Wird in 10 Jahren überhaupt noch jemand Bücher lesen?

Hier im Forum wurde und wird an vielen Stellen wunderbar kontrovers über KI diskutiert. Ich gebe zu: ich habe auch schon - spaßeshalber - mal ein Buch komplett mit KI produziert und bei BoD rausgebracht. Hat wirklich Spaß gemacht: innerhalb von 3 Tagen (zugegebenermaßen ziemlich langen und sehr anstrengenden Tagen) war das Ding fertig - zugegeben ein Meisterwerk ist es ganz bestimmt nicht, aber mir gefällt’s. So richtig schlecht ist es nämlich auch wieder nicht. Und es ging mir ja vor allem darum, mal zu lernen, wie KI-Werkzeuge funktionieren. Jetzt drücke ich es Freunden in die Hand und bin gespannt, ob es irgendwer liest…

In dem Zusammenhang frage ich auch immer wieder mal alle möglichen Leute, ob sie denn überhaupt noch Bücher lesen, wie sie sich über das Weltgeschehen informieren und welche Medien sie zur Unterhaltung konsumieren. Das - sicher nicht repräsentative, aber keineswegs erstaunliche Ergebnis: Es wird kaum noch gelesen. Bei den jüngeren Menschen ist bekanntlich Instagram das “Leitmedium”, ältere schauen You-Tube Videos oder hören Podcasts. Auf gutdeutsch: wer Menschen erreichen will, wer “Reichweite” erzielen will, darf nicht schreiben, sondern muss Videos produzieren - oder zumindest gesprochene Texte.

Ich selbst bin vermutlich der einzige Mensch auf Erden, der allwöchentlich in die Buchhandlung seines Vertrauens pilgert und selten nach Hause zurückkehrt ohne nicht zumindest in der Grabbelkiste für 5 Euro irgendwas erworben zu haben, und das meiste tatsächlich auch zu lesen. Zeitungen und Zeitschriften lese ich hingegen so gut wie gar nicht mehr. Online-Nachrichten von redaktionellen Medien hingegen sehr häufig; mit Videos und Podcasts kann ich nichts angefangen, vor allem weil ich die Informationen gerne in meiner eigenen Zeit aufnehmen will, Unwichtiges überfliege und bei interessanten / spannenden Passagen gerne verweile… Mit Social Media kann ich nichts anfangen, das nervt mich bloß. Bin ich damit ein Dinosaurier? Wird meine Spezies in ein paar Jahren ausgestorben sein?

….und um auf mein Thema wieder zurück zu kommen: da hat mich ein hier im Forum zitierter Artikel aus der FR zum Nachdenken gebracht, in dem es heißt:

"Zwischen 2003 und 2023 ist die Zahl der Menschen, die zum Vergnügen lesen, um 40 Prozent gesunken. Und mittendrin rollt eine weitere Welle: KI-generierte Bücher, die in Stunden entstehen, den Markt fluten und echte Autorenarbeit zunehmend unsichtbar machen. ((FR-Artikel)

Auf gutdeutsch: Bücher herzustellen wird immer einfacher - aber lesen tut sie bald niemand mehr. Hab ich Recht?

Mir scheint, du trägst ja aktiv zu dieser Zukunftsvision bei. Wenn der Markt mit Mist geschwemmt wurde, vergeht dem Leser natürlich der Spaß am lesen, wenn er vorher im Dreck nach Perlen suchen muss.

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Mir scheint, du trägst ja aktiv zu dieser Zukunftsvision bei.

Know your enemies! :face_with_spiral_eyes:

Nein, du hast nicht Recht. Ich habe Kontakt zu jungen Leuten und dort ist das Lesen nach wie vor sehr beliebt.
Natürlich konkurriert alles um unsere Aufmerksamkeit. Moderne Apps werden teilweise mit Glücksspielmechanik ausgestattet. Ich kann dazu das Buch digital Minimalismus von Cal Newport empfehlen.

