Mikrostories

Gnade gütiger Gatte!

Ich habe beim Lesen vergessen zu atmen, aber trotzdem: tolle Leistung. :grin:

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Mars Fried Chicken
»Ich möchte dich auf den Mond schießen«, sagte Rab manchmal.
Meist, wenn ich den Geschirrspüler falsch einräumte oder den Backofen falsch programmierte.
Schließlich war es der Mars geworden.
Acht Monate Hinreise. Dreißig Monate Mission.
Ich legte dehydrierte Hühnerschenkel in den Aufbereiter und startete die Zubereitung.
»Oh, Neil«, stöhnte Sweat, meine Kommandantin. »Du hat das Nudelgericht eingestellt. Ich könnte dich zurück zur Erde schießen!«
Ich grinste.
Heute war es soweit.
Wir flogen nach Hause.

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Impuls

Das Alarmsignal der Überwachungseinheit riss mich aus einem tiefen Schlaf. Sekunden später erkannte ich die Gefahr: Die Sicherungsleine hatte sich von meinem Fuß gelöst und ich trieb frei in der Mitte der Raumkapsel. Sämtliche Halterungen waren außer Reichweite. So waren schon andere Raumfahrer bei Solo-Missionen gestorben. Ohne Möglichkeit, mich irgendwo abzustoßen, würde ich hier bis in alle Ewigkeit schweben. Ich brauchte dringend einen Impuls. Zum Glück hatte ich gestern Bohnen gegessen.

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Die dreizehnte Signatur

Nach einer Routineüberprüfung meldete die Schiffs-KI dreizehn Lebenssignaturen. Die Crew zählte jedoch nur zwölf Mitglieder. Alle Schleusen waren verriegelt, niemand konnte eingedrungen sein.
Blinder Passagier? Defekte Sensoren? Ein Fehler in der KI? Doch dann erschien auf dem Monitor:
Signatur 13: Captain Lena Shaw
Ankunft an Bord: in 3 Jahren
Status: einziges verbleibendes Besatzungsmitglied.

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Perspektivwechsel

»Die lebt doch hinterm Mond!« Die Astronautin spürt den Spott ihrer Mitschüler noch heute. Nur wenig Material trennt die Crew der Mission vom tödlichen All, das dem nachtschwarzen Umhang des Sensenmannes gleicht. Die Kapsel erreicht die unbelebte Rückseite des Mondes. Dann Earthrise in Blau hinter dem pockennarbigen Steinkoloss und mit ihr die überwältigende Erkenntnis: Sie jagen Fiktionen, während sie ihren unersetzlichen Schatz nur bewahren müssten. Ich lebe wirklich hinterm Mond! Wie wir alle.

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Heinz Erhardt ist ein bis heute unerreichter Meister der Wortakrobatik. Sein Theaterstück mit G. war auch der Auslöser für die Schreibübung mit A. :wink:

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„Bernadette!“, dröhnte Commander Jones durch die Lautsprecher der Raumstation. „Bernadette!“
„Ich bin hier!“, piepste eine Stimme aus dem Labor. „Was gibt’s?“
„Deine Trainingseinheit.“
Bernadette seufzte. „Schon wieder?“
„Deine Beinmuskeln verkümmern.“
Deine Hühnersuppe verkümmert gleich auch, dachte Bernadette. „Bin unterwegs.“
Sie öffnete den Schrank und nahm den Transformationsanzug heraus. Das Ding sah aus wie eine Mischung aus Raumanzug und medizinischem Albtraum. An mehreren Stellen führten Schläuche und Anschlüsse zu der neuen Trinkwasseraufbereitungsanlage. Die Technologie war der ganze Stolz der Station: Körperschweiß auffangen, filtern, aufbereiten und anschließend wieder als Trinkwasser verwenden.

Bernadette fand die Idee von Anfang an widerlich. Commander Jones hingegen war begeistert. Vor allem, weil man damit Wasser sparen konnte. Und weil seine heißgeliebte Hühnersuppe dadurch praktisch unbegrenzt verfügbar war. Bernadette schloss den PVC-Schlauch an den dafür vorgesehenen Adapter an.

„Wie lange?“, rief sie in Richtung Kombüse.
„Moment!“, antwortete Jones. Er blätterte in der Gebrauchsanweisung seiner Trockensuppe. „Drei Liter Wasser“, murmelte er.
Bernadette wartete. „Commander?“
„Zwei Stunden!“, rief er schließlich.

Bernadette grinste. Zwei Stunden? Sie stellte die Wasserflasche neben das Trainingsrad und trank sie leer. Dann zog sie ihren Slip aus. Nicht etwa, weil der Anzug das verlangt hätte. Das war ihre eigene kleine Ergänzung zum Versuchsaufbau. Sie schlüpfte hinein, setzte sich auf das Trainingsrad und begann zu treten.

Eine Stunde später lief der Schweiß bereits reichlich. Bernadette beobachtete den transparenten Schlauch. Die Flüssigkeit darin war längst nicht mehr völlig klar. Sie lächelte.
„Na, dann wollen wir doch mal sehen, Commander.“

In der Trinkwasseraufbereitung arbeitete unterdessen eine kleine Pumpe unermüdlich vor sich hin. Was Commander Jones nicht wusste: Der Harnstofffilter war seit drei Tagen defekt. Ein Ersatzteil gab es nicht. Und Bernadette wusste das. Sie wusste es sogar sehr genau.

Nach zwei Stunden stieg sie vom Rad. „Fertig!“, rief sie.
„Sehr gut!“, kam es aus der Kombüse. „Das sollte für drei Liter reichen.“
Bernadette zog sich um. „Bestimmt“, sagte sie leise.

Commander Jones bemerkte nichts. Er erhitzte das aufbereitete Wasser und öffnete den Verschluß seiner Tüte Trockensuppe und drückte diese an den Wassereinlauf. Als sie voll war nahm er sie ab und schüttelte sie kräfig durch. Er betrachtete die Suppe. „Hm.“ Sie hatte eine ungewöhnlich kräftige, leicht gelbliche Farbe. Jones lächelte.
„Na endlich.“ Er nahm einen Schluck. „So muss Hühnersuppe aussehen.“
Noch einen. Er nickte zufrieden. „Und schmecken tut sie heute auch besser.“

Währenddessen verschwand Bernadette wieder in ihrem Labor.

Jones nahm einen weiteren großen Schluck. „Viel kräftiger als sonst.“ Er sah auf die Verpackung. „Komisch.“ Er drehte die Tüte um. „Gleiche Sorte.“ Er überlegte kurz. „Wahrscheinlich eine andere Charge.“ Dann nahm er einen besonders genüsslichen Schluck.

Bernadette saß inzwischen in ihrem Labor, die Beine hochgelegt, und lauschte über den Lautsprecher.

„Und?“, fragte sie beiläufig.
„Ausgezeichnet!“, rief Jones zurück. „Heute ist sie wirklich außergewöhnlich gut.“
Bernadette lächelte. „Das freut mich.“
Jones nahm noch einen Schluck. „Richtig schön würzig.“
Bernadette grinste. „Dann solltest du vielleicht noch einen Teller nehmen.“
„Gute Idee!“
Sie hörte, wie Jones die zweite Tüte aufriss.
Bernadette lehnte sich zurück.

Man soll ja schließlich genug trinken, dachte sie.

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