Worldbuilding - Wieviel Arbeit investiert ihr?

Ich habe diese Woche viel Arbeit mit Worldbuilding verbracht. Ich will mich nicht beklagen, es war sehr amüsant. Ich frage mich, ob ich doch nicht lieber am Buch weitergearbeitet hätte.

Deshalb frage ich euch: Wie geht ihr mit Worldbuilding um?

Arbeitet ihr nach der Eisbergmethode? Nur zehn Prozent eures Worldbuildings kommen im Roman vor.

Protokolliert ihr einfach nur euer Worldbuilding , während ihr euren Roman schreibt?

Oder sagt ihr euch, Konsistenz ist nur was für Weicheier?

2 „Gefällt mir“

Ich finde, Konsistenz muss sein. Ich plane die Welten für meine Dystopien nicht. Ich schreibe einfach so, wie ich mir die Zukunft und die daraus resultierende Umwelt vorstelle. Allerdings schreibe ich im Anschluss an jede Szene, in der die (veränderte) Welt auftaucht, Notizen ins Denkbrett und überprüfe dann kontinuierlich, ob ich noch auf dem richtigen Pfad bin. So entwickelt sich die Welt (unter stetiger Kontrolle) ganz von selbst,

6 „Gefällt mir“

Ebenso. Ich habe ja im Kopf schon Zeit in der Welt verbracht…

Ebenso. Ganz viele kleine Randnotizen…

2 „Gefällt mir“

Ab einen gewissen Punkt, wo die Geschichte doch größer wird als ich dachte, sammle ich alles zusammen und baue eine Doku.
Bei mir ist es die Biologie, die sehr wichtig ist und Details hat, die ich sonst vergessen oder vernachlässigen würde.
Ich habe da drei Tage gut und intensiv durchrecherchiert mit ChatGPT. Mein Kopf war danach am Rauchen, aber es hat sich gelohnt. Es ist jetzt alles konsistent. (und fühlt sich an als hätte ich eine wissenschaftliche Arbeit durchbearbeitet)
Es ist vielleicht etwas übertrieben, aber ich brauche es irgendwie für mich.
Mir ist es hier wichtig, dass das alles Sinn ergibt und keine Logiklücken entstehen.

Wahrscheinlich kommt nur sehr wenig in der Geschichte vor, aber dafür ist es logisch zusammenhängend.

1 „Gefällt mir“

Meistens entdecke ich die Welt beim Schreiben. Das gibt mir größtmöglichen Freiraum. Aber je nach Setting mache ich eine gewisse Planung.

Z.b habe ich bei meinem Erstlingswerk, dass im historischen Japan spielt, enorm viel recherchiert. Es gibt ja tausend Fragen: Wie sind die Dörfer aufgebaut. Wie sind Zimmer eingerichtet. Gab es schon Glas? Wie sah der Tagesablauf aus …

Bei meinem Fantasyroman „Schwertsünde“ → existierte ein gewisses Worldbuilding. Da die Geschichte im Unterreich spielt, musste ich mir überlegen, wie man den Tag „misst“ (bei mir ändert der Kristallhimmel die Farbe), der Umgang mit Feuer und ich erfand einen Aggregatzustand einer Substanz, die weder gasförmig, flüssig, noch fest ist. (Das Hurling :wink: geht nicht darin baden )
Viele Elemente waren fertig, bevor die Geschichte begann, andere Elemente wurden beim Schreiben erschaffen.

Meist schreibe ich auf diese Weise. Ich erlebe die Geschichte aus Sicht meiner Protagonisten und entwickle daraus dann „Hintergründe.“ Z.b wenn ich eine Religion erfinde, dann sind es nicht einfach nur „Templer“, sondern in den Moment baue ich im Hintergrund für was sie stehen, und was ihre Ziele sind. Wie ihre Hohepriester aussehen. Grob, aber detailiert genug, damit sie innerhalb der Handlung konsistent sind.

Taucht in einen meiner Paladinsöldner „Ein Dorf“ auf, dann plane ich es komplett. Also, von was leben die Leute. Warum siedeln sie gerade dort. Besonderheiten ihrer Lebensweise?
Das klingt viel, ist es aber nicht. Dennoch kann es Hinweise geben, wenn z.b alle in einer Mine arbeiten, haben sie z.b entsprechend dreckige Kleidung. Selbst wenn die Mine keine Rolle in der Handlung spielt (So wie beim Eisberg), hat der Leser das Gefühl, dass sich alles richtig anfühlt.

