"Wenn du am Höhepunkt stehst, brauchst du dich vor Konkurrenz nicht zu fürchten."

Wo habe ich das denn behauptet?

Sich über etwas freuen bedeutet doch nicht, der Urheber oder die Urheberin davon zu sein. Ich kann ja auch einen Anzug bei einem Schneider in Auftrag geben und bin deshalb noch lange nicht der Schneider dieses Kleidungsstücks. Aber mich darüber freuen, wenn er gut geschneidert ist und mir perfekt passt, darf ich trotzdem.

Das Problem liegt doch ganz woanders und soll absolut keine Anklage gegen Suse sein. (Ich selbst würde KI ja auch gerne einmal ausprobieren und mich dann vielleicht sogar über die Textresultate freuen. Dennoch wären das zwei verschiedene Welten für mich - wie auch für Suse. In der einen spielen wir mit generierten Eingaben und in der anderen kreieren wir selbst etwas Neues.)

Problematisch wird es nur, wenn die KI-generierten Texte für Lesende in ihrem Leben einen immer festeren Platz gegenüber den human-kreierten Büchern erhalten.

Als die ersten Autos neben den Pferde-Kutschen auftauchten, glaubte man auch noch nicht, dass die neue Technik den Tieren in Zukunft zu einer wirklichen Konkurrenz werden würden.

Niemand will uns unseren menschlichen Hang zur Kreativität rauben, der wird natürlich weiterhin bestehenbleiben. Aber KI wird zu einer starken Konkurrenz werden.

Und dabei zählt nicht, was wir heute in den Anfängen KI-generierter Texte davon halten. Die Informatik macht enorme Fortschritte in fast allen Bereichen. Das sollten wir nicht unterschätzen.

Und wenn ich sehe, wie Jugendliche heute oft sprachlich und inhaltlich in den Sozialen Medien miteinander kommunizieren, dann wenden sich meine Gedanken eben solchen fiktiven Überlegungen zu, wie ich sie zuvor ausgedrückt habe.

Aber echte Voraussagen kann ich selbstverstädnlich auch nicht leisten. Ww

„Wer zum Teufel will Schauspieler sprechen hören?“ (Warner Brothers, 1937)

„Lolita und ich bleiben für immer zusammen“ (Lothar Matthäus, 1998)

Gerade habe ich gehört: Demnächst wird KI bei Filmen den Beruf des Synchronsprechers abschaffen. Der Schauspieler wird mit seiner eigenen Stimme in sämtlichen Weltsprachen parlieren.

Die Rasanz, mit der KI sich verbessert, ist beängstigend und ich fürchte, dass die Veränderung der Berufswelt, einschließlich der kreativen Berufe, weit dramatischer sein wird als seinerzeit durch die Erfindung der Dampfmaschine und der Webstühle. Nach der industriellen Revolution kam die „www“-Revolution, jetzt die vermutlich nachhaltigste, die KI-Revolution.

Was ich mir tatsächlich vorstellen kann: dass es vielen Lesern egal sein wird, ob ihre Gebrauchslektüre von einer KI oder einem Menschen geschrieben sein wird. Dass die Autoren-KI womöglich sogar als „lebendiger Mensch“ auftritt, mit eigenem YouTube-Autoren-Kanal, TicToc-Videos etcetera, und weiß der Teufel: vielleicht halten dann sogar Avatare Lesungen in Buchhandlungen?

Aber es wird - das dürfte klar sein - immer und zu jeder Zeit das besondere, das menschengeschriebene Buch geben, vermutlich wird das Verlags-Marketing daraus sogar ein eigenes Erfolgssegment machen.

Bücher tragen dann ein „BIO-Siegel“: weil ein biologischer Organismus sie geschrieben hat :vulcan_salute:

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Ja, und die Bücher von menschlichen Autoren kriegen dann eigene Regale, die man „Humana-Container“ nennt und Trigger-Warnungen wie „NIE (= von Natürlicher Intelligenz Entwickelt“) oder „Vorsicht, dieses Buch könnte ihre Realitätsflucht gefährden“.

