Für den Buchmarkt durfte ich etwas zum Thema KI-Nutzung bei Verlagen und den Auswirkungen auf Selfpublisher schreiben. Eine Kolumne die sich damit beschäftigt warum die KI die Big Player zu Siegern machen wird und sie sich Anteile von Selfpublisher zurückholen werden.
Oh weh. Du stocherst hier im Wespennest.
Die Büchse ist offen, der Deckel passt da schon lange nicht mehr.
In einer Generation wird der „Erfinder“ der KI entweder als der größte Verbrecher der letzten zwanzig Jahre gehandelt oder es wird in jeder noch so kleinen Stadt eine Straße nach ihm benannt werden.
Wir werden in zwei bis drei LLM Versionssprüngen nicht mehr erkennen, ob eine Maschine es geschrieben hat oder ein Mensch. Der Sprung, dass KI ein Bewusstsein entwickelt ist auch kein SciFi mehr.
Früher musste man sein Herz gegen eine Feder wiegen lassen, Autoren werden in Zukunft ihre Texte in die Waagschale legen müssen. Maat wird entsprechend richten.
Wenn es gelänge KI richtig zu bepreisen, wäre das Thema schnell vom Tisch, weil KI generierte Produkte dann unbezahlbar werden würden.
Wenn es gelänge KI richtig zu bepreisen, wäre das Thema schnell vom Tisch, weil KI generierte Produkte dann unbezahlbar werden würden.
Extrem gutes Argument, welches weder ich noch andere in dieser Form auf dem Schirm haben, wenn es darum geht das zu bewerten. Vielen Dank für den Hinweis.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich für die 100%ige Zustimmung Ihrer Thesen hier im Forum gelyncht werde, bleibe ich dabei, dass Ihre Kernaussagen richtig sind. Wahrscheinlich wird es in den kommenden Jahren noch heftiger werden.
Der einzelne SPler muss sich fragen (lassen), was sein originäres Ziel beim Schreiben und Veröffentlichen eines Buches ist.
Sind es ökonomische Ziele, wird es für den einzelnen SPler hart werden. Sehr hart.
Ich persönlich schreibe aus Lust an der Freude und hoffe, dass ich irgendwann in einer fernen Zukunft eine schwarze Null für das Finanzamt schreiben kann. That’s it.
Ansonsten lässt mich das larmoyante Gejammere der Kreativen etwas ratlos zurück. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde heftig dagegen argumentiert, dass ein Schachcomputer jemals die Genialität eines Großmeister erreichen und ihn schlagen könnte. Ah ja.
1997: IBM Deep Blue besiegte Garri Kasparow, den damaligen Schachweltmeister, in einem Match über sechs Partien mit 3,5 : 2,5. Das war das erste Mal, dass ein amtierender Weltmeister in einem klassischen Turniermatch von einem Computer geschlagen wurde.
Erstaunlicherweise spielen Menschen noch immer Schach. Sie werden auch in Zukunft weiterhin Bücher schreiben – und als SPler kaum oder gar kein Geld damit verdienen. Einfach mal die Realitäten anerkennen und die Scheuklappen ablegen. Das soll den Blick erweitern …
Spannender Beitrag, Patrick. Ich teile deine Einschätzung, dass große Verlage KI deutlich umfassender einsetzen können als einzelne Autoren und dadurch erhebliche Effizienzgewinne erzielen.
Ich sehe darin aber auch eine Chance für Selfpublisher. Mit KI können wir heute viele Aufgaben übernehmen, die früher fast ausschließlich Verlagen vorbehalten waren – vom Lektorat über die Coverentwicklung bis hin zu Marketing und Marktanalyse. Der Abstand ist dadurch kleiner geworden, auch wenn die Budgets natürlich weiterhin sehr unterschiedlich sind.
Am Ende wird aus meiner Sicht nicht die KI allein über den Erfolg entscheiden, sondern die Kombination aus einer guten Geschichte, professioneller Umsetzung und einer langfristigen Autorenstrategie.
KI stärkt nicht nur die Großen – sie kann auch den Werkzeugkasten kleiner Autoren erheblich erweitern.
vom Lektorat über die Coverentwicklung bis hin zu Marketing und Marktanalyse
Gerade bei den beiden erstgenannten werden viele SPler sagen, dass das nicht geht.
Das kommt darauf an, wie man KI einsetzt. Ich spreche nicht davon, einen Roman von einer KI schreiben oder ein fertiges Cover auf Knopfdruck erstellen zu lassen.
