Nein, selber denken geht mit KI auch nicht schneller …
Und mit 1 Buch pro Jahr wird man ohnehin schon als “Schnellschreiber” bezeichnet (was unter Lüteraten kein Lob ist) und bekommt nachgesagt, man beschäftige Leute, die für einen schreiben.
Au weia! Ich hätte nie gedacht, dass ich mit drei Büchern in drei Jahren mal als “Schnellschreiber” durchgehen würde. Ich werde Andreas’ Vorsprung in diesem Leben sicher nicht mehr aufholen können. Aber vielleicht liegt diese Wahrnehmung auch mit dem Verschwinden der Geduld zusammen? Ich fände es fatal, wenn nicht gar eine Katastrophe, wenn dadurch die Tür zur KI noch weiter aufgemacht würde. Und übrigens: Es geht mit KI nicht schneller, aber jederzeit schlechter. Für einen Autor, der sein Handwerk beherrscht und seine Stimme gefunden hat, halte ich jeglichen KI-Einsatz nach wie vor für ausgeschlossen. Die Taktzahl der Veröffentlichungen zu erhöhen, mag vielleicht in stark regelgetriebenen Genres wie den aktuell gehypten funktionieren, geht aber immer zulasten der Qualität. Von den immer zahlreicheren Burn-outs unter Kolleginnen besagter Genres will ich garnicht reden.
Aber wer weiß, vielleicht bemerken viele Leser schon bald nicht mehr, ob ihr Lesestoff etwas taugt oder nicht. Gerade wächst eine Generation heran, der die Kulturleistung des Lesenkönnens weitgehend verlorengeht.
Ja, diese Aussichten sind alles andere als rosig, und sowas klingt echt gruselig.
Wobei ich die Punkte 1 bis 4 sogar noch irgendwie nachvollziehen kann, das könnte so tatsächlich im Bereich des Möglichen liegen.
Aber bei 5. setzt es dann bei mir aus. Warum liest man überhaupt noch, wenn man keinen Spaß daran hat (von der ganzen Pflichtlektüre in der Schule mal abgesehen)? Was hat man davon, ein Buch möglichst schnell fertigzukriegen?
Nun, der Trend geht ja dahin, sich Bücher nebenher vorlesen zu lassen – beim Autofahren, Bügeln, Joggen usw. –, oder anders gesagt, die Zeit doppelt zu nutzen bzw. seine Aufmerksamkeit nicht auf die Lektüre zu beschränken.
Brave new world …
Wenn es wenigstens einen passen Ort gäbe, an den man auswandern könnte.
Ich gestehe aber, dass ich auf dem Hometrainer immer Hörbücher höre. Nicht zu kompliziert und möglichst spannend, und wenn ich wissen will, wie da die Story weitergeht, muss ich wieder eine Runde radeln. Hilft, den inneren Schweinehund auszutricksen.
Pessimismus steht bei mir nicht oben auf den Zettel.
Es wird immer Leser geben, die sich physisch ein Buch kaufen und zur Entspannung lesen. Die ganzen Trends werden künstlich aufgebläht und platzen irgendwann.
Was bleibt ist das einfache Buch mit einem Text, der die Leser mitnimmt. Das ist unsere Aufgabe und eine KI kann genau das nicht.