Sobald ich Zeit habe.
Ich bin gespannt. Vielleicht wird dein Buch das erste, das ich von einem unserer Forianer hier kaufe. ![]()
Wir sollten die liebe Verwandtschaft an Weihnachten mit Büchern der Forianer beschenken ![]()
Ich hatte letztes Weihnachten tatsächlich ernsthaft überlegt, ob jemand aus meiner Familie vielleicht Spaß daran hätte, hethitisch zu lernen. (@writers_headroom )
Lohnt sich, auch ohne die Fußnoten (Rezi folgt noch, versprochen!)
ARRGL … ![]()
Zeus schaute mit Wohlgefallen über die Landschaft. Berge, Täler, Flüsse – alles glänzte frisch nach dem eben gefallenen Regen. Ein Regenbogen spannte sich über die Landschaft. Aber etwas stimmte nicht.
„Die Putti sollen kommen. Sofort!“
Zeus hatte eine sehr schön modulierte Stimme, die mit einer beachtlichen Lautstärke einherging. Eine Grundvoraussetzung für höhere göttliche Positionen. Oder sagen wir es so: Seine Stimme war nicht zu überhören. Und die unterschwellig transportierten Emotionen auch nicht. Die Putti kamen eilig herbeigeflattert.
„Macht das rückgängig. Sofort!“(1)
„Ich war das nicht.“
Zeus sah dem Putto tief in die Augen.
„Wirklich nicht. Ich habe nur Farbeimer gehalten.“
Die Augen von Zeus sprühten Funken. Vorsichtig wichen die Putti etwas zurück. Angekokelte Flügel mochten sie gar nicht. Das Flugverhalten war dann so schwer zu kontrollieren.
„Farbeimer? Ich sehe keine Farbe!“
„Och ja, wir dachten, so Grautöne wären mal was anderes.“
„Anthrazit. Auf den Eimern stand Anthrazit.“
„Und wir haben uns bei den Grauabstufungen echt Mühe gegeben.“
Etwas verunsichert starrten die Putti auf den grauen Regenbogen.
„Wir dachten, Grau ist moderner.“
„Anthrazit.“
„Jetzt lass mich doch mit deinem Anthrazit in Ruhe!“
„Pfffft.“
„Mir ist egal, wie ihr das nennt. Aber das wird rückgängig gemacht. Sofort!“
Ohne weitere Kommentare zu der Anthrazit-Problematik machten sich die Putti auf den Weg nach unten in den Baumarkt.
(1) Uiuiui. Gleich zweimal hintereinander ‚Sofort‘. Zeus war wirklich sauer.
Herrlich, erinnert ein wenig an Loriot mit seinem frischen Steingrau und dem braungrüngrau.
Die Putti vergnügten sich im Baumarkt gar sehr, strichen grau, was nicht schon grau erschien und flogen (flüchteten) flugs gen Himmel - versehentlich Zeus direkt vor die imaginäre Flinte (den Bogen).
Der musterte sie eindringlich. Überall graue Farbkleckse - sogar auf den Flügelchen.
„Anthrazit“, fauchte ihn der Putto patzig (und mutig) an.
Zeus holte tief Luft und donnerte so laut er konnte: „Und wo sind die Farben für den Regenbogen? WO SIND DIE?“
Wo sind die.
Sind die
Die.
Erst als sich die Schallwellen glätteten, flüsterte ein Putti: „Vergessen.“
Zeus schrie unbarmherzig (wirklich zum Fürchten): „NIEDER MIT EUCH“
Nieder mit euch.
Mit euch.
Euch.
Die Putti warteten ab. Dann vergewisserten sie sich: „Nochmal in den Baumarkt?“
„WAS DENN SONST?“
Was denn sonst.
Denn sonst.
Sonst.
„Macht das rückgängig. SOFORT.“
Das rückgängig sofort.
Rückgängig sofort.
Sofort.
Kleinlaut flatterten die Putti nach unten. Erst als sie außer Hörweite flogen, tuschelten sie aufgeregt:
„Wie sollen wir denn jetzt unter der grauen Pampe die Farben finden?“
„Anthrazit.“
„Nee, die Farben.“
„Weiß ich.“
„Aber …“
„Wir müssen es wenigstens versuchen.“
Ende des kurzen Kapitels?
Die Putti fanden die Farben nicht. Was ihnen aber in die Hände fiel, war eine scharf stinkende Flüssigkeit und jede Menge Schwämme und Lappen.
