Tag meines Schülerpraktikums.
Meine Zeit mit Ole wird noch lange nicht vorbei sein. Viel zu sehr ist dieser kleine Sonnenschein mir ans Herz gewachsen. Vielleicht kann ich ja seine Fee sein oder vielleicht ist er der kleine Bruder, den ich mir schon immer gewünscht habe.
Ob ich noch immer Erzieherin werden möchte?
Jetzt erst Recht! Wenn nicht wir Herzensmenschen wehrlose Kinder stärken und ihnen jede Menge Liebe schenken, wer sollte es denn sonst tun???
@Kick,
Ich saß auf dem Sofa und lachte Tränen. Ich lachte so sehr, dass ich der Familie vorlesen musste, was mir am Ende einen ordentlichen Muskelkrampf im Bauch bescherte.
Es IST morbide und urkomisch!
Ich liebe alle, die meinen Humor verstehen
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Aber a bisserl ernst ist es schon auch, gelle? ![]()
Donnie Jesus Trump … oder: Wie ich es aushalte …
Kürzlich hatte ich einen total krassen Traum:
Gott: Bist du soweit?
Jesus: „Wie schaue ich aus? Fein?“
Gott: „So anders als beim letzten Mal. Die langen Haare standen dir gut.“
Jesus: „Mir steht alles gut!“
Gott seufzt.
Jesus fasst zusammen: „Wir sind uns einig, dass ich nicht mehr gekreuzigt werde, gell?“
Gott zögert und nickt endlich.
Jesus: „Und ich will nicht mehr so jung sterben, okay?“
Bevor Gott zustimmt, schiebt Jesus hinterher: „Und kein Chinese sein, klar?“
Gott überlegt kurz. „Wie wäre es als Afrikaner?“
Jesus sieht ihn ungläubig an; lehnt ab.
Gott: „Na gut, dann lass dich überraschen. Hö hö", murmelt er. „Orange fällt ganz sicher auf. Großartiger Wiedererkennungseffekt. Göttlicher Einfall!“
Jesus: „Was?“
Gott: „Ach nix.“
Viele Jahrzehnte später
Geheimes Treffen von Gott und Sohn.
„Vater, die Menschen setzen mir keine Grenzen.“
„Bedauerlich Sohn. Was machen wir denn da?“
„Plan 25 ist kacke!“
„Also hör mal – du bringst ja Worte mit. Die haben hier oben wirklich nichts zu suchen.“
„Tschuldige, habe vergessen, wo ich gerade bin. Ich sagte in der Öffentlichkeit: ‚Ich kann mitten auf der Straße morden und niemand wird mich zur Rechenschaft ziehen.‘ Hat das Konsequenzen? Keineswegs!“
„Du hast dich an Kindern vergriffen, stimmt’s?“
„Was man nicht alles tut, um die Menschen wieder zur Vernunft zu bringen.“
„Nt nt nt. Nicht okay!“
„Du hast gesagt, ich soll alles probieren. Aber die good cop, bad cop Methode funktioniert nicht.“
Themawechsel
„Wann ist Satan soweit?“, fragt Jesus.
„Weißt du doch. Wenn er seine Söldner zusammen hat. Dann beginnt der physische Kampf. Jeder gegen jeden. Schauen wir mal, was übrig bleibt. Gut oder Böse. Hm.“
„Wer hat ihn eigentlich Elon getauft? Und wie nah ist er an seinem Ziel? Wie viele Dummchen hat er bereits geschwängert?“
„Die magische Zahl ist 1000. Hat er aber noch nicht. Es wird langsam schwierig für ihn, an unschuldige Damen zu geraten …“
„Wie viele von denen waren denn unschuldig?“ Jesus lacht.
Gott, tadelnd: „Wir wollen doch nicht mehr so altmodisch sein, oder?“
„Vater, ehrlich, ich weiß nicht mehr ein noch aus. Stell dir vor, ich schicke Maskierte los, die überall Menschen einsacken und verschwinden lassen. Warum lassen sie sich das gefallen? Ich leide!“
Gott brummelt in seinen flauschigen Bart.
„Verstehst du Vater, für das, was ich tue müssen sie mich geteert und gefedert vom Planeten katapultieren. Tun sie aber nicht.“
Nachdenkliche Stille.