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Und mit Untertitel: „Vorsicht, lesen könnte ihre Dummheit gefährden!“ :wink:

Ich glaube tatsächlich auch, dass es in ein paar Jahrzehnten am Ende auf diese Differenzierung hinausläuft. nur denke ich, dass du die menschlichen Bücher dann gar nicht mehr in einer normalen Buchhandlung bekommst, sondern sehr teuer in speziellen Künstlergalerien (bei bekannten Autoren) bzw. billig bei sowas wie Etsy für Bücher für die anderen „Bücher in Handarbeit“.
Genauso, wie du heute Fotodrucke für die Wand im billig massenhaft im Laden kaufen kannst und für Gemälde von bekannten Künstlern teuer in eine Galerie gehst oder sie eben von Freunden und Bekannten einsammelst, die das als Hobby machen.

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Siehe hier und das war 2023, also vor einer KI-Ewigkeit.

Hoffentlich bin ich dann dabei … also als eine, deren Bücher man gern als Kunst für horrende Preise kauft. :smile: :smiley:

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So ungefähr: Bonhams : TOLKIEN (J.R.R.) [The Lord of the Rings:] The Fellowship of the Ring; The Two Towers; The Return of the King, 3 vol., FIRST EDITION, FIRST IMPRESSIONS OF "Fellowship" and "The Return", second impression of "Two Towers", George Allen & Unwin, [1954-1955]

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Sieht gut aus. Bin ich dabei. Und meckere auch nie mehr über KI.

Ich möchte mal ein bisschen Optimismus in die Diskussion einstreuen, weil ich nicht glaube, dass die schreibende Zunft von der KI ersetzt wird. Und auch menschengemachte Bücher werden nicht von KI Büchern ersetzt.

Warum? Ich bin überzeugt, dass

  • der Buchmarkt keine KI generierten Bücher braucht
  • Leserinnen und Leser keine KI generierten Bücher brauchen
  • ihr alle etwas habt , das die KI nie haben wird (und damit meine ich weder Sprachgefühl noch Kreativität)

Der Buchmarkt braucht keine KI generierten Bücher
Es gibt Bücher auch jetzt schon in Hülle und Fülle. Pro Jahr erscheinen um die 70.000 Bücher, Millionen Bücher sind lieferbar - ganz ohne KI generierte Werke. Auch ohne KI droht jeder, der veröffentlicht, in der schieren Masse unterzugehen. Die Masse an veröffentlichten Büchern zu erhöhen, lohnt sich für Verlage überhaupt nicht. Das zeigt auch die Zahl der Neuveröffentlichungen, die seit Jahren rückläufig ist.

*Leserinnen und Leser brauchen keine KI generierten Bücher *
Bücher gibt es mehr als jede Leseratte konsumieren kann. Also sind m. E. Verkaufsargumente bei Büchern Dinge wie das Genre, die Qualität, der Preis und sicher ein paar andere Faktoren. Der große Vorteil von KI - schnell erstellte Werke, die günstig angeboten werden können - ist bei Romanen aber relativ wenig relevant. Bücher sind auch heute von menschlichen Autoren vergleichsweise billig. Ja, große Hardcover-Titel können ins Geld gehen, aber die meisten Bücher, auch von bekannten Autoren, kriegt man früher oder später als ebook oder Paperback relativ preiswert. Selfpublisher-Bücher sind häufig nochmal viel günstiger. Finanziell hat der Kunde also kaum einen Vorteil, wenn er ein KI-Buch liest. Der Vergleich mit billigen Fotodrucken und teuren Gemälden passt aus diesem Grund m. E. auch nicht. Gemälde waren und sind für einen großen Teil der Bevölkerung nicht erschwinglich. Von Menschen gemachte Bücher schon und das seit relativ langer Zeit. Sie werden es bleiben.
Und die Qualität? KI erzeugt schnell mittelmäßige Qualität und das meine ich wertneutral. Die Hürde gilt es zu nehmen. Einzig bei sehr nieschigen Genres sehe ich Vorteile von KI-Büchern. Und bei Groschenromanen. Ansonsten glaube ich, dass die Menschen grundsätzlich lieber zu Handgemachtem greifen als zu gleichwertig maschinell gefertigten Produkten, wenn es sie nicht mehr kostet. Das tut es bei Büchern ja tatsächlich nicht oder kaum. Der Grund, warum IKEA erfolgreich ist, ist ja nicht der, dass der Stil so toll ist oder Menschen von Massenfertigung per se begeistert wären. Sondern weil IKEA bei mittelmäßiger (wertneutral) Qualität sehr preiswert ist und viel weniger kostet als eine Tischlerarbeit.