Damit stopften sie sich die Taschen (neu - siehe oben) voll und flogen taumelnd heimwärts.
Einer nach dem anderen schlichen sie sich am dösenden Zeus vorbei.
Die Putti putzten. Sogar Putto; genannt Putto, was in unregelmäßigen Abständen, regelmäßig für Verwirrung sorgt.
Seitdem erkennt man, wenn man genau hinsieht, im Regenbogen winzige* graue Flecken. Und Putti, welche sich redlich abmühen, diese zu entfernen (ohne dabei die Regenbogenfarben zu beseitigen - das muss alles wieder nachgestrichen werden).
*Winzig von hier aus. Dort sind die Flecken riiiiiiesengrooooß!
Schönen Gruß von Kick ![]()
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@Huselkuv
Bestellt und erhalten.
Ich bin erst auf Seite 17 und habe ein fettes Dauergrinsen im Gesicht. Das Buch gehört jetzt schon zu meinen Lieblingsbüchern. Definitiv. Genau mein Humor.
Vielen DANK für das echte Vergnügen - yeah.
Ich wünsche dir und dem Buch von ganzem Herzen, dass es ein Bestseller wird!
Rezi macht die Langsamleserin später - wahrscheinlich über den Account meines Mannes oder so.
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Die Putti flatterten herum und verteilten die Post. Zeus bekam gewichtig aussehende Marmortafeln, zu deren Transport trotz ihres optimierten Materials mehrere Putti notwendig waren. Praktische Papyrusrollen mit neuen und ausgesprochen alkoholfreien Rezepten für Cocktails gingen an Hebe. Ein unauffälliger USB-Stick wurde Athene überreicht.
„Wo ist Stefan? Für Stefan haben wir auch was.“
Ein herkömmlicher Brief wurde hochgehalten.
„Da ist er!“
„Post für dich!“
Unschlüssig nahm Stefan den Brief in Empfang.
„Wer schreibt dir? Los, mach schon auf!“
Stefan sah sich suchend nach einem geeigneten Brieföffner um. Nie, wirklich nie sind die Sachen da, wenn man sie braucht. Schließlich zuppelte er eine Ecke auf, schob seinen Finger hinein und riss den Brief auf.
„Und?“
Gebannte Blicke musterten Stefans Gesicht.
„Klassentreffen.“
„Wow. Toll! Äh, was ist das?“
„Wenn man gemeinsam in der Schule war, trifft man sich. Manchmal. Also, wenn es so Engagierte gibt, die das organisieren.“
„Voll cool!“
„Ja, total.“
Stefan sah nicht begeistert aus. Erinnerungen an einen peinlichen Moment mit einem Mädchen überkamen ihn. Wie sie gemütlich in ein Bärenfell eingemummt da saßen und in das flackernde Feuer starrten. Und dann wollte sie Holz nachlegen. Sehr peinlich. Stefan wurde rot.
Ferienende. Giggelnde kleine Welten hopsten voller Wiedersehensfreude aus den göttlichen SUVs. Voller Begeisterung dotzten sie aneinander und hinterließen so manches Hochplateau. Ihnen folgten die kleinen Götter, die mit enthusiastischem Geheul Hebe und Terro begrüßten. Und schließlich ließen sich die göttlichen Eltern dazu herab, die Sohlen ihrer vergoldeten Sandalen auf den profanen Straßenbelag zu setzen. Sie angelten auf der Rückbank nach der Brotzeit. Und der Matschhose. Und dem Sonnenhut. Wir wollen hier nicht alle Einzelheiten schildern, nicht den Familienhund, der wieder eingefangen werden musste, nicht die heulende kleine Schwester im Kindersitz, nicht die Verabredungen zum Kaffeetrinken. Wer es kennt, benötigt es nicht noch einmal schriftlich, und wer es nicht kennt, darf sich glücklich schätzen.
Nachdenklich starrte Hebe in die Grube, die vor kurzem der Sandkasten gewesen war. Kleine Götter hockten darin und füllten ihre Plastikeimerchen emsig mit Matsch. Hebe schluckte. Sie war ein wenig enttäuscht. In Gedanken hatte sie es sich so schön ausgemalt, wie die kleinen Götter erwartungsvoll an ihren Werkbänken saßen und darauf warteten, dass sie ihren Ton bekamen. Hebe sah es deutlich vor sich. Wie Terro den großen Tonblock in handliche Stücke teilte. Sie hätte ihr gesamtes pädagogisches Talent eingesetzt, um die Grundlagen des Töpferns zu vermitteln. Stattdessen jetzt das.