Sorry aber in 3 Tagen kannst du kein gutes Buch geschrieben haben. Nicht Mal mit Einsatz von Ki. Du hast es wahrscheinlich während der Erstellung gelesen, aber nie wirklich über Metaphern, Dialog und Empfindungen beim Lesen nachgedacht. Nie in der Gesamtheit betrachtet. (Oder doch? Wie bist du vorgegangen :slight_smile: )

D.h du hast wahrscheinlich eine Handlung, die dir gefällt, im Sinne wie eine Fortsetzungsgeschichte. Damit bist du halt auf Romanheft Nr. 123x Niveau :sweat_smile:

Aber was erhoffst du dir mit dem Thread? Dunkle Ankündigung, Ki Thema (schon wieder),

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Ich bin ein ‘Niemals-Mensch’ und sicherlich nicht der letzte meiner Art: Ich werde niemals KI-Buchinhalte veröffentlichen, und ich werde niemals aufhören zu lesen – es sei denn, Hirn und Augen lassen mich im Stich. In dieser kleinen Blase fühle ich mich wohl, und das reicht für mich. Möge eine ähnliche Entscheidung ein jeder für sich selbst treffen.

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Die Anzahl der Lesenden hat abgenommen.
Die Anzahl der Musikkonsumenten ebenfalls.
Die Anzahl der Fernsehzuschauer auch.
Verschiedene Studien findet man dazu.

Allerdings nahm in den letzten 10 Jahren auch die Anzahl der Analphabeten um 13% ab.
Fazit: Die Expansionsmöglichkeiten für Autoren sind gestiegen.

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Ich habe nicht behauptet, dass es ein gutes Buch sei… :zany_face: Es handelt sich um einen Reiseführer, und den habe ich tatsächlich innerhalb von 3 Tagen zusammengeschustert. Wie gesagt, kein Meisterwerk, aber durchaus brauchbar. Ich denke, meinem nächsten Urlaub sollte ich mir auch meinen eigenen persönlichen Reiseführer basteln, der ist bestimmt besser als das, was man in der Buchhandlung auf dem Grabbeltisch bekommt… (natürlich mit weniger Bildern, die sind bei BoD zu teuer)…

Nein, aber Spaß beiseite:

Kernpunkt war für mich der Gedanke, bzw. meine Beobachtung, dass kaum mehr gelesen wird… oder dass immer weniger gelesen wird. Und ich nicht weiß, welche Rolle KI dabei spielt. Die Glücksspiel-Mechanik in den Social-Media-Algorithmen sind da sicher nicht ganz unschuldig…

Wenn, dann sind wir schon 2 Dinosaurier.

Das finde ich auch. Denn wenn du die KI nur als Werkzeug zur Romanerstellung kennenlernen wolltest und das Buch aus Spaß geschrieben hast, um die KI zu testen, warum hast du es dann auf den Markt gebracht? Um anderen gute Unterhaltung zu bieten, ja offensichtlich nicht.

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KI ist die nächste disruptive Technologie. Es wird aber immer diejenigen geben, die Qualität bewahren wollen. Es wird immer Lesende geben. Neugierde und Wissensdurst ist in der Natur des Menschen verankert.

Die Art wie wir Bücher produzieren und wie wir lesen, wird sich ändern. Nicht das Bedürfnis.

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Es ist ein Kinderspiel, mittels KI Reiseführer und sonstige Ratgeber zu generieren, da die führenden LLMs so ziemlich jeden jemals geschriebenen Reiseführer in rechtlich höchst bedenklicher Weise (manche nennen es “gestohlen”) in sich aufgenommen haben respektive damit trainiert wurden. Neues wird sich darin nicht finden lassen. Entdeckungen wird man keine machen können. Das Geschäftsmodell AI-Slop eben.

Was belletristische Schreiben angeht, wird sich meiner Meinung nach der Markt in Zukunft aufteilen in Roman-Generierer und Schriftssteller. Die einen prompten sich ihre Geschichte zurecht und reden sich ein, sie seien damit Autoren von was auch immer. Die anderen feilen an ihrem Handwerk, kennen die Regeln von Dramaturgie, Plot, Charakterentwicklung etc., wissen sie kreativ zu brechen und geben sich dem Ringen um das bestmögliche Buch hin, in der Hoffnung, beim Schreiben jene Magie zu erleben, die man Flow nennt. Etwas, das mit keinem Prompting der Welt jemals zu erreichen sein wird.

Wie der Markt und die Leserschaft darauf reagieren werden? Keine Ahnung. Manchmal setzt sich Qualität durch, manchmal nicht. Warten wir’s ab. Und wie Leonhard schon sinngemäß sagte: Das Bedürfnis. zu lesen, wird bleiben.