Ihr alle habt etwas, das die KI nie haben wird
Damit meine ich nicht Kreativität, Emotionen oder irgendetwas in der Art, sondern ein Label. Ihr habt das Bio-Siegel, ihr seid Menschen. KI kann das höchstens vorgaukeln. Das ist ein Wettbewerbsvorteil. Ich sehe es nicht so, dass den Menschen egal ist, ob etwas KI -gemacht ist oder nicht. Das Beispiel mit der virtuellen-K-Pop-Band zeigt das finde ich sehr schön. Unter sehr speziellen Bedingungen (Corona) in einem sehr speziellen Genre (K-Pop) in einer sehr digital affinen Kultur gab es einen Hype. War der nachhaltig? Kann ich so nicht erkennen, alle Artikel zu der Band scheinen aus dem gleichen Zeitraum zu stammen. Es gibt anscheinend Beispiele, dass solche Bands Erfolg haben, aber die für mich ersichtlich riesengroße Mehrheit der Musikhörer hört Bands mit echten Menschen. Keine digitalen Abbilder, keine Playback-Shows, sondern Musik von Menschen. Sicher wird es Leserinnen und Leser geben, denen egal ist, ob ihre Bücher KI-generiert sind oder nicht. Genauso wird es Menschen geben, die „mit KI-geschrieben“ ok finden und solche, die grundsätzlich Werke ohne KI-Beteiligung wollen. Ihr könnt alle Zielgruppen ansprechen und habt ein Marketinglabel. Ihr seid eine reale Person. Das ist für eure Leserschaft sehr wahrscheinlich mehr wert als die x.-te perfekte virtuelle Inszenierung.

Soweit meine paar Gedanken zum Thema als Optimist. Glaube ich, dass KI keinen Einfluss auf das Schreiben haben wird? Natürlich nicht, das wäre naiv. Auch wird es sicherlich Konkurrenzwerke geben. Wenn der erste wirklich gute KI-Roman erscheint, wird es bestimmt einen Hype geben, der alle in Angst und Schrecken versetzt. Der wird aber auch wieder abflauen. Zu befürchten, der oder die Autorin würde in die Bedeutungslosigkeit oder den rein künstlerischen Bereich abgedrängt, während sich der Großteil der Lesenden an KI-Mittelmaß ergötzt - das glaube ich daher nicht.

In diesem Sinne nehme ich jetzt meine Schreibfeder, aber statt des KI-Teufels an die Wand male ich mir meine Geschichten aus und verzweifle lieber an denen :wink:

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Wenn nur produziert und gekauft würde, was Menschen wirklich brauchen, würde die Wirtschaft um 90% einbrechen.

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Das ist natürlich richtig. Aber, wenn wir nur nutzen würden, was technisch möglich ist, hätten wir längst kein echtes Kerzenlicht mehr, keinen Kamin, kein Theater, Konzerte, Lesungen… und keine gedruckten Bücher mehr. Und das ist nur der Kunstbereich. Die Grenzen der Akzeptanz bildet sich von selbst.
Nur, weil etwas produziert wird, heisst es doch noch lange nicht, dass es es ausnahmslos angenommen wird.
Produktion ist eine Seite.
Rezeption eine andere.