„Apropos, was machen wir eigentlich am Ende, mit all denen, die mir behilflich sind? Sie sind Sünder!“
„Aber doch nur um der guten Sache Willen. Sei nicht so streng Sohn.“
„Ich finde, sie gehören bestraft! Wenigstens verklagt.“
Gott seufzt.
Und dann bin ich leider aufgewacht. Aber hey, seitdem sehe ich Nachrichten mit ganz anderen Augen. Ich fürchte und sorge mich nicht mehr.
Nun ja, ein bisschen schon. Immerhin steht aus, ob am Ende Gut oder Böse gewinnen wird. *
Aber ich will die Hoffnung nicht verlieren. Genau! Bis dahin habe ich einen Weg entdeckt, wie ich diese moderne Grausamkeit, die Kriege und den ganzen Mist aushalte.
K. T. Lee
Pilger
„Ich kann nicht jodeln!“
Er schrie es verzweifelt hinaus. Jeder konnte es. Ausnahmslos jeder. Fast ausnahmslos.
Die Ausnahme war er. Die Anomalie. Alle wussten es.
„Ich kann nicht jodeln!“
Er hämmerte an die schwere, dunkel verwitterte Tür der uralten Abtei.
Im Inneren des Klosters antwortete jemand, offensichtlich ungehalten.
„Verschwinde! Du stürzt uns alle ins Unglück!“
Mit Verzweiflung im Blick wandte er sich ab und stolperte mit tränenverschleiertem Blick aufs Geratewohl davon.
Er würde es tun! Er würde es ganz sicher tun! Er war fest entschlossen, es musste sein. Mit wild klopfendem Herzen spürte er seinem Hass auf die ganze Welt nach. Er genoss es, dass er seine Gefühle kaum im Zaum zu halten vermochte. Er wollte wütend sein.
Er begann, sich auf diesen einen Tag vorzubereiten. Heimlich kaufte er einen blauen Pilgerumhang. Mehrere Mittelsmänner wurden beauftragt, die Bezahlung auf Umwegen abgewickelt. Den Ledergürtel, mit dem der Umhang zusammengehalten wurde, hatte er sich in etlichen nächtlichen Arbeitsstunden mühsam selbst gemacht. Im Halbdunkel der Nacht hatte er endlich die obligatorischen Kerben in den Rand des Gürtels geschnitten. Eine für jedes seiner Lebensjahre.
Schließlich war der Tag gekommen. Die übergroße Kapuze des Pilgermantels hatte ihn davor bewahrt, auf dem tagelangen Marsch in die verlassene Stadt erkannt zu werden. Er hatte mit niemandem gesprochen. War nur mit den anderen gewandert, hatte Steppe und Wüste hinter sich gelassen. Dann standen sie alle mit demütig gesenktem Kopf auf dem großen Platz in der Mitte der leeren, alten Stadt. Dies war der Moment, auf den er gewartet hatte. Sie hatten ihre Häupter verhüllt und verharrten abwartend.
Wie auf ein Zeichen holten sie gemeinsam tief Luft und begannen, lautstark zu jodeln. Tausende Kehlen. Diesen Gesang hatte er sein ganzes Leben lang hören wollen.
Es traf ihn wie ein Hammerschlag. Mit einem Lächeln im Blick starb er.
Vergessene Träume
Ein sonniger Tag, die Kinder spielen im Freien. Sie wirken unbeschwert, sind es vermutlich auch. Die Leute schauen ihnen zu, wie sie rumtoben. Leute, das sind immer nur die Erwachsenen, Kinder sind nie Leute. Leute spielen nicht Fangen auf einer Wiese, Leute sind selten unbeschwert. Sind Kinder es eigentlich immer?
Ich schaue mir einen Jungen an, der nicht am Spiel der anderen teilnimmt. Er sitzt etwas abseits, vertieft in einen Sandhaufen vor sich.
„Was machst du da?“, frage ich.
Er schaut mich an, als sei ich ein Außerirdischer. Klar, ich bin ein Erwachsener. Nur ein Ausflug zurück in die Kindheit?
