Wann einen Absatz machen?

Vielleicht erscheint euch die Frage trivial, aber ich würde gern mal hören, was die gestandenen Autoren dazu sagen. Ich sehe nämlich in verschiedenen Büchern und Aufsätzen ganz unterschiedliche Konzepte und wüsste gern, was besser oder schlechter ist. Und vielleicht auch, warum man dieses oder jenes macht oder eben nicht machen sollte.

Es geht um Absätze. Technisch weiß ich natürlich wie man das macht. Aber wann? Ich habe in einem Buch das Konzept gefunden, nur äußerst selten überhaupt Absätze zu machen. In anderen Texten (auch dem Beispieltext „Findelkind“) ist stellenweise jeder Satz (oder jeder zweite) ein eigener Absatz. Dann gibt es das Konzept, jede wörtliche Rede in einem neuen Absatz zu beginnen, manchmal aber auch nicht.

Auch die Frage, ob ein Absatz nur mit einem Return und der Einrückung gesetzt wird, oder ob zwei Returns gemacht werden, was folglich zu einer Leerzeile führt, ist interessant. Und wie lang Sätze sein dürfen :slight_smile:

Bisher schreibe ich einfach wie mir der Schnabel gewachsen ist, aber die Stilanalyse von Papyrus hat mir schon des öfteren auf die Finger gehauen, so dass ich das jetzt mal etwas systematischer angehen will.

Gibt es irgendwelche allgemeinen Sprachregeln dazu, oder ist das schlicht persönlicher Stil?

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Ich bezeichne mich jetzt zwar nicht als gestandenen Autor aber ich verwende als Spickzettel diesen Blogartikel https://www.die-schreibtrainerin.de/manuskript-formatieren/

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Das mit dem Absatz ist eine sehr interessante Frage. Besonders in sehr alten Schriften wird vieles einfach hintereinander weggeschrieben, egal, ob es ein neuer Gedanke ist oder bei der wörtlichen Rede der Sprecher wechselt. Ich selbst interpretiere das damit, dass Papier in früheren Zeiten nicht so günstig zu bekommen war, wie heute (trotz Papiermangel).
Viele Leute sind der Meinung, dass sich Bücher mit vielen Absätzen leichter lesen. Zu dieser Fraktion gehöre auch ich. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit halte ich es mit den Absätzen folgendermaßen:

  1. Schon in der Schule hieß es bei Aufsätzen: neuer Gedanke - neuer Absatz
    . 1. Immer, wenn der Sprecher bei der wörtlichen Rede wechselt: Absatz
    . Aber auch hier, bei sehr langen Monologen: neuer Gedanke - neuer Absatz. 1. Wenn der Sprecher durch eine Handlung unterbrochen wird: Absatz
    .

Ja, dann gibt es noch den “großen Absatz”. Er wird meistens eingefügt, wenn innerhalb eines Kapitels der Ort der Handlung wechselt oder ein ganz anderes Thema behandelt wird. Der große Absatz verlangt mindestens eine Leerzeile. Viele setzen auch innerhalb von Kapiteln drei Sternchen oder Ähnliches zwischen zwei Leerzeilen. Meines Wissens ist das nicht genormt, sollte aber in einem Werk immer auf dieselbe Art und Weise verwendet werden. Rätselraten über die Bedeutung des Layouts beim Lesen eines Romans mögen vermutlich nur wenige Leute.

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Gute Übersicht, @Berti, danke! Diese Aufzählung hatte ich aus der Schule auch noch ungefähr im Kopf, nur nicht so detailliert.

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Hallo @ChrisJ ,

lies mal “Spannender und besser schreiben mit Absätzen” von Stephan Waldscheidt.

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Ist das gut? 3 Euro für 38 Buchseiten ist ja jetzt auch nicht gerade geschenkt…
[Zumindest ist bei seinen Ratgebern nicht “So gestalten Sie Ihr Buchcover” dabei. Die Cover wirken auf mich dilettantisch.]

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Geht das über das, was @Berti geschrieben hat, hinaus? Ich kann mir kaum vorstellen, was es da noch alles geben könnte.

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Das halte ich genau so. Da bin ich sehr empfindlich: Wenn eine ganze Seite nur einen oder gar keinen neuen Absatz zeigt, verliere ich bereits an Lesefreude und denke: Jetzt wird wieder endlos doziert ohne die Geschichte weiterzubringen.

Das ist bei mir dann eine neue Szene.

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Reine Geldschneiderei, ein Schreibratgeber so dröge wie von einem alten Deutschlehrer geschrieben und dann auf wahrscheinlich
zehn Bände aufgeblasen, damit man auch ordentlich absahnen kann. Ich finde es dreist und die Leseprobe hat mich nicht gerade überzeugt.

