Kurzbesprechung "Alchemised" von SenLin Yu

Stimmt. Das erhebt eine schrottige Aneinanderreihung von Buchstaben (ich greife mal Yoro’s Meinung etwas verändert auf) noch lange nicht auf die Ebene von Literatur.

Damit ich hier nicht nur poltere und stampfe: Möglicherweise ist der Hype und der Erfolg, der gerechte Lohn für jahrelanges Schreiben und das Bedienen der Fans ihrer Geschichten. Ich will es ihr nicht vergönnen. Den Erfolg muss man erst einmal erreichen.

Danke das du dieses Buch hier einmal gezielt ins Visier der kritischen Besprechung stellst.
Ich habe den Hype nicht mitbekommen. Anscheinend bin ich für Google und co. nicht der geeingete Adressat. Tatsächlich stand ich bei Thalia bereits vor diesem Buch, habe es jedoch nicht angefasst. Es war glücklicherweise in dem Regal „Romantasy“ einsortiert, sodass die rote Fahne besonders deutlich wehte.
Jetzt weiß ich, worum es dort geht.
Ich habe eben einmal versucht vernünftige Bewertungen und Besprechungen im Internet zu finden. Tatsächlich gibt es keinerlei kritische Auseinandersetzung, die mir innerhalb von 5 Minuten zugänglich wäre. (Dies ist mindestens bedenklich, haben doch andere Menschen eine deutlich kürzere Rechercheausdauer)
Was ich aber finden konnte ist, dass zu diesem Buch ein 3 Millionen Dollar Deal stattgefunden hat, in dem die Filmrechte erworben wurden. 3Mille! Da sieht man doch, wo die Interessen liegen. Hier wird Reibach gemacht.

Hier eine Zusammenfassung ihres Lebenslaufs, entnommen von Lovelybooks: SenLinYu wuchs an der US-Nordpazifikküste auf und lebt in Portland. Sen hat Classical Liberal Arts and Culture studiert und fing mit dem Schreiben von Fanfiction an, während ihr Baby schlief. Sen erlangte auf Archive of Our Own internationale Bekanntheit, und ihre gesammelten Werke wurden über 20 Millionen Mal heruntergeladen und in 23 Sprachen übersetzt. Alchemised ist ihr erster Roman.

Da wird die Reichweite ihrer Anhänger ausgenutzt. 20 Millionen potentielle Kunden.
Ein künstlicher Hype um „Fear of missing out“ zu triggern.
Sex sells nicht zu verschweigen.

Mein Genre ist es nicht.

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Wer entscheidet dann was Literatur ist? Eine kleine Elite? Oder die Gesellschaft?

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Woran machst du fest, was alles Literatur ist? Wir hatten es damals im Germanistikstudium mal auf ein
„Schriftliches Werk, das Kultur vermittelt und sich mit Erfahrungen und sozialer Reflexion befasst“
heruntergebrochen.
Wie weit trifft das hier zu?

Bücher haben Macht!
Schon zu Goethes Zeiten führten ‚die Leiden des jungen Werther‘ zu einer Zunahme von Suiziden, nur so als Beispiel.

Ich hätte mit diesem Buch hier auch kein Problem, wenn es nur um eine Aneinanderreihung von Gewalt und Grausamkeiten gehen würde, wer sowas mag, bitteschön.
Das Problem liegt in meinen Augen (wie weiter oben schon gesagt) in der Botschaft, die es vermittelt: Lass dich physisch und psychisch bis zum Anschlag quälen, denn darin liegt die große Liebe.
Und genau das finde ich nicht nur richtig übel, sondern auch nicht ganz ungefährlich.

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Das kann nicht so leicht beantwortet werden. Mir ist nur gerade dieser niedliche Film eingefallen.

Alchemised ist aber nur eines von vielen Büchern zu der Thematik… Ich lese viel englische Bücher, da schlackerst du mit den Ohren…ehe die gehypten Bücher auf den deutschen Markt kommen. Manche breche ich dann einfach ab… ein gutes Beispel ist das hier Flames of Chaos (Legacy of the Nine Realms Book 1) (English Edition) eBook : Hutchins, Amelia: Amazon.de: Kindle-Shop
Guck dir mal die Masse an Bewertungen an.
Das Buch wäre durchaus spannend. Aber die Thematik bezüglich Vergewaltigung etc ist krass.
Es ist aber ein absoluter Trend
Also gibt es Millionen von Lesern, denen das gefällt

Das ist wirklich eine gute Frage…

Ja das stimmt schon. Aber Zeiten ändern sich, ein Buch hat heute weniger Einfluss als zum Beispiel social Media.
Gruseligkeiten aller Art, ohne Filter und Limit.
Das Buch, wenn es gelesen wird, wird als Buch wahrgenommen. Es ist offensichtlich nur eine aufgeschrieben Geschichte. Jeder Leser weiß das.

