Wie geht ihr mit Fachbegriffen um? Traut ihr dem Leser etwas zu oder umgeht ihr sie?

Nach dem Buch ist vor dem Buch.
Ich schreibe momentan an einem historischen Roman, der 371 v. Chr. im alten Griechenland startet. Für manche Begriffe gibt es keine richtige deutsche Entsprechung wie Paidagogos. Ich war versucht, ihn Erzieher zu nennen, aber im Grunde ist es ein Sklave, der den jungen Herrn zu seinen Bildungseinrichtungen bringt, dort wartet, darauf achtet, dass er sich benimmt. Also nicht wirklich ein Erzieher.
So ist es mit vielen Begriffen. Knabenherde klingt für mich falsch, obwohl das der Übersetzung von Agela nahekommt. Ich möchte auch nicht einfach Obergewand schreiben oder Mantel. Ein wohlhabender Junge aus Athen ist da vollkommen anders ausgestattet ist als der Junge, der in Sparta in der Agoge ausgebildet wird. Da bekommt das Wort spartanisch eine neue Bedeutung …
Ich selbst mag es, mein Lesen von Romanen etwas zu lernen, aber man sollte sich nicht als Maßstab nehmen.

Langer Rede, kurzer Sinn, sucht ihr deutsche Gleichnisse oder nehmt ihr die Begriffe, die am besten passen?
Ein Glossar werde ich hintanstellen.
Bei BDSM-typischen Begriffen hatte ich bisher keine Skrupel, obwohl mir da Testleser auch mit Bedenken kamen. Aber so viele Faccchbegriffe braucht man nicht, um meist ergibt sich alles aus dem Kontext. Bei dem neuen Roman sind es Begriffe, die kaum jemand kennen wird.
Fussnoten wären im E-Book eine Lösung, im Print machen sie kaum Sinn. Und wirklich schön finde ich Fussnoten in Prosa auch nicht.

Gerade habe ich ein Buch gelesen, in dem die deutsche Bedeutung in Klammern dahinterstand. In dem Fall waren es fremdsprachliche Begriffe. Ich fand es gruselig.

Ich bin mal auf eure Erfahrungen gespannt.

2 „Gefällt mir“

Ich würde die Geschichte so schreiben, dass sich die Begriffe möglichst aus dem Kontext erschließen und zusätzlich am Ende ein Glossar einfügen.

5 „Gefällt mir“

Mein Roman ist ziemlich technisch und daher kommen viele technische Begriffe und auch Namen von Organisationen vor. Ich schreibe sie so, wie sie heißen. Ich will ja nicht diejenigen beleidigen, die die Begriffe kennen. Für alle anderen gibt es ein Glossar.

3 „Gefällt mir“

Ich würde dort den richtigen (alten) Begriff verwenden, ihn aber, so wie du es im Beitrag gemacht hast, bei der ersten Erwähnung etwas erklären. Bei der nächsten Erwähnung vielleicht einen anderen Aspekt hinzufügen. Danach sollte der Begriff ‘eingeführt’ sein und kann wie jeder anderer Verwendung finden. So wirst du dem Text gerecht und mancher Leser lernt en passant etwas hinzu. Schaden kann es nicht :sweat_smile: . Ist der Begriff zu komplex, ist ein Glossar eine gute Wahl.

4 „Gefällt mir“

Ich verwende den Fachbegriff, entweder er erschließt sich der im Kontext oder ich werfe eine Erklärung nach, so dass der Leser es nicht wie ein „Ich erkläre dir das mal, du Banause.“ versteht.

Im weiteren Text nutze ich dann den Fachbegriff ohne weitere Erklärungen.

4 „Gefällt mir“

Ich verwende viele wissenschaftliche Begriffe. Meine Lektorin hat mir die immer brutal zusammengestrichen, weil der Durchschnittsleser meistens nichst damit anfangen kann. Andererseits möchte man bei einem Wissenschaftsthriller auch etwas dazu lernen, siehe @Koebes „Nanokohlenstoffschaum“. Herrlich.
Auch bei einem historischen Roman lerne ich gerne dazu. Die Lösung von @KaePie ist meiner Meinung nach ideal: Man verwendet den Begriff und erklärt ihn mit deutschen Begriffen nach und nach im Kontext. Ansonsten wäre ein Glossar noch möglich, Fußnoten gehen in einem Roman meiner Meinung nach gar nicht.

