Wechsel von POV Charakteren

Mir ist beim Schreiben gerade eine interessante Frage in den Sinn gekommen, über die ich bis jetzt (dankenswerterweise am Anfang) noch nicht nachgedacht habe:

Die ersten Kapitel (etwa 7000 Worte) begleiten Elaris, die alleine unterwegs ist.

Nun bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich, um die Leser ein wenig in ruhigere Gewässer zu lotsen, die Perspektive wechseln könnte.

Ab dieser Stelle würde für die Leser dann klar: Aha, die Geschichte wird nicht ausnahmslos aus der Sicht von Elaris erzählt, der POV läßt mehrere Charaktere zu. (mir ist bewußt, dass ich innerhalb einer Szene den POV nicht wechsle, um Verwirrung zu vermeiden)

In diesem Post von 2024 gibt es eine ähnliche Fragestellung

Wie handhabt ihr das beim Schreiben, bzw. seht ihr das, wenn ihr selbst eine Geschichte lest?

LG,

Dirk

In mehreren Büchern schreibe ich hauptsächlich aus Sicht meiner Protagonistin (personaler Erzähler) , aber … ich wechsel manchmal in den Kopf anderer - um die Wirkung besser darzustellen (z.b die Reaktion auf Handlungen an einem anderen Ort) , oder um den Antagonisten gedanklich zu skizzieren, oder um eine Nebenhandlung darzustellen. Die Wichtung liegt dann aber klar beim POV. Die Einblicke in die anderen Protagonisten erfolgt dann auch als personaler Erzähler - und ich versuche das wirklich zu beschränken.

Ich habe verschiedene Handlungsstränge. Daher sind Perspektivwechsel nicht zu umgehen. Ich versuche aber, innerhalb eines Kapitels nicht zu wechseln.

Als Leserin habe ich damit auch kein Problem, solange der Wechsel klar erkennbar ist.

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Ich mache es einfach.

Da die “Sprecherin” wechselt und hat sie eine andere Ausdrucksweise. So merkt der Leser (hoffendlich) den Wechsel. Ich kündige ihn nicht an, so wie ich es in einigen Büchern gesehen habe. Dort steht bei dem Kapitel einfach, wer spricht.

Ich mag den personalen Erzähler, der nah an der Figur und nicht allwissend ist. Mittlerweile mag ich als Leser ein gewolltes Headhopping innerhalb einer Szene, im beschränkten Wissen der jeweiligen Figur, nicht auktorial. Ich trau es mir nicht zu, aber ich finde super, wenn man elegant den Kopf wechselt. Es darf natürlich kein kompletter Unfall sein mit einem „Wir schauen mal, was Person Xy dazu denkt - aber nur für einen Satz“ oder es ist plötzlich der POV von jemandem, der gar nicht in der Szene ist (alles schon gelesen, und das hat kein ungebändigter SP-Autor verbrochen …). Wenn also jemand gut hoppt, bin ich dabei.

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Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es um Perspektivwechsel. Der findet bei mir auch innerhalb von Kapiteln statt, auch weil manches auf identischer Zeitschiene geschieht. Auch beim Wechsel meiner Haupt-Handlungsfiguren (gibt es nur einen Protagonisten?) und insbesondere, wenn Antagonisten sich zu Wort melden.
Damit meine Leser es einfacher haben, verwende ich dazu einen stilistisch simplen Trenner.
„148“ in MT Extra formatiert und zentriert…

Beim auktorialen Erzähler gibt es streng genommen keine POV- Wechsel. Es ist immer derselbe Erzähler, der mal diesem und mal jenem Charakter in den Kopf schaut, wenn er das denn möchte. Er hat, meines Wissens nach, eigentlich keine allgemeingültigen Regeln zu diesem Thema, außer einer einzigen: Er sollte seine eigenen Grundsätze befolgen und sich innerhalb der Geschichte in dem von ihm gesetzten Rahmen bewegen. Auch das ist keine Regel, glaube ich. Liest sich aber komisch, wenn ein durchweg distanzierter Erzähler plötzlich sehr detailliert auf die Gedanken einer einzelnen Person eingeht, um den Rest der Geschichte wieder aus der Distanz zu erzählen.

Beim personalen Erzähler ist das natürlich anders. In der ersten Person Singular sowieso. In beiden Fällen lese ich Perspektivwechsel nicht so gern, auch nicht, wenn die Protas extra in eigenen Kapiteln erzählen. Für mich sind 2-3 Erzähler innerhalb eines Buches erträglich, wenn sie nicht zu häufig wechseln. Wenn sich die Perspektive aber oft ändert oder es viele Erzähler gibt, ist mir der auktoriale Erzähler am liebsten. Wahrscheinlich, weil man dann eben wieder nur einen einzigen Erzähler hat. Da stört es mich auch nicht, wenn der Erzähler hier und da in den Kopf verschiedener Charaktere schlüpft. Ich schreibe deshalb meinen Roman auktorial. In meinen Kurzgeschichten handhabe ich das unterschiedlich.

Man korrigiere mich bitte, wenn das fachlich nicht korrekt ist.

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Hi,

und vorab vielen Dank für eure Sichtweisen. Mit Bezug auf diesen Thread ein paar weitere Gedanken zu meiner Eingangsfrage:

Elaris hat’s verbockt, ist erwischt worden, und hat richtig (emotional) auf’s Dach bekommen. In der nächsten Szene wird sie ‚offiziell‘ angeklagt und verurteilt. In der Gerichtsszene will ich nicht noch einmal Emotionen aufwärmen - Gulasch und Bolo vom Vortag sind lecker. Ein paar in der Mikrowelle gefolterte Fritten, nicht so sehr.

