Worldbuilding - Wieviel Arbeit investiert ihr?

Ich habe zu dem Punkt erst gestern einen Post gelesen mit dem Titel: Lore statt Worldbuilding.
War genau das was du erläutert hast. Also Informationen über die Welt nicht wie ein Tourguide vermitteln und in einem Mal über dem Leser auskippen, sondern natürlich einfließen lassen, z.B. in Dialogen.
”Hast du schon gehört der berühmte Barde XYZ ist in der Stadt.”

Finde ich interessant, da ich mir um die beiden Begriffe nie Gedanken gemacht habe.

1 „Gefällt mir“

schon richtig, es sei denn, du schreibst einen Krimi. Da können 3 cm mehr oder weniger bei einer Klinge den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten ;).

Manchmal kann sowas aber auch echt störend auffallen. Bei einer relativ bekannten Fantasy-Reihe (komme grad nicht mehr auf den Titel) war eine Tanne zwei Seiten später plötzlich eine Fichte.
War zwar in keiner Weise plotrelevant, trotzdem hat man (ich zumindest) bei sowas gerne den Eindruck, dass der Autor da einfach nur geschlampt und sich ein mehrfaches, gründliches Korrekturlesen geschenkt hat.
In diesem Fall ist es der Lektor gewesen, was es auch nicht besser macht.

6 „Gefällt mir“

Klar, genrespezifisch gibt es immer bestimmte Anforderung. Und wenn es ein Krimi zum mitraten ist, muss man noch genauer sein, das ist klar.

Mein Reden: hätter gleich Nadelbaum geschrieben, hätte es kein Problem gegeben. :wink: Aber du hast schon recht. Man sollte sich als Autor schon bemühen, das, was man beschreibt auch konsistent zu halten. Das schadet ja nicht.

3 „Gefällt mir“

Bei mir handelt es sich vielleicht um einen Sonderfall, weil mein derzeitiger Roman aus einem Rollenspiel entstanden ist. Da gab es z.B. eine Beilage mit Schriftstücken von fiktiven Forschern und Wissenschaftlern, die über diese Welt geschrieben haben. Ich habe versucht, das ins Buch hineinzubringen, musste mich dann aber doch wegen Infodump-Gefahr nach und nach davon trennen. Außerdem kommen bei mir (zunächst aus Spielmechanik-Gründen) fünf Völker vor, die sich durch ihren Charakter unterschieden. Ich hatte Fragebögen entwickelt, mit denen man seine Zugehörigkeit zu einem Volk als Spieler herausfinden konnte. Ich habe sogar Sprachen für alle fünf Völker entwickelt, eine komplette Auswanderungsgeschichte, Herrschergenealogien … vieles war am Anfang im Roman und ist dann wieder rausgeflogen. ABER: mir scheint, dass meine Welt dafür ziemlich glaubwürdig geworden ist.

Allerdings stoße ich nun selbst an Grenzen, da ich mir das alles nicht merken kann. Hier leistet mir die KI große Dienste. Ich habe - zusammen mit KI - so eine Art Völkerlexikon erstellt, und wenn ich vor einer Situation stehe, wo in einem der Völker etwas passiert, dann lade ich das hoch und frage meinen besten Kumple “Claude”, wie das Volk da so reagieren würde. Das liefert auf jeden Fall eine gute Grundlage, die ich dann natürlich für meinen Bedarf entsprechend modifiziere und (ganz wichtig) wieder in das Lexikon aufnehme.

Für die Sprachen gilt das selbe. Die KI hat mir inzwischen Grammatiken und Vokabellisten entwickelt, und ich lasse mir einzelne Ausrufe oder Sätze von der KI übersetzen, mache danach eine Plausibilitätsprüfung und baue das ein.

Ob es die finale Lösung ist? Keine Ahnung, bis jetzt geht es noch. Um es kurz zu machen: ja, bei mir ist es definitiv die Eisbergmethode.

2 „Gefällt mir“

So außergewöhnlich ist das gar nicht. Ich habe auch die Abenteuer unserer früheren Rollenspieltruppe für mein Buch verwurstet. Ich habe dabei allerdings recht schnell festgestellt, dass ein Buch weitgehend anderen Gesetzen folgt, als eine Rollenspielgeschichte. Letztendlich habe ich das Abenteuer des Rollenspiels als Fundus für Ideen verstanden und als eine Art Guideline für das Buch.

Dann waren wir damals beim Rollenspiel schon im dritten Neustart und hatten uns vorgenommen, die Welt nur dort zu entwickeln, wo es für die Abenteuer wichtig ist.

Ähnlich mache ich das jetzt beim Buch. Das ganze Lore aus dem Abenteuer ist hilfreich, weil es schon mal die erste Prüfung auf Konsistenz beim spielen bestanden hat. Aber ich muss eben auch vieles ändern, weil es im Buch einfach andere Anforderungen gibt. Deshalb ist das Hintergrundwissen nur der Steinbruch für Ideen und keine genaue Vorlage. Fest steht nur das, was schon mal erwähnt wurde und da versuche ich unscharf zu bleiben. :wink:

Wenn du deine Abenteuer 1 : 1 abbilden willst, gibt es ja noch LitRPG (so heißt das, glaube ich), wo sich die Protagonisten bewusst sind, dass sie Spielfiguren mit Eigenschaften sind. Für Rollenspieler hat das sicher einen hohen Wiedererkennungswert („Wo hast Du denn den +3 Dolch her?“ „Das war doch , wo wir am Ende den großen Zork …“), für Nichtrollenspieler ist der Zugang aber sicher oft schwierig. Aber das ist eigentlich eher eine Frage der Story , als des Hintergrunds. Auch für LitRpG gilt sicherlich, dass man es mit Infodump nicht übertreiben sollte.

In diesem Sinne: weniger ist mehr.

Man braucht halt irgendwas zum Anfangen. Das hier war zwar kein Rollenspiel. Aber es war ein Spiel, an dem ich damals brödelte. Ich hatte bemerkt, dass mein größtes Hindernis am Losschreiben die fehlende Karte war. Und so sind dann die ersten Ideen auf dem Teppich entstanden – und meine Welt ist eine Inselwelt.

4 „Gefällt mir“