Vermutlich kennt der ein oder andere von Euch diese Situation: Eigentlich ist die komplette Handlung durchgeplottet, Ihr seid recht weit mit Eurer Geschichte vorangekommen, Schreibfluss läuft, Ihr wisst Dank Eures Plots auch, wie es weitergeht und trotzdem, trotzdem hängt Ihr irgendwie fest.
Weil die Handlung plötzlich keinen Sinn mehr ergibt, oder doch? Keine Ahnung. Beim plotten war alles logisch und glaubhaft, und mit einem Mal passt das nicht mehr richtig zusammen. Irgendeine Figur hat sich verselbstständigt und anders entwickelt, als sie eigentlich sollte, oder Euch fällt plötzlich eine Unstimmigkeit im Plot auf, oder Ihr habt inzwischen einen Hass auf den ein oder anderen Charakter entwickelt und möchtet ihn am liebsten beseitigen, aber das gibt die Handlung nicht her, oder Euch kam diese geniale Idee, die unbedingt noch in die Geschichte eingebunden werden muss, oder, oder, oder…
Was macht Ihr dann damit? Wie geht es weiter?
mein zweiter Vorname ist ZWEIFEL…und das ständig , wenn ich mal nicht weiterkomme, muss ich andere Sachen machen…eine neue Geschichte anfangen oder rausgehen, das hilft meistens…oft nehme ich auch mein Lieblingsschreibratgeber. (und der einzige)…von Stephen King „Über das Leben und Schreiben“ in die Hand. Ich finde es einfach genial. Er schreibt über seine Kindheit, Jugend und wie er zum Schriftsteller wurde…z.B. hängte in seinem Zimmer ein großer Nagel, an dem er seine Absagen drangehängt hat…und der Nagel war immer voll …will eigentlich sagen, lass dich nicht entmutigen
Ich kenne das von früher. Ich habe zwei Bücher abgebrochen, die hart geplottet waren.
Gar nicht plotten funktioniert für mich zwar, kann aber zur Tor A, B oder C Hemmung führen.
Aktuelle Lösung. Ich plotte nicht mehr so eng. Da der Plot nicht nur aus der Handlung, sondern auch von den Gefühlen der Protagonisten abhängt, kann da vieles passieren. Manchmal braucht es plötzlich mehr Raum. Markiere dir in deinem Plot die wirklich wichtigen Wendepunkte und Meilensteine, und lass dir den Raum die Handlung dazwischen zu ändern. Dann läuft es vielleicht schon bald wieder.
Ohjaaa, das kenn ich auch. Mein erstes größeres Projekt habe ich nach etlichen Kapiteln tatsächlich vor lauter Frust unwiderruflich von der Festplatte gelöscht, weil „den Rotz kann sich ja in hundert Jahren keiner durchlesen!“ Heute ärgert mich das natürlich - die eigene Lernkurve verfolgen zu können motiviert schon extrem.
Lesenswert ist das Buch bestimmt. Ob es für dich als Schreibratgeber geeignet ist (oder überhaupt), das ist sicher strittig.
Steven King schließt sich 3 Monate bei runtergelassenen Rolläden und Heavy-Metal-Musik ein und schreibt in der Zeit sein Buch. Plotten empfindet er als Kreativitätskiller, wenn ich ihn richtig in Erinnerung habe.
Was man sicher von ihm mitnehmen kann: Sich nicht verrückt zu machen. Also sowas in der Art, wie du es gerade brauchst. Aber eine Lösung für dein Problem hat er in dem Buch nicht
Ich selbst gehöre jetzt eher zu denen, die weniger plotten. Ich definiere nur ein paar grobe Punkte.
Was könnte ich dir raten:
Wenn du von deinem Plot abkommst, kann es sein, dass du dich verläufst. Auf der anderen Seite erlebt man seine Geschichte erst, wenn man sie eben erlebt bzw. schreibt. Darum ist es normal, dass man auf einige sachliche Fehler oder Unschönheiten erst aufmerksam wird, wenn man drinsteckt.
Wenn mir eine Figur nicht gefallen hat, hab ich sie mir mal vorgenommen. Ich habe versucht, sie so umzuschreiben, dass sie wieder Spaß macht. Ich habe also nach Charakter gesucht. Manchmal bekam sie eine neue Aufgabe oder ein paar interessante Charakterzüge und etwas Bühne. Vielleicht hilft das.
Ich ziehe mir ein leeres Blatt Papier hervor, schreibe das eine Wort in die Mitte, dass das Kapitel, in dem es stockt am besten beschreibt. Dann kreise ich es ein und beginne zu Doodeln. Man kann es auch als Mind-mappen bezeichnen. Alle weiteren Begriffe, Themen oder Dinge, die mit dem einen Wort in Synergie stehen. Das können Synonyme sein, Gegenteile, Entlehnungen, Verben, Adjektive etc.