3 „Gefällt mir“

Ich habe bei mir die Erfahrung gemacht, dass meine Welt-Planungen nahezu allesamt in die Hose gegangen sind. Entweder waren sie zu blutleer, zu kompex, ließen sich nicht im Text umsetzen oder funktionierten auf andere Weise nicht.

Spontane Ideen während des Schreibens, oder schreibtechnische Flickversuche führten häufig zu wichtigen Säulen der Geschichte - obwohl sie nicht geplant waren.

Ich sehe dieses theoretische Wordbuilding für mich inzwischen mehr als Inspirationsgrundlage an. Denn erst wenn ich darüber schreibe, wird diese Welt mit Leben erfüllt. Und dann erst offenbart sie, ob sie realistisch geplant wurde, oder ob sie uninteressant ist und nicht funktioniert.

4 „Gefällt mir“

Warum trennst du das? Es IST Arbeit am Buch.

Ich schreibe ja immer noch an meinem Erstling, daher sind meine Erfahrungen im Bezug auf den Nutzen am Ende begrenzt.
Doch aus verschiedenen Gründen habe ich bisher relativ viel Zeit und Mühe investiert. Besonders aus Gründen der Handlungslogik. Da meine Protagonisten viel „unterwegs“ sind, habe ich zB. Karten skizziert, um bestimmte Orte und die Geographie fest zuhalten. (Wär doch blöd, sie wandern an einen bestimmten Ort, der im Süden liegt und haben mittags die Sonnen im Rücken)
Im Bezug auf bestimmte Ereignisse in der Geschichte meiner Welt habe ich so eine Art Zeitlinie.
Ich habe Rituale, Weltanschauungen, alte Sprache, Nachrichtenübertragung, soziale Gefüge (Kastensystem), Politik und Ökologie/Biologie bedacht und vieles dazu aufgeschrieben.
Brauche ich das alles?
Klares Ja. Selbst wenn es nicht im Buch auftaucht, ist es mein roter Faden. Es hilft mir, kohärent zu bleiben; es hilft mir die Motivation der Figuren zu zeigen, ohne sie zu erklären.
Wann mache ich Worldbuilding? Situationsbedingt. Das „große Ganze“ bevor es überhaupt richtig los ging, die Details immer dann, wenn es nötig wird.

Aber eines ist absolut klar: ES MACHT RIESENSPAß!!!

4 „Gefällt mir“

Eine solche Frage kannst du nur für dich selbst beantworten.

Mich macht dies hier misstrauisch:

Ich habe vor Jahren ein Video von einem erfolgreichen Autor gesehen, der sich mit der Thematik befasst hat. Irgendwann holte er einen Ordner aus dem Schrank. Dies war seine Planung für seine erste Fantasywelt. Er meinte dann aber: Diesen Roman habe ich nie geschrieben. Er hatte „zu viel“ vorbereitet.

Ebenfalls vor Jahren war ich Teil einer Facebook-Gruppe, die eine Fantasywelt definieren wollte. Das Ziel war es, dass jeder innerhalb dieser Welt Geschichten schreiben kann, die dann konsistent zueinander passen.

Ich weiß noch, dass es jede Menge Google-Docs dazu gab, in denen alles zusammengeführt wurde: Geografie, Landschaft, Kultur, Geschichte, Religion usw.

Ich bin da sehr bald ausgestiegen und hab es nur noch beobachtet. Man muss aufpassen, dass man irgendwann nicht so viel zu seiner Fantasywelt definiert hat, dass man selbst ein Professor sein muss, um durch seine eigene Welt durchzublicken.

Wenn also tatsächlich nur 10 % einer definierten Welt im Roman vorkommen, sollte man sich fragen: Was ist mit den anderen 90 %. Ich sage nicht, dass es schlecht ist, diese 90 % definiert zu haben. Aber man sollte sich fragen: Helfen diese 90 %, oder sind sie nur Blähwerk, das einen später am Schreiben hindern wird.

Denn wenn ich irgendwann an dem Punkt ankomme, dass ich zuerst in meinen eigenen Unterlagen recherchieren muss, bevor ich irgendwas schreiben kann - dann verliere ich auch sehr schnell die Lust am Schreiben. Zumindest besteht die Gefahr dazu.

Darum finde ich schon, dass man zu viel Planung kritisch sehen kann. Man muss aber nicht - es ist eben jeder anders.

