Glück gehabt?
Gestern noch hing ich als lila Traube am Stock,
bis Finger mich pflückten.
Auserkoren, frohgemut verließ ich meine Freunde,
welche mir erschrocken nachriefen: „Jetzt wirst du zerquetscht und verspeist!“
„Quatsch“, rief ich zurück. „Nun erkunde ich die weite Welt.“
Und so war’s auch. Auf einem Wagen wurde ich kutschiert, sah Bauern, Tiere und Landschaften. Was hätte ich viel zu erzählen.
Grün würden sie alle bleiben vor Neid.
Doch was war das Ende vom Lied?
Meine Freunde hatten recht.
Im Waschbecken einer Großküche schrie ich, ungehört, um Hilfe.
Auf dem Büfett, immerhin hübsch angerichtet,
verbarg ich mich so lang, zwischen weiteren Trauben,
bis ein kleines Mädchen ausgerechnet mich hervorzog.
Doch statt mich in den Mund zu schieben,
legte sie mich sachte auf ein schmuckes, weißes Tellerchen.
Eine Freundin hatte ich soeben gefunden, was denn sonst?
Hin rollte ich vergnügt und her,
wollte davon immer mehr,
bis plötzlich ich am Boden landete.
Meine neue Freundin bückte sich nach mir.
War das nicht lieb von ihr?
„Liegenlassen!“, hörte ich bloß.
Dann sah ich Füße in Sandaletten,
Turnschuhen und sogar unbekleidete.
Ganz nah und immer näher.
Ohne damit zu rechnen,
stellte der Kellner einen Stuhl so,
dass jeder drum herum lief.
Ach herrlich war das,
ein riesiges Dach, extra für mich.
Welch Leid mir doch erspart geblieben.
Doch dann kam, überraschend aus dem Nichts,
eine Schaufel und ein borstiger Besen.
Das war es nun für mich gewesen?
Glück gehabt, denn immerhin - nicht zerquetscht und nicht verspeist!
(An der Geschichte werde ich noch basteln, weil ich sie süß finde. Ansporn? Reimform)