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3
:wink:

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Ja, warum habe ich das gemacht? Weil es sich um eine Idee handelte, die mich schon seit Längerem beschäftigt, ich aber nie die Zeit gefunden habe, mich darum zu kümmern, das Projekt zu realisieren. Und weil ich der Ansicht bin, dass es dafür eine Leserschaft gibt und die Leser von diesem Buch profitieren. Also gut, hier der Werbeblock: Es handelt sich, wie schon erwähnt, um einen Reiseführer, der Titel ist “London Umsonst”, und so etwas gibt es in der Tat bisher noch nicht. Bei Reiseführern ärgert mich grundsätzlich, dass sie oft voll sind mit Empfehlungen für teure Restaurants und Restaurants und die üblichen überteuerten Touristenfallen oft über den grünen Klee gelobt werden - daher mein Ansatz, für die irrsinnig teure Stadt London mal ausschließlich die kostenlosen Sachen zusammenzutragen. Und da ich mich dort auch recht gut auskenne, ging das mit KI ruck-zuck. Mein Ehrgeiz war, das Ding tatsächlich an einem einzigen langen Wochenende durchzuziehen. Wie schon gesagt, kein Meisterwerk… aber durchaus alltagstauglich…

…und damit zurück zum Thema: Hier ist der Einsatz von KI nämlich durchaus sinnvoll. Belletristik ist natürlich ein ganz anderes Thema.

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Ein Reiseführer ist eine schöne Idee. Und ja, er ist etwas Anderes als Belletristik. Mir persönlich hätte es viel mehr Spaß gemacht, das Projekt „zu Fuß“ umzusetzen. Erst recht, wenn ich mich in London gut auskennen würde.

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Btw: Die Spezies der Dinosaurier hat 170 Mio. Jahre existiert, die menschliche gerade mal 7 Mio. Jahre. :wink:

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Und du glaubst ernsthaft, die KI hätte verlässliche Angaben darüber? Hast du persönlich einzelne Hinweise geprüft?
Das Ding wird dir um die Ohren fliegen, wenn jemand, der den Reiseführer gekauft hat, feststellt, dass die Angaben nicht stimmen.

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Dann habe ich als Dinosaurier ja noch ein paar Jahre vor mir.
:t_rex:

Perplexity gibt dir Quellen an, die kannst du nachprüfen. Letztendlich nicht anders als googeln, nur dass du die Ergebnisse schön sortiert präsentiert bekommst. Außerdem kenne ich mich ja halbwegs aus und kann schon beurteilen, ob das stimmt oder nicht. Dass mir etwas “durchrutscht”, ist natürlich möglich.

Zum Thema: Es wird weniger gelesen und vielleicht bald gar nicht mehr …

Das mag für Deutschland gelten, aber der weltweite Trend läuft in die andere Richtung: Es wird immer mehr gelesen. Soll heißen, wer seine Bücher auf Englisch veröffentlicht, ist auf einem wachsenden Zukunftsmarkt unterwegs. Allerdings konzentrieren sich die Leser zunehmend auf elektronische Plattformen.

Für Fantasy-Autoren ist die Statistik von „Wandering Inn“ interessant. Die Fantasy-Webnovel „Wandering Inn“ der Autorin pirateaba bringt es auf geschätzte 2 Millionen Leser. Laut Selbstauskunft sind 85% der Leser männlich (!). Dreiviertel der Leser sind unter 34 Jahre alt. Link zur Statistik: https://wanderinginn.com/about/

Noch ein paar Zahlen:

Amazons „kindle unlimited“ hat weltweit mindestens 4 Millionen Abonnenten. Die Zahl soll ziemlich konstant jedes Jahr um >10% steigen.

Die Webnovel-Seiten royalroad.com und wattpad.com sollen zusammen 140 Millionen Aufrufe pro Monat generieren.

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Darauf wollte ich raus :wink:

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Das ist gut!

Das ist schlecht. Ich habe mal mit einer Freundin einen Kurzurlaub gebucht. Direkt an der Ferienwohnung sollte ein Spielplatz sein, wichtig, weil sie eine kleine Tochter hatte. Und was war? Der Spielplatz war noch gar nicht erbaut worden. Ganz schlecht und sehr enttäuschend für das Kind!