„Tante Hebe, Tante Hebe! Schau mal. Das habe ich gemacht!“
Ein kleiner Gott zupfte an ihrem Gewand und hinterließ einen matschigen Fleck auf dem eben noch reinen Weiß ihres Kleides. Ein unförmiger Gegenstand wurde hochgehalten. Hebe betrachtete das Ding, das die Bezeichnung „Objekt“ nicht verdiente.
„Sehr schön. Wirklich gelungen. Du bist sehr kreativ.“
Und nenn mich nicht Tante. Aber das sagte sie nicht.
„Wir haben ganz viel gemacht. Schau!“
Ungeduldig zerrte der kleine Gott an den Falten ihres Kleides und hinterließ weitere Flecken, deren blasser werdende Nuancen sich nicht komplementär in einer sauberer werdenden Hand widerspiegelten. Hebe ließ sich mitziehen. Da standen sie, die liebevoll aufgereihten frühen Versuche plastischen Gestaltens. Es handelte sich eindeutig um Matschbatzen.
„Prä-neanderthalisch, oder?“
Der kleine Gott zögerte kurz, dann nickte er heftig. Instinktiv hatte er begriffen, dass die Vergabe eines Stils der erste Schritt auf der Leiter künstlerischer Anerkennung ist. Terro reichte Hebe eine Tasse Tee.
„Wie läuft es?“
„Sie sind gerade in der proto-geometrischen Phase.“
„Ach, ja. Die gute alte Zeit. Hatte ordentliche Ecken und Kanten.“
„Mal abgesehen davon. Was machen wir mit dem ganzen Zeug?“
Terro sah Hebe erstaunt an.
„Einen Weihnachtsbasar natürlich. Da können die Eltern die Kunstwerke ihrer lieben Kleinen käuflich erwerben. Und das Geld spenden wir für einen guten Zweck.“
Terro hatte ja keine Ahnung von dem Aufwand, den sowas erforderte. Hebe schauderte bei dem Gedanken an die ganzen Vorbereitungen, die Musikauswahl, das Besorgen von Wechselgeld, Tüten und Schleifchen zum Einpacken. Und dann noch die Eltern.
„Ein kandiertes Ingwerstäbchen?“
Terro hielt Hebe eine Schachtel hin. Wenn es etwas gab, dem Hebe nicht widerstehen konnte, dann waren es kandierte Ingwerstäbchen in Zartbitterschokolade. Irgendwie hatte Terro das mitbekommen. Hebe beruhigte sich, während sie von einem kandierten Ingwerstäbchen abbiss. Sie schaffte es sogar zu ignorieren, dass sich die kleinen Götter heimlich in die Garderobe zu ihren Welten schlichen und ihnen kleine matschige Monde zusteckten. Sie sah fast darüber hinweg. Bisweilen griff sie mit ordnender Hand ein und machte einen Vorschlag zur Planetenmechanik, der dankbar aufgenommen wurde. Die plötzliche Vermehrung von Monden kann eine Welt ganz schön ins Trudeln bringen. Und das wollen wir ja nicht.
Überall standen die matschigen Kunstwerke herum. Manche trockneten und auf anderen trocknete die Bemalung. Hebe raffte die Falten ihres Gewandes zusammen und ließ sich von Terro durch die schmalen Pfade zwischen den Kunstwerken führen.
„Und das hier? Ein bekanntes Motiv.“
„Ja, ein Fluss. Das Kurvenlineal hatte gerade jemand anderes, darum ist er etwas eckig geworden.“
„Trotzdem sehr schön. Und wer hat das mit den Fischen gemacht?“
„Das war der kleine Hai.“
Hebe sah von einer Schale mit bezauberndem Meeresgetier auf.
„Ist auf eine komplizierte Weise mit Poseidon verwandt. Da drüben!“
Ein kleiner Hai malte konzentriert mit der Zungenspitze im Mundwinkel weitere Fische. Hebe hoffte, dass er sich nicht die Zunge abbiß. Immerhin würde er nie Probleme mit Zahnlücken haben.
„Und was passiert hier?“
Hebe deutete auf einen großen Matschhaufen, der seine Funktion sorgfältig unter komplexen Ausbuchtungen verbarg.