6 „Gefällt mir“

Fachterminus → Kontext → manchmal „Frage-Antwort“-Dialog → Glossar

Wie schon vor mir gesagt wurde, sollte sich alles über den Kontext ergeben. Welche Stilmittel Du einsetzt, hat mit textueller Situation zu tun.

Welche Bedenken kann es bei BDSM-Begriffen geben? Das ist doch mittlerweile Allgemeingut - denke ich …

2 „Gefällt mir“

Maximal das, was bei den fünfzig Grautönen benutzt wurde und das ist überwiegend weichgespült.

Alleine die Abkürzungen, die du verwenden könntest, benötigen ein Glossar. Oder die von @Jean geliebten Fußnoten. :face_with_hand_over_mouth:

2 „Gefällt mir“

man könnte auch mit Abbildungen arbeiten und visualisieren… :upside_down_face:

2 „Gefällt mir“

Sehr viele Begriffe sind weniger bekannt. Aber was ein Violet Wand ist, ergibt sich aus der Handhabung.
Im Grunde war es da einfach, da sich bei mir Sessions selten wiederholen. Nur Shibari kommt ein paar Mal vor, weil einer der Doms es nutzt, um Subs emotionalen Halt zu geben. Also ganz etwas anderes, als sich die meisten unter BDSM vorstellen.
In meiner neuen Romanreihe werden sich die Begriffe öfter finden.
Leider sind manche Begriffe sehr ähnlich wie Agoge und Agela, das eine ist die “Erziehungsanstalt”, das andere die “Knabenherde”, also wird beides auch noch im gleichen Kontext fallen. Aber ich finde Herde oder Rotte für eine Gruppe von Jungen nicht passend.

1 „Gefällt mir“

Auf einer Abbildung wären manche Gegenstände sehr harmlos :heart_eyes: Ich denke an ein Tens-Gerät, sieht dann aus wie in der Arztpraxis. Oder in meinem neuen Roman kommt etwas vor, dass vom Aussehen her an ein Trapez erinnert. Ein bisschen modifiziert. Beim Wartenbergrad denken viele vermutlich an ein Teigrädchen.

2 „Gefällt mir“

In meinen BDSM-Werken arbeite ich für bestimmte Begriffe ausschließlich mit selbsterklärenden Abbildungen. Das reicht vollkommen aus. Ich überlege aber für Nachfragen, eine Hot-Line einzurichten. :wink:

2 „Gefällt mir“

Für Live-Tutorials?

1 „Gefällt mir“

Ja, aber „Members only“. Es sind noch Plätze frei …

2 „Gefällt mir“

Traut sich eh keiner…

Das ist wie öffentlicher Personennahverkehr…. :slight_smile:

1 „Gefällt mir“

… die man auch gut verpacken kann.

Ich erinnere mich an einen Krimi von Dirk Trost, in dem der zu Hilfe gerufene Privatdetektiv es mit einem Mord im Gewölbekeller eines exklusiven Privat-Clubs zu tun bekommt. Er hat dabei – wie wohl auch die Masse der Leserschaft – keine Ahnung von SM und muss sich alles schrittweise erschließen. So kann auch der in diesem Metier nicht bewanderte Leser mit der Hauptperson lernen, ohne Schläge riskieren zu müssen.

4 „Gefällt mir“

Meine 10 Cent:

Gerne Fachbegriffe → aber nur wenn sie zum Thema passen. Ist es ein historischer Roman mit Aktion, würde ich mehr auf die Begrifflichkeiten und Besonderheiten von Waffen und Rüstungen eingehen, während ich z.b Architektur und Alltagsgegenstände vernachlässigen würde → außer der Gegenstand hat eine besondere Bedeutung.
Ich würde auch z.b Kunst, wenn sie prägsam für die Zeit ist, erwähnen → aber nicht in Gebäudedetails verfallen (wie es Viktor Hugo bei den Elenden gerne machte :stuck_out_tongue: )
Wenn es bei dir um Gesellschaftliches Zusammennspiel geht, dann ist es völlig ok, dort diese Begriffe zu nutzen und bei der ersten Nennung kurz ein Mini-info-dump ranzuhängen.

