Text »verbessern« weil's Regeln gibt?

Hm…
dann schreib einfach erst mal ne Seite nach Gefühl und guck mal, was am Ende rauskommt. Ob da mehr Show oder Tell vorhanden ist. Vielleicht passt es ja doch schon. Und danach schreib diese Seite einmal um.
Ich glaube, wenn man beide Texte dann nebeneinander liegen hat, sieht man den Unterschied viel besser und bekommt automatisch Übung darin.

Vielleicht hilft euch eine Brücke:
Show entsteht aus Wahrnehmung, Emotion, Reaktion, Atmosphäre, Körpergefühl, inneren Erleben… halt… intuitiv.
Schreibt man aus einer Figur heraus, also versetzt ihr euch in die Figur, macht man meistens ganz automatisch Show.

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In dem Moment verschwamm die Realität…

  • Dieser Satz ist noch immer Show, denn es bezieht sich auf innere Wahrnehmung.

Der einzige Satz der Tell ist, lautet: Wie sehr ich sie liebte.
Alles andere ist Show.
Weil: Innenperspektive, Wahrnehmung, Körpergefühl, Handlung.
In dem Fall ist es ihre innere Wahrnehmung die verschwimmt, also ist es Show weil sie beschreibt, wie es sich anfühlt, nicht was es bedeutet.

Außerdem habe ich die Szene an dieser Stelle bewusst auslaufen lassen.
Wenn ich weiter in Show geblieben wäre, wäre die Darstellung schnell zu explizit geworden, und das wollte ich vermeiden.
Gerade in intensiven Momenten ist es oft sinnvoll, die Wahrnehmung der Figur zu verengen oder zu abstrahieren, um die Grenze zu halten, ohne den emotionalen Fluss zu brechen. Das ist echt nicht leicht.

Du zeigst hier eben genau nicht, wie es sich für sie anfühlt, du versetzt dich nicht in die Figur, es ist nicht ihre persönliche Wahrnehmung u.s.w. aus sich selbst heraus, sondern plötzlich ihre distanzierte Sicht von außen, leider in einen ziemlich abgedroschenen Allgemeinplatz gefasst.

Man würde in so einem Moment nicht denken, ‚oh, die Realität verschwimmt‘, sondern eher etwas wie ‚ich wußte nicht mehr, was eigentlich Sache war, und es war mir in diesem Moment auch völlig egal.‘

Hier Dasselbe. Welche Empfindungen? Welcher Mensch, der gerade eine intensive Liebesszene erlebt, würde sich so ausdrücken?
Du beschreibst etwas, lässt es den Leser aber nicht miterleben.

Du verwendest hier Floskeln, wie man sie in zig anderen Werken dieses Genres findet. Deswegen lesen sie sich austauschbar und (zumindest in meinen Augen) auch etwas schwülstig.
Gerade die Art, wie man Lust und Liebe erlebt, ist ja etwas höchst Individuelles (man kann es auch ausdrücken, ohne dass es zu explizit wird), aber wenn man das mit irgendwelchen Allgemeinplätzen abhandelt, bleibt die Persönlichkeit der Figur zwangsläufig auf der Strecke und die Sache bekommt einen beschreibenden, keinen erlebten Charakter.

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Wir drehen mal die Uhr um einen Tag zurück :beers:

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Endlich Wochenende. :innocent: :sunflower:

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Also seitdem ich erst meine Worte wohlgewählt und ganz nach meinem Gusto auf den Bildschirm brenne, dabei zuerst auf meine Stimme höre und erst später über Regeln nachdenke, klappt es recht passabel.
Die meisten Kniffe und sprachlichen Regeln befolgt man ja eh unbewusst, gar intuitiv.

Danke :slight_smile:

Ich glaube auch, man sollte sich nicht so auf die Regeln versteifen. (Es sind Werkzeuge, keine Ketten die einen Fesseln sollen)

Man sollte nach seinem Gefühl arbeiten und erst einmal in einen Flow kommen. Nichts muss direkt super sein. Warum auch? Ihr habt doch Zeit.
Und wenn ihr einem Teil erst einmal nur ein Grundgerüst gebt, euch dann daran heranhangelt und dann den Stil verfeinert ist es doch auch in Ordnung. Lasst die Storys erst mal wachsen. Ob ihr sie dann noch 4 oder 5 Mal anpacken müsst, spielt keine Rolle. Lasst sie wachsen.
Und um wirklich rund zu sein, braucht eine Geschichte beide Seiten. Sowohl Show als auch Tell.

Wie man das erreicht, so hat jeder seinen eigenen Stil zu schreiben. Und das ist doch auch in Ordnung.
Ich könnte nicht ein Kapitel schreiben und es zig mal überarbeiten bis es perfekt ist, weil es mich persönlich aus dem Rest der Story werfen würde. Andere schreiben aber genau so.
Es gibt keinen perfekten Weg, weil wir alle Individuen sind und unterschiedlich arbeiten. Versteift euch nicht auf Regeln, sondern lasst euch von euerer Intuition leiten. Feinheiten kommen dann später dazu.

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