Ich habe das Gefühl, dass ihr noch keine KI-Texte zu lesen bekommen habt. Wenn ihr glaubt, sie kann euch und wird euch ersetzen, dann soll sie es doch tun. Wer schreibt, und gleichzeitig nicht von sich behaupten kann, dass er unersetzlich ist, kann genauso gut aufhören zu schreiben. KI ist eine Kuh, zum Wiederkäuen geeignet. Zeig mir einen Satz von einer KI, der zum Niederknien schön ist, und ich behaupte vielleicht das Gegenteil. Ich kann hingegen in jedem meiner Bücher ein gutes Dutzend dieser Sätze zitieren oder wenigstens ein halbes Dutzend, die die KI niemals zustandegebracht hätte.
Hybris hat schon viele menschliche Kreative zum Stolpern gebracht. KI schert sich darum nicht, weshalb sie ihren Bereich erobern wird und wir Menschen uns auf unseren eigenen Wirkungskreis zurückziehen müssen. Wir werden einander nicht abschaffen, sondern Koexistenz anstreben.
‚Allerweltsliteratur‘ für Fast-Food-Leser wird die KI übernehmen, für alles andere werden wir uns weiterhin anstrengen wollen. Das Überleben der menschlichen Schriftstellerei scheint allein von der Gunst der Leser abzuhängen – verlieren wir sie, haben wir alle verloren.
Edit: Der Bildungsauftrag für die Zukunft ist kein leichter: Woran erkennt man den Unterschied von künstlicher und menschlicher Intelligenz in der Kunst (nicht nur dort) und wie widerstehe ich dem Drang, mir bei jeder Schwierigkeit von einer KI einen vermeintlichen Ausweg servieren zu lassen ?
Ich finde den Begriff „Autor“ hier etwas schwierig.
Ja, „Autor“ im Sinne von „Urheber“ schon, weil er den Roman in Auftrag gegeben hat. Und wenn ich meinen nächsten Roman von einem Ghostwriter schreiben lasse, stehe ich tatsächlich als „Autor“ auf dem Cover.
Aber für mich impliziert der Begriff „Autor“, dass die dahinterstehende geistige Leistung wirklich von mir stammt. Und zur geistigen Leistung gehört eben auch das Handwerk, das Ringen mit Formulierungen, das Streichen, Überarbeiten und Neuschreiben - und die Vorschläge von Testlesern oder Lektoren laufen ebenfalls erst über meine Großhirnrinde, ehe ich sie vielleicht einbaue.
Ich glaube nicht, dass Suse sich als „Komponistin“ bezeichnen würde, wenn sie von der KI ein Wecklied erstellen lässt …
Nein. Es sei denn Du definierst den Begriff „Autor“ um. Auch heute kann ich mir einen Ghostwriter buchen, der für mich schreibt, ganz ohne KI. Macht mich das zum Autor? In meinen Augen nicht. Maximal zum „Plotter/Planer/Dirigenten“.
Ich denke zwar auch, dass es technisch gehen wird - aber ist doch egal. Wird es Menschen geben, die trotzdem noch schreiben? 100% ja! Weil die Motivation nicht nur das Resultat, sondern der Prozess ist.
Unabhängig davon finde ich „Voraussagen“ extrem heikel. In den 90ern wurde ganz viel über die Möglichkeiten des www orakelt und fast heilig gesprochen. Was ist der Großteil der Nutzung? Pornographie, Social Media, Marketing.
Vielleicht wird es ja auch wieder sexy Kunst zu produzieren? Der technischen Entwicklung steht auch noch eine Sozialdynamik gegenüber. Die müsste man parallel mit orakeln…
Zwei süße Voraussagen, die nicht so weit weg sind:
Das Abonnement-Modell für den Kauf von Musik ist gescheitert Steve Jobs 2003.
In zwei Jahren wird das Spam-Problem gelöst sein Bill Gates 2004.
Es gibt unzählige Möglichkeiten…
Vollkommen richtig!
Diese Aussage von 1943 hat mich schon im Jahr 2000 amüsiert:
„Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt.“ Thomas Watson, Chef von IBM
Das war zu einer Zeit, in der die Computertechnik, die heute in einem Smartphone verbaut wird, in Hallen füllenden Maschinenschränken untergebracht wurde.
Ja, erst Villa mit 14 Zimmern kaufen, dann den Rechner rein und 2 Spezialisten zur Bedienung des Monsters einstellen.
Man wird deutlicher unterscheiden müssen zwischen Schreiben und Veröffentlichen und bei Letzterem zwischen Selfpublishing und Verlagswerken.
