Eben. Für eine Story brauche ich eine plausible Kleinstadt mit Umgebung. Da ist es wichtig, dass die Orte nicht mal hier und mal da sind.
Ebenso die Struktur der Personen des öffentlichen Lebens.
Nur als Beispiel.
Da hast du recht. Hatte ich nicht bedacht. Wenn die Architektur quasi selbst eine Rolle spielt und eben nicht nur „Bühnenbild“ ist, dann ist sie natürlich wichtig.
Der Welten-(Nach)bau kann auch sozusagen Teil der Handlung sein, so besonders anschaulich in der Wiener Tatort-Folge „Der Elektriker“ von 2025, wo das Ermittlerteam ein Seniorenheim puppenhausartig modelliert, um den Tathergang zu rekonstruieren. (Vgl. https://www.imdb.com/de/title/tt38820855/)
Schön wäre es - Worldbuilding hat bei mir aus einer Idee für eine Kurzgeschichte - weil es immer irgendwo lose Fäden gab - einfach mal genug Stoff gemacht, dass ich die nächsten 30 Jahre mit Schreiben ausgelastet sein könnte… Nochmal fange ich damit nicht an ^^
Ist das nicht ein Problem? Denn deine Welt wird doch irgendwann so komplex, dass du selbst ein Professor für deine Weltkunde werden musst, wenn du konsistent schreiben willst. Ich sehe ja, wie es mir geht. Ich hatte mitunter elementare Dinge vergessen und beim Lesen eines alten Bandes die Krise gekriegt, weil ich Dinge völlig anders fortgeführt habe. Wenn du nun noch nicht mal eine Geschichte hast, kann es mit den Definitionen deiner Welt ganz schnell eine wirkliche Herausforderung werden.
Okay, vielleicht habe ich hier zwei Dinge in einen Topf geworfen: Das Worldbuilding geht mit einem Grobplot einher - nur dass aus der kurzen Geschichte am Ende eine superlange Geschichte, die sich quasi von in 20-30 Jahren beginnend tausende Jahre in die Zukunft zieht, wurde. Einfach nur, weil ich keine losen Enden mag.
Ich weiß genau, was du meinst. Ich wollte ca. 250 Seiten schreiben. Bei Seite 180 habe ich festgestellt, dass ich gerade erst an den Grenzen meiner Welt kratze. Jetzt sinds 1600 Seiten. Die Geschichte ist wirklich geil geworden. Aber wenn ich mir überlege, dass das ein Anfängerprojekt war, würde ich einem Anfänger heute raten, bei Seite 180 nicht wie ich die Ausfahrt ins Reich der Fantasie zu nehmen.
Ich würde heute jedem raten: Strukturiere erst mal den ersten Band und sorge dafür, dass er sauber ladet. Ich hatte mir halt über Bandaufteilung überhaupt keine Gedanken gemacht und hatte plötzlich 800 Seiten - und das Gefühl, dass ich bei 1000 noch mal nen Hüpfer in die ganz hohen Lüfte machen muss ![]()
Aber ich hab Spaß - das ist die Hauptsache ![]()
Es hat mich viele Jahre an kläglich gescheiterten Versuchen gekostet, bis ich endlich eingesehen habe, dass mich das Vorausplanen, sowohl was Handlung als auch Weltenbau betrifft, mehr hindert als unterstützt. Heute lasse ich einzig die Geschichte selbst entscheiden, was relevant ist, und meine Figuren zeigen es mir, während ich schreibe.
Sie sind es ja, die in meiner Welt herumgeistern, die entdecken, die handeln, die Aufgaben zu erfüllen haben. Nur was für sie relevant ist, ist für den Leser relevant. Nicht, was ich mir sonst noch ausdenke und dann eh nur irgendwo ablege. Dabei lasse ich meinen Figuren die größte Freiheit.