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Aber auch das kannst du machen wenn du einen Roman mit Ki schreibst. Du musst die erste formulierung die dir die Ki gibt nicht hinnehmen, vielleicht passt dir erst der 15 oder 20 Versuch. Wenn du dann den Text liest kannst du natürlich auch streichen oder von der KI streichen lassen wenn dir der Text zu ausufernd vorkommt. Natürlich geht auch überarbeiten und Neuschreiben mit KI, was hindert dich dran? Die Ki kann dein Testleser oder Lektor sein und das Ergebnis läuft dann über deine Großhirnrinde.
Ok Perfekt kann das die KI derzeit nocht nicht alles, aber ich bin überzeugt das es nicht mehr all zu lange Dauern wird.

Mein Schwager fragt bei nahezu allem, was Spaß macht und keinen weiteren Nutzen hat: „Wozu brauchst du das?“ Echt nervig. Das nur mal so am Rande erwähnt.
Er liest aber auch nicht. Nie, glaube ich. Ob es da einen (intellektuellen) Zusammenhang gibt?

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Vielleicht, aber nicht zwangsläufig im negativen Sinne. Er ist, genau so wie extrem emotionale Menschen, sehr rational und prüft alles auf tatsächlichen Nutzen. Vermutlich fällt es ihm daher schwer, sich auf fiktive Situationen einzulassen oder benötigt diese Art der (Realitätsflucht-) Unterhaltung nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass Sachbücher eher seinen Nerv treffen?!

Nee. Auch nicht. So weit ich weiß, liest er schon mal Musikmagazine. Er liebt Musik. Die braucht man aber letztendlich auch nicht, wenn man schon so denkt. Ist aber nicht wichtig. Er war mir einfach eingefallen, weil ich es seltsam finde, wenn manche Menschen alles auf Kosten-/Nutzen reduzieren.

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Alles, was die drei großen „B“ bedient, wird gekauft: Billig, Bequem, Bekannt(Trend).

Beispiele für Dinge, die in einem freien Markt (lassen wir staatlichen Totalitarismus beiseite)
nicht gekauft kaufen, nur weil eine bestimmte Gruppe sie ethisch ablehnt, sind sehr dünn gesät. Mir fallen da auf Anhieb nur Echtpelzmäntel ein (und das hat auch gedauert). Vielleicht noch Hühnereier aus mieser Haltung.

Wenn du hoffst, das Leser in der Breite bei gleicher Qualität keine viel billigeren KI-Bücher kaufen, weil sie menschliche Autoren sponsoren wollen, kannst du auch glauben, sie kaufen nur Autos aus Handarbeit (Rolls-Royce, Aston Martin, Pagani, Bugatti), weil sie die Handwerker unterstützen wollen.

Alles, was die drei großen „B“ bedient, wird gekauft: Billig, Bequem, Bekannt(Trend).
Nö!

Mir fallen da auf Anhieb nur Echtpelzmäntel ein (und das hat auch gedauert). Vielleicht noch Hühnereier aus mieser Haltung.
Nochmal Nö.

Ich kenne viele Menschen, die sich Dinge kaufen, weil sie sie brauchen und nicht, weil sie sie haben wollen. Und für die nicht allein der Preis kaufentscheidend ist.

Es mag ja sein, dass der Kunde nicht menschliche Autoren, Künstler, Handwerker „sponsoren“ möchte. Aber gerade im Bereich der Künste legen Menschen Wert auf Qualität/ persönlichen Geschmack. Denn das sind Dinge, die in gewisser Weise verzichtbar sind. (anders als Nahrung, Wohnung, Teilhabe usw.) Wenn wir also Geld für unser „Vergnügen“ ausgeben, warum sich dann mit weniger zufrieden geben? Geldersparnis nützt hier nichts. Zwei mittelmäßige Bücher bereiten im Vergleich zu einem Lesenswerten nicht den doppelten Spaß. Sie bleiben nur halb so gut und der geringere Preis macht den Unterschied im Vergnügen keinesfalls wett.

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Richtig. Oder um mit meiner Oma zu sprechen: Wer billig kauft, kauft zweimal.

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Dass ich „bei gleicher Qualität“ geschrieben hatte, hast du gesehen?

Dass alles was X ist wird gekauft nicht die gleiche Aussage ist, wie nur was X ist, wird gekauft, ist dir klar?