Und die Entwicklung wird in erster Linie der Leser bestimmen. Die KI-Verführung ist vielen Verlagsbüchern deutlich höher, wenn es ihnen um Kasse (Massenware), weniger um Klasse geht. Aber es wird (hoffentlich) Nischenbereiche für Leser geben, die noch individuelle Literatur menschlichen Geistes honorieren und Selfpublisher, die ihren eigenen Gesetzen folgen. Auch von ihnen wird es zweifelsohne KI-gestützte Werke geben, und ich bin mir nicht sicher, dass Leser sie tatsächlich identifizieren können, denn Maschinen lernen schneller als Menschen.
Manch menschgemachtes Werk ist schon heute schlechter als ein gutes ‚künstliches‘. Wir können uns nicht ewig an einem Gedankenstrich als vermeintlichem Indikator für KI festklammern, denn in die Falle würde ich selbst geraten. Ich halte sie für genauso unverzichtbar wie andere Satzzeichen auch. ![]()
Ich kann mir vorstellen, dass in 100 Jahren die KI fürs Schreiben das ist, was die Fotografie fürs Malen wurde - sie ersetzt es in jeder Alltagssituation aber nicht als Kunstform.
Wobei heutzutage alle Vorhersagen, die mehr als 20 Jahre in die Zukunft schauen, schon extrem unsicher sind.
Aber wenn ich in meiner Beschränktheit spekuliere, dann vermute ich sogar, dass „Verlage“ dann so sind, wie heute Galerien - sie vertreiben exklusive von Menschen geschriebene Bücher an wenige interessierte für teures Geld (und es gibt daneben eine Menge Hobby-Künstler, die eben nichts verkaufen).
Verlage für Massenware wird es nicht mehr geben. Erst werden nämlich Verlage die Autoren durch KI ersetzen und dann werden die großen Distributoren die Verlage durch KI ersetzen. Amazon und andere üben das ja bereits fleißig mit Selfpublishern. Man muss nur noch die Selfpublishing-Autoren durch eigene KI-Bots ersetzen (Amazon betreibt die größte Cloud weltweit und gehört neben Google, Microsoft, Alibaba, Nvidia, OpenAI, Meta und ein paar Regierungsorganisationen zu den Top-Inhabern von Rechenpower). Vielleicht überlässt man dem Kunden auch gleich selbst das Anfordern von individuell gewünschten Büchern, die dann in Sekundenschnelle on-demand erzeugt werden. Den Kunden zu seinem eigenen Dienstleister machen, klappt ja in anderen Bereichen auch wunderbar (vor allem bei Social-Media, wo die bezahlenden Kunden auch noch ihren eigenen Content produzieren für den dann wieder andere zahlen - mit Geld oder Daten).
Ob das dann hauptsächlich Bücher sind oder das alles gleich in Form von Filmen gemacht wird, oder beides , wird man sehen.
Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber wie ich schon in anderen Thrads gesagt habe, hier wird wieder zwei verschiedene Dinge durcheinander gewirbelt. Deshalb reden alle aneinander vorbei und es kommt schon Aggresionen auf
Nähmlich Text von der KI und Text mit der KI.
Ja, alle die sagen, das Text von der KI Müll ist, die haben recht. Die jetzigen LLM können nicht direkt den Menschen beim Buchschreiben ersetzten. LLM werden es wohl auch nicht können. Da aber der Fortschritt nicht aufhaltbar ist, wird es vielleicht neue mathematische Modelle geben. Als ich vor 35 Jahren das erste Mal mit neuronalen Netzten in Berührung kam, da waren LLMs undenkbar. Nicht weil die Computer gefehlt haben, sondern weil die Mathematik noch nicht so weit war.
Aber Nein, LLM sind nicht nutzlos. Sie können die Produktivität steigern. Sie werden auch, vor allem für Selfpublisher Kosten einsparen. So nutzlos eine Diskussion über Text von KI ist, so produktiv wäre es darüber zu diskutieren, wo sie hilft.
Eines sollte man nicht vergessen. Es ist keine künstliche Intelligenz. Es ist ein Computerprogramm, wie Papyrus.
Sie ist ein Assisent. Ein Dummer, den man genau sagen muss was er tun soll und dessen Ergebnisse man nicht ungeprüft glauben soll. Aber besser ein solcher, als keiner. Internetrecherche ist genauso fehleranfällig, dauert länger und ist rudimentärer.
