Noch funktioniert das System - wenn es das noch gut 20 Jahre tut - alles gut.
So etwas hast du noch nirgendwo von mir gelesen!!
Aber zu schreiben: Das finde ich spannend, das hat mir gut gefallen u.sw. ist keine Textarbeit. Ebensowenig wie noch so viele süße Smileys oder Ein-Satz-Kommentare.
Hier kommen teilweise Texte rein, die mich an Grundschulaufsätze erinnern. Kaum jemand geht da rein, zitiert Textpassagen, analysiert sie und macht Alternativvorschläge. Das wäre Textarbeit, wie ich sie kenne und mir wünsche. Aber das findet hier kaum bis gar nicht statt. Und tut man es, wird man oft verbal angegriffen, als unfreundlich, überheblich, brutal geziehen. Im günstigsten Fall kriegt man keine Antwort des Autors oder vielleicht etwas via PN.
Wenn man schreibt, dein Text strotzt vor Adjektiven und kurzen Hauptsätzen, wird das von manchen hier bereits als aggressiv bezeichnet. Und reflexartig findet eine Diskussion darüber statt, wie man „freundlich“ kommentiert. Devise: Seid nett zueinander. Das ist das Wichtigste! Nein, für mich ist das nicht das Wichtigste. Das Wichtigste für mich ist, meine Schreibe zu verbessern. Und von oberflächlichen Streicheleinheiten wird sie nicht besser. Lieber den Finger auf die Wunde legen, auch wenn es weh tut. Die Wahrheit tut immer irgendjemandem weh.
Und noch was. Es gibt kein freundliches Kommentieren. Nur ein kompetentes. Aber das muss man als solches auch erkennen und akzeptieren können. ![]()
Papyrus ist IMHO ein nettes Miteinander, aber kein Arbeitsforum.
Sorry für dieses Statement, ich hab euch trotzdem alle lieb! ![]()
Vielleicht siehst du es so, dass hart = ehrlich ist. Aber ich sehe es eher wie ein Kampfkünstler. Jeder Schüler ist auf seinen Niveau und bekommt Kritik so, dass er die nächste Stufe erreicht. Klar könnte der Sensai jetzt sagen: Sach mal, wie bewegst du dich denn? Totale Katastrophe! Aber das weiß der Schüler bereits und braucht es nicht jeden Tag zu hören. Wichtig ist nicht, dass er im Vergleich (zu was?) mies ist, sondern, dass er im Vergleich zu sich selber besser wird.
Viele schreiben hier als Hobby, oder an ihren ersten Werken. Wir geben Hinweise, wenn sie gewollt sind. Jedem steht es frei zu sagen: hier ist mein Text, nehmt alles auseinander, was ihr findet!
Aber dieses Auseinandernehmen ist enorm subjektiv. Was mir gefällt, können andere ganz anders sehen. Ich würde tendenziell ein Buch solange bemäkeln, bis es wie eines geschrieben ist, wie es mir gefällt - das heißt aber nicht, dass es so richtig ist. So bleibt es halt bei Hinweisen, über die der anderen nachdenken kann - willst du wirklich Abc? Und wenn ja, dann sei es drum.
Diese Balanceakt zu schaffen, ist für mich die echte Form der Textkritik.
Das kann allenfalls für Korrekturen gelten. In einem Forum ist dies (meines Erachtens) hingegen wünschenswert.
Das soll es ja sein. Daher die „Rubriken“.
Nebenbei bemerkt: ich habe zu dem Thema KI/ Leser als einer der wenigen belastbare Statistiken zur Leserrezeption und dem Buchmarkt zitiert. Aber quasi alle (auch Du) sind wieder in den "Ich-empfinde-es-aber-so-Modus geblieben. Da ist Argumentation seines Sinnes enthoben.
Vielleicht ist es so, dass der reine Arbeitsmodus in diesem Rahmen gar nicht mehr so richtig gewünscht ist?
(Was ok ist, denn meine Probeleser/Kritiker pflege ich in PM. Kritik und Kritikfähigkeit am Text ist für mich auch ein Vertrauensverhältnis)
Hier ist es eher ein Abchecken der Gesamtwirkung des Textes /der Schreibfähigkeiten.
