Für mich die stärkste Formulierung in dem Text. Hart, unmittelbar, treffend. Sehr gut.
Intensiver Text, sehr gut komprimiert und Symbolik und Hoffnung in einer scheinbar einfachen Szene kombiniert. Mega! Auch, weil der moralische Fingerzeig wegbleibt.
Hast Du es noch nicht gelesen, solltest du Wolfgang Borchert lesen. Stilistisch würde er gut zu Dir passen.
Toll!
Danke sehr für das Lob! Ich freue mich, wenn mein Text so wirkt.
Habe ich, ja, und voriges Jahr auch gespielt (Schulaufführung)
Du hast wohl gedacht, ich wäre ein romantisches junges Mädchen mit blassgrünem Teint? Typ Ophelia mit Wasserrosen im aufgelöstem Haar? Du hast am Ende gedacht, du könntest in meinen süßduftenden Lilienarmen die Ewigkeit verbringen. Nee, das war ein Irrtum von dir. Ich bin weder romantisch noch süßduftend. Ein anständiger Fluss stinkt. Jawohl. Nach Öl und Fisch.
„Hier riecht es immer noch nach Blut.“ (Macbeth)
„… und Hoffnung.“ (michel)
Bitte halte Dich niemals daran, wenn Du sagst, dass Du nichts schreiben wirst.
Schreib weiter, schreib mehr. Bleib hier oder schreib woanders aber hör nicht damit auf und lass Dich nirgends vertreiben. ![]()
Tolle Geschichte! Sehr schön geschrieben! Daumen hoch von mir
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Dein Talent schimmert durch jede Zeile!
Genial! Das ist es, was wir alle suchen: die Magie der Worte.
Danke!
Ich musste erst Mal nachsehen, was das heißt. Nun habe ich es begriffen und finde deine Geschichte sehr gelungen.
(Das war eigentlich eine Schreibübung.)
“Trink dein Wasser, Liebling. Es ist heiß heute.”
Magda reicht mir die angebrochene Wasserflasche mit einem Lächeln, ihr Blick verliert sich irgendwo links hinter mir in den Bäumen. Den Deckel hat sie abgeschraubt. Ich greife nach der Flasche und trinke gierig tiefe Schlucke ohne abzusetzen. Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie sie weiter den Wald hinter mir mit diesem dezenten Lächeln betrachtet.
“So ist es gut, Liebling. Bei dieser Hitze solltest du viel trinken.” Ihre Stimme klingt zärtlich.
“Danke.” Ich halte ihr die Flasche hin.
Magda macht keine Anstalten, sie entgegenzunehmen. Kaum merklich nickt sie mit unbewegtem Gesichtsausdruck dem Wald zu.
Die Plastikflasche noch in der ausgestreckten Hand, trete ich einen winzigen Schritt rückwärts. “Packst du die Flasche bitte wieder ein?”
Sie reagiert nicht, starr lächelt sie an mir vorbei.
“Magda?”
Ich drehe mich halb um, untersuche mit den Augen die grünen Büsche und Bäume, immer wieder huscht mein Blick zurück in ihre Richtung.
“Trink jetzt dein Wasser, Liebling”, sagt sie mit weicher Stimme. “Es ist heiß heute.”
Liebe Ifrah,
gestern habe ich Deine Geschichte entdeckt. Und sie beschäftigt mich nachhaltig: gestern Abend, heute Morgen. Ich denke noch immer darüber nach, sie ist wirklich schön geschrieben und ich finde sie inhaltlich wahnsinnig aussagekräftig. Sie hat mich berührt, tut sie noch immer.
Liebe Grüße,
Arletta
Am Wochenende war ich auf einer Geburtstagsfeier. Der Jubilar wurde 50 – und so mussten wir ihn um Mitternacht natürlich mindestens dreimal mit bestem irischen Single Malt hochleben lassen.
Früher oder später geht auch die schönste Feier zu Ende. Den Renault, mit dem ich gekommen war, ließ ich deshalb besser stehen und machte mich zu Fuß auf den Heimweg. Es war ja nicht weit.
Unterwegs entdeckte ich nach einer Weile im schwachen Mondlicht einen kleinen, zusammengerollten Igel, der auf dem Bordstein lag.
Der arme Kerl. Um diese Uhrzeit. Und jetzt, wo es langsam auf den Winter zuging, waren die Nächte doch schon viel zu kalt für so einen kleinen Igel. Also am besten mitnehmen und zum Tierschutz bringen. Die würden ihn schon wieder aufpäppeln.
Aber wohin mit dem Kleinen? In die Jackentasche natürlich. Die ist warm. Da würde er es erst einmal gut haben.
Ich bückte mich, um ihn aufzuheben und sah ein Stück weiter noch so einen kleinen, zusammengerollten Igel.
Und noch einen.
Hatte der Fuchs vielleicht ihre Mutter erwischt? Oder war irgendwo in der Nähe ein Nest und sie sind ausgebüchst? Aber im späten September?
Irgendwann begriff ich dann endlich, dass ich die ganze Zeit unter einem Kastanienbaum gestanden hatte.
Erinnert mich an die Frau aus England, die einen kleinen Igel zum Tierarzt brachte und er ihr erklärte, dass es ein Bommel von einer Mütze war.
Der Kastanienbaum, der mit der Mitfahrerbank, mitten im Dorf, lachte sich fast kaputt, als eines Nachts, zu unchristlicher Stunde, ein unsicher tapsender, schwankender Mensch des Weges kam, plötzlich anhielt und eine seiner herabgefallenen stacheligen Früchte aufsammelte und vorsichtig in seine Jackentasche steckte. Und dann noch einen Stachelball und noch einen … er murmelte etwas von Igeln und Füchsen.