Das gibt es schon sehr lange, seit den 1990ern, zwar nicht in Sekundenschnelle, aber eben auf Abruf. Man musste in eine Maske Figurennamen schreiben und dann ein paar Eckdaten und daraus wurde dann ein Krimi gemacht oder ein anderes Genre. Was man sich eben ausgesucht hat. Ich habe meinem Mann auf diesem Weg ein Buch zum Geburtstag geschenkt, in dem er selbst vorkam. Ich war begeistert. Er auch. Damals habe ich allerdings noch nicht selbst geschrieben.
Du unterstellst, dass wir bis dahin a) als Gattung noch existieren und b) der Sprung von der tumben generativen KI zur AGI (Artificial General Intelligence) stattgefunden hat. Beides scheint mir höchst spekulativ zu sein ![]()
Ich bin da viel entspannter.
Es gibt zwei Arten von Autoren.
Die einen wollen ihre Geschichte erzählen.
Die anderen wollen Geld verdienen.
Erstere werden immer selber schreiben, vielleicht mit etwas elektronischer Hilfe.
Die anderen werden sich mit schnellen aber ersetzbaren Inhalten selbst das Wasser abgraben.
Dazu muss man nicht weit in die Zukunft schauen, es ist jetzt schon so.
Hm, ich denke, es gibt wesentlich mehr „Arten von Autoren“ ![]()
Ich experimentiere mit LLMs, vor allem mit lokaler, um sie ein bisschen wie ein Testleser/Lektorat/Korrektorat einzusetzen. Dinge die ich mir als SP´ler nicht leisten kann ![]()
Ich habe dazu verschiedene Softwareschnippsel programmiert und es gibt Höhen und Tiefen. (Sowas Simples wie eine Korrektur fällt einer Ki durchaus schwer, man glaubt es nicht.)
Mir ist vor allem wichtig, dass mein „Ton“ nicht verändert wird, dazu muss man ein LLM regelrecht hinzwingen. Ein einfaches „Schreibe diesen Text richtig nach Duden“ funktioniert nicht. Das LLM würde sofort mit leichten Optimierungen beginnen, da es selbst einfach nur „richtiges Deutsch aus dem Megagedächtnis“ schreiben will. Ich arbeite mit einer Mischung aus „Schreibe ab“ und „Vergleiche die Änderung, so sie da ist.“
Aktuell experimentiere ich auch mit Analysefunktionen. Ein Programm von mir kann ein ganzes Manusscript per LLM scannen und mir Abschnittsweise auflisten wie: „Dass sind die Protagonisten, dass sind die Wendepunkte, die Handlung in 4 Sätzen wäre, gesucht werden Antworten auf die Fragen“,
Sowas ist für einen organischen Schreiber wie mich gold wert, um eine Ahnung von dem eigenen Werk zu haben. Aber das Ding ist noch nicht fertig, und je nach verwendeten LLM bekommt man auch unterschiedliche Antworten. Ja wirklich ![]()
Sicher, aber ich vereinfachen gerne.
Das könnte man jetzt auch ins unendliche aufdröseln, muss aber nicht sein.
Damit kommen die meisten gut klar.
Da meine Rechtschreibung nicht auf einem Niveau ist, welches sich nicht verstecken muss, nutze ich auch Gemini, um die vielen Fehler zu finden.
Danach muss ich einiges wieder grade rücken.
Benutze ich KI um Ideen zu finden oder ganze Kapitel zu schreiben? Nein, nicht, weil es nicht funktioniert. Das ist genau der Teil des Schreibens, der mir Spaß macht und den ich nicht missen möchte.
Ich hoffe, der Leser merkt den Unterschied zwischen echten Gedanken und KI generierten Einheitsbrei.
Ich glaube nicht daran, dass KI irgendwann gute Literatur generieren kann. Das liegt nicht in ihrem Blut.
Ich habe dieses Wochenende mit Hilfe der KI meine Figurendatenbank für meine 5 Hauptfiguren aktualisiert.
Mit Hilfe eines CustomGPT aus der Psychologie (Dr. Psy) habe ich von jeder Figur ein psychologisches Profil erstellen lassen und dann einen Vergleich mit dem Charakterbogen aus Papyrus gemacht. Ich fand damit etliche wichtige Unterschiede, wie ich die Figuren vor ein paar Monate gesehen habe und wie ich sie dann geschrieben habe. Auch fand ich Punkte die ich bei der Überarbeitung später noch einbauen muss.
Sicher, ich hätte das auch offline machen können, aber alle Einträge von 5 Figuren mit einem Text von 65000 Wörtern zu vergleichen, hätte Tage, wenn nicht Wochen gedauert. Dies hier dauerte ein paar Stunden.
Bohh, wie kommt man auf solche Ideen?
Erinnert mich an die IBM Rechner im Film Hidden Figures ![]()