Das ist ein extrem kluger Satz!
Das ist zu 100 % wahr……
Nun ja, wenn man es spannend findet, darf man es doch schreiben…Ich denke, du darfst nie vergessen, dass hinter dem Text ein Mensch steht…Mir hat mal jemand gesagt, dass er wegen meiner harten Kritik aufhört, zu schreiben… Das war nicht mein Ziel, sondern ich wollte erreichen, dass er sich verbessert. Seitdem bin ich bei mir unbekannten Menschen vorsichtiger oder sage ganz klar vorher, wie ich ticke. Vor allem dann, wenn ich schon sehe, dass der Text viele Fehler aufweist oder schlichtweg schlecht geschrieben ist – aus meiner subjektiven Sicht!!
Ich denke, man muss beides können: Kritik da, wo sie angebracht ist, und Lob da, wo es angebracht ist. Ich persönlich habe meine Leute, denen ich vertraue…und das läuft dann via E-Mail oder PN.
Die allermeisten Texte, die hier eingestellt werden, kommen von Neulingen. Oft bin ich so verwirrt, dass ich es kaum greifen kann, was mir daran gefällt und was nicht. Weil die Texte eben noch nicht gut sind. Da bleibt nur ein Gesamteindruck. Ich bin keine Lektorin, sondern eine schreibende Lesende, die selbst noch Fehler macht.
Ich habe in der Vergangenheit auch die Erfahrung gemacht, dass auf meine „Ratschläge“ nicht eingegangen wurde. Also lasse ich es. Echte Textarbeit läuft bei mir auch hinter den Kulissen. Da brauche ich Vertrauen.
Ich würde niemals mein Schätzchen der breiten Masse präsentieren. Es sei denn ich will nur eine kurze Meinung zum Gesamteindruck.
Ich stimme Manuela zu fast 100% zu:
Es gibt kein freundliches Kommentieren. Nur ein kompetentes.
Dem Autor hilft es wenig weiter, wenn ihm nicht klar und deutlich aufgezeigt wird, wo in seinem Text objektiv Fehler vorliegen. Das beginnt bei Orthographie, Interpunktion und Grammatik, erstreckt sich über Logik und sachliche Richtigkeit – auch bei fiktiven Texten – und geht über zur Ausgestaltung von Figuren und Plot.
Bei letzterem allerdings kann es schwammig werden, denn was die Lektorin subjektiv für änderungswürdig hält, muss der Autor noch lange nicht so sehen. Ich habe eine kritische und kompetente Lektorin, die ohne Rücksicht auf meine persönlichen Befindlichkeiten klar anmerkt, was handwerklich nicht korrekt ausgeführt ist. Sie betreibt „harte“ Textarbeit. Dafür wird sie bezahlt, und schonungslose Texxtarbeit erwarte ich von ihr. Mit ihrer Kritik kann und muss ich leben.
Man stelle sich doch einmal bitte die Situation vor, wo man aus Rücksicht auf die labile Psyche eines Dachdeckers, diesem nicht vorzuhalten wagt, dass bei seinem Gewerk ein paar Dachpfannen fehlen und es durchregnen könnte … ![]()
Ich nehme die aufkommende Kritik an diesem hinkenden Beispiel gleich vorweg und sehe auch, dass hier im Forum Anfänger und/oder auch sensible Autoren unterwegs sind, die nicht ohne weiteres mit „harter“ Kritik umgehen können. Und da wünsche ich mir von allen, dass sachliche Kritik auch sachlich angebracht wird, nicht ex cathedra verkündet wird à la „Alle doof, außer mich“ (diese Fälle sind die Ausnahme hier im Forum) und die Kritik nach Möglichkeit auch sinnvolle Anmerkungen zur Optimierung des Textes enthält.
Ich habe kürzlich einen Prolog zur Rettung einer Katze durch die Protagonistin eingestellt und zahlreiche wertvolle Anmerkungen erhalten, die ich bereits umgesetzt habe.