Vielleicht ein blödes Beispiel für Star-Trek-Fans: Die Borg - einer der wichtigsten Feinde der Neunziger - waren ein Notbehelf. Eigentlich sollte es sich um ein Bienenvolk handeln. Daher auch das Hive-Bewusstsein (Bienenstock-Bewusstsein). Die Kostüme waren aber zu teuer. So wurde eine Cyborg-Rasse daraus. Was wäre Star Trek ohne die Borg? Nur - sie waren so nicht geplant.

Man sollte sich durchaus bewusst sein, dass solche Abweichungen vom Geplanten außerordentlich erfolgreiche Stützen der Geschichte werden können. Es ist also keineswegs so, dass man zwingend alles durchplanen muss. Man kann aber - es ist eben jeder anders.

4 „Gefällt mir“

Ich glaube das ist wie die Frage „Plotten oder nicht“.
Autoren beider Fraktionen, und auch alle Mischformen dazwischen, schreiben erfolgreiche Romane. Vermutlich neigt ein „Plotter“ auch zu Worldbuilding.

Ich mag es eher „unscharf geplant.“ Wird es innerhalb der Handlung wichtig kommen mehr Details dazu.

Geschichten innerhalb einer großen, geplanten Fantasywelt funktionieren ja ausgezeichnet im „AD&D“ oder anderen Rollenspielsystemen. Der Spielleiter leiht sich Welt, Monster und „System.“ und denkt sich meist eine eher „normale“ Handlung dazu aus.
Aber Hand aufs Herz. Möchte man mehr als 6 Romane in derselben Welt spielen lassen? (und sieht 32 Bände Darkover Zyklus vor sich)

2 „Gefällt mir“

Beides ist richtig. Es macht da einiges im Romanuniversum klarer und konsistenter. Und es hat Spaß gemacht.
Aber man kann auch übertreiben.

Deshalb wollte ich einfach nur mal wissen, wie alle anderen es mit ihrer Welt treiben.

1 „Gefällt mir“

Gar keine. Meine World ist schon da. Ich muss zum Glück nichts builden. Was ich mir maximal vorstellen könnte, wäre vielleicht eine Dystopie. Und die baut auf unserer Welt auf. Unsere Welt ist übrigens die beste aller Welten und wir haben zu ihr keine Alternative. Passt auf sie auf.

2 „Gefällt mir“

Ich builde nicht. Ich transformiere.
Da ich zur Zeit ausschließlich über meine Heimat schreibe (historisch und Fantasy) begebe ich mich direkt in diese Welt, meist zu Fuß.
Setze mich davor, schließe die Augen und die innere Reise beginnt.

Diese natürliche Höhle hat mich zu einer kompletten Geschichte inspiriert
Mir ist wichtig, dass alle meine Geschichten tatsächlich besucht werden können.

6 „Gefällt mir“

Das erinnert mich irgendwie an das Disney Universum mit Mickey, Donald und all den anderen Charakteren in Entenhausen. Im Laufe der Jahrzehnte haben hunderte Zeichner Geschichten in dieser Welt erzählt. Konsistent ist daher am Ende wenig. Nur die ganz großen Linien sind erkennbar.

Tut den Geschichten keinen Abbruch. Man muss sich eben drauf einlassen. Lustig sind dann manche Ansätze der Donaldisten, die die Ungreimtheiten als „reale“ Phänomene mit wissenschaftlichen Methoden untersuchen.

Meine Erfahrung geht dahin, dass man schon ein wenig Planung in die Umwelt seiner Geschichte stecken sollte. Vor allem aber, damit man eine Vorstellung davon bekommt, wie es dort aussieht und sich anfühlt. Für mich ist es wichtiger, zu wissen, wie eine Stadt meiner Welt aussieht, wie sie riecht und wie laut sie ist, als einen konkreten Stadtplan zu haben. Womöglich noch inklusive eines Plans der Abwasserleitungen mit Ausarbeitung des Direktors der Wasserversorgung. Kann man machen, muss man aber nicht. Ob es überhaupt irgendeine Abwasserentsorgung gibt, kann hingegen für den Geruch der Stadt schon wichtig sein. :mask:

Es hilft, wenn man bezüglich gerade nicht wichtiger Umweltaspekte beim erzählen eher vage bleibt. Man kann solche Dinge dann auch schlanker abhandeln. Würde ja auch der Geschichte nicht guttun, wenn man eine Seite lang die prächtige Fassade eines Tempels beschreibt, obwohl der in der Story gar keine Rolle spielt.