Ich bin ziemlich brav erzogen und kenne mich tatsächlich in den Begrifflichkeiten nicht sonderlich aus :wink:

Und ich gehöre zu den Leute die Glossare ignorieren.

3 „Gefällt mir“

Echt? Wieso denn? Bei meiner Clockwork Orange - Ausgabe ist auch eins dabei und sehr hilfreich. Trotzdem viele Begriffe aus dem Kontext hervorgehen. Ich dachte immer „mein Gulliver“ wäre das beste Stück der Hauptfigur, dabei handelt es sich um seinen Kopf (also doch das beste Stück? :slight_smile: ). Wie gut, dass das Buch ein Glossar hat.

Vielen Dank. Ich werde definitiv nicht über Säulen fachsimpeln, es sei denn, sie hat eine Bewandnis für die Handlung.
Tatsächlich lese ich auch selten Glossare. Sogar wenn ich manchmal nicht weiß, wer das gleich noch war in einer Reihe mit über 50 Bänden, blättere ich nicht zum Figurenverzeichnis. Na ja, das ist auch so lang, dass die Autorin es auf die Website ausgelagert hat. Da ich im Bett lese, wäre das kompliziert.
Für interessierte Leser werde ich eine Blogreihe über das Leben in der Zeit machen.
Ich habe gemerkt, dass meine Blogartikel deutlich mehr Besucher generieren als meine Buchseiten :slight_smile: Wenn das dann mal zusammenkommt, wäre es ideal.

Besonders Handbücher zu den verschiedensten Apps und Anwendungs-Programmen »erschlagen« den Einsteiger mit Fachbegriffen und setzen Wissen voraus, das der Neuling einfach nicht haben kann. Oft werden auch Begriffe verwendet, die im normalen täglichen Leben eine etwas andere Bedeutung haben, beispielsweise das Wort »Image«. Wikipedia erklärt den Begriff folgendermaßen: »Das englische Wort ›Image‹ (deutsch ›Bild, Vorstellung, Verkörperung‹) stammt von „(geistiges) Bild, Erscheinung, Vorstellung“ (lateinisch imago).« In der Computertechnik werden mit Images aber eine gewisse Art von Installationsprogrammen, beispielsweise für Betriebssysteme, bezeichnet.
Ein weiteres Manko dieser Handbücher ist, dass die relevanten Begriffe bestenfalls ein- oder zweimal im Text erklärt werden – bei einem Umfang von einigen Hundert Seiten. Anderes wir bestenfalls erwähnt – oder erst gar nicht angeführt. Auch das Papyrus-Handbuch ist hier zumindest in sehr vielen Passagen keine Ausnahme.
Es ist so oft schon nicht leicht, die »innere Philosphie« eines neuen Programms zu verstehen. Nun werden diese umfangreichen Handbücher selten von vorn bis hinten wie ein Roman gelesen, sondern je nach anstehendem Problem: mal hier – mal da. Da sind Missverständnisse und Frustration vorprogrammiert.
Vor diesem Dilemma stand ich im Jahre 2024 auch beim Entwurf meines Papyrus-Layout-Praxisbuches, das bis jetzt einigen Zuspruch gefunden hat. Mein oberstes Ziel war es, dass das Buch immer verständlich bleibt – egal ob Einsteiger, Fortgeschrittener und Geübter. Die Profis unter uns habe ich bewusst ausgeklammert. Immer und immer wieder habe ich so genau wie möglich beschrieben, und beispielsweise auf den Unterschied der Programmabarbeitung mit rechter und linker Maustaste hingewiesen.
Natürlich habe ich auch Fehler gemacht, beispielsweise bei den Größen der Abbildungen, also bei dem Layout, und für Geübte ist vieles mit Sicherheit zu ausführlich beschrieben. Sie denken in größeren Zusammenhängen und Blöcken. Auch ich tue das. Andererseits schaue selbst hin und wieder nach, wie bestimmte Sachen gemacht werden und da sind mir dann die Einzelheiten manchmal durchaus willkommen. Ich verspreche im nächsten Werk Besserung.

2 „Gefällt mir“