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Ich hab den (als alter Sammler von Schreibratgebern) und fand ihn gar nicht so schlecht.

So halte ich auch, oder versuche es zumindest. Dazu habe ich nur eine Ergänzung, ich finde innerhalb einer wörtlichen Rede sollte man keine Absätze machen. Für mein Leseempfinden ist es so, dass der Absatz bedeutet die Rede ist zu ende. Unabhängig davon was die Anführungszeichen sagen und deshalb reißt mich auch vollkommen aus dem Lesefluss, wenn die Rede eben doch nicht zu ende ist.

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Ich mache das auch so, wie Berti es geschrieben hat, haben mir aber dafür einen einfachen Merksatz gebildet. Dabei stelle ich mir vor, wie es in einem Film aussehen würde. Immer, wenn die (Kamera-)Einstellung wechselt, dann kommt ein Absatz.

Im Dialog erscheinen unterschiedliche Sprecher, also würde die Kamera immer den entsprechenden Redner zeigen, dann jeweils neuer Absatz. Wenn die Figur nichts weiter sagt, aber beispielsweise nachdenklich im Bild bleibt, kommt der neue Absatz erst dann, wenn auch das Kamerabild wechselt.

Zwischen Schwenk der Kamera über die Stadt und anschließender Einblendung der Parkbank am Ufer käme dann ein Absatz.

Also wie gesagt, mit Hilfe meines Merksatzes ‘Immer, wenn die (Kamera-)Einstellung wechselt, dann kommt ein Absatz.’ fasse ich nur Bertis Hilfen für mich zusammen.

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Auf jeden Fall kann das ein grober Richtfaden sein. Manche Regisseure setzen sich aber über solche Konventionen hinweg, besonders auch jene, dass ein Dialog akustisch verständlich sein sollte. Das derzeitige Genuschel ist oft nicht mehr zu ertragen! Wir Schriftsteller erfinden ja auch (im Allgemeinen) nicht zu jedem Buch eine neue Rechtschreibung.
Das mit dem Absatz in der wörtlichen Rede meine ich übrigens nur bei wirklich langen Monologen. Dass man so etwas vermeiden sollte, steht außer Frage. Aber keine Regel ohne Ausnahme, wie mein Chemielehrer es auffallend oft von sich gab, wenn es etwas Besonderes gab.

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Wäre es dann nicht geschickter den Monolog durch eine kurze Handlung zu unterbrechen, um die Textwand aufzulockern?

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Vielleicht ja, vielleicht nein. Das kann man pauschal schlecht sagen. Kommt auf die Geschichte an.
In diesem Post ging es jedoch um Grundsätzliches. Ob es da Regeln gibt oder es eher eine Geschmackssache ist.

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Die oberste Regel ist: Absätze sollen zur Orientierung des Lesers beitragen. Wenn sie verwirren, sind sie falsch gesetzt.

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Ich neige zu der Ansicht, lieber einen Absatz mehr als einen zu wenig. Neben der Auflistung von @Berti gibt es da noch das Schema:

Handlung/Rede Person A → Absatz
innere Reaktion Person B → Absatz
äußere Reaktion (Handlung oder Rede Person B) → Absatz

usw.

Dafür gibt es auch irgendeine schlaue Bezeichnung, aber die habe ich vergessen und weiß auch nicht mehr, wo ich das gelesen hatte. Leuchtete mir aber ein, und beim Überarbeiten orientiere ich mich in der Regel daran.

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Wow, ich danke euch. Das sind ja eine Menge Regeln. Ich werde mir das alles mal durch den Kopf gehen lassen.

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Kommt drauf an, wie fortgeschritten du bist.
Mittlerweile bin ich darüber auch hinausgewachsen. Aber wenn jemand bei dem Thema noch wenig Ahnung hat, ist es gar nicht so schlecht, wie @AndreasE sagt.

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Dankeschön für den Hinweis.
Ich habe mir anhand der Empfehlungen hier im Forum bisher einen einzigen Schreibratgeber gekauft:
Stilfibel, von Ludwig Reiners (habe etwa 5 Euro bezahlt für 250 kleingedruckte Seiten).
Davon habe ich bisher nur die ersten drei Lektionen durchgearbeitet, bin aber schon sehr zufrieden mit dem Buch und finde es hilfreich.

Wenn ich mir einen zweiten Schreibratgeber anschaffen wollte, würde ich eher nach einem dicken, umfassenden Nachschlagwerk suchen, in dem dann wohl auch ein Kapitel über Absätze enthalten sein sollte. Ein extra Buch nur allein für das Thema Absätze wäre auf meiner Prioritätenliste sehr weit unten.

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