Meine Aufgabe ist es hingegen, alles festzuhalten, worauf sie stoßen, und das mache ich sehr akribisch. Haufenweise Notizen, sehr straff und diszipliniert geführt: Was war wo wann. Was kann was. Was bewirkt was. Wie heißt dieses und jenes. Und: Stimmt das, was in Kapitel 4 jemand mit einem Ding tut, noch mit einer Beschreibung im Kapitel 2 überein? Himmelsrichtungen, Sonnenstand, Gassennamen, Lebensgeschichten etc. alle klar? Bis hin zu: Lässt sich eine Entwicklung, Entscheidung oder auch nur Bedeutung in Kapitel 5 schon früher anlegen?
Jeden Morgen überarbeite ich nicht nur das gestern geschriebene, sondern halte auch meine Notizen zu Fakten, Entwicklung, Weltlogik etc. aktuell, und merke vor, wo etwas nicht oder nicht ganz zusammenpasst. Wenn ein Kapitel fertig ist, mache ich einen größeren Durchlauf und korrigiere auch alles angesammelte im Text. Zuviel Aufschieben würde hingegen einen Berg ergeben, den ich irgendwann nicht mehr abtragen kann.
Der umgekehrte Weg war fatal: Mit vorheriger Handlungs- und Welt-Planung habe ich diktiert, was wann wie geschehen und was wie sein soll. Die Wirklichkeit habe ich am Denkbrett allerdings nicht gesehen. Dazu braucht es das Erleben durch die Figuren. Ihnen zuhören, ihnen zuschauen, in sie hinein fühlen, durch sie erleben. Dann wird die Welt, in der sie unterwegs sind, klar.
Als Werkzeug dazu nutze ich übrigens die ganz einfache Notiz-App von Apple. Die ist beim Schreiben auf Papyrus immer geöffnet, ich hab so alle Notizen griffbereit, und nebenbei ganz praktisch auch am Smartphone synchronisiert, sodass ich auch tagsüber Zugriff habe, wenn mir etwas einfällt.
Worldbuilding ist ein Moloch, dem man sich besser garnicht erst ausliefert. ![]()
Ich geb dir dazu mal ein Feedback von mir. Ich hoffe, dir ist klar, dass deine Notizen pyramidenmäßig wachsen werden. Ich hatte mir dazu extra die Papyrus Figuren-Datenbank aufgebohrt und etwas komplett eigenes gemacht, wo ich auch Rassen, Religionen und weißichwas erfassen konnte.
Wenn ich dort heute mal Dinge nachtrage, muss ich meistens lachen. Denn die Infos aus dieser Datenbank sind entweder stillschweigend von der Wirklichkeit abgelöst worden. Oder sie sind so überflüssig wie “jeden Abend geht in meiner Welt die Sonne in roter Farbe unter”.
Pass auf, dass du dich nicht mit Bürokratie übernimmst. Wenn deine Kladde an Hintergrundinformationen mehr wächst als dein Text, würde ich irgendwann alles mal auf den Prüfstand stellen.
Wie gesagt, in meine Notizen kommt nur das hinein, was bereits geschrieben ist, damit ich das Geschriebene dann auch stets abgleichen kann. Ich wüsste nicht, wie ich ohne dieses “Wiki” auf 100en Seiten nicht verloren gehen würde. Ich nutze dafür übrigens bewusst nicht die Papyrus-Datenbank bzw Dateikarten, weil ich es mir auf diese Weise praktischer organisiert habe.
Herzlich willkommen im Forum, @Markus1977 ![]()
Ich bin auch ein Perfektionist, der sich ein ziemliches Großprojekt aufgeladen hat. Ich bin inzwischen (seit Jahren) bei der dritten umfassenden Überarbeitung, arbeite also an meiner vierten Romanfassung.