„Spielen“, kommt die knappe Antwort. Kinder sind unkonventionell, deshalb frage ich auch nicht erst lange, sondern setze mich zu ihm. Darauf achtend, dass ich meine Hose nicht dreckig mache, gehe ich in die Knie und schaue mir an, was er gebaut hat.
Gerechnet hatte ich mit Straßen und so etwas. Jungs spielen immer ‚Autos‘ im Sand. Wir haben es früher getan, ich war mal ein Junge, also weiß ich das.
Es waren keine Straßen zu entdecken. Einfach kleine Sandanhäufungen und am Rand ein größerer Berg.
„Das ist das Schloß“, erfahre ich. Kinder brauchen keine Details, denn die sind in ihren Köpfen, wie ein Schatz, den sie behüten. Leute haben ihre Schätze irgendwo in dem noch größeren Berg vergessen, den sie ihr Leben nennen.
Die meisten Leute halten ihr Leben für einen Müllhaufen, was es vermutlich auch ist. Es gibt die verschiedensten Müllhaufen. Manch einer sortiert seinen ganzen Müll im Kopf und nennt das dann ein organisiertes Leben. In anderen Köpfen herrscht hingegen ein heilloses Durcheinander, das nennt man dann chaotisch. Nun, ich gehöre der letzteren Kategorie an … ganz sicher.
Aber ich bin auch der Meinung, es ist die spannendere Alternative. Immer wieder entdeckt man Seiten an sich, die bisher verschüttet waren. Immer wieder hat man Probleme, die ein organisierter Müllhaufendenker nicht kennt. Man könnte das als Nachteil bezeichnen, ich finde aber, es ist kein wirklicher Nachteil.
Während ich so über die Art einen Müllhaufen anzulegen nachdenke, habe ich mich auch in den Sand gekniet. Meine Augen sehen plötzlich gar nicht mehr die kleinen Sandhäufchen und den Berg. Es tut sich eine Märchenlandschaft vor mir auf, ich kann Stimmen hören, sehe Leben in den Häusern, im Schloss wird heute noch ein Ball stattfinden, ich bin mir sicher. Jeder weiß doch, dass in Schlössern laufend Bälle stattfinden.
Jeder? Auch Leute? Naja, ich bin ja der einzige Erwachsene hier, und es gibt keine Einzahl von Leute. Wenn jemand also allein ist, kann er plötzlich wieder seinen Schatz im Müllhaufen orten, wenn er es nur will.
Schöner Text, danke dafür. Kann man gerne Nietzsche dazu zitieren: Man muss Chaos in sich tragen, um tanzende Sterne gebären zu können.
Und jetzt lieber Zwenn, folge mir auf die Schlossterasse. Das Feuerwerk wird jeden Moment losgehen.
Danke, ich schnapp mir meine Förmchen und gehe raus zum Buddelkasten!
Kinder sehen die Welt wahrhaftig mit anderen Augen als die Erwachsenen. Sie haben viel Fantasie, und es ist gut, wenn ein Erwachsener sie übernehmen kann. Das bringt ihm eine gewisse Leichtigkeit. Nur ist ihm dieser Weg oft durch die vielen geordneten Müllhaufen im Kopf versperrt. Dein Vergleich ist schön. Aber so toll stelle ich mir die Fantasie des Kindes auch nicht vor. Da gibt es auch Monster oder andere böse Wesen., u.a. Mit dieser Angst wird das Kind vom Erwachsenen gern allein gelassen. Es nützt nichts dem Kind zu sagen, sie gibt es nicht … Für das Kind existieren sie dennoch weiter.
- Ich lasse das soeben Geschriebene stehen, trotzdem es vielleicht ein bisschen zu weit weg von deinem wunderbaren Beitrag führt, den ich gern gelesen habe.
Danke für Dein Feedback. Lass uns gerne das Feuerwerk genießen ![]()
Sehr gut! Ich hoffe Du hast viel Spaß und gute Ideen ![]()
Danke für Dein Feedback, das etwas ausholt. Du hast absolut recht. Auch wenn ich nur eine Szene beschreibe, ist Angst glaube ich eine Sache, die Kinder durch Fantasie trainieren. Angst ist notwendig zum Überleben. Allerdings wünsche ich mir, viele Kinder müssten damit nicht allein fertig werden.
