Ist das magischer Realismus?

Gestern nahmen wir in Deutsch das Thema „Magischer Realismus“ durch. Die Deutschlehrerin meinte, dass es sich dabei um eine stilistische Gratwanderung zwischen Traum und Wirklichkeit, Fantasie und Realität handle und nannte als Beispiele einige Werke von Kafka, Lernet-Holenia und Isabell Allende sowie anderen vorwiegend lateinamerikanischen Autoren. Mich interessierte das näher, aber in der Schulbibliothek hatten sie bloß Kafka (vor dem ich mich fürchte). In der Stadtbücherei fand ich nur dicke Wälzer von Isabell Allende und eine kurze Geschichte von Gabriel Garcia Marquez („Chronik eines angekündigten Todes“), die ich dort noch auf einen Schwung fertig las. Furchtbar traurig, aber der Stil ist wirklich wunderschön.
Ich der Nacht konnte ich wieder mal nicht schlafen und habe mich dann selbst an so einer Shortstory versucht. Aber nun weiß ich nicht, ob das wirklich in dieses Genre passt oder nur Blödsinn ist…
Vielleicht kann mir ja hier jemand helfen?

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Also ich habe keine Ahnung was Magischer Realismus ist, aber ich muss sagen das ich deine Geschichte sehr authentisch, speziell und für mich zumindest sehr gut geschrieben ist. Ich finde die Geschichte Herzerwärmend und mag es auch in eine mir einwenig fremde Kultur blicken zu können. Doch ob das nun die Definition ist, kann ich unmöglich sagen.

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Eine schön erzählte Geschichte.
„kämpfte gegen die Müdigkeit,(…) Ständig fielen mir die Augen zu und wäre plötzlich ein weißes Kaninchen
vorbeigehoppelt, das hastig auf eine Taschenuhr blickt (…) es hätte mich nicht gewundert“

Magischer Realismus: ich denke nicht. Die Einleitung legt den Traumprozess nahe. Das Kaninchen, das im Wachzustand in das „Wunderland“ führt ist magisch in der reellen Welt. Das Abdriften in den Traum ist ein Traum. Surreal, ja - aber ein Traum. Und damit erfüllt es für mich nicht das Hauptkriterium für Magischen Realismus: die Ansiedlung magischer Elemente in der bekannten Realität.

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Ich weiss nicht. Ich habe weniger verstanden das es ein Traum war. Denn am Schluss sieht sie ja, das so was ähnliches wirklich geschehen war. Ich habe es mehr so verstanden das sie entweder in die Gedanken/vielleicht auch in das Trauma ihrer eigenen Mutter, vor der Geburt gewandert ist. oder vielleicht sogar das sie es in sich trägt, weil sie sich, ich weiss nicht, vielleicht sogar eine art seelische Zeitreise gemacht hat um ihre eigene Geburt zu ermöglichen. Aber natürlich im Mystischen sinn und nicht wie Terminator.

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Nein, sie sieht es nicht. Sie erzählt es.
Nichts davon muss passiert sein. Selbst, wenn sie es erzählt oder sogar glaubt. Das ist erzählerisch kein Beweis. Erinnerung ist manipulativ. Erzählungen von Erinnerungen doppelt.

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@ Ifrah, wie hast du es denn gemeint? Einfach das ich wissen kann was denn die Gedanken dahinter sind?

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Soll ich mal gemein sein?
Selbst das wäre kein Beleg. Textgenese und Textrezeption sind zwei Paar Schuhe…

(sry nicht böse gemeint. Die typische Deutschfrage von früher „Was wollte der Autor uns sagen?“ ist falsch, weil ein Text mitunter größer werden kann, als sein Verfasser wollte.)

Ich weiß es nicht, ehrlich gesagt. Es war ein Traum, ja, aber wieso träume ich Dinge, die ich nicht erlebt habe und über die in meiner Familie nie gesprochen wird? Ich habe so viele Fragen und manchmal geben mir nur Träume eine Antwort. Diese stimmen bisweilen dann mit der Wirklichkeit überein oder ich möchte es nur oder sie geben ein Bild davon ab, dass zu interpretieren sehr schwer ist.
Es zu beschreiben hilft mir dann, es wird zu einem Teil von mir, meine Wahrheit, wie @michel andernorts bemerkte. Es ist ein Fluch oder eine Gnade. Ich hoffe letzteres.

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Ich habe deine Antwort nicht ignoriert weil ich unrespektvoll sein wollte. Ich als unqualifizierter unstudierter Deutschschreiber kann nicht wissen was die Definition ist oder was die genauen regeln sind. Ich wollte nur wissen wie es Ifrah gemeint hatte, um zu sehen ob es für einen Normalleser korrekt interpretierbar ist. Denn wenn sie es so gemeint hat wie ich es aufgefasst habe, dann weis sie das man es verstehen kann und sie nurnoch, nach geschulter Anleitung die Traumanzeichen raus nehmen muss. Das war alles.