Der Kastanienbaum lachte weiter und warf noch ein paar Stachelkugeln auf seinen Weg.
Toll! Sooo süß!
The last laugh is on you
»Na, mein Kind, was für eine Geschichte möchtest du denn heute hören?« Magda beugte sich zu dem kleinen Mädchen in dem hübschen sauberen Kleid. »Ich hätte da noch eine furchtbar gruselige von einem kopflosen Gespenst. Oder …« Die Näherin legte die zerstochenen rauen Handflächen aneinander. »Eine Geschichte von zwei Liebenden …«
»Die Liebesgeschichte«, stahlte das Mädchen und knickste artig. »Ich mag keine gruseligen Geschichten. Die hören immer so böse auf.«
»Also dann«, sagte Magda und lächelte. »Es waren einmal …«
»Komm jetzt endlich!« Die Gouvernante zog am Arm des Mädchens.
»Nur die eine Geschichte!«
»Der liebe Gott sieht alles, Marie-Antoinette! Wenn du jetzt nicht sofort kommst, wird es ein böses Ende nehmen!«
Vordrängler
Hausverbot, dachte Rita. Diesmal würde er endgültig ein Hausverbot bekommen. Immer drängelte der Kerl sich vor, aber das hier war zu viel. Letzte Woche erzählte er allen vor ihm, er müsse schnell zu seinem Auto, weil da seine Medikamente seien. Den Samstag davor täuschte er einen Hustenanfall vor und murmelte etwas von ansteckendem Durchfall. Natürlich hatten alle ihn durchgelassen und die Luft angehalten, als er mit dem Einkaufswagen an ihnen vorbeischob. Aber das hier …
Rita sah, wie Ron aus der Gemüseabteilung einen jungen Mann von einer Deckenlampe pflückte. Im Lottobereich klammerte sich eine Frau an einen Zeitschriftenständer und Bolle forderte zwei Schüler auf endlich von der Kühltruhe herunterzukommen.
Sie hatte gewusst, dass es Ärger geben würde, als der Kerl in aller Ruhe mit seinem Wagen in den Kassenbereich kam und plötzlich laut rief:
»DER BODEN IST LAVA!«
Weiße Flecken
Ich presse die Augen zusammen und zwinge mich, die Geräusche des Magneten zu ignorieren. Ohne Erfolg. Der Lärm ist trotz Kopfhörer unerträglich, die Musik, die durch die Muscheln dringt, kaum zu hören. Ich atme flach, bloß nicht bewegen, bloß nicht riskieren, dass die Aufnahmen nichts werden.
Meine Hand juckt, die Muskeln im Bein zucken. Verdammt. Wie viel Zeit ist schon vergangen? Zwanzig Minuten? Zu wenig, denn die Tonabfolge ändert sich erneut. Anstatt des missglückten Techno-Beats ist es nun ein Hämmern. Gleichmäßig wie ein Presslufthammer gegen meinen Schädel. Ich versuche, an etwas Schönes zu denken, doch die Gedanken zerfallen, noch bevor sie zu Bildern werden können. Wo früher unzählige davon vor meinem inneren Auge tanzten, rasen nun weiße Flecken in der Schwärze. So ist es schon eine Weile und ich frage mich, ob es jemals wieder sein wird wie zuvor. Geschichten, Bilder und Szenen, die einst mein Leben begleitet haben, sind verschwunden. Stattdessen hat das Nichts ihren Platz eingenommen.
Läsionen nennen es die Ärzte. Ich nenne es den Verlust meiner selbst. Ich bin schon lange nicht mehr die, die ich war, und habe verloren, was für mich selbstverständlich schien. Die Kreativität sei noch da, versicherte man mir, das Gehirn brauche nur Zeit, die Verbindungen neu zu knüpfen. Geduld und gezielte Übungen würden mir helfen, doch wie übt man etwas, was so natürlich war wie das Atmen?
Der Lärm verstummt und ich werde aus der Röhre gefahren. Die Radiologieassistentin begrüßt mich mit einem Lächeln.
„Sie dürfen sich anziehen und gehen. Der Befund wird in den nächsten Tagen bereitgestellt.“
Ich erwidere die freundliche Geste und nicke, doch der Befund interessiert mich kein bisschen. Es sind nur weiße Flecken in meinem Gehirn, die einzige Kreativität, die mein Körper noch zustande bringt.
Ehedrama als Schreibübung:
Antonia achtet auf alkoholfreie Aperitivs. Aber Artur, armseeliger Alkoholiker, akzeptiert Antonias aberwitzige Ansagen auf anderer Art. Artur antwortet anstößig abwertend, allerdings auch alkoholbedingt artikulierend auf Antonias Aussage. Agressiv anbettelnd akzeptiert Artur alle Alkoholika außer abgestandenes Altbier. Antonia, anbetracht aller Anbiederungsversuche Arturs, abreicht Artur am Abendessen allmählich Arsen. Angeschlagen atemringend aufersteht Artur am Abendhimmel. Angewidert artikulierend: „Aber!..Antonia!“ Antonia antwortet anbetungsvoll: „Artur, agressive Aktionen aller Art alamieren auch Alexander… Arsen angeboten als Anzahlung aller ausstehenden Alimente … Andreas, als Ableger Alexanders angekommen … Artur allentfalls angedichtet … Adieu!“
Erinnert mich an Heinz Erhardt’s Theaterstück mit “G”. Unbedingt angucken.
Gesehen.
Gut gelacht.
Gelungen.