Ich bin froh, dass Du Dein Geschriebens hast stehen lassen
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Hallo,
mein Name ist Jacky Pumpkin und ich möchte ein wenig von mir erzählen. Es ist ein hartes Leben, das ich führe, denn es gibt nur eine begrenzte Zeit im Jahr, in der mir Aufmerksamkeit zuteilwird. Als Kürbis hat man es schwer!
Sicher liegt es auch für Sie auf der Hand, warum ich mich gerade jetzt melde. Genau, die Zeit, in der sich andere intensiv mit mir beschäftigen ist vorbei. Der 31. Oktober ist jedes Jahr aufs Neue der Tag, dem ich zwiegespalten entgegenblicke. Zum einen ist es das Highlight des Jahres, wenn ich helfen kann, diesem gruseligen Gruseltag seine Atmosphäre zu verleihen. Zum anderen ist es anschließend wieder vorbei.
Das wäre ja alles halb so wild, wenn ich wenigstens ein normales Leben führen könnte. Aber haben Sie eine Ahnung, wie man als Kürbis wahrgenommen wird, wenn man reisen will? Abgesehen davon, dass ich nicht einmal Arme oder Beine habe. Eigentlich bin ich sogar nur ein Kopf und der ist auch noch hohl.
Ich stehe am Balkon und rauche. Unsagbar leise fällt Schnee. Die Hügel jenseits des Flusses sehen aus wie gezuckerte Pannetoni. Die Katze des Nachbarmädchens sitzt am Gartenzaun und zählt die Flocken. Über ihrem nachtschwarzen Fell liegen hunderte Schneekristalle wie ein Hochzeitsschleier.
»Wie heißt deine Katze?«, frage ich Caroline.
»Winter«, ruft sie mir zu und dann, lachend: »Winter is coming!«
Die Sonne geht mir auf und wärmt mich von innen.
Ich liebe dieses Kind, denke ich, diese Katze, dieses Dorf, dieses Leben.
Aber Winter is coming. Wenn ich so alt werde wie mein Großvater, habe ich noch drei Jahre. Keinen Tag davon will ich verschwenden.
Im Wohnzimmer knistern die Buchenscheite im Ofen. Es riecht nach Kakao und Rum, am Sofa liegt meine Frau und liest in einem Band mit Gedichten von Mascha Kaleko.
»Was denkst du?«, fragt sie.
»Dass ich glücklich bin«, antworte ich.
Danke für diese herzerwärmende Geschichte.
Wundervoll!
Es begab sich zu einer Zeit, als Corona noch als Sonnenkranz verstanden wurde, in einem sehr heißen Sommer folgendes:
Letztens hatten wir Besuch. Die Lütte von ihnen ist vernarrt in meinen Renault Twizy und hat den seinerzeit auf „Speedy Gonzales“ getauft.
Wenn sie kommt, will sie mit mir und dem Twizy immer eine Rundfahrt unternehmen, ehe ich mich versah, saß sie schon hinten drin. Ergo ´ne Runde drehen. Unterwegs bei der Hitze an einer Eisdiele angehalten, den Twizy mit der Front zum Schaufenster des Eiscafés hin abgestellt und reingeganen. Drinnen hats ´ne Klimaanlage.
Einen kleinen freien Tisch in der Ecke gefunden und die Eiskarte studiert. Die Lütte saß mir gegenüber mit Sicht durchs Fenster auf „Speedy“. Ihr Blick wanderte später vom Erdbeereis vor ihr und dem Twizy immer hin und her.
„Das ist unfair“. Ich daraufhin: „Was ist unfair“. Sie: „Wir haben Eis und Speedy nix. Kuck mal wie traurig der hier reinkuckt“. Dann wurde fürs Erste weitergelöffelt.
Plötzlich springt sie auf, läuft zum Eisverkäufer „Hasse mal Strom?“ Der schaut sie fragend an. Sie streckt ihren Arm lang aus Richtung Schaufenster und zeigt auf den Twizy „Wir haben Eis, aber Speedy will auch eine Erfrischung. Kuck mal wie traurig seine Lampen hier reinkucken.“ Fingerte in ihrem Umhängetäschchen rum und knallte ihm nebst dem amüsierten Lächeln der anderen Gäste eine Münze auf die Glastheke. „Hier haste auch’n Euro dafür“. Ich hoffte, dass der Boden unter mir aufging und mich verschlang, aber den Gefallen tat er mir dann doch nicht.