Nimm das zurück, Schurke!

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Ich habe das Buch auch nicht gelesen, aber von den Rezensionen her würde ich es als Literatur im Sinne der Definition qualifizieren, da es kulturelle und soziale Themen behandelt und Erfahrungen reflektiert. Ob das „gut gemacht“ ist, kann ich nicht sagen, da ich es nicht gelesen habe.

Na dieser Definition würde ich ansonsten so manchen Krimi und Groschenroman in Frage stellen.

Das kann man ja auch schlecht finden, darum geht es mir gar nicht. Ich kann damit auch nichts anfangen. Aber deswegen anzusprechen, dass es sich um Literatur handelt.
Die Leiden des jungen Werther, wird (hoffentlich) auch als Literatur bezeichnet, obwohl es eben damals zu Suiziden geführt hat. John Lennons Mörder hat Fänger im Roggen gelesen und behauptet, dass das Buch ihn zur Tat verleitet hat. Deswegen ist Fänger im Roggen trotzdem Literatur.

Habe ich 2 x gelesen. 1 x im Englischunterricht, 1 x deutsch. Ich lebe noch und bringe auch niemanden um.

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Es geht nicht darum, diese Bücher zu verbieten, sondern aufzuzeigen, dass Dreck nichts anderes als Dreck ist, und zwar auch dann, wenn irgendjemand Kunst draufschreibt. Und ja, ich maße mir an, jede Verherrlichung von Gewalt gegen Frauen, Vergewaltigung und Kindesmissbrauch als Dreck zu bezeichnen, egal ob der Autor de Sade, Nabokov oder Lieschen Müller heisst.

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Ein 1200 Seiten Buch in 5 Minuten runter zu brechen wäre auf jeden Fall ein Talent :wink:

Also laut Kritikern (5min+ Videos, davon gibt es recht viele) soll es eben nicht besonders gut geschrieben sein. Ich habe einige Videos gesehen wo Leute meinten sie mochten die FanFic, aber diese Buch soll viel mehr Probleme aufweisen, weil zum einen versucht wurde das ganze Harry Potter Thema zu umgehen und zum anderen auch die schwierigeren Themen so abgerundet wurden (wie die Vergewaltigung), dass sie die tiefere Bedeutung und Aufarbeitung verlieren. Sehr viele Booktoker sind der Meinung, das ihr Buch niemals erfolgreich geworden wäre, da es so schlecht ist und sich unglaublich zieht, würde es nicht auf der Malfoy + Hermine Fanfic basieren.

Zum anderen wurde ja gerade die FanFic, die später in diese Buch abgeändert wurde so oft runter geladen, weil sie ihre Community auf einer schon existierenden Fan-Gemeinde aufgebaut hat. Und genau hier ist eins der Probleme.
Es gibt einige Malfoy + Hermine FanFics, die zu Büchern gemacht wurden. Wenn man sich Goodreads anschaut sind glaube ich sogar 3 Stück dieses Jahr nominiert.
Was an sich auch immer stärker ein Problem wird, nicht nur bei Alchemised, sondern auch bei Büchern wie z.B. Powerless, das extrem von Red Queen Kopiert. Natürlich gab es auch 50 Shakes of Grey und twilight, aber hier kann man wahrscheinlich argumentieren, dass die Bücher sich wenigstens gegenseitig mehr Popularität zugeschoben haben und twilight seinen nutzen daraus ziehen konnte.

Die FanFics werden normalerweise abgeändert und die Fanfic Schreiber suchen sich einen neuen Autorennamen um rechtlich rein da zustehen.
Genau das ist hier aber nicht passiert. Sie hat ihren Namen nicht geändert und hat bewusst die Harry Potter Community genutzt um diesen Hype zu erzeugen. Nicht weil das Buch besonders gut ist oder sie sich selbstständig eine Community geschaffen hat.