Ich denke, dein Weg, die neue Welt durch die Augen der Figuren zu sehen und entstehen zu lassen, ist ein sehr guter Ansatz für die erste Fassung deines Romans. Dass man (als Perfektionist, dem sein Buchprojekt am Herzen liegt) nach der fertigen ersten Fassung nochmal ganz von vorne anfangen muss für die zweite Fassung, das sorgt gleichzeitig für Frust und für Entlastung. Falls du an den Punkt kommen solltest, vor dem TomP gewarnt hat, dass dein “Wiki auf 100en Seiten” an irgendeinem Punkt zu groß wird und für Überlastung sorgt, dann ist mein Ratschlag, die Erstfassung trotzdem (notfalls mit Logikfehlern) weiterzuschreiben bis zum Ende der Geschichte. Die fertige Rohfassung gedruckt in Händen zu halten, hatte bei mir echt was freigesetzt, und vom Ende der Erstfassung her gesehen kann man den Anfang der zweiten Fassung nochmal ganz anders aufbauen.
Ich mache es ebenso wie Markus.
Nur mit dem Unterschied dass ich in wonderdraft meine Welt auch zeichne. Und eine Karte für mich dafür auch anlege. Weil ich Weltkarten gern mag. Nur dass ich nicht alles akribisch aufschreibe. Sondern in meine mindmap eintrage die nicht Papyrus ist. Da ich oft im büro weiterschreibe oder nachts im Bett wenn ich schlaflos bin, schreibe ich hauptsächlich in Word und übertrage afterwords nach Papyrus
Ich nutze auch Wonderdraft für meine Karten. Das ist echt toll, vor allem wenn man auch noch mal bei einigen Gebieten ins Detail gehen will.
Hilft mir auch immer sehr gut bei der Orientierung.
Ich hatte mir auch Wonderdraft gekauft. Aber ich komm mit diesem Editor gar nicht klar. Ich bin auf dem Mac unterwegs. Verwendet ihr möglicherweise Windows? Die ganze Oberfläche ist bei mir irgendwie schwierig zu bedienen. Darum hab ich irgendwann genervt Inkarnate verwendet, weil ich mit deren Web-Editor (bei allen Schwierigkeiten, die der macht) besser klarkam. Nur das Flusstool von Wonderdraft vermisse ich.
Ich halte es auch für sinnvoller eine Geschichte lieber mit einigen Fehler fertigzuschreiben, als sich irgendwann nur noch in der Verwaltung der Welt zu investieren. Aber mach es nicht wie ich und verwende die gleiche Figur gleichzeitig in 2 parallelen Handlungssträngen - in denen auch noch Dinge passieren, die nur diese Figur machen kann
Ist aber 5 Jahre her - hab ich inzwischen verarbeitet.
Ich tu mich schwer mit diesem KI-Thema, weil ja einige diese totale Abneigung zeigen. Aber ich kann euch sagen, dass Claude Opus 5 mit Cowork unfassbar gut geworden ist.
Ich mache jetzt keine Doku, aber ich muss aus verschiedenen Gründen noch etwas mit der Veröffentlichung warten. Also mache ich Rechtschreibprüfungen und überarbeite alte Bände. Opus5 hinterfragt dabei auch mehr und mehr die Logik und versucht, die Welt zu verstehen:
- Warum duzen sich diese beiden Figuren mit kleinem “du”, aber schreiben sich mit großem “Du”.
- Der König da spricht von sich selbst doch immer mit großem “Wir”. Warum schreibt er sich da plötzlich mit kleinem “wir”.
- Die Figur hat doch im letzten Band noch “Ihr” mit “ehrenwert” verwendet. Jetzt sagt sie plötzlich “du”.
Ich habe versucht. mit unterschiedlichen Anreden verschiedene Kulturen abzubilden. Das kann dann schon etwas chaotisch klingen. Während ich früher gelegentlich solche Fragen gestellt bekam, legt sich Claude jetzt einen Skill an.
Du kannst da ja mal reinschauen. Der Hintergrund ist hier allerdings nicht, die Welt zu erklären, sondern einfach nur Dinge zu notieren, die ihm bei der Rechtschreibprüfung aufgefallen sind. Diesen Skill hat er angelegt, ohne dass ich ihm großartig etwas gesagt hat, was er dort reinschreiben soll. Er ergänzt ihn selbstständig, wenn er aus unserem Gespräch etwas aufschnappt.