Ich versuche den Weltenbau in diesem
Sinne zu lösen: ich plane die großen Zusammenhänge, aber die Details entwickeln sich beim Schreiben oder bei der Entwicklung der Szenen.

3 „Gefällt mir“

Fühlt sich nicht übertrieben an und ich brauche auch kein selbsterstelltes Lexikon. Mein Gedächtnis ist leider nicht soooo toll. Eine Methode für mich, Dinge zu behalten, ist, sie aufzuschreiben. (Was für ein Satz :see_no_evil:)
Vielleicht stehen nur 10% im Buch, dafür sind 100% in der Geschichte. Für mich war schon immer das Setting der Einstieg - daher passt es einfach.
Worldbuilding macht man ja nicht nur bei Fantasy. Schreib mal über ein Dorf …

4 „Gefällt mir“

Ich habe zurzeit beides: eine Geschichte, die weit weg im Weltraum spielt, und eine Geschichte, die direkt vor meiner Haustür stattfindet. Allerdings im Jahr 2049. Beides bringt seine eigenen Probleme mit sich.

Da zurzeit die Verbindung nach Alpha Centaurie schlecht ist, muss ich mir alles, bei den einen Roman, ausdenken. Dieses ist aber dann für Geschichte auch auschlaggebend.
Beim anderen Roman fange ich an, zu genau zu werden. Nach dem Motto: Er lief die Ronneburger Straße runter und bog in die Winsen ein.

1 „Gefällt mir“

So ist es bei meinem Buch mit der Zeitplanung. Ich musste einige Kapitel minutiös planen, mir Gedanken darüber machen, welche Handlungen exakt wieviel Zeit brauchen, habe mir sogar überlegt, ob mein Held wohl irgendwann zwischendurch Zeit gehabt hätte, mal aufs Klo zu gehen. Aus einem Nachmittag habe ich schweren Herzens zwei Szenen rausgekürzt, weil sie nicht alle in dieser Zeitspanne erlebt werden konnten.
Wie oft tauchen diese genauen Uhrzeiten im Buch schriftlich für den Leser auf? Fast nie. Und doch sind sie Teil der Geschichte.

3 „Gefällt mir“

Bisher habe ich mich mit Worldbuilding sehr kurz gehalten, außer einer Kneipe, die irgendwie doch den Mittelpunkt der Reihe bildet, brauchte ich aber auch nicht viel mehr. Beziehungsweise war der Rest für den Plot unwichtig. Theoretisch auch bei der Kneipe, aber ich mag das Viper halt einfach.

Für die aktuell zu schreibenden Projekte kann das nicht so bleiben. Das eine ist Fantasy (den Prolog gibt es hier sogar zu lesen), und ohne Weltenbau kann man einiges nicht nachvollziehen, das war auch die Resonanz auf den Prolog hier. ICH weiß ja, wie alles aussieht, ich muss es nur noch einbauen.

Das andere spielt in einem Altersheim und auch da brauche ich Weltenbau, habe ich festgestellt.

Liegt mir so gar nicht bisher, allerdings spiele ich da auch gerade mit Blender rum, um es grafisch zu machen und so vielleicht greifbarer für mich.

Zumindest ein Magiesystem ist da sicher verzichtbar. :grin:

Spaß beiseite. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich wichtig ist, ob das Altersheim 3 oder 4 Etagen hat oder ob vom Gang 7 oder 9 Zimmer abgehen.

Ich habe im Rahmen familiärer Betreuungen schon einige Alters- und Pflegeheime kennengelernt. Einzelheiten weiß ich zu keinem mehr, aber jedes hatte eine individuelle Ausstrahlung oder Atmosphäre. Sowohl architektonisch, als auch von den Menschen her. Das wäre es, was ich würde einfangen wollen.

Worldbuilding findet ja nicht nur in der Fantasy oder Sci Fi statt, man braucht es vielmehr für jede Szene, die sich nicht im luftleeren Raum abspielt.
Was und wie viel das dann ist, ist von Fall zu Fall völlig verschieden.

7 „Gefällt mir“

Doch, ist es, weil es eklatante Auswirkungen auf den Plot hat. :wink: Kann den Mörder ja nicht durch eine Tür verschwinden lassen, die niemand sonst je findet und auch der Leser nicht kennt.

5 „Gefällt mir“