Dann habe ich einen ersten Fundus an Dingen, die ich verwenden könnte.
Dann mache ich mir einen Kaffe.
Setze mich wieder an den Schreibtisch, nehme mir einen Schreibblock und versuche mir vorzustellen, wie die Figur mit den Begriffen umgehen würde. Dadurch verknüpfen die sich automatisch zu Handlungen, Konflikte, Lösungen. So können sich weitere Spannende Handlungen ergeben, die mir vorher noch garnicht bekannt waren. Oder ich bekomme eine Eingebung, wie der Plott angepasst werden könnte, das dann den Knoten oder das Problem löst.
Dann könnte es durchaus sein, dass du deine Figur noch nicht richtig kennst. Dann ist sie für dich noch nicht richtig greifbar und der Charakter liegt dir noch nicht greifbar vor.
Da empfiehlt es sich, eine Biografie zu schreiben.
Wie war ihre Vergangenheit. Wie wurde sie beeinflusst. Wo kommt sie her. Wer sind die Vewandten. Schwächen, Stärken, Hobby, Fähigkeiten.
Wenn du möchtest, können wir uns in einer PN über geeignete Lektüre dazu austauschen.
So mache ich das auch. Nennt sich glaube ich Discovery Writing? Ich muss aber auch gestehen, dass ich wenig plotte. Ich habe ein Gerüst, alles dazwischen füllt sich nach und nach mit Leben. Trotzdem hänge ich manchmal fest. Dann können zwei Dinge passieren: Entweder mache ich eine kleine Schreibpause, oder ich schreibe einfach drauf los. Meistens geschieht letzteres.
Und zum Thema Stephen King: ich meine, dass er „Der Marsch“ an einem Wochenende (!) in einem Wohnwagen geschrieben hat
Ich habe auch nur ein grobes Gerüst im Kopf. Ich weiß, wo ich hinwill, und kenne meine Hauptfiguren. Alles andere passiert einfach. Wenn ich feststecke, nehme ich einfach ein gutes Buch und lese. Meistens reicht das schon und es geht weiter.
Liebe Arletta…vielleicht bist du kein Plotter, sondern eher ein Pantser. Probiere es mal aus. Mach dir ein grobes Gerüst und lass es einfach fließen. So hast du mehr kreativen Raum, als wenn du vorher alles festlegst…
Ich kenne das auch. Zwei Roman-MS habe ich bei 20K abgebrochen - weil ich nicht wusste, wohin.
Ansonsten kenne ich bei allen anderen MS, an denen ich gearbeitet habe, incl des aktuellen, diesen Hänger: Langweilig unlogisch unglaubwürdig schlecht geschrieben ich hasse alles ich hör auf. Tu ich aber nicht.
Ich plotte nicht eng. Ich weiß, wohin es gehen soll, wie die Figuren dort ankommen, ist beinahe nur deren Sache. Ich lasse sie von Wegpunkt zu Wegpunkt laufen. Und ja, auch da tauchen die Gedanken auf.
Wenn Du eng geplottet hast, dann hast Du eventuell Ideen, wie es ein bisschen später weitergehen sollte. Schreib da weiter. Entweder die Figur kommt wieder in Deinen Tritt und das Ergebnis gefällt Dir: Dann schreib das fehlende Stück, oder die Figur wird so aufmüpfig, dass Du nichts anderes tun kannst, als ihr zu folgen. Bei mir war das Letztere stets die bessere Lösung. Bedeutete dann Umstellen, Umschreiben des Anfangs etc, aber das machte ich auch erst, wenn ich das Ende erreicht hatte und wusste: Ja, die Version der Figur funktioniert.
Man schreibt nie vergeblich, selbst wenn man das Geschriebene wieder löscht.
Wenn ich an einer Stelle trotz Plot und Ideen absolut nicht weiterkomme, habe ich mich meist in eine Sackgasse manövriert, und zwar fieserweise, ohne es wirklich zu merken.
Mir hilft dann nur, dass ich Szene für Szene zurückgehe, bis sich wieder etwas bewegt. An dieser Stelle setze ich dann an, lösche ganz brutal alles, was ich weiter vorne geschrieben hatte und verändere den Plot ein bisschen. Ich nehme sozusagen eine andere Abzweigung.
Manchmal hilft auch, alles was ich schon weiter vorne hatte, an eine spätere Stelle zu verschieben, in den meisten Fällen muss es aber raus.
Mein letztes Buch habe ich bereits vor Jahren ansatzweise/teilweise geschrieben und dann abgebrochen, eben weil ich in einer Sackgasse gesteckt habe. Vor ein paar Monaten habe ich den Stoff wieder zur Hand genommen und nur die ersten drei oder vier Kapitel als Basis genommen. Plötzlich hat es einen Ruck gegeben und eine neue Geschichte hat sich aufgetan. Kaum acht Wochenspäter war das Ding fertig.