Ich möchte mal ein bisschen Optimismus in die Diskussion einstreuen, weil ich nicht glaube, dass die schreibende Zunft von der KI ersetzt wird. Und auch menschengemachte Bücher werden nicht von KI Büchern ersetzt.
Warum? Ich bin überzeugt, dass
- der Buchmarkt keine KI generierten Bücher braucht
- Leserinnen und Leser keine KI generierten Bücher brauchen
- ihr alle etwas habt , das die KI nie haben wird (und damit meine ich weder Sprachgefühl noch Kreativität)
Der Buchmarkt braucht keine KI generierten Bücher
Es gibt Bücher auch jetzt schon in Hülle und Fülle. Pro Jahr erscheinen um die 70.000 Bücher, Millionen Bücher sind lieferbar - ganz ohne KI generierte Werke. Auch ohne KI droht jeder, der veröffentlicht, in der schieren Masse unterzugehen. Die Masse an veröffentlichten Büchern zu erhöhen, lohnt sich für Verlage überhaupt nicht. Das zeigt auch die Zahl der Neuveröffentlichungen, die seit Jahren rückläufig ist.
*Leserinnen und Leser brauchen keine KI generierten Bücher *
Bücher gibt es mehr als jede Leseratte konsumieren kann. Also sind m. E. Verkaufsargumente bei Büchern Dinge wie das Genre, die Qualität, der Preis und sicher ein paar andere Faktoren. Der große Vorteil von KI - schnell erstellte Werke, die günstig angeboten werden können - ist bei Romanen aber relativ wenig relevant. Bücher sind auch heute von menschlichen Autoren vergleichsweise billig. Ja, große Hardcover-Titel können ins Geld gehen, aber die meisten Bücher, auch von bekannten Autoren, kriegt man früher oder später als ebook oder Paperback relativ preiswert. Selfpublisher-Bücher sind häufig nochmal viel günstiger. Finanziell hat der Kunde also kaum einen Vorteil, wenn er ein KI-Buch liest. Der Vergleich mit billigen Fotodrucken und teuren Gemälden passt aus diesem Grund m. E. auch nicht. Gemälde waren und sind für einen großen Teil der Bevölkerung nicht erschwinglich. Von Menschen gemachte Bücher schon und das seit relativ langer Zeit. Sie werden es bleiben.
Und die Qualität? KI erzeugt schnell mittelmäßige Qualität und das meine ich wertneutral. Die Hürde gilt es zu nehmen. Einzig bei sehr nieschigen Genres sehe ich Vorteile von KI-Büchern. Und bei Groschenromanen. Ansonsten glaube ich, dass die Menschen grundsätzlich lieber zu Handgemachtem greifen als zu gleichwertig maschinell gefertigten Produkten, wenn es sie nicht mehr kostet. Das tut es bei Büchern ja tatsächlich nicht oder kaum. Der Grund, warum IKEA erfolgreich ist, ist ja nicht der, dass der Stil so toll ist oder Menschen von Massenfertigung per se begeistert wären. Sondern weil IKEA bei mittelmäßiger (wertneutral) Qualität sehr preiswert ist und viel weniger kostet als eine Tischlerarbeit.
Ihr alle habt etwas, das die KI nie haben wird
Damit meine ich nicht Kreativität, Emotionen oder irgendetwas in der Art, sondern ein Label. Ihr habt das Bio-Siegel, ihr seid Menschen. KI kann das höchstens vorgaukeln. Das ist ein Wettbewerbsvorteil. Ich sehe es nicht so, dass den Menschen egal ist, ob etwas KI -gemacht ist oder nicht. Das Beispiel mit der virtuellen-K-Pop-Band zeigt das finde ich sehr schön. Unter sehr speziellen Bedingungen (Corona) in einem sehr speziellen Genre (K-Pop) in einer sehr digital affinen Kultur gab es einen Hype. War der nachhaltig? Kann ich so nicht erkennen, alle Artikel zu der Band scheinen aus dem gleichen Zeitraum zu stammen. Es gibt anscheinend Beispiele, dass solche Bands Erfolg haben, aber die für mich ersichtlich riesengroße Mehrheit der Musikhörer hört Bands mit echten Menschen. Keine digitalen Abbilder, keine Playback-Shows, sondern Musik von Menschen. Sicher wird es Leserinnen und Leser geben, denen egal ist, ob ihre Bücher KI-generiert sind oder nicht. Genauso wird es Menschen geben, die „mit KI-geschrieben“ ok finden und solche, die grundsätzlich Werke ohne KI-Beteiligung wollen. Ihr könnt alle Zielgruppen ansprechen und habt ein Marketinglabel. Ihr seid eine reale Person. Das ist für eure Leserschaft sehr wahrscheinlich mehr wert als die x.-te perfekte virtuelle Inszenierung.
Soweit meine paar Gedanken zum Thema als Optimist. Glaube ich, dass KI keinen Einfluss auf das Schreiben haben wird? Natürlich nicht, das wäre naiv. Auch wird es sicherlich Konkurrenzwerke geben. Wenn der erste wirklich gute KI-Roman erscheint, wird es bestimmt einen Hype geben, der alle in Angst und Schrecken versetzt. Der wird aber auch wieder abflauen. Zu befürchten, der oder die Autorin würde in die Bedeutungslosigkeit oder den rein künstlerischen Bereich abgedrängt, während sich der Großteil der Lesenden an KI-Mittelmaß ergötzt - das glaube ich daher nicht.
In diesem Sinne nehme ich jetzt meine Schreibfeder, aber statt des KI-Teufels an die Wand male ich mir meine Geschichten aus und verzweifle lieber an denen 