Ich sehe KI vielmehr als Werkzeug. Ein menschliches Lektorat ersetzt sie nicht vollständig, aber sie kann helfen, Stilbrüche, Wiederholungen, Logikfehler oder sprachliche Schwächen zu erkennen. Genauso kann sie bei der Entwicklung von Coverideen unterstützen, die anschließend professionell umgesetzt oder weiterentwickelt werden.
Am Ende entscheidet immer noch der Autor, was übernommen wird und was nicht.
Genauso ist es: Die KI ist ein Werkzeug, dass bei Lektorat und Korrektorat sehr hilfreich sein kann, aber menschliche NI (natürliche Intelligenz) nicht ersetzen kann. Das habe ich erst selbst wieder am eigenen Werk erfahren dürfen.
Wer ideologisch in einer Ablehnug der KI erstarrt, wird abgehängt. Veränderunge bedeuten nicht nur Risiken und Gefahren, sondern vor allem Chancen. Das nennt man wohl auch Evolution.
Ich persönlich stehe Veränderungen offen gegenüber, mit einer gesunden Distanz, aber nutze als SPler die Chancen, die sich bieten – auch mit KI.
Ich glaube, dass wir in einigen Jahren nicht mehr darüber diskutieren, ob ein Autor KI genutzt hat, sondern wie er sie eingesetzt hat. Entscheidend wird nicht das Werkzeug sein, sondern die Qualität des fertigen Buches.
Das sehe ich auch so.
Wir können die Zeit nicht aufhalten und leben in einem Übergangsstadium für Autoren und Künstler allgemein. Das ist wahrscheinlich für viele furchtbar. Auch für mich. Aber der “Fortschritt” in der Informatik lässt uns bald keine Wahl mehr. Autoren und Autorinnen haben von der Handschrift über die Schreibmaschine und Computer-Textprogramme nun eine hybride Textverwaltung vor sich.
Künstler aller Bereiche werden lernen müssen, neue Produktionssysteme zu verwenden, um schnell, günstig und den Anforderungen der jeweiligen Zeit gemäß “perfekte” Arbeiten zu liefern.
Schreibende werden dann wohl bald minimalkreativ, vorwiegend nur noch als kompetente Schreib-Fließbandarbeiter ihr unbedeutendes Autorenleben fristen. - Hoffentlich nicht. Ww
Nö. Ich schließe mich da aus. Und wenn mein Lieblingsmusiker Alice Cooper plötzlich meint, KI einsetzen zu müssen, dann trage ich ihn zu Grabe, heißt: Ich kaufe nichts mehr von ihm. Wird ihn zwar nicht interessieren, aber bei ihm bin ich mir auch ziemlich sicher, dass er das sowieso nicht macht.
Ja, der Buchmarkt wird von KI Büchern überschwemmt. Aber „Schwemme“ gab es schon immer. Vor 20 Jahren waren das „die Übersetzungsliteratur aus den USA“. Dort gibt es Schulen fürs Krimi Schreiben. Ein Land mit sehr vielen Einwohnern, viel mehr Prozente an Schreibern.
Sehr viele Bücher, die von großen Verlagen einfach eingekauft und übersetzt wurden, statt den heimischen Autor eine Chance zu geben.
Trotzdem. Spricht man mal mit Leuten, die z.b viel SciFi und Fantasy gelesen haben, kommen irgendwie immer dieselben Bücher zur Sprache. Und so wird es auch bei Selfpuplishern sein. Es wird ein Meer aus KI-Murks geben, die dann (hoffentlich
) bei 2-3 Sterne rumdümpeln und Werke die auffallen, werden daraus hevorstechen.
Ich würde sogar soweit gehen, dass KI den „großen Verlag schwächt“. Vielleicht reduziert er die Zahl an Lektoren, vielleicht lagert er Aufgaben aus. Die Qualität großartiger Bücher kommt durch viel Handwerk zusammen. Verlage sind aber gewinngetrieben, sie riskieren lieber etwas Buchqualität, wenn sie dafür ein paar Jobs streichen können (jaja, steile These ohne Beweise
) während Selfpuplisher mit geschickten Einsatz von Ki Tools sich ihnen annähern. Die Grenze zwischen „Wow, Fehlerfrei und gut durch lektoriert, wahnsinns Idee!“ verschwimmt.
Und zu guter Letzt - ich glaube das „handgeschriebene Bücher“ mit guter lektorierter Qualität, nach wie vor auffallen und den Buchmarkt für sich einnehmen.
Was nicht erstaunlich ist: Dass die Großen jede Möglichkeit nutzen, ihren Profit zu erhöhen. Aber mit oder ohne KI, die Verlage produzieren Mainstream.
Kleinverlage und SPler waren schon immer die Nischenproduzierer. Und ich glaube nicht, dass Großverlage in diese Nischen stoßen. Die sind nicht an Literatur oder Vielfalt interessiert, sondern am Mammon.