„Das ist natürlich unser Töpferofen.“
„Natürlich.“
Ein matschgetränktes Kind rannte vorbei.
„Pass auf, dass davon keins in den Ofen gerät.“
Terro wurde blass. Er würde eine sorgfältige Risikoanalyse machen. Ein Qualitätsmanagementsystem aufsetzen. Und ein CIRS (1) installieren. Auf jeden Fall ein CIRS. Er atmete wieder aus.
„Geht klar.“
(1) CIRS – kurz für Critical Incident Reporting System. Wird eingesetzt, um die Patientensicherheit auf der Basis anonymer Meldungen der Mitarbeiter zu verbessern. Das System arbeitet sehr gut bei der Auslese nerviger Mitarbeiter.
Das Gelage
„Und dann habe ich – zack – die ganze Zivilisation ausgelöscht!“
Ein Gott mittlerer Reichweite sah nach Anerkennung heischend in die Runde.
„Die ganze Zivilisation?“
„Ja!“
„War das nicht furchtbar viel Arbeit?“
„Es war keine übermäßig große Zivilisation.“
„Sind dann nicht welche aus dem Urlaub oder so gekommen und haben sich beschwert?“
„Äh. Nö.“
Einerseits erfasste die lauschenden Götter Bewunderung, andererseits empfanden sie Mitleid.
„Liebling, du hast keine Zivilisation vernichtet. Du hast den Biomüll rausgetragen.“
Wir aber, werte Leserinnen und Leser, wissen, dass es eben doch eine hoffnungsvolle Zivilisation war, die in den Miasmen der Biotonne ihren Untergang fand. Was hätte sie nicht alles leisten können.
Das Gelage
„Es bräuchte mal wieder einen Homer.“
„Weiß nicht. Wenn nichts los ist, bringt der beste Homer nichts.“
„Das ist doch eine rein akademische Ansicht. Ein echter Homer findet das Abenteuer in den kleinsten Dingen.“
„Nenn mir ein Beispiel!“
Die Götter sahen sich nach den kleinsten Dingen um (1). Da gab es eine ganze Menge. Sie hopsten aufgeregt herum, wedelten mit den Armen und riefen „Hier! Ich! Hier!“ Die Götter betrachteten die Menge kleinster Dinge: Olivenkerne, ein kleines schwarzes Plastikteil, eine abgegriffene Münze, vertrocknete Trauben, einen Kronkorken und einen Einkaufswagenchip. Eben das Zeug, welches man unter Hempels Sofa erwartet.
„Wir sollten ein paar klärende Worte an die dienstbaren Geister richten. Offensichtlich wird hier nicht so gründlich gekehrt, wie man meinen möchte.“
Die Menge kleinster Dinge zuckte zurück. Ihre Arme senkten sich frustriert, ihre Rufe verstummten. Sie wollten doch nur die Helden eines Epos sein. Unsterblichkeit erringen durch die Dichtkunst, gefeiert werden von kommenden Generationen, unzählige Schüler plagen.
„Dann gehen wir halt selber auf große Fahrt.“
Aufregung und Aufbruchstimmung erfassten die kleinsten Dinge. Kalliope, Muse der epischen Dichtung, spitzte ihren Bleistift und schlug eine neue Seite ihres Collegeblocks auf. Die anderen Musen sahen ihr neugierig über die Schulter, denn nicht an jedem Tag wird ein neues Epos geboren.
Die kleinsten Dinge bestiegen ein Schiff und segelten davon.
(1) Natürlich geht es noch kleiner. Das hat schon die Atomphysik bewiesen. Aber lassen wir unseren Protagonisten ihre Namensgebung.
„Sing mir, Muse, von den Dingen, den kleinen, den herumliegenden.
Nachdem sie den Gefilden der Götter entflohen,
sahen sie Städte und lernten der Sterblichen Sinn kennen.“
Die restlichen acht Musen murrten. Der Text kam ihnen zu bekannt vor. Sicher, es gab ein paar Modifikationen, aber insgesamt gab es viele Parallelen.
„Nee, Kalliope. So wird das nichts. Du musst einen neuen Stil finden. Geh mal aus dir raus. Sei kreativ. Tu‘ doch endlich was, stiehl Pferde, überfall eine Postkutsche! Wie wär‘s, wenn du wieder zu Spielen anfängst, du warst doch mal ein ganz passabler Falschspieler!“(1)
(1) Ups, unpassendes Zitat.
