Ich habe spaßhalber die AI- Claude beauftragt, mir ein Kapitel über ein junges Paar zu schreiben, das in die Drogenszene abgeglitten ist. Nichts weiter.
Für mich deshalb interessant, da ich grade an einer solchen Biographie arbeite.
Das Ergebnis hat mich umgehauen. Man könnte Claudes Ergüsse, so wie sie sind, in jeden Durchschnittsroman dieses Genres einstellen. Wo sind wir in zehn Jahren?
Lest selbst:
Glasscherben
Der Regen prasselte gegen die beschlagenen Fenster der Einzimmerwohnung. Marie zog die Decke enger um sich und beobachtete Tom, wie er auf dem zerschlissenen Sofa saß und mit zitternden Händen versuchte, eine Zigarette anzuzünden. Vor sechs Monaten hätten sie über seine Ungeduld gelacht. Jetzt war es nur noch ein weiteres Zeichen dafür, wie weit sie gekommen waren – oder gefallen, je nachdem, wie man es betrachtete.
„Hast du Leon erreicht?„, fragte sie, obwohl sie die Antwort bereits kannte. Tom nickte stumm, den Blick auf sein Handy gerichtet.
Es hatte so harmlos angefangen. Eine Party bei gemeinsamen Freunden, ein bisschen Gras, das Gefühl, endlich die Enge ihrer kleinen Universitätsstadt hinter sich lassen zu können. Tom hatte Architektur studiert, Marie Literatur. Sie hatten Pläne gehabt – ein Praktikum in Berlin für ihn, ein Auslandssemester in Paris für sie. Pläne, die jetzt wie Notizen auf vergilbtem Papier wirkten, unleserlich und bedeutungslos.
„Er kommt in einer Stunde“, murmelte Tom schließlich. „Sagt, er hat was Neues dabei. Sauberer Stoff."
Marie lachte bitter auf. Sauber. Als ob irgendetwas an ihrer Situation noch sauber wäre. Die Wohnung, die sie vor drei Monaten bezogen hatten, nachdem ihre WG-Mitbewohner sie rausgeworfen hatten, war ein Abbild ihres Zustands: Chaos, das sich als Ordnung tarnte. Bücherstapel, die sie nie wieder aufschlagen würde. Toms Zeichenmappen in der Ecke, verstaubt und vergessen.
„Wir könnten aufhören", sagte sie leise, mehr zu sich selbst als zu ihm. Es war ein Satz, den sie beide schon hundertmal gesagt hatten. Ein Mantra ohne Bedeutung.
Tom sah sie an, und für einen Moment erkannte sie den Jungen wieder, in den sie sich vor zwei Jahren verliebt hatte. Der mit leuchtenden Augen von Gaudí und nachhaltiger Architektur geschwärmt hatte. Der ihr nachts Gedichte vorgelesen hatte, während sie Rotwein tranken und über die Zukunft philosophierten.
„Nach diesem Mal", antwortete er, wie immer. „Nur noch dieses eine Mal, dann machen wir einen Entzug. Zusammen."
Sie nickte, obwohl sie beide wussten, dass es eine Lüge war. Die Wahrheit war, dass sie sich aneinander festhielten wie Ertrinkende, nicht aus Liebe, sondern aus der Angst, allein unterzugehen. Die Droge war längst wichtiger geworden als sie füreinander. Sie teilten sich Spritzen wie früher Träume, und jeder Schuss entfernte sie weiter voneinander, während er sie gleichzeitig aneinanderkettete.
Maries Handy vibrierte. Eine Nachricht ihrer Mutter. Sie löschte sie ungelesen. Die Brücken zur Außenwelt hatten sie systematisch niedergebrannt – erst die peinlichen Auftritte bei Familienfeiern, dann die geliehenen und nie zurückgezahlten Geldbeträge, schließlich das Schweigen.
Als es an der Tür klopfte, zuckten beide zusammen. Drei kurz, zwei lang – Leons Code. Tom stand auf, seine Bewegungen fahrig und unkoordiniert. Marie beobachtete, wie er zur Tür schlurfte, und fragte sich, wann aus dem aufrechten Gang eines selbstbewussten jungen Mannes diese gebeugte Haltung geworden war.
Leon trat ein, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Er war älter als sie, Mitte dreißig vielleicht, mit einem Gesicht, das zu viel gesehen hatte. Er nickte Marie zu, eine stumme Anerkennung ihrer Anwesenheit, bevor er Tom ein kleines Päckchen in die Hand drückte.
„Dreihundert", sagte er knapp.
Tom griff in seine Hosentasche, zog zerknitterte Scheine hervor. Es war das Geld vom verkauften Laptop, Maries letzter Besitz von Wert. Sie hatte geweint, als Tom ihn zum Pfandleiher gebracht hatte, aber der Schmerz des Entzugs war stärker gewesen als die Sentimentalität.
Nachdem Leon gegangen war, saßen sie nebeneinander auf dem Sofa. Tom bereitete alles vor, seine Hände plötzlich ruhig und sicher. Es war die einzige Tätigkeit, bei der er noch Präzision zeigte.
„Ich liebe dich", sagte Marie, als er ihr den Gürtel um den Oberarm band.
„Ich dich auch", antwortete Tom mechanisch, konzentriert auf die Nadel.
Aber sie liebten sich nicht mehr, nicht wirklich. Sie liebten nur noch die kurzen Momente der Erlösung, die immer seltener wurden und immer mehr kosteten. Sie liebten die Flucht vor der Realität dessen, was aus ihnen geworden war.
Als die Nadel ihre Haut durchstach, schloss Marie die Augen und dachte an Paris, an Cafés und Bücher und ein Leben, das hätte sein können. Irgendwo, in einem Paralleluniversum, saß eine andere Marie in einer Vorlesung und machte sich Notizen über Baudelaire.
Hier, in dieser Wohnung, die nach Verzweiflung und altem Rauch roch, gab es nur noch den nächsten Schuss und die leise Hoffnung, dass morgen alles anders sein würde.
Es würde nicht anders sein