Das Ende vom Lied: Ich durfte das Verlängerungskabel aus dem „Kofferraum“ holen, den Twizy daran anschließen und es quer durch die Stühle und Tische draußen durch den Eingang bis zur Theke ziehen, wo der Eisdielenchef den Stecker in die Steckdose steckte. „So, jetz‘ schmeckts Eis besser“, war der Kommentar der Kleinen.
Als wir am Ende das Eis bezahlten, gab der Verkäufer der Lütten lachend den Euro wieder zurück: „Der Kleine da draußen ist von mir eingeladen“. Mit strahlenden Augen steckte sie ihn wieder in ihr Umhängetäschchen.
Draußen angekommen drehte sie sich zu mir um mit den Worten : „Siehste, so macht man das!“
So sieht er aus:

Super, die Lütte!
Orange Day
Sie standen um ihn herum. Schulter an Schulter. Eine Mauer aus Schweigen. Eine Mauer aus Augen, blauen, braunen, deren Ausdruck ihn an den Boden heftete. Er hustete einen Batzen Schleim, schmeckte dabei das Blut in seinem Mund. Jeder Atemzug zupfte an den losen Enden seiner Rippen. Das verschwollene linke Auge ließ sich nicht öffnen, doch mit dem anderen musterte er das Wenige, das trotz der Ski Masken zu sehen war. An einem Augenpaar blieb sein Blick hängen. Grüne Augen, die seinen zum ersten Mal standhielten.
„Du blöde Fotze!“
Sie wich nicht zurück. Nicht einen Schritt. Abendwind spielte mit einer vergessenen Haarsträhne. Dickes, rotes Haar. Er erinnerte sich daran, wie es sich in seiner Hand angefühlt hatte.
„Hast dir Verstärkung geholt was? Sind die alle so hässlich wie du? Und zu blöd zum Ficken?“, schrie er. Sein Atem ballte sich in der kalten Luft zu weißem Nebel.
Ihre Faust öffnete sich kurz und schloss sich sogleich fester um das Eisen.
Er sah es, tat, als würde er kichern. „Willst du mir Angst machen, Miststück?“
Ein spitzes Knie stieß ihn in den Rücken. Er fiel nach vorn, auf seine Hände. Der Schmerz fand neue Nahrung, dehnte sich über die Rippen aus bis in seine Lungen.
Sie sagte noch immer nichts. Stattdessen trat sie näher, setzte einen Fuß auf seine Hand.
„Runter … von … mir!“, verlangte er. Das Feuer in seinem Brustkorb machte ihn kurzatmig.
Die Eisenstange berührte schwer seinen Arm. Die Frauen zogen den Kreis enger.
„Ich … Ich will mich hinsetzen.“
Beinah sanft strich das kalte Eisen über seinen Hals, folgte der Linie seines Kiefers, Wange und Schulter.
„Ich krieg keine Luft“, keuchte er.
Sie verlagerte ihr gesamtes Gewicht auf seine Hand, bevor sie den Fuß langsam herunternahm. Er sank zurück, schöpfte Atem.
„Verdammt, was wollt ihr von mir?“, rief er und versuchte aufzustehen.
Mit dem Eisen hielt sie ihn am Boden. Einfach so. Es gelang ihm nur, seinen Kopf zu heben, um ihren Blick zu suchen. „Weißt du, was ich mit dir machen werde?“ Er leckte das Blut von seinen Lippen und grinste. „Wenn du ganz allein mit mir bist?“
Die Eisenstange verlor kurz den Kontakt zu seiner Schulter. Doch bevor sein überlegenes Lächeln die Augen erreichte, wischte sie es für immer aus seinem Gesicht.
Inzwischen war es vollkommen dunkel, wohltuend still. Außer dem murmelnden Flüsschen war nichts zu hören.
Sie zog die Ski Maske vom Kopf und schüttelte ihr langes rotes Haar. Die Frau neben ihr nahm das Eisen, um es von der Brücke ins Wasser zu werfen.
Sie schlenderten hinüber auf die andere Seite und keine schaute je zurück.
Gewaltig. Grossartig!
Danke für diesen tollen Text.