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Das habe ich so auch nicht aufgefasst! Also, alles gut.
Die Stärke des Textes liegt übrigens in der Mehrdeutung (meines Erachtens).
Der Anfang „letzten Sommer“ legt für mich manipulierte Erinnerung nahe, ähnlich dem deja-vu.
Aber jeder Leser kann, darf und soll das für sich sehen - das ist ja so bei Literatur. So entsteht Dialog, und das ist gut!

Ich würde ja „Magischen Realismus“ heutzutage einfach als Urban Fantasy benennen.
Was dann für mich bedeutet, dass die Figuren in unserer Welt magische, paranormale und auch traumhafte Elemente (z. B.: Zauberei und Hexen, Vampire/Werwölfe, Parallelwelten) als gegeben hinnehmen ohne es zu hinterfragen. Es ist halt einfach so.

Ich habe von beiden Genres keine Ahnung, aber etwas dazu gefunden:
https://www.google.com/search?ie=UTF-8&client=ms-android-dt-de-revc&source=android-browser&q=magischer+realismus+abgrenzung+urban+fantasy#lfId=ChxjMe

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Wenn es sich um einen Traum handelt, ist es kein magischer Realismus.
Kafkas Figuren zum Beispiel erleben Dinge, die wie ein Traum oder oft eher wie ein Alptraum wirken IN ihrer, d.h. als Teil ihrer Realität

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Eine sehr schöne und wunderbar geschriebene Geschichte. Ich würde auch dafür plädieren, dass es kein magischer Realismus ist. Die Übergänge in den sogenannten Genres sind fließend und ich finde es wunderbar, dass du die Geschichte einfach laufen lässt. Gerade im Bereich, ich nenne es mal Fantasie, läuft , wenn es gut läuft, eines ins andere über.
Wenn dich das Genre Magischer Realismus interessiert, kann ich dir den japanischen Schriftsteller Haruki Murakami empfehlen. Etwa: Kafka am Strand oder Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki, um nur ein Beispiel zu nennen.

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Danke euch allen. Haruki Murakami ist notiert und wird demnächst gelesen. In Bezug auf meinen Text, hab ich es jetzt so verstanden: solange es durch Traum, Halluzination oder eine andere Entität von der allgemeinen Normalität abgegrenzt ist, ist es kein magischer Realismus, nur wenn es ins Wirkliche aller integriert ist, als gehöre es schon immer dazu. Welche Paralellen zu meinem Leben, aber dann doch wieder nicht. Salvador Dali lässt grüssen…

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Für mich ist auch Murakami das Paradebeispiel für Magischen Realismus. Extrem öffentlichkeitsscheu, ein Popstar in Japan. Gasser hat von ihm mal behauptet, dass er täglich wie besessen gegen den Tod anarbeitet, weil er den Menschen noch so viele schöne Geschichten schenken möchte. Hoffentlich gelingt ihm das! Neben King bei mir wohl der einzige, von dem ich alles verschlang. Meine persönlichen Favoriten: Naokos Lächeln ( (im Original Norwegian Wood), Hard-Boiled Wonderland und Das Ende der Welt, 1Q84. Ach, Du kannst hier alle nehmen, auch die Geschichten um den Schafsmann.

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Im Magischen Realismus gibt es keine Regeln oder Erklärungen. Das Wunderbare passiert einfach mitten im Alltag. Es wird nicht hinterfragt, woher die Magie kommt. Sie dient als Metapher, um tiefere Themen wie Einsamkeit, Familiengeschichte, Liebe zu verarbeiten. Genau Dein Betätigungsfeld, Ifrah!

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Ich liebe es… Eigentlich ist es dann perfekt, wenn man nicht erkennen kann…ist es ein Traum oder Wirklichkeit. Wo ist die Grenze, in der alles verläuft? Dann ist es grenzenlos und liegt im Auge des Betrachters, was er damit anfängt. Das ist für mich die Freiheit beim Schreiben und beim Lesen. Rauslassen. Reinlassen, Durchlassen. Zulassen…:blush:

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Im Übrigen ist für mich (persönlich) Franz Kafka kein Vertreter des Magischen Realismus. Warum? Weil die Magie, das Wunderbare, der Zauber fehlt! Gerade das, was Dir so Angst vor ihm macht, zeichnet ihn aus. Eher Expressionismus, Entsetzen, existenzielle Angst und Entfremdung. Er hat hiermit eine eigene Literaturgattung geschaffen: Kafkaesk. Cool, oder?

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Genau meine Meinung: Mir ist doch egal, wie das heißt, Hauptsache es knallt!

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