Wahrscheinlich juckt es J.K.Rowling nicht besonders, sie hat ja Billionen gemacht. Aber es gibt viele kleinere Autoren den es auch immer mehr so geht, wie bei Powerless & Red Queen.
Powerless hat auch einen guten Filmdeal bekommen. Hier ist die Problematik zwar etwas anders, aber all diese Autoren die ihre Bücher auf den Werken anderer aufbauen, werden immer mehr zu einem Problem für FanFic Schreiber (da die sich sowieso schon in einer Grauzone befinden - es eigentlich nur erlaubt wird, solange mit den Fanfics kein Geld gemacht wird) und auch für jeden Autor dessen Charaktere und Ideen geklaut werden.

Dazu kommt dann noch die allgemeine Problematik mit Dark Romance und wie Gewalt verherrlicht wird.

Wenn jemand sich eine eigene Community aufbaut und dann einen Mega Erfolg hat, ist im das 100% gegönnt. Aber wenn jemand auf anderer Menschen Ideen und Fans seinen Erfolg aufbaut und sich da versucht rechtlich durchzumogeln ist das was anderes und weit weg von bewundernswert.

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Man ist geneigt zu sagen eine kleine Elite. Das ist genauso falsch wie die Gesellschaft.
Imho - es sind die Leser, auch welcher Schicht die immer kommen mögen.

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Henne oder Ei – die alte unlösbare Frage. Müssten wir es nicht verwerflicher finden, dass Massen diese Machwerke, diesen Trend lieben und hypen? Dass sie darin ihre Vorbilder finden? Dass es Menschen gibt, die diese Inhalte tatsächlich toll finden? Würde dieses Buch mit Nichtachtung gestraft werden, hätte sich das Problem längst von selbst reguliert. Aber hier wird bloß ein schon vorhandenes Bedürfnis, ein Trend, eine Sucht oder zumindest ein Versprechen zu Geld gemacht. Kein neues Konzept und den Machern kaum vorzuwerfen!

Es stimmt mich vielmehr traurig, dass dieses Gift, dieses Bedürfnis längst in die Köpfe der Zielgruppe eingedrungen ist und unser Geist durch solche Hypes wie Kinderknete beliebig formbar geworden ist. Niemanden (Familie, Bildungswesen …) interessiert es offensichtlich, was junge Erwachsene, seit es die neuen Medien gibt, konsumieren. Die Büchse der Pandora ist längst geöffnet.

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Glaub ich nicht.

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Ausschließlich und nur zur Begriffsdiskussion.
Ich teile die Auffassung eines Freundes, der Literaturprof der Anglistik ist. Das bedeutet nicht, dass er recht haben muss, aber seine Argumentation leuchtet mir ein.

Everything written is literature“.

Der Rest ist Kontext, Interpretation und Haltung des Lesers zum Thema. Ob etwas gute oder schlechte Literatur ist, sei diskutierbar. Ebenso, ob ich bestimmten Werken Aufmerksamkeit schenken muss oder nicht.

Aber ja, so kann selbst eine Liste, Worte ohne Vokale, sogar die Beschreibung einer roten Schubkarre Literatur sein.

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Also soweit ich informiert bin, findet im Roman keine Gewaltverherrlichung statt. Es findet definitiv Gewalt statt, aber das meinen Sie ja nicht.
Grundsätzlich finde ich es natürlich schwierig ein Buch im wahrsten Sinne des Wortes nach dem Einband zu beurteilen, da niemand von uns es gelesen hat. Ich kann mich nur auf die Aussagen von Freunden beziehen, die es gelesen haben.

Dein Freund hat natürlich recht. Der Begriff „Literatur“, leitet sich vom lateinischen littera (Buchstabe) ab und meint damit alles, was geschrieben ist. Die Frage ist allerdings, ob alles was geschrieben wurde, auch gelesen werden sollte. Den profitorientierten Verlagen gehts hier weder um Ethik noch Ästhetik, den gehypten, hart am Rand des pathologischen agierenden Schreibenden (die meisten von ihnen wären in einer Therapiegruppe besser aufgehoben, als bei Tiktok) klarerweise auch nicht - Hauptsache das Ego wird gebauchdingst. Der Müll, der in den Hirnen und Herzen der Lesenden abgesondert wird macht diese zu empathielosen Idioten (bitte Begriff googeln). Aber Farbschnitt und Prägedruck sehen schick aus im Regal.

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Aber die eigentliche Frage ist doch: Warum fühlen sich die Leser davon nicht abgestoßen? Das zeigt doch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.
Ich fühle mich abgestoßen und breche dann ab. Aber siehe meinen Beitrag weiter oben. Der Markt wird von dieser Art Bücher überschwemmt. Mit Erfolg

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