Also bleibt die Hoffnung, dass die Menschen, die sich bewusst gegen die Großverlage entscheiden, weiterhin den kleinen treu bleiben. Viele Kleinverlage sprechen sich daher bewusst gegen KI aus. SPler genauso. Wobei, wenn man ehrlich ist, niemand mehr die Nutzung von KI mit Sicherheit erkennen/ ausschließen kann. Spannend, wohin sich der Markt entwickeln wird.
Meine letzten Bücher aus Großverlagen waren der Duden, GRRMs Lied von Eis und Feuer und Diana Gabaldons Highlander-Saga, das eine ist heute unnötig, die beiden Reihen sind unbeendet.
Menschliche Autoren können im Falle eines Stromausfalls noch bei Kerzenlicht schreiben.
Die Leserschaft wird sich wahrscheinlich deutlicher als jetzt schon in Konsumierer und Genießer aufspalten. Die einen fressen, was schnell und viel da ist, die anderen lassen sich das vielleicht raffiniertere Fünf-Gänge-Menü auf der Zunge zergehen.
Da gehst du aber sehr streng mit den Künstlern um. Was das Schreiben angeht, bin ich zwar auf deiner Seite und habe noch nie wissentlich eine KI-Hilfe gesucht oder auf diese Art einen Text verfasst. Dennoch, gerade Künstler (auch Autoren) sollten doch für alle Neuerungen offen sein. Hybride Werke, also humane und programmierte (“KI”) Kunst, schließe ich deshalb für die Zukunft absolut nicht aus. Als “Visionär” kann ich mir sogar vorstellen, dass dabei ganz interessante und neuartige Kunstwerke entstehen werden.
Jeder wird zukünftig für sich selbst entscheidlen müssen, ob sein Werk zur “pure” oder “hybrid Art” gehören soll. Die Welt wird sich jedenfalls weiterdrehen. Ww
Sicher dreht sich die Welt weiter. Und dennoch werde ich kein KI-vermurkstes Liedgut kaufen. Ich kaufe auch keine italienische Musik, während @cdf.klugmann darauf abfährt.
Zu meiner Mutter habe ich mal gesagt, sollte Heino irgendwann eine CD herausbringen, die mir gefällt, werde ich sie kaufen. Meine Mutter hat sich kringelig gelacht. Jahre später habe ich mir Heino gekauft (der „neue“ Heino mit Lederjacke).
KI-Musik kaufe ich nicht. Allen, denen das nichts ausmacht, können sie ja kaufen.
Jeder, der mich kennt, weiß dass ich Kraftwerk beinahe vergöttere. Bei denen ist es aber etwas anderes, weil sie immer schon „künstliche“ Musik gemacht haben. Wenn die KI einsetzen, bleiben sie sich treu. Obwohl ich glaube, dass Ralf Hütter lieber höchstpersönlich an den Tönen frickelt.
@Suse „Ich kaufe keine KI-Musik“. Da sind wir absolut einer Meinung. Ich mag es wenn Künstler ihre Instrumente und Stimme beherrschen, auch wenn manchmal der Ton nicht getroffen wird. Aber wer aus dem Publikum wird es hören? Vermutlich nur eine geringe Anzahl an Zuhörer. Die Emotionen die übermittelt werden sind es, die die Musik ausmachen. Dazu muss der Text noch nicht eimal verstanden werden. Ein schönes Beispiel dafür ist „Every breath you take“ von The Police/Sting.
„Abfährt“ finde ich etwas übertrieben, aber ja, ich mag italienische Musik..
Und das mit der italienichen Musik überlege es dir noch einmal.
Fast alle Opern sind in italienischer Sprache geschrieben. Was gibt es schöneres als „La Traviata“ in der Arena di Verona zu sehen und zu hören? Okay. Vielleicht mit Edward Lewis und Vivian Ward in der Met. ![]()
Aber auch Gianna Nanini, Zuccero, Adrian Celantano und viele andere bringen Emotionen herüber.
Gruß vom linken Niederrhein
Klaus
Ich wollte damit eigentlich nur unsere unterschiedlichen Musikvorlieben unterstreichen.
Anders: Jeder sollte das hören, woran er Spaß hat und ich habe - wie du - eben keinen Spaß an KI-Musik.
Ich denke, wir sind uns da einig.
Das hatte ich ja auch so von dir verstanden. Mein Kommentar kritisierte nicht deine persönliche Entscheidung - die ist mir heilig -, sondern nur deine Einstellung über das Künstlerdasein. Aber ich muss ja nicht Recht haben. Ww