Idee/Gedanke: Ich schreibe die nächste Szene (oder Kapitel, das steht noch nicht fest) aus Sicht der Anklage (Ortsvorsteher, Bürgermeister, oder vielleicht in der Art eines ‚Staatsanwaltes‘). Kalt, nüchtern, analytisch, Faktenorientiert, Indizienbasiert. Die arme Elaris ist mit den Nerven eh schon jenseits des Rubikon.

@Antje6: Ich versuche aber, innerhalb eines Kapitels nicht zu wechseln.

Yup. :+1: Die gesammte Szene schreibe ich aus der Sicht der Anklage. Wir bleiben aus Elaris’ Kopf draußen, sehen/hören lediglich die eine oder andere Reaktion von ihr.

@Cato_K Ich mag den personalen Erzähler, der nah an der Figur und nicht allwissend ist.

Das war einer meiner ersten, wenn nicht sogar der Allerste Gedanke überhaupt: Ich-Erzählung, personaler, oder auktorialer Erzähler? Grundsätzlich ist auktoriales Erzählen völlig okay. Für mich bestand der Reiz, mich selber zu fordern und auf genau diese Fallstricke, nicht allwissend zu sein, zu achten. Sowas gefällt mir auch beim Lesen, wenn mir nicht alles von einer Überwachungskamera aufgezeichnet wird, sondern ich den Charakteren eher auf der Schulter sitze und nah am Geschehen bin.

@MKors Mit einem Zeilentrenner zu arbeiten… so weit hatte ich gar nicht gedacht. Ich mag die Idee, sie bekommt einen Platz in meinem Gedächtnispalast - besser haben und nicht brauchen, als anders herum. Was die unterschiedlichen Erzähler angeht, sehe ich das auch so. GoT angucken, das war einfach. Bei den Büchern bin ich fast dem Wahnsinn :zany_face: erlegen. Vielleicht hätte ich mit der deutschen Übersetzung anfangen sollen. Die :flag_us: Originale sammeln Staub im Regal. Die Therapeuten in der Umgebung haben sich mir inzwischen komplett verweigert.

@Administratoren Könnten wir ein Cthulhu-Emoji bekommen? Das :zany_face: ist zu harmlos.

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Ich finde das gehüpfe zwischen den Köpfen furchtbar. Ein drastisches Beispiel ist Becky Chambers erster Roman. Ständig wird man rausgerissen, weil man sich fragt, wer denkt/sagt das gerade. Bei ihrem zweiten Roman hat sie gelernt. Eine Szene, eine POV. In der Überschrift steht der Name.

So etwas finde ich grauenvoll.

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Die Frage hatten wir erst kürzlich innerhalb eines ‚Testleser-gesucht‘-Threads.

Ich habe mit solchen Wechseln kein Problem, sie sollten halt

  • klar und übersichtlich gekennzeichnet sein; solche Zeilentrenner sind eine gute Idee.
  • Nach Möglichkeit nicht innerhalb einer Szene stattfinden und
  • nicht andauernd passieren.

Ein bisschen kommts dabei wohl auch auf den jeweiligen Fall an, den Schreibstil, die Handlung etc.
Aber solange es sich gut liest und man dabei nicht aus dem Lesefluss gerät, finde ich es absolut in Ordnung.

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Also bei mir gibt es fünf Protagonisten, von denen vier als POV Erzähler genutzt werden. Dazu gibt es zwei kurze Kapitel aus der Perspektive eines Opfers und drei oder vier Szenen aus Sicht jeweils eines Antagonisten.

Am Ende hatte sich das so ergeben, auch ohne große Planung. Ich habe aber festgestellt, dass es ohnehin nicht die Perspektive gibt. Vielmehr kann man sich mal näher an eine Person heranbewegen und dann wieder einen größeren Abstand einnehmen. Dabei ist es aber wichtig, maximal als neutraler Erzähler zu erscheinen. Soll heißen, keine Wertungen und keine Schilderung von Vorgängen außerhalb der gegenwärtigen Situation. Natürlich auch keine inneren Handlungen anderer Personen, als der gegenwärtigen POV Person. Eben kein allwissender Erzähler.

Interessanterweise hatte ich in meinem Buch auch eine Gerichtsszene, in der die Protagonisten als Partei beteiligt sind. Ich konnte dabei aus der Perspektive eines der in dieser Situation passiven Protagonisten erzählen. Damit war auch der Leser eher Zuschauer, obwohl natürlich trotzdem Partei. Hätte ich aus Sicht des Antagonisten oder gar des Richters erzählt, hätte ich zuviel von deren Intentionen verraten müssen. Das galt natürlich erst recht für den Protagonisten, der hier aktiv war.

Natürlich kann man auch aus Sicht des Anklägers schreiben. Man muss sich nur darüber im klaren sein, dass man dann dessen Einstellungen, Ziele und Gefühle offenbaren muss. Damit kann die Szene schnell die Richtung ändern. Wenn der Ankläger z. B. nur an seiner eigenen Karriere interessiert ist. Kann wiederum interessant werden, wenn dann eine Konstellation eintritt, durch die es dem Ankläger nützt, die Angeklagte zu entlasten.

Ein schöner Artikel zur Perspektive findet sich hier auf den Seiten von Andreas Eschbach.

https://www.andreaseschbach.de/schreiben/artikel/das_wie.html

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Im neuen Projekt habe ich 6 Hauptpersonen; wahrscheinlich darf jeder POV tragen. Aber wenn Figur X und Figur Y in einer Szene sind, wird immer X erzählen.

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