Vielleicht wäre das eine zeitgemäße Lösung - zumindest für Nicht-KI-Verweigerer. Denn was sich die KI hier merkt, prüft sie selbstständig und meckert Dinge an, die nicht passen. Wenn ich irgendwann eine neue Geschichte starte, werde ich die Figuren-DB nur noch pflegen, damit meine Figuren hervorgehoben und nicht von der Rechtschreibprüfung angemeckert werden. Den Rest lass ich dann Claude verwalten.
SKILL.md (22,7 KB)
Ja, ich nutze Wonderdraft. Tatsächlich gefällt mir inkarnate besser, insbesondere wg. den Heights. ABER - hier ganz fettes Vorsicht - bei Inkarnate ist es nicht immer freie kommerzielle Nutzung! Weswegen ich auf Wonderdraft geschwenkt bin. Wenn du also die Karten in einem Roman mit verwenden willst, kann es schwierig sein. @tomP
Bzgl. Claude Opus, bzw. mit CoWork -jap, ist mega Hilfreich, mal fix alles drüberlesen zu lassen und für eine umfassende Analyse - würde ich eher Gemini/Notebook LM weiter für verwenden.
Claude ist gut, ist weniger schleimig wie Google, und Claude ist innerhalb der Session lernbereiter, ABER, wenn du da einen Prompt falsch setzt, haut er dir Glättungen rein, Anachronismen oder aber versehentliche andere Fehler. Andere Fehler übersieht er, wenn du nicht ein klares Dictionary angibst.
Manchmal übersieht er Dinge, weil er Satzgenau und nicht Absatzgenau prüft. Da solltest du darauf achten, dass er alles Verbatim übernimmt, prüft und verwendet.
Auch bei dem Skill, sei Vorsichtig
hinterher merkt er sich zu viel. Und übersieht hinterher Fehler. Das kann gut passieren, wenn die Memories zu viel werden.
Ich nutze ja Claude noch immer, für Korrektorat XD Aber lediglich nur noch mir eine Liste zu erzeugen mit den Zeilen, wo welcher Fehler ist.
okay XD auch um mich programmieren zu lehren für meine Homepage
da ist Claude spitze! Mich anweisen richtig zu lernen kicher
@tomP Ich habe ein MacBook, Inkarnate habe ich auch getestet. Komme mit beiden gut klar, habe allerdings auch Erfahrung in Photoshop und Co. Vielleicht fällt es mir deshalb leichter.
Nein, nein. Ich arbeite schon seit 2000 mit Photoshop ![]()
Vielleicht war es nur zweirangig das Handling und ich wollte hauptsächlich eine “schöne” Karte haben. Ich weiß nur, dass Wonderdraft sehr fuddelige Menüs hatte.
Meine Erfahrung geht eher in die Richtung: Blinder Eifer schadet nur.
Soll heißen: du brauchst natürlich soviel Hintergrund, wie für dich nötig ist, um eine Szene zu konzipieren. Aber am Ende kommt es viel mehr darauf an, dass deine Szene den Leser fesselt, als darauf, alle Details immer richtig zu machen.
Wenn also dein Protagonist nachvollziehbar handelt, wird es dem Leser nicht so wichtig sein, ob sein Dolch in einer Szene 12 und der anderen 15 cm lang ist (oder was immer du für eine Einheit benutzt).
Meine Taktik ist, möglichst gar keine genauen Angaben zu machen. Es reicht doch zu sagen: wenige Tage später erreichte die Karavane die Oase W‘ie auch Immer‘r (Fantasy Schreibweise). Ob das dann zwei oder drei Tage sind ist bestimmt eigentlich egal.
Aber, wie auch immer, mache was du meinst zu brauchen. Meine Erfahrung ist aber : weniger ist mehr.