Nur, was die Katze als Objekt der Rettung anbetraf, gab es sehr unterschiedliche Meinungen. Und genau da fängt die subjektive Rezeption eines Textes an, und kann daher niemals richtig oder falsch sein. Sie ist eben subjektiv.
Ich bleibe allerdings im zitierten Fall als Autor bei meinem Standpunkt. „Save the cat!“
Das finde ich immer schwierig. Gebe ich Rat, hätte ich auch gern eine Reaktion darauf. Suche ich allerdings Rat, lese ich sehr wohl alles, gehe aber nicht immer auf den Rat ein, sondern nehme die Hinweise, bewerte, ob es objektiv Sinn macht und setze dann um, wenn es passt.
Das sehe dann erstmal nur ich, außer ich stelle die Verbesserung nochmal zur Diskussion.
Das ist genau, wie gute Schreibschulen wie bspw. die Bundesakademie für Autoren in Wolfenbüttel vorgeht.
Man reicht seine Texte ein, jeder Teilnehmer der Runde bekommt alle Texte, und dann werden die besprochen.
Und ich erinnere mich gut, wie ich bei der ersten Kritik an meinem Text in den 2000er Nuller-Jahren da mit knallrotem Kopf saß - und meine Texte aber deutlich besser wurden, dadurch.
Wie die von allen Teilnehmern.
Dass die Kritik nicht ausartet und beleidigend wird, darauf achten ja hier die Moderatoren schon.
Also, konstruktive, aber nicht weichgespülte Kritik ist, was wir hier miteinander und aneinander bringen wollten, damit’s auch was bringt, ich stimme Manuela da simpel zu. Alles andere bringt nix.
Gutes Beispiel, die Analogie zur Kampfkunst, aber sorry: Mit schlechter - nein, ich werde mal noch deutlicher - falscher Interpretation. Passt hier sehr gut, daher.
Wenn ich als sensei sehe, dass ein Schüler einen Hieb falsch blockt, oder wenn er einen Würgeangriff mit irgendwelchem nicht funktionierenden Pipikram „abwehrt“, dann ist das eine Katastrophe. Der Schüler nimmt falsche Wege als richtig an - das muss korrigiert werden. Und zwar in aller Deutlichkeit.
Denn wenn er das dann auf der Straße anwendet, geht das übel in die Hose, wenn da falsche Selbsteinschätzung passiert.
Das ist dann schlimmer als beim Schreiben. Aber auch da sind Wege, die gut erkennbar zu einem schlechteren Text führen, fatal. Denn dann bringt der junge Schriftsteller ein deutlich schlechteres Buch auf den Markt, als er es nach seinen - leider noch unausgereiften - Fähigkeiten hätte leisten können! Gute Testleser, die nicht weichspülen, gute Kritiker sind eben einfach Gold wert.
Sich Zeit lassen, zuhören, begreifen, dass Kritik nicht persönlich gemeint ist, sondern sich auf einen - vermutlich schlechten - Text bezieht, der aber noch Potential hat, das ist, was auf der Lernenden-Seite passieren sollte. Bemühen um Einsicht.
Hart IST ehrlich. Solange es konstruktiv bleibt und den Willen zum Helfen, zur Verbesserung erkennen lässt.
So, wie ich dem Schüler deutlich zeige, dass sein Versuch, meinen Würgegriff zu brechen, fruchtlos ist - ohne ihm dabei natürlich wirklich die Luft zu nehmen. Und ihm dann zeige, wie er den Griff besser aufbekommt.
Mir gefällt das Absolutum Deines Beispiels, Tapio, in seiner Anwendbarkeit aufs Schreiben immer besser ![]()
Natürlich, und da ist die Grenze, soll niemand verletzt werden. Dennoch aber muss ein werdender Schriftsteller auch begreifen, dass Kritik schlicht nötig ist, um besser zu werden, und muss sich dazu ein dickes Fell zulegen.
Das werdende Genie muss quasi lernen „zu kämpfen“ und es hinnhehmen, dass es beim „Training“ - auf der Matte oder in einem Forum wie hier bei einer Schreibkritik - auch mal einen blauen Fleck gibt.